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Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Definitionen
3 Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen
3.1 Geschlechtsspezifische Unterschiede
3.2 Ursachen geschlechtsspezifischer Unterschiede
4 Lehrerinnen und Lehrer
4.1 Verunsicherung von Lehrkräften
4.2 Schwierigkeiten für die Praxis
5 Geschlechtssensibler Sportunterricht
5.1 Ziele der reflexiven Koedukation
5.2 Konsequenzen für die Schulpraxis
6 Praktische Beispiele
6.1 Ballsportarten
6.2 Kampfsportarten
6.3 Tanzen
7 Zusammenfassung
Literaturverzeichnis
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1 Einleitung
In Deutschland begann in den 60er Jahren eine Reform des Bildungswesens, da man erkannte, dass ein Bildungsnotstand herrschte. Die technische Entwicklung forderte nicht nur eine Anhebung des Bildungsniveaus, sondern auch qualifizierte Ausbildungen für Frauen und die Integration der Frauen in den Arbeitsprozess (www.wissen.de). Die Koedukation wurde nach einer fast einhundertjährigen Debatte, in der die Entfaltungsmöglichkeiten der Kinder oft hinter den Interessen der Erwachsenen stand, in den 60er Jahren bindend und fächerübergreifend in den westlichen Bundesländern eingeführt (Voss, 2002, S. 61). Lange galt diese Maßnahme nur als strukturelle Veränderung zur Gleichstellung der Mädchen im Bildungssystem und nicht als pädagogisches Konzept, das das Schulwesen qualitativ verbessern sollte. Auch in den 70er und 80er Jahren wurde durch einen noch immer unreflektierten koedukativen Unterricht die Förderung einer allseitigen Entwicklung von Mädchen und Jungen verhindert und die Geschlechterrollen wurden verstärkt (Landesinstitut für Schule und Weiterbildung, 2001, S. 5). Durch die feministische Frauen- und Geschlechterforschung, die die Benachteiligung der Mädchen durch koedukativen Unterricht ohne pädagogisches Konzept betonte, wurde die Auseinandersetzung mit der Koedukation vor ca. 20 Jahren wieder aufgenommen (Wolters, 2002, S. 31). Seit vielen Jahren wird der koedukative Unterricht intensiv diskutiert, kritisch überprüft und qualitativ weiterentwickelt.
Die reflexive Koedukation ist seit 1995 unverzichtbar, um das gleichberechtigte Miteinander von Mädchen und Jungen im Sportunterricht und die Entwicklung beider Geschlechter in ihren Spiel-, Sport- und Bewegungsmöglichkeiten zu fördern. (Landesinstitut für Schule und Weiterbildung, 2001, S. 5)
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2 Definitionen Koinstruktion:
Koinstruktion ist das „gemeinsame Nebeneinander von Mädchen und Jungen im Unterricht“ (Voss, 2002, S. 62).
Koinstruktion ist die „organisatorische Zusammenlegung von Jungen und Mädchen im Sport“; ein „unreflektiertes gemeinsames Unterrichten von Jungen und Mädchen, ohne Berücksichtigung dessen, dass Jungen und Mädchen unterschiedliche Vorerfahrungen in Sport haben“ (www.uni-bielefeld.de). Koedukation:
„(Koedukativer Sportunterricht ist…) ein Unterricht, in dem Jungen und Mädchen als gleichberechtigt und gleichgestellt gelten und lernen sollen, selbständig und selbstbestimmt sportlich zu handeln.“ (Kugelmann, 1980, 10, zit. nach Bertrams, 2004, S. 203). Sportunterricht:
Sportunterricht ist das Angebot der Schule an alle Schülerinnen und Schüler, sich zu bewegen und sportlich zu betätigen. Sportunterricht als schulische Veranstaltung hat darüber hinaus aber auch einen pädagogischen Auftrag. Er soll zum Beispiel den Lernenden die Kultur von Bewegung, Spiel und Sport nahe bringen, sie zur Teilnahme an und Mitgestaltung von außerschulischen Sportangeboten befähigen und motivieren, zur körperlichen Ertüchtigung beitragen und zur gesunden Lebensführung anregen. Er soll aber auch die Persönlichkeitsentwicklung der Heranwachsenden durch das Medium des „Sich-Bewegens“ fördern. (Kugelmann, 2002, S. 11)
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3 Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen
3.1 Geschlechtsspezifische Unterschiede
Mädchen und Jungen zeigen Unterschiede in den geschlechtsspezifischen Raum- und Bewegungserfahrungen auf, was sich auf die Körper-, Bewegungs- und Sportentwicklung auswirkt.
Jungen beispielsweise nehmen gerne und häufig öffentliche Räume wie Spielplätze, Gärten, Sporthallen, Baustellen, Hinterhöfe, … ein, erobern, erkunden und erforschen diese Räume und Gegenstände spielerisch (Landesinstitut für Schule und Weiterbildung, 2001, S. 9). Sie sind geprägt von dem Überlegenheitsimperativ, dem gesellschaftlichen Männlichkeitszwang, und überschätzen oft die eigene Leistung (Kugelmann, 2002, S. 18). Mädchen hingegen wählen meist kleine und überschaubare Plätze zum Spielen, die in der Nähe des Hauses und von Bezugspersonen, an denen sie sich orientieren, liegen (Landesinstitut für Schule und Weiterbildung, 2001, S. 9). Sie verhalten sich im Sportunterricht zurückhaltend und unauffällig, gehen Jungen aus dem Weg, wenn diese spielen, indem sie sich an den Spielfeldrand setzen, ziehen sich in gemischten Sportspielen häufig zurück und unterschätzen oft die eigene Leistung aus Angst vor Blamage (Wurzel, 2004, S. 201).
Jungen und Mädchen unterscheiden sich bezüglich der Nutzung von Sportvereinen, Spiel-und Bewegungsräumen, bezüglich des Leistungsniveaus, der Interessen, der Erwartungen an den Sportunterricht und bezüglich der Verhaltensmuster. Hinzu kommen noch die unterschiedlichen Vorerfahrungen jedes einzelnen Kindes. (Landesinstitut für Schule und Weiterbildung, 2001, S. 9; Kugelmann, 2002, S. 11)
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3.2 Ursachen geschlechtsspezifischer Unterschiede Genetische bzw. biologische Ursachen
Instinkte, intuitives Wissen und angeborenes Verhalten haben ihren Ursprung hauptsächlich in der Genetik, in Zelldifferenzierungen und in Verknüpfungen von Nervenzellen während der Embryonalentwicklung. Das Verhalten und die Persönlichkeit des Kindes sind genetisch vorprogrammiert und werden von dem mütterlichen Verhalten während der Schwangerschaft, wie z.B. Ernährung, Stress, Reden mit dem ungeborenen Kind, … aber auch vom Geburtsstress beeinflusst. (http://dr.s.schaefer.bei.t-online.de) Umweltbezogene Ursachen:
Kinder erhalten aus ihrer Umwelt eine Vielzahl von äußeren Informationen, die ihre Persönlichkeit, ihre Gewohnheiten, ihr Verhalten, ihr Wissen, … beeinflussen (http://dr.s.schaefer.bei.t-online.de).
Die Erziehung ist ein bedeutender Aspekt diesbezüglich. Beispielsweise werden Jungen weniger behütet als Mädchen und weniger zu Einfühlungsvermögen und Anpassung erzogen. In den Medien werden geschlechtstypische Klischees vermittelt, die Umwelt ermuntert die Kinder zu geschlechtsspezifischen sportlichen Aktivitäten und auch in Schule und Verein werden diese Vorerfahrungen der Kinder bekräftigt, anstatt sie abzubauen. Beide Geschlechter orientieren sich an Vorbildern wie Mutter, Vater, Geschwister, … und an deren Umgang mit dem Körper und dem Umfeld. (Landesinstitut für Schule und Weiterbildung, 2001, S. 10)
Auf Grund dieser vielfältigen Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen und verschiedener Faktoren, die Verunsicherungen hervorrufen, ergeben sich für die Lehrerinnen und Lehrer gewisse Schwierigkeiten für den Sportunterricht.
Arbeit zitieren:
Sabrina Kläs, 2005, Jungen und Mädchen im Grundschulsport, München, GRIN Verlag GmbH
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