Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. DAS SMITH’SCHE KONZEPT DER ARBEITSTEILUNG
2.1 Hintergrund
2.2 Voraussetzungen für Arbeitsteilung
2.3 Formen der Arbeitsteilung
2.4 Vorteile der Arbeitsteilung
2.5 Herausforderungen der Arbeitsteilung
3. ARBEITSTEILUNG IN KLINIKEN
3.1 Ausgangslage der Kliniken als Dienstleister
3.2 Arbeitsteilung: Spezialisierung auf Geschäftsbereiche
3.3 Arbeitsteilung: Spezialisierung auf Patienten
3.4 Ein Beispiel
4. GRENZEN DER ARBEITSTEILUNG VON KLINIKEN
4.1 Sind alle notwendigen Voraussetzungen gegeben?
4.2 Sind alle Voraussetzungen zu überwinden?
5. FAZIT AUSBLICK
Anhang
Literaturverzeichnis
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1. EINLEITUNG
Die Finanzsituation der Kliniken ist dramatisch: vor der Pleite sind viele nur noch zu retten durch Hilfe von Außen. Der einzige Ausweg heißt heute, die Wirtschaftlichkeit zu verbessern. Auf der Kostenseite müssen Effizienzen erreicht, auf der Erlösseite die Einnahmen stabilisiert werden. Die Erhöhung der Fallzahlen durch Spezialisierung auf bestimmte Behandlungen kann hier doppelt zielführend sein und ist daher als Königsweg akzeptiert: einerseits sinken die Durchschnittskosten mit jedem zusätzlichen Patienten, andererseits belebt eine Spezialisierung und die damit implizierte Qualitätsverbesserung den Zustrom an Patienten. Spezialisierung, das ist mehr Feststellung als These, scheint ein unumgänglicher Weg für viele Kliniken - und impliziert immer Arbeitsteilung, Koordination und -Integration.
Ziel meiner Ausarbeitung ist es, in groben Zügen das Prinzip und die Vorraussetzungen der von Adam Smith „entdeckten“ Arbeitsteilung zu erläutern und beides am Kliniksektor zu prüfen. Zudem möchte ich Begrenzungsfaktoren für Spezialisierung und damit Arbeitsteilung im Krankenhauswesen identifizieren und die Grenzen für die gerade in Schwung kommende Spezialisierungswelle abzuschätzen versuchen.
Diesem Ziel folgt auch der Aufbau der Arbeit: zunächst wird das Smith’sche Konzept erläutert (Kapitel 2), anschließend das theoretische Fundament der Arbeitsteilung auf den Kliniksektor übertragen (Kapitel 3), bevor in die Begrenzungsfaktoren für Spezialisierung thematisiert werden (Kapitel 4). Im abschließenden Fazit möchte ich Grenzen und Entwicklung der Spezialisierung im Kliniksektor abzuschätzen versuchen.
Der Begriff der Klinik ist dem des Krankenhauses (analog zur gängigen Literatur) synonym verwendet. Eine weitere Differenzierung beispielsweise nach Sektoren, Größenklassen etc. ist im Kontext der Untersuchung nicht zielführend, da die Besonderheiten ihre Begründung in der medizinischen Leistungserbringung 1 finden - nicht im Organisationsmodell. Diese Arbeit fokussiert entsprechend den medizinischen Leistungsprozess der Krankenhäuser und weniger komplementäre Prozesse wie Verwaltung oder Facility Management - ohne jedoch eine holistische Betrachtung der „Organisation Krankenhaus“ außer Acht zu lassen.
1 Dieser Fokus erscheint unproblematisch, betrachtet man die Dominanz medizinischer Leistungen bezüglich Personal- und
Sachkosten: 82% der Personalkosten und 47% der Kosten (insgesamt: 70%) sind direkt mit der Erbringung medizinischer Leistungen
verbunden (vgl. dazu Abb. 1, im Anhang).
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2. DAS SMITH’SCHE KONZEPT DER ARBEITSTEILUNG 2,1 Hintergrund
Adam Smith verfasste seine Schriften zur Arbeitsteilung in den Jahren 1775 und 76, zu einer Zeit, in der die Wirtschaften von den gegensätzlichen Ideen von Merkantilismus 2 und Physiokratismus 3 geprägt wurde. Während Physiokraten zwar Freihandel forderten, jedoch - trotz erkennbar zunehmender Industrialisierung - einzig Rohstoffe und Landwirtschaft als Wohlstandsquelle sahen, versuchten die Merkantillisten die Lenkung der Wirtschaft durch den Staat zu maximieren und u. a. den Handel durch Zölle einzuschränken bzw. zu (vermeintlichen) Gunsten des eigenen Landes zu steuern.
Smith’s Gedanken im „Wohlstand der Nationen“ 4 - Grundlagen unserer klassischen Volkswirtschaftslehre - antiquierten gewissermaßen beide damaligen aktuellen Wirtschafstheorien; erstens sah Smith den freien inneren und internationalen (Güter)Verkehr für die zweckmäßige örtliche und zeitliche Verteilung von Kräften und Mitteln sowie den Ausgleich von Preisen und Gewinnen verantwortlich, zweitens sah er in ihm auch die beste Förderung des Gemeinwohls. Seine Gedanken beispielsweise zur Verteilung von Kräften und Mitteln (=Arbeitsteilung) setzten auf den Beobachtungen seiner Zeit auf: je größer die Manufakturen waren, desto höher der Grad an Arbeitsteilung; je stärker diese Arbeitsteilung, desto produktiver waren die Manufakturen. Auf das berühmte Stecknadelbeispiel sei an dieser Stelle verwiesen.
2.2 Voraussetzungen von Arbeitsteilung
Arbeitsteilung kann - ganz allgemein gesprochen - nur umgesetzt werden, wenn die zunächst geteilte Arbeit in ihren Teilprozessen koordiniert und anschließend integriert werden kann. Übliches Koordinationsinstrument und Voraussetzung dafür ist ein funktionierender Markt, welcher wiederum Handel impliziert. Handel kann und wird nur stattfinden, wenn
〉 die Produkte oder Dienstleistungen handelbar sind,
〉 ein ausreichend großer Abnehmermarkt (für die neue, nun gestiegene Outputmenge) besteht und
〉 die durch Koordination und Integration gefährdete Effizienz muss gewährleistet sein, deren Kosten (Logistik, Kommunikation etc.) dürfen den Produktivitätsvorteil nicht überkompensieren. Diese hängen jedoch in hohem Maße von der Beschaffenheit/ Handelbarkeit der Produkte oder Dienstleistungen sowie vom Funktionieren des Marktes ab.
2 Merkantilismus als Sammelsurium verschiedener wirtschaftspolitischer Ideen verfolgt vor allem das Ziel, eine positive
Handelsbilanz zu erlangen, d. h. Importe durch Zölle zu hemmen und Exporte zu unterstützen.
3 Physiokratismus, aus dem Gr., „Herrschaft der Natur“, Auffassung, dass der Volkswohlstand rein auf Rohstoffen und der
Landwirtschaft im eigenen Land beruht. Eine wichtige Forderung war Freihandel.
4 Originaltitel: An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations.
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2.3 Formen der Arbeitsteilung
Entsprechend der in 2.2 genannten Vorraussetzungen entstand Arbeitsteilung mit dem Anfang vom Ende der Naturalwirtschaft. Ein wesentliches Hemmnis für Arbeitsteilung war damals jedoch noch das Wissen, welches i. d. R. innerhalb bestimmter Zirkel (z. B. Familien 5 ) eingeschlossen war. Mit ersten Verbesserungen der Mobilität diffundierte spezielles Wissen, verbreitete sich und ermöglichte das gemeinsame Arbeiten an einem Produkt. Durch wachsende Mobilität und Transportmöglichkeiten wurde eine zweite Vorraussetzung erfüllt: die des Tauschens. Mit dem Fortschreiten dieser beiden Entwicklungen entwickelten sich bis heute verschiedene Formen der Arbeitsteilung. Nach Bücher 6 lassen sich verschiedene Formen der Arbeitsteilung wie folgt differenzieren:
〉 die geschlechtliche Arbeitsteilung, das heißt die Aufteilung verschiedener Arbeiten zwischen Mann und Frau 7 ;
〉 die regionale Arbeitsteilung, d. h. die Spezialisierung einzelner Regionen auf die Produktion bestimmter Güter und Dienstleistungen.
〉 die internationale Arbeitsteilung, d. h. die Spezialisierung einzelner Nationen auf die Produktion bestimmter Güter und Dienstleistungen.
〉 die Berufsbildung, d. h. die Spezialisierung von Produzenten und Produktionsstätten auf die Produktion bestimmter Arten von Gütern und Dienstleistungen.
〉 die Berufsspaltung, d. h. die weitergehende Spezialisierung innerhalb von bestehenden Berufs-oder Gewerbegruppen auf Unterarten von Gütern und Dienstleistungen.
〉 die Arbeitszerlegung, d. h. die Aufteilung eines einzelnen Produktionsprozesses in verschiedene Teilprozesse, die innerhalb einer einzelnen Produktionsstätte von spezialisierten Arbeitskräften wahrgenommen werden.
〉 die Produktionsteilung, d. h. die Aufteilung eines Produktionsprozesses in verschiedene Teilprozesse, die in verschiedenen (wirtschaftlich selbständigen oder unselbständigen) Produktionsstätten ausgeführt werden.
Mir erscheint in Büchers Untergliederung eine wichtige Unterscheidung sinnvoll zu sein, einerseits nach dem Grad der Ausdifferenzierung des Arbeitsprozesses, andererseits nach der Reichweite. Zudem lassen sich seine Kategorien auch in volkswirtschaftliche, soziale und betriebliche Arbeitsteilung einteilen. Folgende Grafik beide Kategorisierungen veranschaulichend übereinander legen:
5 Ein Schmid wurde man, weil der Vater die Fähigkeiten weitergegeben hatte.
6 Karl Bücher, vgl. Bücher (Entstehung der Volkswirtschaft).
7 In einer industrialisierten Gesellschaft handelt es sich hier grob um die Teilung zwischen reproduktiven Aufgaben, welche den
Frauen zufallen und produktiven Aufgaben, die den Männern zufallen.
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Arbeit zitieren:
Florian Jansen, 2006, Arbeitsteilung und Spezialisierung im Krankenhauswesen, München, GRIN Verlag GmbH
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