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Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis______________________________________________ 1
2. Der Bedarf an Pflegeberatung durch steigende Pflegebedürftigkeit 4
3. Probleme der pflegenden Angehörigen 6
3 . 1 Objektive Probleme 6
3.1.1 Rollenkonflikt 6
3.1.2 Angst 7
3.1.3 Depression 7
3.1.4 Aggression/ Gewalt/Misshandlung 8
3.1.5 Stress/Burn-Out 9
3.1.6 Materielle Probleme 10
3.1.7 Zeitliche Probleme 10
3.2 Subjektive Probleme 11
3.3 Strukturelle Probleme 11
3.3.1 Mangelnde pflegerische Qualifikation 12
3.3.2 Organisationsprobleme 12
3.3.3 Unzureichende Ausstattung 12
3.3.4 Rückzug aus dem Berufsleben 13
4. Beratung 14
4.1 Beratungsbegriff 14
4.2 Beratung versus (Psycho ) therapie 15
4.3 Beratung in der Pflege 16
4.4 Soziale Konstellationen von Beratung in der Pflege 16
4.4.1 Einzelberatung 17
4.4.2 Gruppenberatung 17
4.4.3 Beratung von Selbsthilfegruppen 18
2
5. Beratungsstelle 20
5.1 Einrichtung und Beratungsräume 20
5.2 Personelle Ausstattung 21
5.3 Pflegetheoretische Grundlagen und Einflüsse 22
5.3.1 Die Theorie von Orem 22
5.3.2 Das konzeptuelle Modell der ganzheitlich-fördernden Prozesspflege von Monika
Krohwinkel 24
5.4 Integrativer Beratungsansatz 25
5.4.1 Beratungsansätze 25
5.4.2 Stufen der Integrativen Beratung 28
5.4.3 Beratung als Lernprozess 29
5.5 Konkretisierte Aufgaben und Ziele der Beratungsstelle 30
5.6 Anforderungen an die Berater 32
5.7 Qualitätskriterien für die Beratung pflegender Angehöriger 33
6. Fazit 36
7. Bibliographie 39
Innerhalb der Disziplin der Pflege gewinnt das Feld der Beratung zunehmend an Bedeutung. Unbewusst wird Beratung schon immer von den Pflegenden 1 im Rahmen ihrer täglichen Arbeit durchgeführt. Dies geschieht meist in Form der Weitergabe von Informationen und der Anleitung im Bezug auf pflegepraktische Tätigkeiten. Ein professionelles Verständnis von Beratung durch Pflegefachkräfte ist derzeit noch nicht hinreichend entwickelt bzw. befindet sich noch in den Anfängen des Entwicklungsprozesses.
Durch die demographische Entwicklung und die damit verbundene steigende Anzahl von Pflegebedürftigen im häuslichen Umfeld entsteht in diesem Bereich ein zunehmender Bedarf an Beratung. Da es hier um die Gewährleitung der Pflege im häuslichen Bereich geht, ist die Berufsgruppe der Pflegenden in diesem Zusammenhang gefordert, um die entstehenden komplexen Problemsituationen professionell und gemeinsam mit den Betroffenen zu bearbeiten und nach Lösungen zu suchen. Zwar wurden in der Vergangenheit diverse Unterstützungsmöglichkeiten angeboten, diese beschränken sich jedoch auf Schulungsprogramme und Beratung in finanziellen/rechtlichen Fragen. Eine prozesshafte und somit förderliche Beratung kann durch den begrenzten gesetzlichen Spielraum nach § 37 (3) SGB XI nicht realisiert werden. (siehe unten) Pflegende Angehörige 2 finden demnach nur unzureichend Unterstützung.
Aus diesem Grund befasst sich diese Arbeit in den ersten Kapiteln mit den speziellen Problemlagen und Konflikten, denen pflegende Angehörige ausgesetzt sein können. Da auf pflegerischer Seite bisher so gut wie kein Beratungsangebot für pflegende Angehörige existiert, wird in dieser Arbeit ein theoretisches Konzept für eine Beratungsstelle für pflegende Angehörige dargelegt und erörtert. Diese theoretische Konzeption beansprucht nicht die vollständige Erarbeitung wie sie im Rahmen eines geförderten Modellprojektes möglich wäre, sondern stellt erste Überlegungen und Anregungen zur Weiterarbeit dar.
Pflegebedürftigkeit
Mit der Einführung der Pflegeversicherung im Jahr 1995 wurde auf die, aufgrund der demographischen Entwicklung, zunehmenden Zahl von Pflegebedürftigen und die daraus resultierenden Finanzierungsschwierigkeiten reagiert. Die Pflegeversicherung setzt sich zusammen aus der sozialen Pflegepflichtversicherung und der privaten Pflegepflichtversicherung. Im ersten Quartal 2006 bezogen ca. 2,05 Millionen Menschen Leistungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung.
Nach Voraussagen der Rürup-Kommision wird diese Zahl bis zum Jahr 2030 auf ca. 3,09 Millionen ansteigen. Die Mehrzahl (1,38 Millionen) der Pflegebedürftigen erhält Leistungen für die ambulante Versorgung. 3 Die Pflegegeldleistungen bilden hier, nach den Ausgaben für vollstationäre Pflege, mit 4,1 Milliarden Euro im Jahre 2003 den größten Ausgabenposten. 4 Diese Pflegegeldleistungen, also die Pflege durch Angehörige im häuslichen Umfeld, ist mit fünfzig Prozent derzeit die häufigste Versorgungsform. 5
Für Pflegegeldempfänger ist derzeit im Pflegeversicherungsgesetz zur Sicherung der Qualität der häuslichen Pflege ein Pflegeeinsatz zur regelmäßigen Hilfestellung und Beratung der pflegenden Angehörigen verpflichtend vorgesehen. Die Beratung soll durch professionelle Pflegefachkräfte übernommen werden. Diese gesetzliche Festschreibung der Pflegeberatung dokumentiert von politischer Seite her die Einsicht in die Notwendigkeit einer Beratung pflegender Angehöriger. Der Gesetzgeber hat jedoch mit seinen Rahmenbedingungen eine qualifizierte, professionelle Pflegeberatung unmöglich gemacht.
5
Zum Beispiel ist in Niedersachsen für den Pflegeeinsatz nach §37 ein Satz von 15,65 € (Pflegestufe I und II) bzw. 20,60 € (Pflegestufe III) vorgesehen, der auch noch von den Pflegegeldempfängern selbst zu tragen ist. 6 Für Einrichtungen des Gesundheitswesens und auch ambulanten Pflegedienste wird eine qualitätsgesicherte und wirtschaftliche Arbeitsweise gesetzlich
vorgeschrieben. Wie man bei solchen Vergütungssätzen, wie in unserem Fall, wirtschaftlich und qualitativ hochwertig, also auch nicht defizitär, arbeiten soll bleibt offen.
Pflegende Angehörige werden durch ihre Aufgabe einer Reihe von Problemen und Belastungen ausgesetzt, die sehr unterschiedlich gestaltet sein können und deren Ausmaß und Bewältigung daher individuell verschieden sind. Familienmitglieder, die sich zur meist unentgeltlichen Übernahme der häuslichen Pflege bereit erklären, sei es aus Liebe, Mitgefühl, Verpflichtung oder vielleicht aus pekuniären Gründen, ahnen nicht selten, was auf sie zukommt. Die Pflege kostet viel Kraft und ist sehr häufig mit unzähligen und auch heftigen Emotionen und Belastungen verbunden. Da die Belastungen für die (meist weiblichen) pflegenden Familienangehörigen nicht unerheblich sind, soll im Folgenden eine Auswahl von Problemen kurz dargestellt werden. Die Differenzierung erfolgt in ausgewählte objektive, subjektive und strukturelle Belastungsprobleme.
3. 1 Objektive Probleme
Zu den objektiven Problemen, die sich aus der Pflege ergeben, gehören die verschiedenen psychischen Belastungen, wie der Rollenkonflikt der Pflegenden, Angst, Depression, Stress bis hin zum Burn-Out, der als mögliches „Endergebnis“ auch zu den physischen Problemen zählt. Weiter kann man materielle wie auch zeitliche Belastungen zu den objektiven Problemen hinzufügen, die sich nach Hedkte-Becker „durch dem Umfang der Pflege, den Grad der Betreuungsbedürftigkeit des kranken Menschen und die Rollen und Aufgaben der pflegenden Person, die sie zusätzlich zur Pflege wahrnehmen muss“ 7 , zusammenfassen lassen.
3.1.1 Rollenkonflikt
Durch Übernahme der Pflege eines Angehörigen kommt es zu einer „Veränderung der Rollen, Verantwortlichkeiten und Erwartungen“ 8 innerhalb des bisherigen Gefüges. Neben der bisherigen Rolle mit ihren entsprechenden
7
Aufgaben, kommt nun ein neuer, vielleicht völlig fremder Part hinzu. Die Identifikation und die Übernahme der damit verbundenen Pflichten stellt oft eine fast unüberwindbare Hürde dar. Denn unter Umständen muss eine komplette Umstellung des bisherigen Verhaltens gegenüber des zu Pflegenden erfolgen. Plötzlich sieht sich die Tochter in der Mutterrolle, die sie gegenüber der eigenen Mutter einnehmen muss. Oder der Ehegatte ist aufgrund seiner Erkrankung nicht mehr in seiner gleichwertigen Rolle als Partner und wird von seiner Frau „bemuttert“ und versorgt. Erschwerend kann hinzukommen, dass der zu pflegende Angehörige sich (vielleicht aufgrund von Demenz) im Wesen so stark verändert, dass ein Widererkennen nicht möglich ist und somit auch keine Kommunikation über das veränderte Rollenverhalten erfolgen kann. Und somit bleiben eventuell auch aufkeimende oder schon bestehende Schuldgefühle unausgesprochen und wirken sich negativ auf die Pflegesituation aus.
3.1.2 Angst
„Angst ist eine Grundbefindlichkeit des Menschen“ 9 und kommt daher in verschiedensten Situationen vor. Ein gewisses Angstgefühl begleitet pflegende Angehörige stetig. Sei es die Angst vor der Zukunft, wie es weiter gehen soll, sei es Angst, einen Fehler zu machen, Angst vor Überforderung oder Versagen, Angst vor dem zu pflegenden Angehörigen, seiner Krankheit, den damit verbundenen Aufgaben oder dem veränderten Verhalten, sei es das eigene oder das des „Patienten“. Die Angst ist so vielschichtig und unterschiedlich stark ausgeprägt, dass regelrechte Angstzustände den Pflegenden überfallen können.
3.1.3 Depression
Als pflegender Angehöriger wird man mit einer Vielzahl von Gefühlen konfrontiert, die sich durch die Pflegesituation ergeben. Aber leider sind positive Gefühle (Glücksgefühle?) über die vollbrachte Arbeit oder den zufriedenen gepflegten Angehörigen seltener als negative Gefühle und Missstimmungen.
9 Haupt (1997), S. 364
8
Neben Ärger, Kummer oder sogar Trauer über die Krankheit oder den geistigen Abbau des zu Pflegenden, kann es aber auch, gerade bei sehr langfristiger Pflege, zur Manifestation einer Depression kommen. Angst und nicht bewältigter Rollenkonflikt können hier noch verstärkend wirken. Das Gefühl der Niedergeschlagenheit begleitet den pflegenden Angehörigen ständig, genauso wollen Lustlosigkeit oder Entmutigung nicht mehr weichen. Erste Symptome zeigen sich häufig in Appetitlosigkeit, nervösen oder leicht reizbaren Verhalten der Pflegeperson. Bei einer „Rund-um-Pflege“ kann noch Schlaflosigkeit hinzukommen, die entweder das depressive Verhalten noch verstärkt oder im umgekehrten Fall als Mitauslöser zu sehen ist. Als weitere Symptome können noch Herz- und Atembeschwerden, Störungen der Verdauungsorgane und Störungen im Bereich des Unterleibes und der Genitalorgane dazukommen. 10 Das depressive Verhalten kann im
schlimmsten Fall auch zum Selbstmord führen, der als einziger Ausweg aus der bedrückenden Situation, in der die eigene Hilflosigkeit und Überforderung kumuliert. 11
3.1.4 Aggression/ Gewalt/Misshandlung
Durch auftretenden Rollenkonflikt, Überlastung, Hilflosigkeit und Angst werden von den Pflegenden Mechanismen gesucht, um die Situation erträglicher zu gestalten und die Überforderung abzuwehren. Da in vielen Fällen aber eine professionelle Hilfe (Beratung, Begleitung und Stützung) nicht in Anspruch genommen wird oder nicht genommen werden kann, muss der pflegende Angehörige allein mit seinen Problemen und Belastungen zu Recht kommen. Entsetzt stellen dann Angehörige fest, dass sie in vielen Situationen plötzlich nicht nur gereizt, sondern aggressiv und teilweise auch gewalttätig reagieren. Neben der körperlichen Misshandlung, wie Kneifen, „hartes Anpacken“, Schlagen oder auch Immobilisieren bis hin zur übermäßigen Verabreichung von Medikamenten, finden sich vermehrt die sogenannten psychischen Misshandlungen.
Quote paper:
Diplom-Pflegepädagogin (FH) Andrea-Eva Schwarz, Ulrike Natour, 2006, Beratung von pflegenden Angehörigen, Munich, GRIN Publishing GmbH
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