Thema: Diversity Management
1 Einleitung 1
2 Homosexuelle als mariginalisierte Gruppe 2
2.1 Das Definitionsproblem von „Homosexualität“ 2
2.2 Homosexualität als soziales Konstrukt 5
3 Kategorisierungen von Lesben und Schwulen 6
3.1 Stereotypen und Vorurteile - eine Begriffsklärung 6
3.2 Stereotypisierungen von Schwulen und Lesben 7
3.3 Die gesellschaftliche Stigmatisierung von Homosexuellen 8
3.4 Lesben und Schwule - ihre Gemeinsamkeiten und Unterschiede 10
4 Homosexuelle Personen in der Arbeitswelt 11
4.1 Objektive statistische Daten 11
4.2 Arbeitsbedingungen und Arbeitssituation 12
5 Geschichtlicher Überblick 15
5.1 Historische Hintergründe 15
5.2 Entstehung und Abschaffung des § 175 StGB 15
6 Aktuelle Richtlinien, Gesetze und Tendenzen 17 6.1 Begriffsbestimmung 17 6.2 Internationale Ebene 18
6.2.1 Die EU-Richtlinie 2000/43/EG des Rates 19
6.2.2 Die EU-Richtlinie 2000/78/EG des Rates 19 6.3 Nationale Ebene 20
6.3.1 Das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) 21
6.3.2 Das Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) 22
2
6.4 Landesebene 22 6.5 Betriebsebene 23
6.5.1 Die Betriebs- und die Dienstvereinbarung 23 6.5.2 Leitfäden 24
7 Managing Diversity im Allgemeinen 25 7.1 Begriffsbestimmungen 25 7.1.1 Definition Diversity 25
7.1.2 Definition Diversity Management 25
7.2 Argumente für Diversity Management 26
7.3 Implementierung von Diversity Management 28
8 Managing Diversity in bezug auf sexuelle Orientierung 29
8.1 Argumente für Diversity Management 30 8.1.1 Das Kosten-Argument 30
8.1.2 Das Personalmarketing-Argument 31
8.1.3 Das Marketing-Argument 32
8.1.4 Das Kreativitäts-Argument 32
8.1.5 Das Problemlösungs-Argument 33
8.1.6 Das Systemflexibilitäts-Argument 33
8.2 Implementierung von Diversity Management 34
8.3 Der Umgang mit der eigenen sexuellen Identität 34
8.3.1 Konsequenzen des Coming-Outs 35
8.3.2 Strategien des Coming-Outs 35
9 Schlussfolgerungen 38
Literatur 40
3
1 Einleitung
Im zunehmenden gesellschaftlichen Wandel scheint alles möglich zu sein: In der westlichen Zivilisation wachsen wir heutzutage damit auf, dass wir unser Leben nicht mehr nach strengen Regeln einrichten müssen. Wir haben die Wahl, welchen Beruf wir ergreifen wollen, ob wir allein oder in einer Partnerschaft leben möchten, ob wir Kinder in die Welt setzen und ob wir heiraten. Wir entscheiden, welche Prioritäten wir in unserer Arbeit, in unserem privaten und gesellschaftlichen Leben setzen. Bei allen Entscheidungsmöglichkeiten, die uns heute offen stehen, blieb allerdings eines konstant: Wir glauben, uns frei zu entscheiden und orientieren uns doch - meist unbewusst - an einer Wertekultur, die einige unserer Entscheidungen befürwortet, sie als „normal“ darstellt, andere dagegen als Abweichungen von der Norm bewertet. Das heißt, wir können zwar frei entscheiden, wie wir leben möchten, aber in diesem Entscheidungskontinuum existiert eine Hierarchie. Rommelspacher spricht von einer „Dominanzkultur“ (vgl. 1998), welche sich durch ein Netz unterschiedlichster Machtdimensionen auszeichnet. Die dominante Kultur in Deutschland vereinigt Attribute wie weiß, christlich sozialisiert, männlich, nicht-behindert, deutsche Staatsbürgerschaft, mittleres Alter und heterosexuell. Die Konzentration vieler dieser Attribute wird in unserer westlichen Kultur als Privileg gewertet, welches in der hierarchischen Dominanzstruktur Macht und Entscheidungsgewalt gewährt.
„Die Kohäsion, der Zusammenhalt der in diesem Netzwerk Privilegierten läßt sie
möglichst alle Zugänge zu den Ressourcen für die Außenstehenden verschließen, was
[...] durch Strukturen [geschieht], die eine stabile Asymmetrie in der Verteilung von
sozialen Positionen, das heißt von politischem und kulturellem Einfluß gewährleisten“
(Rommelspacher 1998, S. 25).
Darüber hinaus hat diese Gruppe die Möglichkeit - durch die Machtzuschreibung legitimiert - die Bewertungsstandards hinsichtlich normadäquaten Verhaltens zu setzen. Das heißt aber nicht, dass die Setzung von Standards auf jeden Fall und immer bewusst abläuft oder auf eine einzelne Person zurückzuführen ist. Die Dominanzkultur prägt unser aller
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Wahrnehmung und Handeln und ist gesellschaftlich fest verankert (a.a.O.). Es ist an diesem Punkt demnach wichtig festzuhalten, dass diese Machtmechanismen oft internalisiert sind, was sie deswegen aber nicht zwangsläufig legitimiert. Die Auseinandersetzung mit internalisierten Denkmustern hilft, die „Kategorien der Über- und Unterordnung“ (a.a.O., S. 22) aufzudecken.
Der Fokus dieser Arbeit soll auf die Arbeitswelt in Deutschland gerichtet sein, welche sich im Zuge stärkerer Individualisierung aber auch Globalisierung durch zunehmende Diversität auszeichnet. Auch in Unternehmen und Organisationen gibt es marginalisierte Gruppen, welche gegenüber der dominanten Kultur weniger privilegiert sind. Die Kenntnis über die Existenz und Wirkung dieser jeweiligen Dominanzkultur gewährleistet die bessere Integration der marginalisierten Gruppen. Das Konzept des noch zu diskutierenden Diversity Managements verfolgt dieses Ziel; in letztlicher Konsequenz bedeutet seine Implementierung, dass ein Unternehmen Wettbewerbsvorteile erringt.
2 Homosexuelle als marginalisierte Gruppe
Eine der Gruppen, welche im allgemeinen nicht zur dominanten Kultur gerechnet werden, sind Homosexuelle. Um die Integration/Desintegration homosexueller Menschen innerhalb von Unternehmen und Organisationen beurteilen zu können, ist es zunächst erforderlich zu klären, was diese Gruppe von anderen unterscheidet.
2.1 Das Definitionsproblem von „Homosexualität“
Oberflächlich betrachtet scheint die Definitionsfrage leicht lösbar: mit Referenz auf die Sexualität sind homosexuelle Menschen solche, die gleichgeschlechtlich orientiert sind. Das Merkmal der Sexualität wird in dieser vereinfachten - im Alltagsverständnis sehr gebräuchlichen -
5
Definition dazu benutzt, Homosexuelle von Heterosexuellen abzugrenzen; die Sexualität rückt hierbei in den Vordergrund des Blicks. Zu erkennen ist dies in der weitverbreiteten Meinung, dass die Sexualität einer Person doch wohl Privatsache und deshalb eine Diskussion über eine angebliche Diskriminierung redundant wäre. Die als solche interpretierte „Toleranz“ gegenüber Homosexuellen spiegelt sich in Einstellungen wider, welche letztlich doch nur wieder die eigene Abwehr dokumentieren 1 : Zum Beispiel wird behauptet, dass es einem persönlich egal ist, ob jemand homosexuell ist. Man möchte eben, so wird gesagt, bloß mit diesem Thema in Ruhe gelassen werden, einfach nichts davon mitbekommen, oder man ist insgeheim doch ziemlich erleichtert, dass die eigene Familie/ das eigene Kind nicht homosexuell ist. „Toleranz“ wird also nur dann gewährleistet, wenn die eigene (heterosexuelle) Welt mit ihren dazugehörigen Werten geschlechtsspezifischer Verhaltensnormen, von Ehe und traditioneller geschlechtshierarchischer Arbeitsteilung nicht bedroht wird.
Den Begriff „Homosexualität“ bzw. „Homosexuelle“ weiter zu fassen, ihn nicht nur im kausalen Zusammenhang mit Sexualität zu definieren, bietet dagegen die Möglichkeit, die gesamte Lebensweise gleichgeschlechtlich orientierter Menschen zu berücksichtigen. Beim Versuch, diesen Begriff zu erweitern, gilt es aber zu bedenken, dass schon allein durch die Definition die Dichotomie von „hetero-/ h omosexuell“ verstärkt wird. Das bedeutet, dass der hegemoniale heterosexuelle Kontext beibehalten und sogar zementiert wird. Denn die Norm, hier die Heterosexualität, zu erklären bzw. zu definieren, erscheint trivial und unnötig. Wenn Heterosexualität als „normal“ konstruiert wird, besteht keine Notwendigkeit mehr, sie zu benennen, denn sie gilt ja als Norm. Betrachtet man die Sprache als Spiegel des gesellschaftlichen Bewusstseins, so wird auf eindrucksvolle Weise die Verortung der Homosexuellen in den Raum des „andersartig“
1 Aussagen wie diese sind schwer zu belegen, da sie erstens in der
Alltagskommunikation vorkommen und zweitens ein sensibilisiertes Bewusstsein für
versteckte Diskriminierungen voraussetzen. Beispiele für Studien, die die soziale
Diskriminierung homosexueller Menschen belegen: Ellermann (Hg.) 1985, Reinberg/
Roßbach 1985
6
Sexuellen deutlich. Die Bezeichnung gleichgeschlechtlich orientierter Personen als „Homosexuelle“ weist hier auf die sprachliche Notwendigkeit des Bezeichnetwerdens hin. Gegengeschlechtlich orientierte Personen werden hingegen selten als „Heterosexuelle“ bezeichnet, denn die Norm benötigt keine separate Benennung. Erst die Verletzung dieser Norm benötigt einen sprachlichen Ausdruck, um eben diesen Normenbruch aufzuzeigen. 2
Es soll hier aus eben genannten Gründen dennoch nicht versucht werden, eine allgemeingültige Definition über Homosexuelle zu finden. Statt dessen stellt die Auseinandersetzung mit der eigenen Interpretation eines Begriffes die Option dar, die Konnotation zu verschieben. Da aber nicht davon ausgegangen werden kann, dass alle Menschen sich der impliziten Bewertungen eines Terminus bewusst sind, ist eine andere Option die der Benennung Homosexueller als „lesbische Frauen“ und „schwule Männer“. Mit dieser Begriffswahl wird einerseits das Dilemma der einseitigen Rekurrierung auf die bloße Sexualität umgangen. Andererseits bietet sich diese Begriffswahl an, da sie den Vorteil hat, dass lesbische Frauen nicht mehr durch die stillschweigende Subsumierung unter „Homosexuelle“ „verschwinden“. Es gilt, durch die explizite Benennung ein Bewusstsein für die Existenz von Lesben zu schaffen bzw. zu fördern. Um die Lesbarkeit zu vereinfachen gilt die Anwendung des Begriffs „Homosexuelle“ im weiteren Verlauf dieser Arbeit ausdrücklich als Synonym für Lesben und Schwule.
In diesem Zusammenhang ist des weiteren darauf hinzuweisen, dass die Bezeichnungen „Lesbe“ und „Schwuler“ im Rahmen dieser Arbeit nicht mit diskriminierender Konnotation belegt sind. Auch wenn sie bei meist
2 Ein eindrucksvolles Beispiel für die sprachliche als auch gesellschaftliche Hegemonie
des Begriffs „Heterosexualität“ wird im Berliner Aufklärungsprojekt des
Jugendnetzwerkes „Lambda“ gern gebracht: In den Diskussionen mit den SchülerInnen
wird die Frage gestellt: Seit wann weißt du, dass du heterosexuell bist? Die Irritation über
die doch eigentlich „falsch“ gestellte Frage verdeutlicht die festen, oft unbewussten und
nicht hinterfragten Normalitätskonstruktionen in den Köpfen (der SchülerInnen). Vgl.
Hempel/ Kleyböcker. In: Hartmann u.a. 1998, S. 210; auch Reinberg/ Roßbach 1985, S.
XI-XIII.
7
heterosexuellen Personen ein Unbehagen auslösen, da sie als Schimpfwörter benutzt wurden und werden, symbolisieren sie doch mittlerweile das Selbstbewusstsein homosexueller Menschen. 3
2.2 Homosexualität als soziales Konstrukt
„Das Bild vom Homosexuellen als einer ausschließlich von seiner Sexualität betrachteten ‚Spezies’ ist wie kein anderes Bild von sexuell ‚Abtrünnigen’ durch den wissenschaftlichen Diskurs geprägt“, betont Volker Koch-Burghardt (1997, S. 24). Er bezieht sich hier auf die ausführlichen philosophischen Überlegungen von Michel Foucault (vgl. 1992), welcher öffentliche Diskurse im Lichte von Machtverhältnissen analysiert hat. „Diskurse sind historisch-kulturspezifisch geregelte Formationen von Aussagen“ (Maas 1999, S. 23), d.h. sie sind keine objektiven Aussagen, sondern sie spiegeln die historisch geltenden Machtverhältnisse wider. In seinem Werk „Der Wille zum Wissen“ beschreibt Foucault die Anfänge des öffentlichen Diskurses über sexuelle Verhaltensweisen. In Bezug auf die Homosexualität begann die Diskursivierung mit der Verbreitung der Diskurse über den Sex, „wie sie seit dem 17. Jahrhundert im Innern der Gesellschaften herrscht“ (Foucault 1992, S. 21).
„Man muß vom Sex sprechen wie von einer Sache, die man nicht einfach zu verurteilen
oder zu tolerieren, sondern vielmehr zu verwalten und in Nützlichkeitssysteme
einzufügen hat, einer Sache, die man zum größtmöglichen Nutzen aller regeln und
optimal funktionieren lassen muß“ (Foucault 1992, S. 36).
Durch den Prozess der Diskursivierung erscheint Macht entpersonalisiert; Definitionen sozialer Tatbestände werden als gegebene Wahrheit, nicht als soziale Konstrukte wahrgenommen. Die Wirkung dieser Macht zeigt sich deutlich im Alltagsverständnis homosexueller Lebenswelt. Zu fragen ist demnach nach dem Bild von Homosexuellen in der Gesellschaft.
3 Beide Begriffe wurden im Zuge der Lesben- und Schwulenbewegung der 1970er Jahre
als Kampfbegriffe gegen die Stigmatisierung für sich vereinnahmt und positiv
umgedeutet.
8
3 Kategorisierungen von Lesben und Schwulen
Im Alltagsverständnis verbinden sich mit dem Begriff „Homosexualität“ oft vorurteils- und klischeebehaftete Vorstellungen. Soziale Bewertungen schlagen sich nieder in sogenannten Stereotypen.
3.1 Stereotype und Vorurteile - eine Begriffsklärung
Der Terminus „Stereotyp“ wird in den Wissenschaften breit diskutiert und vielfältig verwendet. In der Kommunikationstheorie beschreibt er das Auftreten unendlich wiederholter Aussagen, welche soziale Gruppen bestimmen. (Dyer 2000, S. 842). Der Begriff wird verwendet als „Bezeichnung für stark vereinfachende, ja verzerrende Schematisierung sozialer Formationen“ (Klein 1998, S. 27). Die komplexe Welt wird in ihnen vereinfacht dargestellt; Stereotype erleichtern somit die Verständigung über andere Objekte oder Sachverhalte erheblich (Dyer 2000, S. 842). Die kognitiven Anstrengungen werden reduziert. Ständiges kritisches Hinterfragen der Bedeutungsinhalte von Aussagen ist nicht mehr notwendig, da Stereotype zum Allgemeingut der Alltagssprache gehören.
Stereotype an sich sind weder wahr noch falsch; sie sind eben Vereinfachungen der Realität. Sie werden aber auch nicht neutral verwendet, sondern sind in Wertsysteme eingebettet (Schäfer 1988, S. 12). In der Alltagskommunikation wird das Lexem „Stereotyp“ oft mit negativem Unterton verwendet: es „wird dann nicht nur eine Differenz zwischen dem Gehalt des Stereotyps und der ‚wahren Realität’ behauptet, sondern diese Differenz wird gleichzeitig als Mangel, und damit als Negativum, bewertet“ (Klein 1998, S. 26). Der Terminus „schließt Interpretations- und Urteilsweisen ein, die durch Begriffe wie Vorurteil, Image und Einstellung bezeichnet werden“ (Schäfer 1988, S. 11).
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Arbeit zitieren:
Helen Schmidt, Lee Christina Böck, Jana von Puttkamer, 2002, Diversity Management mit besonderem Fokus auf Homosexuelle, München, GRIN Verlag GmbH
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