Die erste urkundliche Nennung Herzbergs erfolgte am 14.06.1239 in einer am Ort ausgestellten Urkunde, mit der Graf Dietrich von Brehna (1234-1266/67) auf Drängen oder Bitten „unserer getreuen Bürger, die unsere Stadt bewohnen, die Hertisberg genannt wird“, einen Wald bei der Stadt überließ. 8 Damit haben wir gleichzeitig das erste urkundliche Auftreten der Grafen von Brehna im Zusammenhang mit Herzberg, das sich bis zu diesem Zeitpunkt bereits zu einer Stadt entwickelt hatte. Alle früheren Bezugnahmen sind urkundlich nicht belegt. Das gilt beispielsweise, wenn Schulze den Bau der Herzberger Kirche und des dortigen Augustinerklosters sowie ihre reichhaltige Landausstattung durch die Gemahlin Graf Friedrichs I., Gräfin Hedwig, vermutet 9 . „Schienen sie doch hier wohnen zu wollen, denn sie hatten bereits das Schloß bezogen, das jener Kreuzritter (gemeint ist Friedrich I. oder richtiger inzwischen sein Sohn Friedrich II. - A.F.) in Schlieben unweit der Sanct Martins-Kapelle erbauet. ... Noch stiftete 1214 der Burggraf Friedrich ein zweites Kloster, das Barfüßerkloster auf der nördlichen Seite der Stadt; noch ererbete er 1217 von seinem Bruder die Grafschaft Wettin. Fünf und neunzig Jahre alt war Friedrich, als er, seiner irdischen Hülle entladen, seine Herrschaft und deren Hauptstadt Herzberg in den Händen seines Sohnes und Erben zurückließ.“ 10
Hier nun muss widersprochen werden. Schulze war Buchbinder und Ratsdiener in Herzberg. Dadurch hatte er zwar Zugang zu den im Ratsarchiv - der Depositenkammer - vorhandenen Urkunden, aber die gibt es - siehe oben - erst seit 1239. Andere Archive waren ihm nicht bekannt oder standen ihm nicht zur Verfügung. In der Einleitung heißt es, dass seine Arbeit „ohne große Wissenschaftlichkeit“ 11 erfolgte. Das ist kein Vorwurf, aber eine notwendige Feststellung für eine Arbeit aus dem ersten Drittel des 19. Jahrhunderts.
Nicht bekannt war ihm u.a. die Genealogie des Brehnaer Grafengeschlechts. Wie oben bereits angegeben, war Friedrich I. bereits 1182 verstorben, höchstens 40 und nicht wie bei Schulze 95 Jahre alt, die Brehnaer Grafen waren auch keine Burggrafen. Seine Witwe Hedwig überlebte ihn 29 Jahre, sie starb 1211. Nach Schulze hat sie sowohl die Herzberger Kirche als auch ein Augustiner- und ein Nonnenkloster dort gebaut. 12 Zwei Jahrzehnte davor, 1201, hatte sie in Brehna ein Nonnenkloster gestiftet, dessen erste Äbtissin sie bis zu ihrem Tode war. Ihre Söhne Otto I. und Friedrich II. hatten sie bei der Gründung unterstützt. Hätte der Sitz der Grafschaft damals in Herzberg gelegen, und hätten ihr die von Schulze beigelegten Gründungen bereits bestanden, hätte sie dort in das Kloster eintreten können, eine weitere Gründung in Brehna wäre nicht erforderlich gewesen, selbst wenn die Petersberger Chronik, auch die Chronik vom Lauterberg genannt, als Grund für die Brehnaer Gründung angibt, sie wollte in der Nähe des Petersberges leben, dem Bestattungsort ihres Gatten. 13 Bis zu ihrem Tod 1221 lebte sie in Brehna. Hedwigs Enkelsöhne Otto II. (1221-1234) und Dietrich I. (1234-1266/67) hatten noch zu Lebzeiten ihres Vaters Friedrich II. (1203-1221) im Jahre 1220 dem Brehnaer Augustinerinnen-Chorfrauenstift Landbesitz in Brehna übertragen (und dabei Brehna erstmals als Stadt bezeichnet) anlässlich des Eintretens ihrer sehr alten Schwester Lyncardis in dieses Kloster; zumindest ihre Schwester lebte also bisher und nun auch weiter in Brehna. Wie Herzberg an die Grafschaft Brehna gekommen ist, liegt ebenfalls im Dunkeln. Schulze vermutet, dass Graf Friedrich (es handelt sich um den I., da Schulze dessen Sohn Friedrich II. nicht kennt) die Stadt von seinem Herzog Bernhard von Askanien erhalten habe, weiß (verständlicherweise) aber nicht, ob als Ehrengeschenk, durch Kauf oder durch Heirat 14 ; durch Heirat sicher nicht, denn dessen Gemahlin Gräfin Hedwig hatte mit den Askaniern nichts zu tun, sondern stammte aus Böhmen. Es kann aber auch keine Verwechslung mit der Heirat Friedrichs II. sein, denn dessen Gattin Judith war eine Tochter des Grafen Friedrich zu Ziegenhain und Wegebach aus Thüringen, also auch keine Askanierin.
Ein anderer Titel zur Herzberger Ortsgeschichte und ein halbes Jahrhundert jünger als der von Schulze ist verfasst von K. Pallas 15 . Der Verfasser nennt sich dort selbst Archidiakonus, was in den
8 Schulze, a.a.O., S. 404 f.
9 vgl. a.a.O., S. 52 f.
10 a.a.O., S. 53.
11 a.a.O., S. VI.
12 vgl. a.a.O., S. 261.
13 vgl. Cronica montis sereni. Übersetzt und erläutert von Wolfgang Kirsch. Halle 1996, S. 83 zum Jahr 1201.
14 Schulze, a.a.O.
15 Pallas, K.: Geschichte der Stadt Herzberg im Schweinitzer Kreis. Herzberg (Elster) 1902.
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evangelischen Kirchen den zweiten Geistlichen an den Hauptkirchen größerer Städte bezeichnete. Er war der Bearbeiter der bedeutenden „Registraturen der
Kirchenvisitationen im ehemaligen sächsischen Kurkreise“, die seit 1906 erschienen, also ein Theologe, auch kein Historiker.
Pallas spricht von einem „Gebiet, welches die Grafen von Brene unter der Lehnsoberhoheit des Erzstifts Magdeburg in dieser Gegend, ‚dem Gebiet der Lausitz’, erwarben“, und spricht von „alten größeren Ansiedlungen, welche hier zur Zeit der Besitznahme des Landes durch die Brenaer bestanden.“ Die Übertragung dieses Territoriums durch den askanischen Herzog Bernhard, wie sie Schulze berichtet, erscheint bei ihm nicht. Nach ihm „müssen wir in unserer Stadt eine Neuschöpfung der Grafen von Brene sehen“,
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die auf bereits früher slawisch besiedeltem Gelände entstand, und ihr Name hat weder mit dem Wort Herz noch mit dem Wort Hirsch etwas
zu tun, von welcher Auffassung ihn auch der Hirsch im Wappen Herzbergs nicht abbringt. „Dieser Hirsch im Wappen der Stadt,
...
zuerst uns an einer Urkunde von 1391 ... erhalten, dürfte vielmehr von dem Landesherrn der Stadt
als dem Mittelpunkte der ganzen von den Grafen von Brene erworbenen Gegend an der Elster, für die sie selbst dieses Thier in ihr Wappen aufgenommen haben mögen, verliehen
sein.“ 18 Er kommt zu diesem Schluss aus der Anordnung verschiedener Wappen in der Herzberger Kirche, schreibt aber gleich selbst, dass das Brehnaer Wappen „sonst nur in Gestalt der drei Seeblätter, oder wie andere wollen, der drei Schröterhörner“ vorkommt. 19 Die Vermutung jedoch, der Hirsch könnte im Brehnaer Wappen gestanden haben, ist unrichtig. Wenn nun nach einer Urkunde Graf Dietrich dem Kloster Dobrilugk 1254 eine jährliche Mark schenkte und die Herzberger Münzstätte der Brehnaer
Grafen nach einer anderen Urkunde siebzig Jahre nach der Gründung der Stadt erfolgt sei, „so ergiebt sich als dieses Jahr der [Stadt-]Gründung 1184, und hiermit stimmt es ja auch, dass die Grafen von Brene die Stadt Brehna erst nach 1181 als Residenz aufgegeben haben.“
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Das wäre dann nach dem Tod Graf Friedrichs I., des Sohnes Konrads von Meißen, geschehen und bevor seine Witwe Gräfin Hedwig das Chorfrauenstift in Brehna gegründet hatte, auf welche Unwahrscheinlichkeit bereits oben verwiesen wurde. In der wichtigsten älteren Literatur zu Brehna, der „Geschichte der Stadt und Grafschaft Brena“
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, erscheint Herzberg zur Zeit des Brehnaer Grafengeschlechts wiederholt. Köhler nennt es zusammen mit Schlieben,
Löben, Prettin, Bitterfeld, Clöden und Liebenwerda als Brehnaer Besitzung 22 , zählt es allerdings nicht bei den Brehnaer
16 a.a.O., S. 19 f.
17 aus: Posse, Otto: Die Siegel der Wettiner bis 1324 und der Landgrafen von Thüringen bis 1247. Leipzig 1888, Tafel IX Abb. 9.
18 Pallas, a.a.O., S. 21 f.
19 a.a.O., S. 22.
20 a.a.O., S. 22 f.
21 Köhler, Johann Jakob: Geschichte der Stadt und Grafschaft Brena. Transkribiert, übersetzt und bearbeitet von Armin Feldmann. Brehna 2003.
22 a.a.O., S. 18.
23 aus: ebenda, S. 22
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Arbeit zitieren:
Dipl.-Lehrer Armin Feldmann, 2007, Sitz der Brehnaer Grafschaft in Herzberg?, München, GRIN Verlag GmbH
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