Management Summary
Ein ausgefeiltes IT-Service-Management mit bewährten und standardisierten Prozessen ist die Grundlage für eine kostengünstige und effiziente Server-Infrastruktur. Es sind aussagekräftige Kennzahlen (KPIs) nötig, um den Erfolg und die Effizienz der Prozesse messen und vergleichen zu können. Der Wunsch vieler KMUs nach mehr Transparenz und Kontrolle über ihre IT-Infrastruktur, kann mit Hilfe von ITIL durchaus erfüllt werden. ITIL ist ein IT-Servicemanagement-Framework, welches standardisierte Prozesse und Verfahren bereitstellt, die sich in der Praxis schon bewährt haben. Auch mit relativ geringen Budget kann man eine für KMUs sinnvolle Verfügbarkeit der IT-Verfahren erreichen. Der Schlüssel dafür ist der intelligente und wohlüberlegte Einsatz von redundanter Hard- und Software. Dabei gilt ein optimales Verhältnis zwischen Verfügbarkeit und Gesamtkosten (TCO) zu finden.
Seite 2/43
Inhaltsverzeichnis
Management Summary. 2
1.Einleitung. 4
1.1.Ziele und Vorgehen der Arbeit. 4
1.2.Das Problem. 5
1.3.Arbeitshypothese. 5
2.Basiselemente und Grundstruktur von ITIL. 5
2.1.Kurzer Überblick und kleine Einführung in ITIL. 5
a )Service Delivery. 7
b )Service Support. 8
c )CMDB (Configuration-Management-Database) 9
2.2.Theoretische Grundlagen und wichtige Begriffe. 10
a )Was ist ein Prozess? 10
b )Was sind Key Performance Indicators (KPIs)? 11
c )Was ist ein Service? 11
d )Was sind Rollen? 11
e )Was sind „Best practices“? 12
2.3.Vor- und Nachteile von ITIL. 12
3.ITIL: ICT Infrastructure Management (ICTIM) 14
3.1.Ziel und Definition von ICTIM. 14
3.2.Outsourcing oder Insourcing? 15
3.3.ICT-Design and Planning Process. 16
3.4.ICT-Deployment Process. 17
3.5.ICT-Operations Process. 19
3.6.ICT-Technical Support Process. 20
3.7.Operative Funktionen. 21
3.8.Integration Layer. 22
3.9.Beispielszenario. 24
3.10.ITIL / ICTIM: Die Lösung für KMUs? 25
4.ITIL: Availability Management. 27
4.1.Grundlagen der Hochverfügbarkeit 27
a )Verfügbarkeit und Hochverfügbarkeit. 27
b )Fehlertoleranz und Vermeidung von SPOFs. 27
c )Redundante Komponenten. 28
4.2.Availability Management Process. 29
4.3.Berechnung der Verfügbarkeit (mit MTBF und MTTR) 30
4.4.Sinnvolles Verhältnis zwischen Verfügbarkeit und TCO für KMUs. 31
4.5.Verfügbarkeitssteigernde Maßnahmen für KMUs. 34
4.6.Failover für KMUs am Beispiel: Heartbeat und DRBD. 35
4.7.Monitoring für KMUs am Beispiel: Nagios 36
5.Ausblick: Virtualisierte Server-Infrastruktur. 37
6.Fazit. 38
I) Literaturverzeichnis. 40
II) Abbildungsverzeichnis. 41
III) Stichwortverzeichnis. 41
V) Anhang. 43
Seite 3/43
1. Einleitung
1.1. Ziele und Vorgehen der Arbeit
Diese Arbeit beschäftigt sich mit einer zentralen Frage: Wie können KMUs (kleine und mittlere Unternehmen) eine möglichst kostengünstige, stabile und ausfallsichere Server-Infrastruktur betreiben?
Kernpunkte sind dabei die Analyse, Konzeption und Implementierung der Server-Infrastruktur für KMUs. Die Herausforderung besteht vor allem darin, das üblicherweise knappe Budget der KMUs möglichst effizient einzusetzen, um ein Maximum an Stabilität, Verfügbarkeit und Performance zu erzielen. Natürlich immer im Hinblick auf das Erreichen der jeweiligen Geschäftsziele. Hier empfiehlt es sich, auf bewährte Standards zu setzen. In diesem Zusammenhang werde ich ITIL (IT Infrastructure Library) vorstellen. ITIL orientiert sich an Prozessen und Verfahren aus der Praxis für die Praxis. Das bedeutet, dass sich diese Prozesse an anderer Stelle schon bewährt haben, also praxisorientiert sind.
Nach einer Einleitung werde ich ITIL zuerst ganzheitlich für ein Unternehmen vorstellen und die Basics, theoretische Grundlagen sowie wichtige Begriffe erläutern, die das Verständnis dieser Arbeit erleichtern. Dann werde ich mich auf das ITIL-Modul „ICT Infrastructure Management“ konzentrieren. Hier geht es um die typischen Prozesse einer IT-Server-Infrastruktur: Design, Planning, Deployment, Operations und Technical Support Process.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt beim ITIL-Modul „Availability-Management“, also verfügbarkeitssteigernde Maßnahmen für die IT-Infrastruktur einzusetzen. In Anbetracht des knappen Budgets vieler KMUs ist aber immer ein sinnvolles Kosten/Nutzen-Verhältnis zu wahren. Dabei werde ich zunächst die wichtigsten Grundlagen von „Hochverfügbarkeit“ erläutern, den Availability-Management-Prozess sowie die Berechnung der Verfügbarkeit zeigen und anschließend eine Kosten/Nutzen-Analyse durchführen. Zu guter Letzt folgen konkrete Maßnahmen und Umsetzungsbeispiele für KMUs und ein abschließendes Fazit.
Seite 4/43
1.2. Das Problem
Befragt man Unternehmer zum Thema IT, so finden die meisten die IT in ihrer Firma viel zu teuer. Sie würden sich wünschen, dass die IT sie mehr bei den Kernprozessen unterstützt und dabei hilft, Kostentreiber zu erkennen sowie Durchlaufzeiten zu verringern. Fragt man hingegen IT-Verantwortliche großer und kleiner Unternehmen nach ihren aktuellen Problemen, so bemängeln fast alle mangelnde Kontrolle und Transparenz über die hauseigene IT-Infrastruktur. Sie wissen meist nicht, wo welche Software installiert ist, kennen die Hardwarekonfiguration der eingesetzten PCs nur unvollständig und haben keine Kenntnis über den aktuellen Patch-Stand des Betriebssystems und der Applikationen. Das macht das Betreiben einer IT-Infrastruktur sehr schwierig und teuer. Oft sind keine standardisierten Prozesse zum Lösen von Störungen, Dokumentieren der Konfiguration, Warten der IT-Anlage und Durchführung von Backups vorhanden.
1.3. Arbeitshypothese
In dieser Arbeit werde ich zeigen, wie man mit Hilfe von ITIL die Kontrolle über seine IT-Infrastruktur zurückerlangt und standardisierte sowie bewährte Prozesse nutzt, um seine Server-Infrastruktur möglichst effizient und kostengünstig zu betreiben. Dabei stelle ich die Hypothese auf, dass man auch schon mit relativ geringem Budget eine für KMUs sinnvolle Verfügbarkeit erzielen kann.
2. Basiselemente und Grundstruktur von ITIL
2.1. Kurzer Überblick und kleine Einführung in ITIL ITIL 1 ist ein Versuch das oben genannte Problem zu lösen, in dem es standardisierte Prozesse und Verfahren bereitstellt, die sich in der Praxis bewährt haben (best practices). ITIL schreibt nicht vor, wie und mit welcher Software diese umgesetzt werden sollen. Sondern nur was gemacht werden muss. Es werden für die Serviceprozesse vorher Kennwerte (KPIs) definiert, damit der Erfolg gemessen werden kann und auch vergleichbar mit anderen Unternehmen ist. ITIL hat sich inzwischen zu einer allgemeinen Sprache, einer Art Leitfaden entwickelt. Viele große IT-Unternehmen wie IBM, HP und BMC richten Ihre
1 Herausgeber: [OGC 2006] (Office of Government Commerce) Seite 5/43
Software und ihr Beratungsgeschäft in Richtung ITSM (IT Service Management) aus und bieten viele kompatible Tools an. Für eine Übersicht aller ITIL kompatiblen Tools, wurde extra eine eigens dafür angelegte Website erstellt. 2 „IT Service Management handelt von der Planung und Bereitstellung einer kundenorientierten Dienstleistung (service) mit Hilfe eines prozessorientierten Verfahrens.“ 3
In der folgenden Abbildung 1 ist die ITIL Struktur als Übersicht zu sehen:
Die Abbildung 1 zeigt auch die insgesamt 7 Module von ITIL. Diese bilden quasi eine Brücke von den geschäftlichen Anforderungen des Unternehmens bis hin zur Technologie-Seite. Kurz Zusammengefasst sind dies die Bereiche: 1. Business Perspective (Die geschäftliche Perspektive) 2. Service Delivery (Planung und Lieferung von IT-Service) 3. Service Support (Unterstützung und Betrieb des IT-Services) 4. Security Management
2 Übersicht aller ITIL kompatiblen Tools: http://www.toolselector.com/
3 Robert Kuhlig in [mITSM 2003], S.2 Seite 6/43
5. ICT Infrastructure Management (Management der Infrastruktur) 6. Applications Management (Management der Anwendungen) 7. Planning to Implement Service Management
Die beiden Module „Service Support“ und „Service Delivery“ bestehen aus jeweils 5 Prozessen und beinhalten die wichtigsten Services des täglichen IT Geschäfts.
a) Service Delivery
Das Modul „Service Delivery“ (Erbringung von Dienstleistungen) beschreibt die taktischen Prozesse des IT-Service-Managements. Sie steuern die Gestaltung, Planung, Vereinbarung, Überwachung, Berichtswesen und Optimierung der IT-Services. Darin sind folgende 5 Prozesse definiert: 4 ● Service-Level-Management
Hier werden Anforderungen und Qualitätsparameter (KPIs) in Form von SLAs (Service Level Agreements) und OLAs (Operational Level Agreements) definiert. Auch Service- und Reaktionszeiten werden hier vereinbart.
● Verfügbarkeitsmanagement (Availability-Management) Stellt sicher, dass die Verfügbarkeit eines IT-Services bzw. der benötigten IT-Infrastruktur so hoch wie möglich ist. ● Kapazitätsmanagement (Capacity-Management) Sorgt für die rechtzeitige und kostenoptimierte Bereitstellung von Ressourcen oder Infrastrukturkomponenten, sowie Tuning vorhandener Komponenten.
● Kontinuitätsmanagement (IT-Continuity-Management) Das Kontinuitätsmanagement plant Maßnahmen für unvorhergesehene Katastrophenfälle und stellt sicher, dass wichtige Funktionen - wenn auch eingeschränkt - weiterhin vorhanden sind. ● Sicherheitsmanagement (Security-Management)
Das Sicherheitsmanagement beschäftigt sich mit der Einhaltung definierter
4 Vgl. Peter T. Köhler in [ITIL 2005], S. 48ff Seite 7/43
Sicherheitsniveaus bezüglich Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit. Auch bei KMUs sollten diese Prozesse - wenn auch in den Anforderungen und KPIs gelockert - eingeführt werden, um eine stabile IT-Infrastruktur zu sichern.
b) Service Support
Im Modul „Service Support“ sind die operativen Prozesse beschrieben. In einem Service-Desk werden die Anwenderschnittstellen gebündelt. Die folgenden 5 Prozesse werden sauber unterschieden, wirken in der Praxis aber sehr stark zusammen. 5 Da diese Unterstützungsprozesse auch bei KMUs für eine reibungslose Server-Infrastruktur von Nöten sind, werde ich diese ebenfalls kurz erläutern: 6 ● Service Desk
Der Service Desk ist die erste Anlaufstelle für interne und externe Kunden und stellt damit eine zentrale Kommunikationsschnittstelle dar. ● Störungsmanagement (Incident Management) Das Störungsmanagement behebt Störungen so schnell wie möglich und mit kleinstmöglichen Auswirkungen für die Anwender. ● Problemmanagement (Problem Management) Das Problemmanagement versucht die Ursachen von wiederholt auftretenden Störungen zu finden und diese möglichst nachhaltig zu verhindern.
● Änderungsmanagement (Change Management)
Das Änderungsmanagement sorgt für eine termingerechte und effiziente Durchführung der Änderungen und informiert im Vorfeld alle Beteiligten. ● Versionsmanagement (Release Management)
Hier werden Änderungen geplant, getestet und implementiert (Roll-Out), sowie unterschiedliche Patch- und Versionsstände verwaltet. ● Konfigurationsmanagement (Configuration Management) Das Konfigurationsmanagement erfasst, kontrolliert und verifiziert den Status aller IT-Komponenten sowie deren Beziehungen untereinander und
5 Vgl. BSI in [Studie 2005], S. 11
6 Vgl. Peter T. Köhler in [ITIL 2005], S. 44ff Seite 8/43
speichert diese in einer CMDB (Configuration-Management-Database) ab. Das Zusammenspiel der Prozesse werde ich später noch an einem einleuchtenden Beispiel deutlich machen 7 . Die folgende Abbildung 2 zeigt die Service Support Prozesse mit ihren Beziehungen in einer Übersicht:
c) CMDB (Configuration-Management-Database)
In dieser Datenbank werden sämtliche Daten erfasst, wie Hardware- und Softwarekonfiguration, zugeordnete Lizenzen, Dokumentationen, SLAs (Service Level Agreements), Problem- und Fehlerbehebungs-Beschreibungen, notwendige Veränderungen (RFCs) und Historie der Veränderungen, Ausfallzeiten, Personal mit Verantwortlichkeiten, usw.
Die CMDB ist eine zentrale Datenbank mit wichtigen Kennzahlen über Schadenshäufigkeit und Kostenverursacher. Darüber lassen sich Erkenntnisse
7 Siehe Kapitel 4.9 „Beispielszenario“
8 Martin Andermatten in [Glenfis 2005], S.8 Seite 9/43
Arbeit zitieren:
Martin Rüdrich, 2006, IT-Servicemanagement mit ITIL®: Analyse, Konzeption und Implementierung einer kostengünstigen Server-Infrastruktur für kleinere und mittlere Unternehmen (KMU), München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Die Balanced Scorecard im IT-Bereich
Informationswissenschaften, Informationsmanagement
Studienarbeit, 32 Seiten
Virtualisierung von IT-Infrastrukturen am Beispiel von VMware
Informatik - Wirtschaftsinformatik
Diplomarbeit, 83 Seiten
Marketing- und Vertriebscontrolling - Begriff – Abgrenzung – Aufgaben ...
Diplomarbeit, 62 Seiten
Planungsmethoden der Strategischen Situationsanalyse
BWL - Marketing, Unternehmenskommunikation, CRM, Marktforschung
Hausarbeit (Hauptseminar), 23 Seiten
Virtualisierung - Geschichte, Techniken und Anwendungsfälle
Seminararbeit, 33 Seiten
Wirtschaftlichkeitsanalysen in IT-Projekten - Methoden, Verfahren, Wer...
BWL - Investition und Finanzierung
Seminararbeit, 30 Seiten
Konzeption und Durchführung eines prozess- und kennzahlenorientierten ...
Diplomarbeit, 132 Seiten
Systemanalytische Methoden zur Auswahl von Standardsoftware
Medien / Kommunikation - Medienökonomie, -management
Seminararbeit, 26 Seiten
Projektwirtschaftlichkeitsportfolios - Strategisches Informationssyste...
Informatik - Wirtschaftsinformatik
Diplomarbeit, 154 Seiten
Hauptmedienstandorte in Deutschland im Vergleich. Typisierung und Entw...
Geowissenschaften / Geographie - Wirtschaftsgeographie
Hausarbeit (Hauptseminar), 37 Seiten
Wirtschaftliche Betrachtung des Aufbaus von Shared Service Centern im ...
Diplomarbeit, 76 Seiten
Entwicklung eines Entscheidungsframework für IT-Investitionen
Informatik - Wirtschaftsinformatik
Diplomarbeit, 143 Seiten
IT-Sicherheit in KMU - Umsetzung von IT-Sicherheit in KMU gem. IT-Grun...
Informatik - Wirtschaftsinformatik
Wissenschaftliche Studie, 73 Seiten
Optimierung von Geschäftsprozessen bei einem IT-Dienstleister dargeste...
Informatik - Wirtschaftsinformatik
Diplomarbeit, 71 Seiten
Grenzen und Möglichkeiten der Geschäftsprozessoptimierung als Form der...
BWL - Bank, Börse, Versicherung
Hausarbeit, 20 Seiten
Martin Rüdrich hat den Text IT-Servicemanagement mit ITIL®: Analyse, Konzeption und Implementierung einer kostengünstigen Server-Infrastruktur für kleinere und mittlere Unternehmen (KMU) veröffentlicht
Martin Rüdrich hat einen neuen Text hochgeladen
Erfolgsfaktoren der Innovativität von kleinen und mittleren Unternehme...
Konzeptionalisierung und empir...
Rudolf Dömötör
Innovatives Lernen im digitalen Zeitalter: Konzeption und Implementier...
Marius Schönberger
Jahresabschlüsse kleiner und mittelständischer Unternehmen
Praxisleitfaden für Firmenkund...
Michael Bandering
Praxishandbuch zur Entwicklung...
Marco / Evers, Jan / Jung, Martin Habschick
Marketing für Klein- und Familienbetriebe
Konzepte, Ideen, Beispiele, Ch...
Hans-Jürgen Borchardt
Das weibliche Genie - Melanie Klein
Das Leben, der Wahn, die Wörte...
Julia Kristeva, Hans Naumann, Johanna Naumann
0 Kommentare