David Hume wird 1711 als Sohn eines schottischen Edelmannes in Edin-burgh geboren und ist Skeptiker. Ein Zeitgenosse schreibt über ihn:
Sein Aussehen spottete jeder Physiognomik, […] Sein Gesicht war breit und fett, sein Mund groß und von einfältigem Ausdruck. Die Augen waren leer und geistlos, und beim Anblick seiner Korpulenz hätte man eher glauben können, einen Schild-kröten essenden Ratsherrn als einen kultivierten Philosophen vor sich zu sehen. 1
Und der das sagte, war übrigens ein Verehrer Humes Philosophie. Wie dem auch sei, David Hume, John Locke und George Berkeley bildeten das große Dreigestirn der englischen Aufklärungsphilosophie. 2 Hume verbrachte einige Jahre als Gesandtschaftssekretär in
Frankreich, wo er unter anderem mit Rousseau in Beziehung trat. Während dieser Zeit schrieb er sein Hauptwerk Eine Abhandlung über die menschliche Natur. Er war er zu diesem Zeitpunkt 26 Jahre alt, und obwohl sein Werk schließlich 1740 in London erschien, mußte er erst mit
vielen kleineren Essays die Öffentlichkeit auf sich aufmerk-sam machen. Für uns soll nun der erste Teil von besonderem Interesse sein ― Die Untersuchung über den menschlichen Verstand. Voran-stellen möchte ich noch eine Bemerkung von Hume, als Beispiel für seine Art von
Auf diese Weise müssen wir in all unseren Gedanken und Vorstellungen aufräu-men: Greifen wir irgendein Band heraus, etwa über Gotteslehre oder Schulmeta-physik, so sollen wir fragen: Enthält er irgendeinen abstrakten auf Erfahrung ge-stützten Gedankengang über Tatsachen und Dasein? Nein.
Nun, so werft ihn ins Feuer, denn er kann nichts als Blendwerk und Täuschung enthalten. 3
So nehme ich Kapitel IV seiner Untersuchung über den menschlichen Verstand heraus, in dem Hume seine skeptischen Zweifel betreffs der menschlichen Verstandestätigkeiten ausführt. In dem gesamten Werk versucht Hume als erster, eine ausgearbeitete empirische Theorie des Menschen zu liefern. 4
Mit einer Art Logik der Vorstellungen knüpft er an Ideen von John Locke an und beschrieb Logik danach als eine Art Anatomie des Denkens. Als erstes bestimmt Hume eine scharfe Unterscheidung aller „Gegenstände der mensch-lichen Vernunft in Beziehungen von Vorstellungen und Tatsachen“ anderer-seits. 5 Außerdem bestimmt er das durch äußere oder
innere Wahrnehmung tatsächlich Gegenwärtige als impression (Eindruck) und die durch Erinnerung und Phantasie hervorgebrachten Bilder als ideas (Ideen). 6 Hier ist der Begriff Ideen
in einem engeren Sinne zu verstehen als zum Beispiel bei Plato, der Ideen als ein Reich immaterieller, ewiger und unveränderlicher Wesenheiten annahm. Alle komplexen Ideen entstehen nun durch Kombinationen dieser einfachen Elemente, also Impressionen und Ideen.
Hier nun stellt sich die Mathematik als einzige Wissenschaft heraus, die sich nicht mit der Verknüpfung von Vorstellungen befaßt, sondern nur mit der Verknüpfung von Tatsachen. In diesem Sinne können Erkenntnisse jed-weder Wissenschaft, ausgenommen der Mathematik, also nur dann einen Wahrheitswert beanspruchen, insofern sie sich unmittelbar auf eine Impres- sion zurückführen lassen. Diese Erkenntnisse wären dann induktiv korrekt. Nun kommt es aber oft vor, daß wir bestimmten Ideen falsche Impressionen unterschieben und umgekehrt. Diese Fälle sind dann alle Arten von Irrtümer. Francis Bacon, ein Landsman Humes, beschrieb diese
Letzter Satz in Humes
Untersuchung über den menschlichen Verstand.
Vgl. Störig, ebenda.
Irrtümer schon 130 Jahre zuvor: „Wir haben auch Häuser zur Täuschung der Sinne, in denen wir alle Arten von Gaukelspiel vorführen; falsche Erscheinungen, Trug und Illusionen […]. 7
Mir scheint es wichtig, hier nur kurz auf den wissenschaftshistorischen Hintergrund zu verweisen. 1687 veröffentlichte Isaac Newton sein grundlegen-des Werk Mathematische Grundlagen der Naturwissenschaft, in dem aus den Kepplerschen Gesetzen das allgemeine Gravitationsgesetz ableitete. Dies wurde zur theoretischen Grundlage der Himmelsmechanik. Das von konstru-ierte erste Spiegelteleskop veränderte in dramatischer Weise den Bereich der astronomischen Forschung. Auf dem Gebiet der Mathematik, speziell der Analysis, stellt die Entwicklung der Differential- und Integralrechnug von Gottfried Wilhelm Leibniz eine bedeutende Leistung dar.
Bevor wir nun zu dem Erkennen als Tätigkeit des Verstandes kommen, sei noch der Substanzbegriff Humes erläutert. Was bleibt übrig, wenn ich von einem Körper alle Qualitäten abziehe, die mir durch Impressionen vermittelt werden? John Locke antwortete: „Hinter den Qualitäten ist ein Wirkliches, Wirkendes, die Substanz.“ 8 Und Berkeley meinte dazu: „Es bleibt
Nichts übrig [außer Gott]. 9 Woher kommt dann aber die Vorstellung von einer Substanz, eines
Körpers? Für Hume scheint an dieser Stelle nur die Folgerung möglich, daß unsere Einbildungskraft einer bestimmten Summe von komplexen Ideen entspricht, welche wiederum aus einfachen Ideen und Impressionen beste-hen. Nun sind es eben jene inneren Wahrnehmungen, die als selbstbeobach-tende Tätigkeit des Verstandes diesen nötigen, einen Substanzbegriff anzu-nehmen. Nun läßt sich allerdings nicht deduktiv korrekt schließen, daß es aufgrund von Kombinationen innerer Impressionen auch eine geistige Sub-stanz, eine Seele gäbe. So bleibt also nur eines übrig: die Vorstellung eines Bewußtseins. Mit dieser Folgerung
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Dr. des. Robert Dennhardt, 1999, Über David Humes gültige Schlüsse, Munich, GRIN Publishing GmbH
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