Inhaltsverzeichnis
EINLEITUNG 2
1 MAßNAHMEN ZUR ERRICHTUNG EINES EUROPÄISCHEN BERUFSBILDUNGSRAUMES 4
2 DER EUROPÄISCHE QUALIFIKATIONSRAHMEN - EIN INSTRUMENT ZUR FÖRDERUNG
DES EUROPÄISCHEN BERUFSBILDUNGSRAUMS 6
3 DISKUSSION - EQF ALS INSTRUMENT DES EUROPÄISIERUNGSPROZESSES. 8
RES ÜMEE. 12
LITERATURVERZEICHNIS. 13
- 1 -
EINLEITUNG
Um die Wettbewerbsfähigkeit des Europäischen Handels- und Wirtschaftraumes aufrecht zu erhalten bzw. zu forcieren, wurde in einer Sondersitzung des Europäischen Rates in Lissabon im März 2000 ein Förderprogramm mit ebenjenem Ziel initiiert. Die so genannte Lissabon-Strategie stellt die einleitende Politikstrategie zur Förderung des europäischen Wirtschaftsraumes dar, in der festgelegt wurde, dass sich die Europäische Union bis zum Jahre 2010 „zum wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensbasierten Wirtschaftraum der Welt“ entwickeln solle (Frommberger 2005a, S. 37 1 ). Die Betonung des Wissens als Grundlage jeder wirtschaftlichen Weiterentwicklung macht deutlich, welchen hohen Stellenwert die Bildung bzw. die Berufsbildung und das lebenslange Lernen für diesen Prozess haben.
Ein wesentliches Ziel der Europäischen Berufsbildungspolitik ist von jeher die Freizügigkeit der EU-Bürger, d.h. die freie Wahl sowohl des Wohn- als auch des Ar-beitsortes. Besonders diese gewünschte und erforderliche berufliche Mobilität bereitet größte Schwierigkeiten in der Förderung des europäischen Wirtschaftsraumes, da die divergenten Berufsbildungssysteme 2 der europäischen Mitgliedstaaten bzw. deren nicht einheitliche Zugangs- und Zertifizierungsansätze die Anerkennung von in unterschiedlichen Ländern erworbenen Kenntnissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten erschweren. Frommberger (2005b) stellt bezüglich der Mobilitätspraxis in Europa fest, „dass das Recht auf Niederlassungs- und Dienstleistungsfreiheit [...] der Europäischen Union durchaus in Konfrontation zu den beruflichen und sozialrechtlichen nationalen Unterschieden steht“ und darin ein „nicht unwesentliches Konfliktpotential der Europäischen Politik zur Förderung der Mobilität“ besteht, da diese „per se den Bereich der Berufsbildung und damit die nationalen Hoheitsrechte tangiert“ (Frommberger 2005b, S. 13). Die nationalen Regelungen zur Berufsbildung und den
1 Er zitiert: Europäischer Rat (Hrsg.; 2000): Schlussfolgerungen des Vorsitzes Europäischer Rat (Lissabon). 23. und 24. März 2000. Lissabon.
2 Zur näheren Untersuchung der Differenzen zwischen den Berufsbildungssystemen der Mitgliedstaaten der EU siehe: Frommberger 2004, S. 2f. Frommberger erkennt hierbei Unterschiede in den „ordnungspolitischen, institutionellen und rechtlichen Rahmenbedingungen“, in der „Bestimmung und Auswahl der Bedarfe, Anforderungen, Qualifikationen, fachliche Inhalte und Kompetenzen, die im Rahmen der beruflichen Bildung angezielt und erworben werden können“ und schlussendlich in den „Formen und Prinzipien des Erwerbs und der Vermittlung der Kenntnisse und Fähigkeiten in den berufsbezogenen Lehr-Lern-Prozessen“, welche in hohem Maße durch nationale und kulturelle Prägung bedingt sind (a.a.O.). Offensichtlich bereitet es mehr Schwierigkeiten, Konvergenzen in den europäischen Berufsbildungssystemen zu finden.
- 2 -
in diesen Systemen zu erwerbenden Qualifikationen - im Sinne von „anerkannte[n] Abschlüsse bzw. geprüfte[n] und nachgewiesene[n] Kompetenzbündel[n]“ (ebd., S. 6) - seien seiner Ansicht nach dazu geeignet, die angeführten Grundfreiheiten zu beeinträchtigen, „weil der Zugang zu bestimmten Berufstätigkeiten und Bildungsinstitutionen in den Mitgliedstaaten an unterschiedliche Voraussetzungen gebunden ist“ (ebd., S. 13).
Die oben bereits angedeuteten Entwicklungen hin zur kognitiven Gesellschaft bedingen ebenfalls erhöhte Anforderungen die Zertifizierungs- bzw. Anerkennungssysteme der einzelnen Staaten, da das lebenslange (oder -begleitende) Lernen ebenfalls im europäischen Kontext gestaltet werden soll. Der Erwerb von Wissen und die Aneignung neuer Fähigkeiten ist in einer von ständigem wirtschaftlichen und technologischen Fortschritt gezeichneten Welt hochrelevant 3 , was in praktischer Konsequenz bedeutet, dass Zu- und Übergänge innerhalb des intraeuropäischen aber auch nationalen Bildungssystems offen gehalten und der Kompetenz- bzw. Qualifikationserwerb - auch durch Anerkennung bzw. Zertifizierung informell erworbener Kompetenzen - gefördert werden muss (vgl. Fahle &Hanf 2005, S. 2).
Nachdem nun die Grundlagen und allgemeinen Ziele der Errichtung eines europäischen Berufsbildungsraumes betrachtet wurden, soll im Folgenden auf die konkreten Maßnahmen eingegangen werden, die diesen Prozess ermöglichen bzw. beschleunigen sollen.
3 Siehe hierzu insbesondere: Kommission der Europäischen Gemeinschaft 2005b.
- 3 -
1 MAßNAHMEN ZUR ERRICHTUNG EINES EUROPÄISCHEN BERUFS-BILDUNGSRAUMES
Als einen Eckpfeiler der Maßnahmen zur Errichtung eines europäischen Berufsbildungsraumes kann - neben der bereits erwähnten Lissabon-Strategie - der Gipfel des Europarates in Kopenhagen (November 2002) bzw. die in diesem Zusammenhang verfasste Erklärung der Minister für berufliche Bildung gesehen werden (vgl. im Folgenden: Kommission der Europäischen Gemeinschaft 2005a, S. 32; Frommberger 2005a, S. 38f). Es wurde beschlossen, dass die nationale Politik der Mitgliedstaaten durch innereuropäische Koordination von Grundsätzen und Verfahren unterstützt werden soll, jedoch weiterhin keine gesetzlichen Regelungen in diesem Rahmen getroffen werden, da für den Bereich der Berufsbildung - als Teil des Komplexes Bildung und Ausbildung - das Subsidiaritätsprinzip vorherrscht. Trotzdem die Beschlüsse keinen rechtskräftigen Charakter innehaben, tragen diese Maßnahmen zur Schaffung von Vertrauen und zum Forcieren von Reformen innerhalb der Mitgliedstaaten bei. Als reformakzelerierendes Element tritt hierbei die Methode der offenen Koordinierung 4 über Leitlinien, Monitoring, Benchmarking auf.
Die Kopenhagen-Erklärung 5 der Minister für berufliche Bildung stellte vier Prioritätsbereiche als wesentliche Kernelemente des europäischen Bildungs- und Wirtschaftraums auf:
1. Mobilität: „Förderung der europäischen Dimension, insbesondere durch Mobilität, interkulturelle Kompetenzen sowie Zusammenarbeit und Europäische Öffnung der Lehrpläne und Ausbildungsordnungen;“ (Frommberger 2005a, S. 38)
2. Transparenz: „Förderung der Transparenz von Qualifikationen und Kompetenzen durch Zusammenführung der Instrumente Europäischer Lebenslauf,
4 Das Mittel zur Durchsetzung dieser Ziele bzw. der Implementierung europaeinheitlicher Instrumente ist die Methode der 'Offenen Koordinierung' (vgl. Frommberger 2005a, S. 39). Diese beinhaltet die dezentralisierte Regulierung von intraeuropäischen, transnationalen Anliegen unter Beachtung bzw. Beibehaltung des Subsidiaritätsprinzips (Beachtung Art. 149 und 150 EU-Vertrag), in Form von Richtlinien und Vorschlägen, die den Mitgliedstaaten unterbreitet werden. Mittels der Fixierung auf Richtwerte bzw. Indikatoren und deren auch gegenseitige Überprüfung - durch Evaluation, Benchmarking etc. - sollen 'best-practice'-Lösungen in einem gemeinsamen Lernprozess ermittelt werden. Diese gegenseitige Ermittlung von Stärken und Schwächen der jeweiligen Systeme soll einen Entwicklungs- und Koordinationszwang in den Mitgliedstaaten hervorrufen, es wird, um mit Frommberger zu sprechen, „auf der Basis dieser 'politischen' Methode [...] Einfluss und Druck auf die nationalen Systeme und Prioritäten ausgeübt, dem sich auch Deutschland nicht entziehen kann“ (Frommberger 2005a, S. 39); er spricht auch von „Konvergenzdruck und verstärkten 'Anpassungszwängen'“ (ebd., S. 40).
5 Zwischen der Lissabon-Strategie und der Kopenhagen-Erklärung lagen natürlich noch weitere 'Meilensteine' der Errichtung und Förderung eines europäischen Berufsbildungsraumes, die in dieser Arbeit jedoch nicht betrachtet werden sollen. Vgl. hierzu: ebd., S. 37-40.
- 4 -
Arbeit zitieren:
Dipl.-Päd. Karsten Rohr, 2005, Der Europäische Qualifikationsrahmen - Prokrustesbett nationaler Berufsbildungsidentität?, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Konsequenzen der Einführung eines Europäischen Qualifikationsrahmens f...
Pädagogik - Berufserziehung, Berufsbildung, Weiterbildung
Bachelorarbeit, 39 Seiten
Der Europäische Qualifikationsrahmen (EQR) - Entstehung, Ziele, Perspe...
Unter besonderer Berücksichtig...
Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik
Hausarbeit (Hauptseminar), 23 Seiten
Zu den Gütekriterien handlungsorientierter Prüfungen
Pädagogik - Berufserziehung, Berufsbildung, Weiterbildung
Hausarbeit, 15 Seiten
Johan Huizingas kulturanthropologische Theorie des Spielens
Eine einleitende Erörterung
Kulturwissenschaften - Allgemeines und Begriffe
Hausarbeit, 17 Seiten
Die interkulturelle Öffnung der Sozialen Arbeit
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Diplomarbeit, 121 Seiten
Über den Zusammenhang von Gehirn, Gesellschaft und Geschlecht
Frauenstudien / Gender-Forschung
Hausarbeit (Hauptseminar), 26 Seiten
Der Emissionshandel - Hintergründe, Funktionsweise und praktische Umse...
Medien / Kommunikation - Journalismus, Publizistik
Seminararbeit, 21 Seiten
Thomas Hobbes, Leviathan - Vom Naturzustand zum starken Staat
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Seminararbeit, 19 Seiten
Übersicht über den Status Quo des modernen Membranbaus
Ingenieurwissenschaften - Wirtschaftsingenieurwesen
Masterarbeit, 33 Seiten
Forschungsplan: Studienabbruch in der Soziologie
Soziologie - Arbeit, Beruf, Ausbildung, Organisation
Hausarbeit (Hauptseminar), 18 Seiten
Kompetenzentwicklung vs. Qualifikation
Pädagogik - Berufserziehung, Berufsbildung, Weiterbildung
Hausarbeit (Hauptseminar), 41 Seiten
Die Entwicklung eines Lehrplan...
Pädagogik - Wissenschaft, Theorie, Anthropologie
Hausarbeit, 22 Seiten
Karsten Rohr hat den Text Der Europäische Qualifikationsrahmen - Prokrustesbett nationaler Berufsbildungsidentität? veröffentlicht
Karsten Rohr hat einen neuen Text hochgeladen
Der Einfluss des Europäischen Zivilverfahrensrechts auf die nationalen...
Miklós Kengyel, Viktória Harsági
Monumentalism/Monumentalisme: History, National Identity and Contempor...
geschiedenis, nationale identi...
Jelle Bouwhuis, Margriet Schavemaker
The Legacy of Homer: Four Centuries of Art from the Ecole Nationale Su...
Emmanuel Schwartz, Philippe Senechal, George Steiner
Nationale Strafverfolgung völkerrechtlicher Verbrechen / National Pros...
Canada, Estonia, Greece, Israe...
Albin Eser, Ulrich Sieber, Helmut Kreicker
0 Kommentare