Martin Frankenhauser Wissenschaftliches Arbeiten 25.11.2005
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Was unterscheidet Wissenschaft und Alltag? - Beschreiben
sie die Kriterien von „Wissenschaftlichkeit“.
1.Was unterscheidet Wissenschaft und Alltag?
Um festzustellen, was Wissenschaft und Alltag unterscheidet, bedarf es zuallererst einer Klärung der beiden Begriffe.
1.1 Die Definition von Alltag und Wissenschaft
Der Duden definiert Alltag u.a. als: „gleichförmiger Ablauf im Arbeitsleben“ und Wissenschaft u.a. als „argumentativ gestützt, Wissen hervorbringende forschende Tätigkeit in einem bestimmten Bereich“. 1
In Betracht dieser beiden Beschreibungen des Duden lassen sich kaum Unterschiede der Begriffe Wissenschaft und Alltag festmachen, da die Beschreibung des Alltags für unseren Zweck zu wenig Information liefert. Während zur Konkretisierung von Wissenschaft mehrere Eigenschaften genannt werden, wird versucht den Alltag mit einer einzigen Eigenschaft, der der Gleichförmigkeit zu erklären.
Dies ist jedoch zur Klärung unserer Frage nicht ausreichend. Aber was ist nun Alltag darüber hinaus?
Unter Alltag wird auch die Wirklichkeit, die jeder einzelne Mensch wahrnimmt, verstanden. Das reale Leben, das jeder Mensch täglich durch sein Handeln verändert und in dem jeder Mensch Veränderungen seines Alltags durch andere Personen erfährt.
Unter Berücksichtigung dieses Kenntnisstandes lassen sich Unterschiede und Äquivalenzen zwischen Alltag und Wissenschaft erkennen. Im Folgenden wird jedoch nur auf die Differenzen eingegangen werden.
1.2 Der Unterschied hinsichtlich des Handelns
Der Alltag unterscheidet sich von der Wissenschaft bezüglich des Aspektes des Handelns. Er wird durch routiniertes Handeln, also Handeln aus Erfahrungen und
1 Vgl. wissenschaftlicher Rat des Duden, Leitung Drosdowski G.: Deutsches Universal Wörterbuch A- Z, Duden, Mannheim 1989 S. 93
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durch Wiederholung einer Tätigkeit bestimmt. Dem gegenüber steht die Wissenschaft, die methodisch über ein Objekt nachdenkt.
1.3 Der Unterschied hinsichtlich der Generierung von Wissen
In der Praxis bzw. im Alltag kommt Wissen durch Handeln zustande. Durch die Lösung einer Aufgabe erhöht der Mensch sein Wissen. Im Alltag ergibt sich eine Aufgabe aus den Gegebenheiten, also der Umwelt, des Moments, in der sich ein Mensch bzw. ein Subjekt befindet. Diese Gegebenheit steht konträr zu den Bedingungen der Wissenschaft. Diese nimmt Gegebenheiten nicht als gegeben hin, sondern legt sie fest. Da die Wissenschaft bei ihrer forschenden Tätigkeit immer unter dem Aspekt der Festlegung von Bedingungen zu einer Erkenntnis kommt, bedeutet dies, dass die Wissenschaft um Wissen zu generieren, sich stets des gleichen Systems bedient. Demnach unterscheidet sich die Generierung von Wissen im Alltag und Wissenschaft durch die Tätigkeit. Zum einem ist es das praktische Handeln im Alltag und zum anderen das systematischen Forschen der
Wissenschaft. Des Weitern wird Generierung von Wissen durch die Gegebenheiten der Umwelt beeinflusst. Diese sind in der Realität chaotisch und in der Wissenschaft einer bestimmten Systematik unterlegen. 2
1.4 Der Unterschied hinsichtlich der Sprache.
Wissenschaft erzeugt durch ihre Tätigkeit eine eigene Sprache. Die abstrakte Sprache der Wissenschaft steht somit der Umgangssprache des Alltags gegenüber. 3
1.5 Der Unterschied hinsichtlich der Deutung von Erkenntnissen
In der Praxis wird die Erkenntnis hingenommen und nicht hinterfragt. Das Wissen wird durch das Subjekt immer wieder angewendet, wenn dieses es für richtig empfindet. Wissenschaftliche Erkenntnisse werden im Gegenteil zu dem Alltag aus den verschiedensten Perspektiven bezüglich ihres Sinnes hinterfragt. 4
2 Vgl. Hierdeis H., Hug T..: Pädagogische Alltagstheorien und erziehungswissenschaftliche Theorien, Klinkhardt, Bad Heilbrunn 1996 S. 60
3 Vgl. Hierdeis H., Hug T..: Pädagogische Alltagstheorien und erziehungswissenschaftliche Theorien, Klinkhardt, Bad Heilbrunn 1996 S. 61
4 Vgl. Hierdeis H., Hug T..: Pädagogische Alltagstheorien und erziehungswissenschaftliche Theorien, Klinkhardt, Bad Heilbrunn 1996 S. 61
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1.6 Der Unterschied hinsichtlich der Speicherung des generierten Wissens Die Erkenntnisse des Alltags werden im Bewusstsein des Menschen oder der
Gesellschaft gespeichert. Ein Beispiel hierfür ist das Wissen der Bevölkerung, dass ein Wadenwickel fiebersenkend wirkt. Dieses Wissen wird von Generation zu Generation weitergegeben. Obwohl das alltägliche Wissen, das auch als „nicht systematische Wissen“ bezeichnet wird, weitergegeben wird, ist das „systematische Wissen“, der Wissenschaft in der Regel häufiger verbreitet. Die Ursache hierfür liegt in der systematischen Dokumentierung von wissenschaftlichen Erkenntnissen. Alltag und Wissenschaft differieren ebenfalls im Punkt der Ordnung bzw. Abrufbarkeit des erschlossenen Wissens, da Menschen ihr Wissen, laut Dr. Helmart Hierdeis, „nach subjektiven Bedeutsamkeiten“ ordnen. 5 Dies bedeutet, dass der Mensch die Wichtigkeit einer Information für sich und seine Umwelt nach seinen Prioritäten für wichtig oder unwichtig deklariert. Die Wissenschaft ordnet ihr Wissen nach der Sichtweise, mit der sie eine Sache erforscht.
1.7 Der Unterschied hinsichtlich der Motivation
Die Motivation im Alltag ist pragmatischer bzw. existenzieller Natur. Dem gegenüber steht die Wissenschaft, die meist durch theoretische Motivation vorangetrieben wird. Während die Wissenschaft die Frage aufwirft, ob es theoretisch möglich sei, dass ein Braunbär einen Lachs mit seinen Pranken fängt, versucht dieser einfach einen Lachs zu fangen, um sein Hungerbedürfnis zu stillen. 6
1.8 Der Unterschied hinsichtlich der Erkenntnis
Ein Subjekt, das sich im Alltag Wissen angeeignet hat, versucht diese Erkenntnis zu sichern, wenn es sich dadurch Vorteile erhofft. In der Wissenschaft wird jede
5 Vgl. Hierdeis H., Hug T..: Pädagogische Alltagstheorien und erziehungswissenschaftliche Theorien, Klinkhardt, Bad Heilbrunn 1996 S. 61
6 Vgl. Hierdeis H., Hug T..: Pädagogische Alltagstheorien und erziehungswissenschaftliche Theorien, Klinkhardt, Bad Heilbrunn 1996 S. 61
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Martin Frankenhauser, 2005, Was unterscheidet Wissenschaft und Alltag? Die Kriterien von 'Wissenschaftlichkeit', München, GRIN Verlag GmbH
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