Inhalt
Inhalt 2
1 Einleitung. 3
1.1 USA, 11. September 2001: „Ein Kampf, den niemand wollte“ 3
1.2 „Die neue Weltunordnung“: Der 11. September und das Internationale
System 4
2 Neorealismus vs. Liberaler Internationalismus 7
Einleitung 7
2.2 Die Theorie des Neorealismus nach Kenneth N. Waltz 7
2.3 Die Entwicklung einer Theorie des Liberalen Internationalismus 12
2.3.1 Die Wurzeln in Immanuel Kants „ewigem Frieden“ 12
2.3.2 Vom philosophischen Entwurf zur außenpolitischen Richtschnur 15
2.4 Forschungsdesign: Schlagwörter der Theorien. 16
3 Hintergrund. 18
3.1 Die Bush-Doktrin: Zwischen Konsequenz und Allmachtsvorstellung. 18
3.2 „Iraqi-Freedom“ und der Versuch einer Rechtfertigung 21
4. Waltz versus Kant - Analyse aus zwei Blickwinkeln. 24
4.1 Post-9/11 und Kenneth N. Waltz. Eine neorealistische Betrachtung us-
Amerikanischer Außenpolitik 24
4.2 Post-9/11 und Immanuel Kant. Eine Liberale Betrachtung us-
Amerikanischer Außenpolitik 28
5 Conclusio 31
6. Bibliographie 34
1 Einleitung
1.1 USA, 11. September 2001: „Ein Kampf, den niemand wollte1“
„Der Gang der Geschichte entscheidet sich bisweilen an einem Tag oder auch nur innerhalb weniger Stunden. 2 “ Es ist 8.46 Uhr am 11. September 2001, als sich eine Boeing 767 der American Airlines (Flug 11) in den Nordturm des World Trade Centers (WTC) bohrt. 17 Minuten später rast eine Maschine der United Airlines in den Südturm. Ein Unfall kann zu diesem Zeitpunkt ausgeschlossen werden. Die Vereinigten Staaten von Amerika befinden sich unter Beschuss. Es ist 9.37 Uhr, als sich American Airlines Flug Nummer 77 in die militärische Machtzentrale der USA, das unweit vom Potomac River in Virginia gelegene, Pentagon bohrt. Etwa eine halbe Stunde später rast ein weiteres Verkehrsflugzeug in ein Feld bei Shanksville, Pennsylvania. Eigentliches Ziel vermutlich das Kapitol, politisches Machtzentrum der Vereinigten Staaten. Es sind ewig währende 77 Minuten, die an diesem Septembermorgen die Ordnung der Welt auf den Kopf stellen. Amerika war in das Fadenkreuz islamischer Terroristen geraten. Ihren Groll auf die westliche Zivilisation projizierten sie auf deren schillerndste Fassade, die Finanzmetropole New York mit ihren blasphemisch in die Höhe ragenden Türmen.
„[D]ie Katastrophe des Zweiten Weltkrieges kostete in den […] Vereinigten Staaten nur sieben
Zivilisten das Leben. […] Während der nächsten beiden Kriege, Korea und Vietnam, gab es [in
den USA] überhaupt keine Opfer. Doch dann, am 11. September 2001, wurden binnen einer
Stunde fast 3000 Menschen auf amerikanischem Boden getötet. Eine extreme Demonstration
der Waffen der Schwachen. Sie erfüllte die Starken mit Angst. 3 “
Amerika war getroffen, nicht in Vietnam, nicht in Korea, sondern mitten im Herzen einer ihrer größten Metropole. Das subjektive Sicherheitsgefühl der amerikanischen Bevölkerung war bis ins Mark erschüttert.
1 Fischer, Joschka 2001: Aktuelle Lage, 22f.
2 Fischer, Joschka 2005: Die Rückkehr der Geschichte. Die Welt nach dem 11. September und die
Erneuerung des Westens, Köln: Kiepenheuer & Witsch, 9.
3 Mann, Michael 2003: Die ohnmächtige Supermacht. Warum die USA die Welt nicht regieren können.
Frankfurt/New York: Campus, 65.
Der asymmetrische Krieg des Terrorismus hatte das „promised land“ eingeholt 4 . „Osama bin Laden und Konsorten [hatten] gezeigt, daß [sic] der Atlantik schmaler sein kann als das Mittelmeer, weil im Zeitalter der »Globalisierung« auch der Terrorismus global agiert. 5 “
Für die amerikanische Administration stellte sich eine neue Situation dar. „Kommentatoren beschworen [den Angriff auf Pearl Harbour], als eine Art Präzedenzfall, aber in Wirklichkeit gab es keine Parallele. Der 11. September brachte etwas völlig Neues. 6 “ Man sah sich im Krieg und der amerikanische Präsident George Bush jr. wurde nicht müde, dies zu betonen.
1.2 „Die neue Weltunordnung7“:
Der 11. September und das Internationale System
Stärke zeigen schien von nun an die Parole in Washington zu lauten. Irgendwie das subjektive Sicherheitsgefühl erneut etablieren.
Die Anschläge des 11. September 2001 riefen in der Welt ein Gros an Solidaritäts-bekundungen aus. Die Rehabilitation amerikanischer Stärke konnte beginnen. Schnell musste man sich - ging es nach dem amerikanischen Präsidenten - entscheiden. „Either you are with us, or you are with the terrorists 8 “, lautete das amerikanische Credo nach 9/11. Der Krieg gegen das, der Beherbergung und Unterstützung des Terrornetzwerks al-Qaida bezichtigte, Afghanistan fand mit breiter Unterstützung der internationalen Gemeinschaft statt. Eine von der Bush-Administration verbalisierte „Achse der Willigen“ hatte sich der „Achse des Bösen“ gegenüber gestellt. Als zukünftige Mission amerikanischer (Außen-)Politik formulierte der Präsident kurz nach den Anschlägen auf Pentagon und WTC die, fortan nach ihm benannte, „Bush-Doktrin“.
4 Fischer, Joschka 2005: Rückkehr, 120.
5 Ash, Timothy Garton 2004: Freie Welt. Europa, Amerika und die Chancen der Krise, München: DTV, 186,
zit. nach: Joschka Fischer: Rückkehr, 209.
6 Talbott, Strobe, Nayan Chanda (Hrsg.) 2002: Das Zeitalter des Terrors. Amerika und die Welt nach dem 11.
September, München/Berlin, 9, zit. nach: Joschka Fischer, Rückkehr, 13.
7 Trenin, Dimitrij 2003: Aufräumen.
8 Bush, George W. 2001: Address to a Joint Session of Congress and the American People
http://www.whitehouse.gov/news/releases/2001/09/20010920-8.html [19. September 2006].
Als Essenz dieses missionarischen Manifests steht die Warnung: „We will make no distinction between the terrorists who committed these acts and those who harbor them. 9 ” Die afghanische Operation “Enduring Freedom” hatte ihre politische Rechtfertigung. Der Krieg am Hindukusch war schnell geführt. Nach rund einem Monat war die Hauptstadt Kabul eingenommen, unzählige Taliban-Kämpfer gefangen genommen und einer der Chefplaner des Terroranschlags, Khalid Sheik Mohamed, arretiert. Die in Wild-West-Manier geforderte Vergeltung für die Terroranschläge des 11. Septembers war erfolgt. Fortan verbalisierte sich ein missionarischer Eifer in Washington.
Lange schon war der „Krieg gegen den Terror“ zum geflügelten Wort, zur selbstverständlichen Aufgabe geworden.
Neben Afghanistan war auch der Irak der „Achse des Bösen“ zugeordnet worden. Die internationale Gemeinschaft reagierte anfangs reserviert, gegen Ende kritisch gegenüber den amerikanischen Interventionsplänen gen Bagdad. Das international grüne Licht blieb aus. Die Vereinten Nationen versperrten sich, genau wie viele der vorherigen Mitglieder der „Achse der Willigen“. Was begann, war der ungebremste Alleingang der „einzigen Weltmacht im internationalen System der Gegenwart, […] der Vereinigten Staaten von Amerika. 10 “
Man intervenierte im Irak ohne gültiges UN-Mandat. „Washington entwand New York den Talar der welthöchsten Autorität und streifte ihn sich selbst über. 11 “ In rhetorischen Angriffen gegenüber den Kriegsgegnern spaltete die amerikanische Administration, in persona Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, das uneinige Europa. Unterstützer wurden zu „neuem“, Gegner zu „altem Europa“. Der ideologische Graben verlief nun nicht mehr einzig und allein durch den Atlantik, er verlief auch auf dem europäischen Kontinent. Die Machtverhältnisse im internationalen System waren ein weiteres Mal, nach Zusammenbruch des Ost-West-Blocks, verschoben. „Im Kern des internationalen Systems, das damit de facto entstand, ruht Amerika als ultimative Entscheidungsmacht. 12 “ Bis heute wird über die Legitimität des Irak-Angriffes debattiert. Noch immer sind die Gründe verschwommen. Ob es der, einer humanen Verantwortung entspringende, Demokratisierungswille der Vereinigten Staaten, oder etwa ein, auf vitalen Machtinteressen des Staates bestehender, neorealistischer Politikansatz war, der den 11. September als Initialzündung für die Neuordnung des Nahen Ostens ansah, soll diese
9 Bush, George W. 2001: Statement by the President in His Address to the Nation
http://www.whitehouse.gov/news/releases/2001/09/20010911-16.html, [16. Juli 2006].
10 Fischer, Joschka 2005: Rückkehr, 117.
11 Trenin, Dimitrij 2003: Aufräumen.
12 Ebd.
Seminararbeit klären. Die folgenden Seiten stellen hierbei die Theorieansätze Kenneth N. Waltz’ (Neorealismus) gegen die Immanuel Kants (Liberalismus), um den Versuch zu starten, die Beweggründe der amerikanischen Administration zu beleuchten. „Ich werde die Chance ergreifen Großes zu verwirklichen“, erklärte Präsident Bush im Jahre 2003. „Es gibt nichts Größeres, als den Weltfrieden zu erreichen. 13 “ Als unbedeutende Randnotiz wird George W. Bush nach dem 11. September in keinem Geschichtsbuch erscheinen.
Er wird in Erinnerung bleiben als der Präsident, in dessen Amtszeit „die Frage der Ordnung der Welt ganz oben auf [der] Tagesordnung der internationalen Politik 14 “ landete. „Der Gang der Geschichte entscheidet sich bisweilen an einem Tag […] 15 “. Der 11. September 2001, das kann rückblickend gesagt werden, war ein solcher Tag.
13 Woodward, Bob 2003: Bush At War. Amerika im Krieg, Stuttgart/München: DVA, 374.
14 Ebd., S. 116
15 Fischer, Joschka 2005: Rückkehr, 9.
2 Neorealismus vs. Liberaler Internationalismus
2.1 Einleitung
Im Folgenden sehen sich zwei Theoriekonzeptionen gegenübergestellt, die von ihrer Weltsicht gegensätzlicher nicht sein könnten. Dort ist zum einen, der von Kenneth N. Waltz begründete „Neorealismus“, im Kern den Thesen von Niccolò Machiavelli entlehnt, zum Anderen die Theorie vom „ewigen Frieden“, verfasst vom deutschen Philosophen Immanuel Kant und Ausgangspunkt des politischen Liberalismus. Während die erste der beiden genannten Theorien sich einer rationalen, den Eigeninteressen des Staates verpflichteten, Handlungsweise annimmt, begründet sich die zweite auf dem Credo, durch Demokratieförderung, einen „ewigen Frieden“ im internationalen System zu etablieren.
2.2 Die Theorie des Neorealismus nach Kenneth N. Waltz
Die von Kenneth N. Waltz’ angebrachten Thesen zur Theorie des politischen Neorealismus, veröffentlicht im Jahre 1979 in Theory of International Politics 16 , können als Weiterentwicklung der begründenden Schrift von Hans J. Morgenthau, aus dem Jahr 1963 gelesen werden 17 . Morgenthau etabliert in dieser Schrift die politik-erklärende Theorie, die er »Realismus« nennt - basierend auf der darwinistischen Annahme, dass die Welt ein anarchisches System bildet, in dem der Stärkere die Richtlinien angibt 18 . Ausgehend von diesen Grundannahmen entwickelt Waltz seine Thesen eines staatenzentrierten strukturellen Realismus.
Anders als noch bei Morgenthau stehen für Waltz die jeweiligen Staaten als interacting units im Focus des Geschehens.
16 Waltz, Kenneth N. 1979: Theory of International Politics, New York: Random House.
17 Morgenthau, Hans J. 1963: Macht und Frieden. Grundlegung einer Theorie der internationalen Politik
(Dt. Ausgabe), Gütersloh: C. Bertelsmann.
18 vgl.: “[T]he strong do what they can, the weak suffer what they must.”
Forde, Steven 1995: International Realism and the Science of Politics. Thucydides, Machiavelli and
Neorealism, in: International Studies Quarterly 39:2, 141-160, 147.
Arbeit zitieren:
Tim Klimes, 2006, Die Bush-Doktrin - Rhetorik und Realität amerikanischer Außenpolitik nach dem 11. September, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Die RAF als Mythos und Pop-Phänomen
Geschichte Europa - Deutschland - Nachkriegszeit, Kalter Krieg
Hausarbeit, 16 Seiten
Ist Europa ein optimaler Währungsraum?
Eine Analyse der Theorien opti...
VWL - Geldtheorie, Geldpolitik
Hausarbeit, 14 Seiten
Die Erklärungskraft des Neorealismus am Beispiel der amerikanischen Po...
Politik - Internationale Politik - Allgemeines und Theorien
Seminararbeit, 21 Seiten
Die Germania des Tacitus - ein Bericht von Land und Leuten?
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Hausarbeit (Hauptseminar), 10 Seiten
Alexis de Tocqueville und die Zivilgesellschaft
Zur Entwicklung einer demokrat...
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Hausarbeit (Hauptseminar), 29 Seiten
Konflikte, Kriege und Terrorismus am Horn von Afrika: Konsequenzen au...
Politik - Internationale Politik - Region: Afrika
Wissenschaftliche Studie, 295 Seiten
Tacitus Germania als Projektionsfläche für Kritik am römischen Volk
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Seminararbeit, 16 Seiten
Unilateralismus in der US-Außenpolitik - Wandeln sich die Vereinigten ...
Politik - Internationale Politik - Region: USA
Hausarbeit (Hauptseminar), 36 Seiten
Die Phylenreform - Kleisthenes als Begründer der Demokratie?
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Hausarbeit (Hauptseminar), 20 Seiten
Die Vollstrecker des Völkermords
"Ganz normale Deutsche&qu...
Geschichte Europa - Deutschland - Nationalsozialismus, II. Weltkrieg
Seminararbeit, 33 Seiten
Agrarverfassung und Agrarreform in Äthiopien - ein kurzer Überblick
Referat (Ausarbeitung), 12 Seiten
Die Reformpolitik des Kleisthenes
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Seminararbeit, 21 Seiten
Realismus und Neorealismus in den Internationalen Beziehungen
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Seminararbeit, 17 Seiten
Italienisch-Ostafrika (1936-1941)
Politik - Internationale Politik - Region: Afrika
Seminararbeit, 16 Seiten
Zivilgesellschaft und Demokratietheorie
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Seminararbeit, 25 Seiten
Tim Klimes hat den Text Die Bush-Doktrin - Rhetorik und Realität amerikanischer Außenpolitik nach dem 11. September veröffentlicht
Tim Klimes hat einen neuen Text hochgeladen
Internationale Beziehungen aus der Perspektive nationaler Öffentlichke...
Beiträge zur Soziologie intern...
Paul Pachernegg, Christine Pichler, Christine Pilz, Dieter Reicher, Daniel Semper
0 Kommentare