Inhaltsverzeichnis
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Einleitung 03
1 Ländliche Armut und Bevölkerungsentwicklung 05
2 Landwirtschaftliche Entwicklungen seit der Unabhängigkeit 06
3 Regierungspolitik zwischen gelenkter Wirtschaft und freiem Markt 08
3.1 Regierungsprogramme zur Nahrungsversorgungssicherheit 08
3.2 Politische Bemühungen zur Ankurbelung der Landwirtschaft 10
3.2.1 Die politischen Akteure 10
3.2.2 Staatsinterventionen zum Schutze (?) der Landwirtschaft 11
3.2.3 Marktreformen zwischen Liberalisierung und Staatswirtschaft 12
3.2.4 Auswirkungen des staatlichen Interventionismus 15
3.3 Von alten und neuen Ungleichheiten 17
3.4 Sozialer Wandel und die Überwindung von Machtstrukturen 18
4 Revitalisierung der Landwirtschaft - Lösungsansätze 20
Schlusswort 23
Quellenverzeichnis 25
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Einleitung
Indiens Wirtschaft boomt. Diese medial vermittelte These prägt zunehmend die Vorstellung der Öffentlichkeit vom »Wirtschaftsgiganten« Indien. Beim genauen Hinschauen werden aber enorme Disparitäten sichtbar. Sicherlich, verglichen mit dem Wirtschaftswachstum und der Bevölkerungsentwicklung der Industriestaaten, sticht Indien weit heraus. Aber dennoch gibt es Unterernährung und Armut in Größenordnungen, die selbst die Gesamtbevölkerungszahlen eines Industriestaates, weit übertreffen. Während in modernen Gesellschaften die Landwirtschaft einen verschwindend geringen Anteil an der Gesamtwertschöpfung leistet, beläuft sich ihr Anteil in Indien auf über zwanzig Prozent. Fast drei Viertel der Bevölkerung beziehen ihr Einkommen aus diesem Sektor. Eigentlich typische Merkmale für ein Entwicklungsland. Obwohl Indien in einigen Industriebereichen international tatsächlich den Ton angibt, wird die Wirtschaftsmacht Indien im Anflug von Faszination und Globalisierungsängsten, eher überschätzt.
Diese Arbeit soll darstellen welche Bedeutung der Agrarsektor für die wirtschaftliche Entwicklung Indiens hat und welche Probleme mit der ländlichen Gesellschaft, für die Politik verbunden sind.
Das erste Kapitel wird einen Überblick über die demographische Entwicklung und über die Armutsprobleme Indiens geben. Sie sind Ausgangsbasis der nachfolgenden Überlegungen. Die wirtschaftlichen Entwicklungen seit der Unabhängigkeit Indiens bis in die Gegenwart sollen im zweiten Kapitel skizziert werden.
Das dritte Kapitel wird sich in umfassender Weise den politischen Aktivitäten widmen, welche die landwirtschaftlichen Entwicklungen prägen und geprägt haben. Der erste Teil wird zeigen, wie die politische Zielstellung der Selbstversorgung erreicht wurde. Ein zweiter Teil soll in vier Unterpunkten die politischen Bestrebungen, landwirtschaftliches Wachstum zu erzeugen und voranzutreiben, aufzeigen. Dabei werden zunächst die wichtigsten politischen Akteure genannt. Dann wird dargelegt mit welchem Instrumentarium die indische Regierung den Agrarsektor vor negativen Einflüssen (vermeintlich) schützt. Der dritte Unterpunkt soll deutlich machen welchen ideologischen Einflüssen die indische Landwirtschaftspolitik unterliegt. Und letztlich sollen die Auswirkungen der staatlichen Wirtschaftslenkung deutlich gemacht werden. Der dritte Teil dieses Kapitels wird auf Ungleichheiten in der ländlichen Gesellschaft Indiens aufmerksam machen und versuchen einen politischen Bezug herzustellen. Der vierte und letzte Teil des dritten Kapitels soll noch einen Hinweis auf
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traditionelle Elemente geben, welche die ländlichen Machtstrukturen und Entwicklungshemmnisse erklären.
Im vierten Kapitel sollen zum Schluss noch einige Lösungsansätze angeboten werden, die der Landwirtschaft und der ländlichen Bevölkerung und damit der gesamten indischen Gesellschaft, dienlich sein könnten.
Das Schlusswort wird die wichtigsten Ergebnisse in Kürze zusammenfassen. Als Quellen dienten die umfangreichen Literaturbestände verschiedener Universitäten zum Thema, Berichte und Veröffentlichungen internationaler Institutionen und die älteren und jüngeren Ausgaben der Zeitungen DIE ZEIT und des FOCUS´. Genauere Angaben sind dem Quellenverzeichnis zu entnehmen.
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1 Ländliche Armut und Bevölkerungsentwicklung
Die indische Gesellschaft, ist von der weltweit beobachtbaren Tendenz der Urbanisierung nicht ausgenommen. Trotzdem ist die indische Gesellschaft bis heute eine überwiegend agrarische Gesellschaft. 70% der über eine Milliarde zählenden Bevölkerung leben auf dem Land und beziehen ihr Einkommen aus den 329 Millionen Hektar Landressourcen, die ihr zur Verfügung stehen (Bhan; 2004:292). Nahe zu 80% dieser Bevölkerung wird von Kleinbauern gestellt, die über weniger als zwei Hektar Land verfügen und die ungefähr 32 % der Ackerfläche bewirtschaften (ebd.). Auf dem Lande findet sich die überwältigende Bevölkerungsmehrheit von 700 Millionen Menschen (Grefe; 2004:DIE ZEIT), die von Wirtschaftsboom und Modernisierung nicht in gleicher Weise profitieren. Ein Drittel dieser Bevölkerung lebt unter der Armutsgrenze, d.h. von weniger als einem Dollar am Tag (vgl.: Weltbank; 2005:310). Viele von ihnen wandern ab in die Millionenstädte, weil die Unsicherheit und die Verschuldung steigen. Trotz gestiegener Durchschnittseinkommen und rückläufiger absoluter Anzahl der Armen, stellt Indien neben Schwarzafrika heute die Hauptarmutsregion der Erde dar (vgl.: Betz; 1997:17), in der über 200 Millionen Menschen hungern müssen.
Bekanntermaßen ist Indien nach China das bevölkerungsreichste Land der Erde. Bis 2050 wird die Bevölkerung Indiens auf 1.531 Millionen Menschen anwachsen (DSW 2004). Auch die Lebenserwartung der indischen Gesellschaft ist gestiegen. Diese Entwicklungen haben unmittelbaren Einfluss auf den Arbeitsmarkt. Es hätten allein zwischen 2004 und 2007 über 75 Millionen Arbeitsplätze geschaffen werden müssen um der Bevölkerungsentwicklung gerecht zu werden. Doch stattdessen verschwanden in den letzten acht Jahren ca. 4,5 Millionen Arbeitsplätze (Grefe, 2006: DIE ZEIT). Die Bevölkerungsgruppe der über 65-Jährigen wird sich bis 2050 versechsfachen, was unweigerlich Implikationen für die gesundheitliche Versorgung mit sich bringen wird. Der bedeutendste Anstieg ist in der Bevölkerungsgruppe der zwischen 15- und 64-Jährigen zu beobachten, welche auf den Arbeitsmarkt drängen (Bhan; 2004:298). Beschäftigung für eine derart große Bevölkerung wird für die indische Regierung die Herausforderung in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts sein. Die Landwirtschaft besitzt die Hauptabsorptionskraft für Arbeitskräfte, was sich in absehbarer Zeit kaum ändern dürfte.
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2 Landwirtschaftliche Entwicklungen seit der Unabhängigkeit
Nach der Unabhängigkeit Indiens 1947 waren die Regierungsprogramme, die sich in Fünfjahresplänen niederschlagen von dem Willen gekennzeichnet, wirtschaftlich aufzuholen und sich dem Entwicklungsniveau der ehemaligen Kolonialmächte anzunähern. Heute zählt Indien unter den Entwicklungsländern zu den wichtigsten Industrienationen. Dabei zeigt sich bei näherer Betrachtung, dass der wirtschaftliche Erfolg der indischen Volkswirtschaft stark von der Landwirtschaft abhängt. Die indische Union ist trotz boomender IT-Branche, welche im Westen immer auf größte Aufmerksamkeit stößt, ein agrarisch geprägtes Land. Zwei Drittel der Bevölkerung beziehen ihr Einkommen aus der Landwirtschaft. Gehen die Ernteerträge zurück, sind die Folgen in der Industrie spürbar, steigen die Preise, verlangsamt sich die Produktion und vermindert sich das Bruttoinlandsprodukt (vgl.: Bronger; 1996:151). Bleibt gar der Monsun aus, sind die wirtschaftlichen Folgen noch Jahre später spürbar. Wichtigstes politisches Ziel der indischen Regierung seit den 50er Jahren, ist angesichts einer dramatisch zunehmenden Bevölkerung, das Ziel der Nahrungsversorgungssicherheit. Die Landwirtschaft wurde jedoch zu Beginn der Unabhängigkeit von dieser Bürde entlastet. Bis zu einem Drittel der städtischen Bevölkerung wurde durch Weizenimporte aus den USA versorgt (Schäfer; 1981: 147). Das Ziel der Industrialisierung hatte Priorität und wurde mittels dieser Strategie versucht voranzutreiben. Während man die industrielle Entwicklung in die Abhängigkeit vom Ausland stellte, wurde die Landwirtschaft über dreißig Jahre vernachlässigt. Extreme Armut und Hungerkatastrophen wie die von 1966/67 ließen sich dadurch jedoch nicht vermeiden. Erst die Grüne Revolution in den sechziger Jahren verwirklichte das Ziel der Selbstversorgungssicherheit mit Nahrungsmitteln. Durch neue Getreidesorten und den Einsatz neuer Techniken und Düngemittel sowie Technologie, konnte die Landwirtschaft ihre Produktivität steigern. Kehrseite der Erfolgsgeschichte war die sinkende Arbeitsintensität. Zusätzlich gewährleistete ein staatliches System der Getreidelagerung die Nahrungsversorgungssicherheit. Die Grüne Revolution verschärfte auch die sozialen Ungleichheiten. Trotz des vorhandenen Potenzials wurden Hunger und Armut nicht beseitigt. Die Bauernbewegungen der 70er Jahre bringen die gesellschaftlichen Missstände zum Ausdruck. Landlose Arbeiter und Erntehelfer fanden bei linken Parteien eine Plattform, zur Artikulation ihrer Interessen. Besonders aber die kapitalistischen Großproduzenten der indischen Landwirtschaft bildeten eine einflussreiche Interessengruppe heraus. Seit dieser Zeit sind die landwirtschaftlichen Klein- und Mittelbauern ein wichtiges Wahlkampfelement. Die Industrialisierung seit den 80er Jahren und die Herausbildung einer
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Vielzahl von Industrie- und Dienstleistungsbetrieben reichen nicht aus um die nachwachsende Bevölkerung mit Arbeitsplätzen zu versorgen. Seit der Liberalisierungspolitik der 90er Jahre, vor allem aber auch als Reaktion auf die Bauernbewegungen der vorangegangenen Jahrzehnte, hat die Landwirtschaft an Gewicht gewonnen. In den Fünfjahresplänen der Regierung kommt dies, wie noch zu zeigen sein wird, zum Ausdruck. Gesamtwirtschaftlich gesehen hat sich die Armutsrate auf dem Land verringert, im Jahr 2000 lag sie bei rund 26% (the world bank; 2005:13). Trotzdem sind in den letzten zehn Jahren die öffentlichen Investitionen in den Agrarsektor gesunken (ebd.:14). Die produzierte Menge an Reis und Weizen stellt heute die Selbstversorgung Indiens sicher. Diese Nahungsversorgungssicherheit, besteht de facto, die Realität zeichnet jedoch ein anderes Bild. Es hat sich gezeigt, dass zunehmende Nahrungsproduktion nicht die Probleme der Armut und der Unterernährung löst (Bhan; 2004:291). Doch nur die Landwirtschaft kann eine ausreichende Produktion von Nahrungsmitteln, vor allem aber die bedarfsdeckende Verteilung, in einer wachsenden Bevölkerung (die zweitgrößte der Welt!) leisten. Der Anteil der Landwirtschaft am Bruttosozialprodukt beläuft sich auf knapp ein Viertel (vgl.: Weltbank; 2005:312) und ist seit den 50er Jahren zugunsten von Industrie und Dienstleistungen gesunken. Letztere hängen aber stark mit landwirtschaftlichem Wachstum zusammen. Der Bau, die Instandhaltung und Reparaturen von Geräten und Maschinen z.B., bieten vielen Menschen eine Beschäftigung. Zwei Drittel der Bevölkerung beziehen ihr Einkommen direkt oder indirekt aus der Landwirtschaft. Nur die Landwirtschaft kann die wirtschaftlich wichtigen Rohstoffe herstellen, die zur industriellen und gewerblichen Weiterverarbeitung nötig sind. Sie ist die Grundlage einer organischen und kapitalintensiven Industrie. Der Agrarsektor war und ist jedoch ein Problemkind der indischen Wirtschaftspolitik und ein Hemmschuh der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Die stimmmächtige Interessengruppe der Bauern, ist zu einem wichtigen Wahlkampfelement der indischen Parteien geworden. Ihre Rolle als Nahungsproduzenten wird von der Regierung mittlerweile erkannt und durch wirtschaftspolitische Instrumente (wie das der Preis- und Beschaffungspolitik) gestützt. Der für seine liberale Finanzpolitik bekannte Regierungschef und ehemalige Finanzminister Manmohan Singh, möchte gegen die Armut auf dem Land vorgehen (Roy; 2006:DIE ZEIT). Die Basis der indischen Wirtschaft stellen Millionen von Kleinunternehmen. Schwankungen bei den Ernten übertragen sich auf andere Wirtschaftszweige. Das Generieren von Wohlstand, die Reduktion von Armut und die Eliminierung von Hunger hängen maßgeblich davon ab, ob die zwei Drittel der Bevölkerung, die ihren Lebensunterhalt in der Landwirtschaft verdienen,
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Arbeit zitieren:
Bachelor Patrice Jaeger, 2006, Die entwicklungspolitische Schlüsselrolle der indischen Landwirtschaft, München, GRIN Verlag GmbH
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