Ich wollte typisch Neger sein, das war nicht mehr möglich. Ich wollte weiß sein - das war eher zum Lachen1
Die Sprache stellt eines der fundamentalsten identitätsstiftenden Merkmale des Menschen dar.
An ihr läßt sich die kulturelle Eigenständigkeit eines Volkes ablesen:
In jeder Sprache gibt es eine Anzahl Wörter, für welche andere Sprachen überhaupt nichts Entsprechendes haben
[...] Daher kann man auch nicht aus einer Sprache in die andere übersetzen, ohne dass ein unübersetzbarer Rest
bleibt [...]
Zwei verschiedene Sprachen sind zwei verschiedene Weltansichten2
Große Dichter und Philosophen wie Gottfried Wilhelm von Leibniz (1646-1716), Johann
Gottfried von Herder (1744-1803), Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), Jean Paul
(1763-1825), Wilhelm von Humboldt (1767-1835) und Arthur Schopenhauer (1788-1860)
stellten in aller Deutlichkeit die These auf, dass Sprache und kulturelle Identität eng
aufeinander bezogen sind.
Dem Gebrauch europäischer Sprachen als Verkehrs-, Amts- und Unterrichtssprachen
in Afrika liegt zweifelsohne die wohl bekannte, viel diskutierte und immer wiederkehrende
Thematik der Kolonisierung dieses Kontinents durch europäische Mächte wie Frankreich,
England, Deutschland, Portugal etc. im 19. Jahrhundert3 zugrunde.
Die gezielte wirtschaftliche Ausbeutung der besetzten Territorien, die durch eine unerbittliche
Waffengewalt von Kolonialtruppen gegen einheimische Widerstandskämpfer realisiert
werden konnte, ging mit einer ausgeprägten niederwerfenden Kulturpolitik einher, in der das
Erlernen der Sprache des Kolonialherren durch den Kolonisierten den Mittelpunkt einnahm,
denn:
Unter „zivilisierten“ Nationen, zwischen denen kein größeres Machtgefälle besteht, mag es für ein Zeichen der
Höfflichkeit und gegenseitigen Respekts gelten, die Sprache des anderen zu lernen [...], zwischen der Übermacht
des Kolonisators und der Ohmacht des Kolonisierten ist kein Platz für solche Höflichkeiten. Der Unterlegene muß
sich mit dem Sieger arrangieren. Will er sich Gehör verschaffen, muß er seine Sprache lernen, Zeit und Mühe investieren, um Zutritt in die Sphäre der Macht zu bekommen. Der Kolonisator, der oft nur für eine begrenzte
Dauer im Lande bleibt, hat nicht die Zeit, um die (von ihm meist verachteten) Sprachen der „Eingeborenen“ zu
lernen. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einblick
2. Befürworter
3. Skeptiker
4. Abschlussbemerkungen
5. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das komplexe Dilemma der afrikanischen Eliten hinsichtlich der Nutzung europäischer Sprachen im postkolonialen Afrika, wobei das Spannungsfeld zwischen kultureller Identität, Assimilation und der Notwendigkeit globaler Kommunikation analysiert wird.
- Historischer Kontext der kolonialen Sprachpolitik
- Pro- und Contra-Argumente der afrikanischen Intellektuellen
- Die Rolle der Sprache bei der Identitätsbildung
- Sozio-ökonomische Faktoren und Integrationschancen
Auszug aus dem Buch
3. Skeptiker
Nicht eine unbedeutende Zahl von afrikanischen Eliten, die oft die europäischen Sprachen mit dem negativ besetzten Begriff von „Kolonialsprachen“ bezeichnen, sagen sich von den obigen Thesen los. Sie sehen nach wie vor in den europäischen Sprachen ein Unterdrückungsinstrument. Diese Idiome hätten der Kolonisierung Afrika als Herrschaftsinstrument gedient. Im heutigen Kontext stellten sie das Herrschaftsinstrument des Neokolonialismus dar. Tatsache ist, dass die Kolonisatoren in der Sprache „das sicherste Mittel“ sahen, das „auf Dauer die für die Macht-Inszenierung notwendige Distanz zu erzeugen und zu bewahren“
Dem Versuch die sprachliche Vielfalt Afrikas als Nachteil zur Förderung der afrikanischen Sprachen zugunsten der europäischen Sprachen als Amts- und Umgangssprachen darzulegen, so sprechen die Skeptiker, liege eine anmaßende kolonialistisch eurozentrisch geprägte Vorstellung zugrunde, die eine Rechtfertigungsstrategie für die Überlegenheit der europäischen Sprachen auf die afrikanischen darstelle. Damit werde versucht, die mittels dieser Sprachen den Afrikanern zugefügte kulturelle Entwurzelung, zu relativieren, ja geradezu zu verbrämen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einblick: Das Kapitel führt in die identitätsstiftende Bedeutung von Sprache ein und beleuchtet die historische Rolle der Kolonialsprachen als Instrument der kulturellen Assimilation und Machtausübung in Afrika.
2. Befürworter: Hier werden die Argumente derer dargestellt, die europäische Sprachen als unverzichtbare, pragmatische Werkzeuge für den sozialen Aufstieg und die internationale Kommunikation im globalen Kontext betrachten.
3. Skeptiker: Dieses Kapitel thematisiert die radikale Kritik an der Dominanz europäischer Sprachen, die als neokoloniale Instrumente gesehen werden, welche die einheimische Kultur und Identität unterdrücken.
4. Abschlussbemerkungen: Das Fazit fasst das Dilemma zusammen und plädiert trotz der Gefahr der Akkulturation für eine verantwortungsvolle Mehrsprachigkeit als Chance für Afrika im Dialog der Kulturen.
5. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärquellen.
Schlüsselwörter
Postkolonialismus, Afrika, Kolonialsprachen, Identität, Assimilation, Mehrsprachigkeit, Kulturpolitik, Neokolonialismus, Sprachförderung, Kommunikation, Identitätsbildung, Globalisierung, Frankophonie, Muttersprache.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die komplexe Problematik der Verwendung europäischer Sprachen in den postkolonialen afrikanischen Staaten und wie diese den sozialen und kulturellen Status der Bevölkerung beeinflussen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die Auswirkungen der kolonialen Vergangenheit, die Rolle der Sprache als Identitätsmerkmal sowie die gegensätzlichen Positionen afrikanischer Intellektueller zur Nutzung ehemaliger Kolonialsprachen.
Welches primäre Ziel verfolgt die Untersuchung?
Das Ziel ist es, das Dilemma zwischen dem Erhalt der kulturellen Identität und der Notwendigkeit der Nutzung moderner Weltsprachen für die Integration in die globale Gemeinschaft sichtbar zu machen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewandt?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und einer kritischen Auseinandersetzung mit theoretischen sowie realpolitischen Diskursen verschiedener afrikanischer Autoren und Denker.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Befürworter, die Sprachen als pragmatische Instrumente nutzen, und der Skeptiker, die diese als Gefahr für die kulturelle Eigenständigkeit betrachten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren den Inhalt?
Wichtige Begriffe sind Postkolonialismus, Identität, Assimilation, Sprachpolitik und das Konzept des "planetarischen Dorfes".
Warum ist laut der Skeptiker die Nutzung europäischer Sprachen problematisch?
Die Skeptiker argumentieren, dass die Sprachen der Kolonialherren die kulturelle Entwurzelung fördern und zur Unterdrückung afrikanischer Sprachen und Wissensformen beitragen.
Welche Rolle spielt das Beispiel Tansanias oder die Rolle des Französischen im Kontext der UNESCO?
Diese Beispiele dienen dazu, die praktischen Schwierigkeiten einer einheitlichen Sprachpolitik und den Widerstand gegen die Implementierung lokaler Sprachen als offizielle Bildungsmedien zu illustrieren.
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- Lacina Yeo (Author), 2002, Europäische Sprachen im Munde der Afrikaner als Muttersprache. Chance oder Schande?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/7281