Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung 2
II. Constantin I. 2
1. Vor der Alleinherrschaft 2
a) Herkunft 2
b) Constantin I. und seine Frau Fausta 4
c) Tod Maximians 5
d) Erhebung der Söhne zu Caesaren 5
2. Nach der Alleinherrschaft 6
a) Tod des Licinius 6
b) Familiendrama um Crispus 6
c) Tod und Nachfolgeregelung Constantins I. 9
III. Die Söhne Constantins 10
1. Kämpfe nach dem Tod Constantins I. 11
2. Constantin II. 12
3. Constans 13
4. Constantius II. 13
IV. Zusammenfassung 16
V. Literaturverzeichnis 18
1. Primärliteratur 18
2. Sekundärliteratur 19
2
I. Einleitung
Unter der Alleinherrschaft Kaiser Constantins I. wandelte sich das diocletianische Mehrkaisertum zum dynastischen Mitkaisertum 1 . In dieser Arbeit werde ich darlegen, welche dynastischen Strukturen von Constantin aufgebaut wurden und aus welchen Gründen. Dabei wird das Hauptaugenmerk auf Constantin und seinen Söhnen liegen, beachtet wird aber auch die sogenannte Nebenlinie aus der Verbindung von Constantins Vater, Constantius I. Chlorus, mit Theodora. Außerdem soll erörtert werden, wie diese dynastischen Strukturen dem Machterhalt dienten und ob sich Vorteile gegenüber dem diocletianischen Mehrkaisertum ergaben.
Auf der Basis der Quellen und unter Einbeziehung der einschlägigen Forschungsliteratur wird zunächst die Person Constantins des Großen im Mittelpunkt stehen, wobei ich sowohl auf die Familientragödien um Maximian, Licinius und Crispus als auch auf die Einsetzung der Söhne als Caesaren und die Heiratspolitik eingehen werde. Im Anschluß daran werde ich mich den Söhnen Constantin II, Constantius II, Constans sowie den Neffen Dalmatius, Gallus und Julian widmen, unter Berücksichtigung der Usurpationen und der Familientragödien um Dalmatius und Gallus.
II. Constantin I.
1. Vor der Alleinherrschaft
a) Herkunft
Constantin wurde am 27. Februar zwischen 270 und 288 2 in Naissus geboren. Seine Mutter Helena, die Konkubine 3 des Constantius Chlorus, war eine „Frau niedriger Herkunft“ 4 ,
1 Demandt, Alexander: Die Spätantike. Römische Geschichte von Diocletian bis Justinian 284-565 n.Chr. München 1989 (Handbuch der Altertumswissenschaft III,6), S. 76.
2 Vgl. Demandt, S. 62.
3 Vgl. Zosimos: Historia Nova. Deutsch von Otto Veh. Stuttgart 1990 (Bibliothek der griechischen Literatur 31), II 8,2; Libanius: Selected Works. With an english translation, introduction and notes by A.F. Norman. Vol. I, the Julianic orations. Cambridge 1987 (Loeb Classical Library Vol. 451), or. XIV, 30, Fußnote b.
4 Zosimos, II 8,2; vgl. Anonymus Valesianus: Origo Constantini Imperatoris. In: Ammianus Marcellinus with an english translation by John C. Rolfe. Vol. III. Cambridge 1964 (Loeb Classical Library), 2,2.
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Gastwirtin 5 oder Stallmagd 6 . Constantius Chlorus verließ Helena, um eine politisch motivierte Heirat mit Theodora, der Tochter des Maximian, einzugehen. Aus dieser Ehe gingen drei Söhne (Dalmatius, Hannibalianus und Constantius) und drei Töchter (Constantia, Eutropia und Anastasia) hervor. Zu diesen Stiefgeschwistern hatte Constantin I. zunächst keinen Kontakt, angeblich wurden die Söhne auf Betreiben Helenas vom Hof entfernt erzogen und somit zu einem politisch bedeutungslosen Leben verdammt 7 . Nach dem Tod Helenas 328/329 trat Constantin in engere Kontakte mit seinen Halbgeschwistern, er verlieh ihnen politische Ämter und Ehrungen und betrieb mit ihnen Heiratspolitik 8 , wie im weiteren Verlauf meiner Arbeit zu sehen sein wird.
Ihre Rolle am Hof ihres Sohnes ist in den ersten Jahren seiner Regierung kaum bestimmbar, im November 324 jedenfalls wurde sie zur Augusta erhoben, womit einige Ehrenrechte verbunden waren. Dass Helena einen gewissen Einfluss auf ihren Sohn ausübte, lässt sich, unter anderem aufgrund der Gerüchte um ihre Rolle beim Tod Faustas, nicht ganz bestreiten.
b) Constantin I. und seine Frau Fausta
Maximian 9 gab Constantin Ende 307 seine Tochter Fausta zur Frau 10 und erhob ihn zum Augustus 11 . Die Vermählung könnte möglicherweise schon sehr früh festgelegt worden sein, denn der Verfasser des Panegyricus von 307 erwähnt bereits ein Mosaik des jungen Brautpaares bei einem Gastmahl für die Zeit um 293-296 im Palast von Aquileia 12 . Constantin I. verließ genau wie sein Vater eine Konkubine 13 , um eine rechtmäßige, politisch motivierte Heirat eingehen zu können, nämlich Minervina, die Mutter von Constantins ältestem Sohn Crispus. Nach Meinung von Monika Staesche 14 erweisen zwei Stellen bei Zosimos, dass es
5 Vgl. Seeck, Otto: Helena. In: RE VIII,2. Stuttgart 1912, Sp. 2821.
6 Vgl. Demandt, S. 62.
7 Vgl. Staesche, Monika: Das Privatleben der römischen Kaiser in der Spätantike. Bern u.a. 1998 (Europäische Hochschulschriften, Reihe III, Bd. 784), S. 169.
8 Vgl. ebd.
9 Mitkaiser Diokletians bis 305, der 307 einen mißlungenen Versuch unternahm, in die Politik zurückzukehren. Hierbei versuchte er, Constantin im Kampf gegen Galerius, bzw. seinen Sohn Maxentius zu gewinnen und zwar mit einer Heirat. Auch hier zeigt sich also bereits dynastisches Denken.
10 Vgl. Zosimos, II 10,6.
11 Vgl. Demandt, S. 63.
12 Vgl. Staesche, S. 125.
13 Vgl. u.a. Pohlsander, Hans A.: Crispus: Brillant career and tragic end. In: Historia 33 (1984), S. 80.
14 Vgl. Staesche, S. 125f; dazu auch Moreau, Jean: Constantinus II. In : Jahrbuch für Antike und Christentum 2 (1959), S. 160.
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Constantin auch nach seiner Heirat mit der ehelichen Treue nicht so genau nahm, weil immer wieder vermutet worden sei, dass Constantin II nicht der Sohn Faustas, sondern einer unbekannten Frau aus Arles gewesen sei, weil Fausta bereits am 7.8. 317, also sechs Monate nach der Geburt Constantins II im Februar, den späteren Constantius II zur Welt gebracht habe. Die Gewährsstellen 15 tragen allerdings meines Erachtens nichts für diese These aus, da die erste nur erwähnt, dass Constantin II in Arles geboren wurde, und in der zweiten gleich alle drei Söhne (Constantin II, Constantius II, Constans) nicht Fausta zugeschrieben werden. Staesche bezieht sich wohl auf eine Fußnote zu Zosimos II 20,2 16 , wobei in dieser die Position überwiegt, dass eines der beiden Geburtsdaten falsch sei.
c) Tod Maximians
Laut Lactantius versuchte Maximian, seine Tochter zu überreden, ihr bei der Ermordung ihres Mannes Constantin behilflich zu sein. Fausta habe es versprochen, jedoch sofort alles ihrem Mann erzählt, der entsprechende Gegenmaßnahmen ergriffen und den ertappten Maximian dann mehr oder weniger zum Selbstmord genötigt habe 17 . Zosimos berichtet vom Vorhaben des Maximian, eine Verschwörung gegen Constantin anzuzetteln, Fausta aber sei dem Anschlag zuvorgekommen 18 . Die Person der Fausta wird von diesem Autor also nicht so negativ gezeichnet wie von Lactantius, möglicherweise weil Fausta dem heidnischen Glauben anhing 19 . Gar nicht erwähnt wird Fausta bei Aurelius Victor, der von einer verdienten Strafe für Maximian spricht, weil der „specie officii dolis compositis“ 20 Constantin zugesetzt habe.
15 Vgl. Zosimos II 20,2 und 39,1.
16 Vgl. Zosimos, S. 307, Fußnote 44.
17 Vgl. Lactantius: De mortibus persecutorum. Edited and translated by J.L. Creed. Osford 1984 (Oxford early Christian texts), 30,2-4; Eutropius: Abriß der römischen Geschichte. Übersetzt und durch Anmerkungen versehen von Albert Forbiger. Berlin 1921 3 , X 3 (Er berichtet nicht davon, dass Maximian seine Tochter benutzen wollte, wohl aber, dass sie den Plan der Ermordung an Constantin verriet.); Staesche, S. 126.
18 Vgl. Zosimos II 11,1.
19 Vgl. Staesche 127.
20 Sextus Aurelius Victor: Liber de Caesaribus - Die römischen Kaiser. Hrsg., übersetzt und erläutert von Kirsten Groß-Albenhausen und Manfred Fuhrmann. Darmstadt 1997, 40,22.
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d) Erhebung der Söhne zu Caesaren
Am 1. März 317 erhob Constantin in Serdica neue Caesaren, für den Osten Licinianus, den
zweijährigen Sohn von Licinius und Constantia, für den Westen Crispus, seinen zwölfjährigen Sohn von Minervina, sowie Constantinus (II), seinen wenige Tage alten Sohn von Fausta 21 .
2. Nach der Alleinherrschaft
a) Tod des Licinius
Constantin verheiratete seine Halbschwester Constantia 313 mit seinem damaligen Mitkaiser Licinius, der er sie laut Zosimos schon früher versprochen hatte, um einen Verbündeten gegen Maxentius zu gewinnen 22 . 324 hatte Constantin Licinius bei Adrianopel geschlagen, im folgenden Jahr ließ Constantin Licinius contra ius sacramenti töten 23 , nachdem die Nachricht, dieser plane seine Rückkehr zur Macht, einen Tumult unter den Soldaten ausgelöst hatte. Licinius verfiel der damnatio memoriae, seine Gesetze wurden aufgehoben. Zunächst hatte Constantin der Bitte seiner Halbschwester stattgegeben, Licinius am Leben zu lassen 24 . Daran ist ersichtlich, dass der Machterhalt über der dynastischen Struktur steht. Obwohl Licinius der Mann seiner Halbschwester und also in die Familie eingebunden war, wurde er getötet, weil er Constantin gefährlich zu werden drohte. Am 8. November 324 ernannte Constantin seinen dritten Sohn Constantius (II), damals sieben Jahre alt, zum Caesar für den nun vakanten Orient (der Licinianus übertragen worden war, was nach der Tötung seines Vaters aber nicht mehr möglich war). Crispus kehrte nach Gallien zurück, damit war Constantin Herr über das ganze Reich 25 .
21 Vgl. Zosimos II 20,2; Aurelius Victor 41,6 ; Anonymus Valesianus: Origo Constantini Imperatoris. In: Ammianus Marcellinus with an english translation by John C. Rolfe. Vol. III. Cambridge 1964 (Loeb Classical Library) 5,19; Orosius: Die antike Weltgeschichte in christlicher Sicht. Übersetzt und erläutert von Adolf Lippold. Bd. 2. Zürich 1986 (Bibliothek der alten Welt), VII 28,22; Blockley, R.C.: The Fragmentary classicising historians of the later Roman Empire: Eunapios, Olympiodorus, Priscus and Malchus. Volume II (Text, Translation and Historiographical Notes). Liverpool 1983, Eunapios I 8; Demandt, S.70; Pohlsander, S. 86.
22 Vgl. Zosimos II 17,2. Wie bei Maximian wird via Heirat Bündnispolitik betrieben.
23 Vgl. Aurelius Victor 41,8.
24 Vgl. Zosimos II, 28,2, der gewohnt negativ über den Kaiser berichtet; Eutrop X 6, der vom heilig beschworenen Versprechen Constantins schreibt; Anonymus Valesianus 5,28f., der die Gewährung der Bitte berichtet und als Grund für die spätere Tötung die Angst Constantins vor einem erneuten Griff Licinius’ nach der Herrschaft nennt, ebenso Orosius VII 28,20. Vgl. auch Staesche, S. 169.
25 Vgl. Demandt, S. 71.
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Ines Hoepfel, 2006, Constantin der Große und seine Söhne: Machterhaltung durch den Aufbau familiärer Strukturen, München, GRIN Verlag GmbH
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