Philipps-Universität Marburg Fachbereich 10 WS 2001 / 2002 Molière
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Valerie Schmidt
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Innerhalb von Molières Gesamtwerk nimmt 'RP-XDQ in doppelter Hinsicht eine Sonderstellung ein. Es ist die einzige Komödie im Gesamtwerk Molières, die der Dichter wegen ihrer schockierenden Wirkung definitiv vom Spielplan absetzen musste, während er sich im
Falle des 7DUWXIIHschließlich mit Hilfe des Königs gegen die dévots durchsetzen konnte. Außerdem ist 'RP-XDQ diejenige seiner großen Komödien, die dem Regelkanon der französischen Klassiker heftig
widersprach. In mancher Hinsicht stellt 'RP-XDQ Molières unkonventionellstes Werk dar und ist in formaler und inhaltlicher Hinsicht ein literarischen Sonderfall im Zeitalter Ludwig XIV.
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Die große Zeit der aristotelischen 3RHWLN und mit ihr des dichtungstheoretischen Aristotelismus war der europäische Klassizismus. Sie begann während der italienischen Hochrenaissance und erreichte im klassischen Frankreich unter Ludwig XIV ihren Höhepunkt. Das Ende der Klassik markiert in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts die aufkommende Geniebewegung, die eine gänzlich andere Betrachtungsweise der Dichtung durchsetzte. Aus dem Vorbildcharakter der antiken Kunst und Literatur für die italienische Renaissance, erwuchs das Bedürfnis, sich auch auf den Regelkanon der antiken, literarischen Vorbilder zu stützen. Somit wurde Aristoteles zum obersten Gesetzgeber der damaligen literarischen
Produktion und durch seine 3RHWLNerhielt die europäische Literatur der frühen Neuzeit einen inneren Zusammenhang.
Der Höhepunkt des französischen Aristotelismus fällt in die Frühklassik, in die Jahre von etwa 1620 bis 1660. Chapelain eröffnete die Auseinandersetzung mit den klassischen Idealen mit seiner Einleitung
zu Marinos $GRQLVDie Diskussion der aristotelischen 3RHWLN in
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Frankreich unterschied sich deutlich von der, die ein Jahrhundert zuvor in Italien stattgefunden hatte. Es entstand nicht nur eine unüberschaubare Zahl von Abhandlungen, sondern eine umgreifende Diskussion an der sich die ganze führende Schicht beteiligte. Nicht bei den Dichtern, aber durchaus bei den Theoretikern erstarrt die Dichtungstheorie immer mehr zu einer dogmatischen Regelpoetik. Dies beweist zum Beispiel die Lehre der drei Einheiten (Handlung, Zeit, Ort),
die zu dieser Zeit zum ersten Mal aus Aristoteles' 3RHWLN herausgelöst wurde und sich von nun an in ganz Europa durchsetzte.
Aus den antiken Vorbildern Aristoteles und Horaz entwickelten französische Theoretiker die Doctrine classique. Obwohl die Doctrine classique weder im Roman der Klassik, noch in der Komödie oder in den Fabeln La Fontaines eine große Rolle spielt, erregt Molière mit seinen Komödien den Unwillen vieler Zeitgenossen, die ihm unter anderem die Nichteinhaltung der poetischen Regeln vorwerfen. Die scharfe Kritik, die von Geistlichen an Molières Werk geübt wird, nutzt die Ignoranz des Dichters gegenüber der strengen Regelpoetik, um gegen die Inhalte seiner Komödien vorzugehen. In Frankreich zählt Jean Chapelin zu den bedeutendsten Begründern der klassischen Dichtungslehre. Chapelin erhielt von Kardinal Richelieu den Auftrag, die verschiedenen Lehrschriften zu verfassen und somit der Doctrine classique zu Durchsetzung zu verhelfen. Strenggenommen entspricht allerdings nur das Werk des französischen Dichters Racine diesem Regelwerk. Für die Dichter der Klassik wie Molière, aber auch Racine war die Einhaltung der aristotelischen Regeln kein alleingültiges Maß. Sie strebten ebenso nach dem Anklang ihrer Werke beim zeitgenössischen Publikum.
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Arbeit zitieren:
Valerie Schmidt, 2002, Das Problem der dramatischen Gattung bei Molières Dom Juan, München, GRIN Verlag GmbH
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