„Wer frei von Eigennutz ist, und wessen Geist nicht getrübt ist,
ist, selbst wenn er in dieser Welt Menschen tötet, kein Mörder;
enter into the extremely high atmosphere of the Bhagavad Gita,
Inhalt
Einleitung 1
Bal Gangadhar Tilak und die Bhagavadgïtå 4
Fazit 11
Einige interessante Verse der Bhagavadgïtå
mit kurzen Bemerkungen 12
Verwendete Literatur 14
Einleitung
Die Bhagavadgïtå (im folgenden auch nur Gïtå 1 ) ist ihrem Inhalt nach ein philosophischreligiöses Lehrgedicht, das im großen indischen Epos Mahåbhårata die Kapitel 25 bis 42 des sechsten Buches einnimmt. In ihr wird die Essenz des alten vedischen Wissens und der Upani¹aden anschaulich zusammengefasst. 2 Die Gïtå zählt zu den wichtigsten Werken der indischen Literatur und ihr Einfluß auf das kulturelle und politische Leben Indiens reicht über die jüngere Vergangenheit bis in die Gegenwart hinein. Die Liste ihrer Übersetzer und Kommentatoren, einheimischer wie ausländischer, erscheint schier endlos 3 , und es dürfte heute wohl kaum eine hinduistische Sekte in Indien geben, die ihre Lehre(n) nicht auch aus der Gïtå herleitet.
Im Kielwasser der indischen National- bzw. Unabhängigkeitsbewegung gegen Ende des 19. Jahrhunderts schwamm eine interessante Nebenerscheinung mit: Durch den Kommunalismus zwischen Hindus und Moslems und nicht zuletzt durch das vermehrte Auftreten christlicher Missionare entstanden hinduistsche Reformbewegungen wie der Brahmo Samaj und der Arya Samaj, die die christlichen Organisationsformen mit der altindischen Religion und Philosophie zu kombinieren versuchten. 4 Die radikalen Kräfte der Reformbewegung „glaubten [...] an das Erwachen der [indischen; M.L.] Nation aus dem Alptraum der Fremdherrschaft.“ 5 - Das Wecken der Bevölkerung aus eben diesem Alptraum sollte gewissermaßen durch die Vermittlung des Prinzips des karmayoga vollbracht werden, welches die „Selbstverwirklichung in der opfermutigen Tat“ 6 sieht, anstatt weltabgewandt in Meditation zu verharren, nach außen hin also untätig zu sein. Als der wohl berühmteste „Prediger“ des karmayoga galt seinerzeit Swami Vivekananda 7 , und die Bhagavadgïtå behandelt zudem in ihrem dritten und fünften Kapitel ausführlich und anschaulich die Lehre des karmayoga.
1 Die Sonderzeichen stammen aus der Schriftart ISB Times New Roman, die von D.Lönne an der FU Berlin entwickelt wurde. Näheres dazu unter: http://userpage.fu-berlin.de/~dloenne .
2 MYLIUS, K.: Die Bhagavadgïtå – Des Erhabenen Gesang. München 2002. Einleitung. 3 Zwei Beispiele dafür können sein: MINOR, R.: Modern Indian Interpreters of the Bhagavadgita. New York 1986 und: CALLEWART, W.M./HEMRAJ, S.: Bhagavadgïtånuvåda – A Study in Transcultural Translation. Ranchi 1983.
4 vgl. KULKE, H./ ROTHERMUND, D.: Geschichte Indiens. Von der Induskultur bis heute. München 1998. S.347. 5 ibd., S. 350.
6 ibd.
7 ibd., S.351.
1
Anhand einiger Ansatzpunkte möchte die vorliegende Arbeit nun herausfinden, in welcher Form die Gïtå in der Zeit der indischen Nationalbewegung interpretiert wurde. Welche Kapitel spielen für den Interpretatoren eine besondere Rolle? Welche Verse (¸lokas) dienten womöglich direkt den nationalistischen Ideen und Ideologien?
Ob des einzuhaltenden Umfangs der Arbeit beschränke ich mich auf eine namenhafte indische Persönlichkeit aus der Zeit des Unanhängigkeitskampfes; es handelt sich dabei um Bal Gangadhar Tilak, seinerzeit Führer der sogn. „Extremisten“ des Indischen Nationalkongresses (INK/INC).
Blättert man durch die Gïtå, so findet man im zweiten und dritten Kapitel (in denen es um die Prinzipien sankhya yoga und karma yoga geht) viele Verse, die sich nach Meinung des Autors hervorragend für extremistische oder gar terroristische Zwecke eignen würden; ich fand es schade, wenn diese unerwähnt geblieben wären und habe sie mit kurzen eigenen Gedanken an das Ende der Arbeit gestellt.
Die deutschen Übersetzungen der in dieser Arbeit eingefügten Sanskrit-Verse der Bhagavadgïtå habe ich zwar selbstständig, jedoch unter Zuhilfenahme einer Übersetzung 8 angefertigt, da das reine Wort-für-Wort-Übersetzen von Sanskrit-Versen nicht Gegenstand der Arbeit ist.
Zum besseren Verständnis dieser Arbeit sei die Handlung der Gïtå an dieser Stelle in einigen Sätzen erklärt.
Arjuna (der Mensch) befindet sich auf dem Schlachtfeld (des irdischen Lebens) zwischen zwei verfeindeten, jedoch miteinander verwandten Familien-Heeren, den Pandavas und den Kauravas. Unmittelbar vor dem Beginn der entscheidenen Schlacht wird Arjuna von Zweifeln an der Richtigkeit seines bevorstehenden Handelns befallen: Er erkennt in den gegnerischen Reihen der Pandavas seine nächsten Verwandten, seine ehemaligen Lehrer und diverse Freunde, deren Ermordung ihm den Verlust auch seines eigenen Selbsts bedeuten würde. Den im Mahåbhårata als Held verehrten Krieger verlässt daraufhin der Mut und der Wille zum Kampf. Just i n dieser Situation erscheint Gott K¡¹½a in der Person von Arjunas Wagenlenker und belehrt ihn über die wahre Natur des Menschen und dessen Möglichkeiten zum Aufgang im Brahman (d.h. dem Entrinnen aus dem Kreislauf der Wiedergeburten). Ein wichtiger und vom Menschen zu erkennender Aspekt auf diesem Weg zur endgültigen
8 MYLIUS, K.: Die Bhagavadgïtå ... München 2002.
2
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Mario Laatsch, 2006, Die Bhagavadgita bei B.G. Tilak, Munich, GRIN Publishing GmbH
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