Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Durchlässigkeit 4
2.1 Durchlässigkeit und Schulwahlverhalten 4
2.2 Ausmaß der Durchlässigkeit 8
2.3 Art und Umfang der Durchlässigkeit 10
2.4 Zusammenhanganalysen 11
2.5 Der Weg in die gymnasiale Oberstufe 15
3. Abschlussreflexion 18
4. Literaturverzeichnis 19
5. Abbildungsverzeichnis 20
2
1. Einleitung
Meinem Referat lag der Text „Schulstruktur und Durchlässigkeit“ von Mauthe und Rössner aus dem Jahr 1998 zugrunde. Der Text beschäftigte sich mit der quantitativen Entwicklung und der Mobilität zwischen den Bildungsgängen im gegliederten Schulsystem der Bundesrepublik Deutschland. Da das deutsche gegliederte Schulsystem im internationalen Vergleich eher eine Ausnahme ist, ist auch die Durchlässigkeit ein spezifisches Problem dieses Systems.
Anhand der Analyse der Daten aus der Schulstatistik sollten folgende Frage- stellungen beantwortet werden:
1) Wie hoch ist das Ausmaß der Durchlässigkeit zwischen den Bildungsgängen?
2) Welche Veränderungen in Art und Umfang der Durchlässigkeit lassen sich im Beobachtungszeitraum 1980 (BW 1981) bis 1995 identifizieren?
3) Wie steht es um die Chance, nach Abschluss der Sek. I den Bildungsweg in einer gymnasialen Oberstufe fortsetzen zu können?
3
2. Durchlässigkeit
Unter Durchlässigkeit versteht man den Wechsel innerhalb des gegliederten
Schulsystems.
In den folgenden Kapiteln sollen verschiedene Varianten und Dimensionen von
Durchlässigkeit dargestellt werden, sowie die dazu beitragenden Einflussfaktoren.
2.1 Durchlässigkeit und Schulwahlverhalten
In unserem gegliederten Schulsystem soll die Wahl der weiterführenden
Schulart nach der Grundschule oder Orientierungsstufe durch Leistung, Befähigung und Eignung geschehen. Dies ist jedoch sehr schwierig zu
realisieren. Übergangsentscheidungen sind mit Unabsehbarkeiten verbunden, so dass gesellschaftlich auch die Revidierbarkeit der Schullaufbahn-
entscheidungen unumstritten ist und eine Weiterqualifizierung möglich sein
muss. Der Forderung, Bildungswege sollten durchlässig sein, wird somit
zugestimmt. 1 Durchlässigkeit benennt den „Wechsel des schulischen Anspruchsniveaus im Verlauf der Sekundarstufe I sowie […] den Übergang in weiterqualifizierende
Bildungsgänge der allgemeinbildenden und berufsbildenden Sekundarstufe II“ 2 . Dabei sind verschiedene Interpretationsvarianten möglich: Eine hohe Zahl von
Wechslern kann als Indikator für die Offenheit des gegliederten Schulsystems, wie auch als Beleg für Fehleranfälligkeit der Frühauslese interpretiert werden,
während eine geringe Zahl die Prognosequalität der Grundschulgutachten nachweisen kann, aber auch die Undurchlässigkeit der Bildungsgänge
bezeichnet. 3
1 Vgl. Mauthe/Rössner 1998, S. 87
2 Ebd., S. 88
3 Vgl. Cortina 2003, S. 127; Mauthe/Rössner 1998, S. 88
4
Bei der Analyse von statistischen Daten in Bezug auf die Richtung der Durchlässigkeit und das Verhältnis von Auf- und Abstufungen, muss der Wandel des Schulwahlverhaltens berücksichtigt werden, da Eltern ihre Kinder immer häufiger auf höher qualifiziertere Bildungsgänge schicken.
Durchlässigkeit wird nicht mehr nur als pädagogische Maßnahme zur besseren Anpassung der Eignung bzw. Fähigkeit des Individuums an den Anspruch des Bildungsganges gesehen, sondern auch als Ausleseinstrumente zur Durchgangsselektivität. Der begrenzte Einfluss der Schulen bei Übergangs- entscheidungen in die weiterführende Schulart wird so zeitversetzt und fast unanfechtbar. Durch diese Form von Auslese wird die Leistungshomogenität gewährleistet. Durchlässigkeit kann auch als Ausgleich dienen, der eine gewisse Schüleranzahl sichert. Aus älteren Studien geht hervor, dass aufgrund der demographischen Entwicklung, einem starken Schülerzahlrückgang vor allem in den achtziger Jahren, Gymnasien und Realschulen auch Schüler/innen aufnahmen, die für diesen Bildungsgang weniger geeignet schienen. In diesem Zeitraum ging sowohl die Anzahl der Abstufungen als auch die der Wiederholer zurück. In den neunziger Jahren dagegen nahmen die Schülerzahlen in den weiterführenden Schulen wieder deutlich zu. Doch auch die Zahlen der Abwärtswechsler, die vor Ablauf der Sekundarstufe I in eine weniger anspruchsvolle Schulart wechseln, erhöhten sich. Bei der Analyse statistischer Daten dürfen Einzelschicksale nicht außer Acht gelassen werden. Die Verantwortung für tragische Bildungskarrieren liegt nicht nur bei den betroffenen Schülern/innen oder den ehrgeizigen Eltern, sondern sie ist auch
Konsequenz der vorherrschenden Schulstruktur. 4 Zu kurz-, mittel- und langfristigen Auswirkungen bildungsbiographisch weitreichender Entscheidungen, wie des Schulwechsels, sind nur wenige empirische Daten vorhanden. Weiter darf nicht vergessen werden, dass der Schulwechsel eine Entscheidungssituation darstellt, in der psychische und materielle Kosten, der erwartete Nutzen und ein gewisses Maß an Risiko
kalkuliert werden müssen. 5
4 Vgl. Mauthe/Rössner 1998, S. 89-94
5 Vgl. Cortina 2003, S. 127f
5
Der Trend zu höherwertigen Schulabschlüssen stellt die auffälligste
Gemeinsamkeit aller Entwicklungen des Schulwahlverhaltens dar. Fast die Hälfte der Grundschüler soll, nach den Wünschen der Eltern, ihre schulische
Laufbahn mit dem Abitur abschließen. Das Abitur wird hier nicht mehr als Zugangsbescheinigung für ein anschließendes Studium gesehen, sondern
allein als universell verwertbares Zertifikat. Auch scheint es einen signifikanter Zusammenhang zum Schulabschluss der Eltern zu geben: Der Schulabschluss
des Kindes soll möglichst oberhalb des elterlichen Schulabschlusses liegen. 6 Tabelle 1 zeigt die Hinwendung zu den anspruchsvolleren Bildungsgängen mit
besser verwertbaren Abschlussqualifikationen, vergleicht man die ansteigenden Schüleranteile in Nordrhein-Westfalen in Realschulen und Gymnasien von
1960/61 bis 1996/97. Im Schuljahr 1960/61 hat die Realschule einen Schüleranteil von 10,3% und das Gymnasium einen Anteil von 16,5%. Im
Schuljahr 1996/96 steigt der Schüleranteil in den Realschulen auf 25,9% und in den Gymnasien auf 31,7%.
Zu der Veränderung des Schulwahlverhaltens trägt die Rechtsgrundlage zu
Schulformwahl und –verbleib bei. Die Rechtsgrundlage der Schulformwahl und
des Schulverbleib ist von Bundesland zu Bundesland der Bundesrepublik Deutschland unterschiedlich. Vergleicht man einmal Nordrhein-Westfalen, bis
2005 SPD-regiert, und Baden-Württemberg, CDU-regiert, zeigt sich, das in Nordrhein-Westfalen ein nahezu ungehinderter
Zugang zu allen weiterführenden Schulen besteht und in Baden-Württemberg
einschränkende Übergangsbedingungen in die weiterführenden Bildungsgänge vorherrschen.
6 Vgl. Mauthe/Rössner 1998, S. 89-94
6
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Katharina Plottke, 2006, „Schulstruktur und Durchlässigkeit“ - Durchlässigkeit nach Mauthe und Rössner im Schulsystem der BRD, Munich, GRIN Publishing GmbH
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