Die preußische Gegenrevolution 1848/49
von Jörg Passlack
Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung und Vorgeschichte 4
2. Die Gegenrevolution in Preußen 5
2.1. Umgestaltung Preußens und die Juni Aufstände 5
2.2. Die konservative Gegenbewegung 7
2.3. Das Antireaktionsgesetz 8
2.4. Die Verlegung der Nationalversammlung 9
2.5. Die oktroyierte Verfassung 11
3. Ergebnis 12
4. Literaturverzeichnis 13
4.1. Quelleneditionen 13
4.2. Literatur 13
5. Textverweise 14
1. Einleitung und Vorgeschichte
Die Ereignisse des Vormärz 1848 in Berlin schafften eine Stimmung in Preußen, die der alten Herrschaftsordnung die Macht zu nehmen glaubte. Das deutsche Bürgertum trat entschieden für die "Märzforderungen"Anm. 1 ein. König Friedrich Wilhelm IV. war bestrebt, eine politische Lösung in dem Konflikt zu finden, um der alten Sehnsucht nach Einklang und Harmonie zwischen Herrscher und Volk im Rahmen einer von Gott gegebener Ordnung zu entsprechen. Jedoch scheiterte er mit seinem Aufruf an "meine lieben Berliner" am Morgen des 19. März 1848 in dem Bemühen, zu einer friedlichen Verständigung in der angespannten Situation zu kommen. Die Armee zog sich aus der Stadt zurück, und die Revolution übernahm die Gewalt über Berlin.
Von der bitteren Niederlage und seinem Machterhaltungsbestreben getrieben, trat Friedrich Wilhelm IV. auf opportunistische Weise für eine ‚gesamtdeutsche Verfassung konstitutionellen Gepräges′ein, berief ein neues Kabinett und ehrte die Toten der Revolution. Zudem unterstrich er seine vermeintliche Neuorientierung in der Proklamation vom 21. März 1848, in der es gegen Ende heißt: "Ich habe heute die deutschen Farben angenommen und Mich und Mein Reich unter das ehrwürdige Banner des Deutschen Reiches gestellt. Preußen geht fortan in Deutschland auf". Am 29. März 1848 wurden die liberalen Märzminister, das Kabinett um den Ministerpräsident Camphausen und Finanzminister Hansemann von Friedrich Wilhelm IV. eingesetzt. Damit endete für das liberale Bürgertum und auch für die Mehrheit der bürgerlichen Demokraten die Notwendigkeit, sich revolutionärem Druck zu bedienen. Die vorherrschenden Ziele sollten durch parlamentarisch legitimierte Reformen erreicht werden. Dies bedeutete, dass die Revolution vor dem preußischen Thron halt machte, denn der König galt nach wie vor als Führer des preußischen Staates.
Das Bürgertums interpretierte den Ausgang der gewaltsamen Revolution und die Beugung des Königs fehlerhaft. Der Abzug des Militärs aus der Stadt erschien als der Sieg über Fürst und Armee. Tatsächlich war das Militär aber nur zurückgedrängt und nicht besiegt worden. Es blieb dem König weiterhin loyal ergeben. Auch wurde der opportune Richtungswechsel des Königs nicht erkannt. Friedrich Wilhelm IV. ließ das Bürgertum an ihren Sieg glauben, indem er Zusagen machte und politisch nach gab. Er hatte zwar liberale Minister eingesetzt, wechselte diese aber immer wieder in Richtung Gegenrevolution aus.
2. Die Gegenrevolution in Preußen
2.1. Umgestaltung Preußens und die Juni Aufstände
Die Zusammensetzung und Kompetenzen der preußischen Gesamtvertretung, des Vereinigten Landtages, genügte den demokratischen und den liberalen Forderungen nach dem 19. März 1848 nicht mehr. Es wurde verlangt, dass der König Wahlgesetze erlassen soll, die die Wahl einer Nationalversammlung möglich machen. Friedrich Wilhelm IV. wollte die Wahl einer verfassungsgebenden Nationalversammlung nicht oktroyieren, sondern den Weg der staatsrechtlichen Legalität und Kontinuität gehen. Damit distanzierte er sich deutlich von der Revolution und entsagte ihr die unmittelbare rechtschöpferische Kraft. Durch die Begutachtung der Gesetzesvorlage durch den Vereinigten Landtag, sollte sich die Verwandlung zum konstitutionellen Staat durch lückenlose Gesetzlichkeit auszeichnen.
[...]
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Jörg Passlack, 2002, Die preußische Gegenrevolution 1848/49, Munich, GRIN Publishing GmbH
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