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Prinzip Interpretation Beneficience Gutes Tun, zum Wohle einer Sache oder Person Nonmaleficience Nicht schaden, bzw. Schaden vermeiden Justice Gerechtigkeit Respect for Persons Respektieren des Anderen und seiner Autonomie
Noch Martinus Emge hatte 1968 zur Ethik in der Soziologie darauf hingewiesen, dass sie metaphysisch überfrachtet ist – insofern ungeeignet für die Gesellschaftswissenschaft. Soziologie ist keine Sollenswissenschaft sondern eine analytische und empirische Disziplin. Schon in den Sternstunden der Soziologiegeschichte wurde die Wertfrage erörtert. Im Werturteilsstreit um 1910 diskutierten Max Weber und Schmoller über die Zulässigkeit von Werturteilen in sozialwissenschaftlichen Aussagen. Weber lehnte ihre Zulässigkeit ab, während Schmoller sie anerkannte. Weber verordnete Wertfragen ins Vorfeld wissenschaftlicher Arbeit; so auch Ed-mund Husserl (1981), als Begründer der Phänomenologie. Auch in seinem Aufsatz „vom inneren Beruf zur Wissenschaft“ hebt der Heidelberger Soziologe Max Weber (1968) die Sach-orientierung für die Soziologie hervor. Im späteren Positivismusstreit, begonnen 1961 von Theodor W. Adorno und Karl R. Popper auf der Tübinger Arbeitstagung der Deutschen Gesellschaft für Soziologie – und später fortgesetzt von Jürgen Habermas und Hans Albert -, wird die Werturteilsfrage wieder aufgegriffen.
Die Vertreter der Frankfurter Schule kritisieren die Trennung von Wert- und Objektebene; beide Ebenen werden integrativ verknüpft. Reine Objektivität wird verworfen: der Wissenschaftsprozess steht in mächtigen Interessensbezügen. Den Vorwurf eines Einfallstores ideologischen Denkens bei der Aufgabe des Werturteilsprinzipis, wie es Hans Albert formulierte, konnte die Frankfurter Schule jedoch nicht ausräumen. Andererseits warf Habermas in diesem Zusammenhang die Diskursfähigkeit bzw. Diskursqualität einer Gesellschaft bei der Entwicklung von Normen in die Diskussion. Beide beiden Positionen erschienen unvereinbar.
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2. Wo stehen wir heute?
Ethik wird in soziologischer Perspektive als eine Normwissenschaft definiert, jedoch mit Einschränkungen. Ethik steht in Verbindung mit einem sozialen und kulturellen Wandel. Ethik ist also keine statische Grösse, sondern eine dynamische Grösse. Die Entwicklung von Normen ist, wie Habermas gezeigt hat, auch eine Frage ihrer Begründung in Gruppenprozessen, eine Frage ihrer Begründung im Diskurs.
Was können wir bei Max Weber lernen. Weber hat gezeigt, dass Wissenschaft sehr wohl mit Wertpositionen verknüpft ist; sie sind jedoch im Vorfeld wissenschaftlichen Arbeitens zu objektivieren; Wissenschaft ist ein sachbetonter Prozess. Ähnlich argumentiert, wie erwähnt, Edmund Husserl. Er unterstreicht, dass der Wissenschaftler als Mensch sehr wohl ethisch verpflichtet ist, im Wissenschaftsprozess jedoch sachorientiert sei und im Zuge transzendentaler Reduktionen auf den Kern der Dinge zurückgeht.
3. Was können wir bei Jürgen Habermas lernen?
Er hat gezeigt, und ich denke, dieser Sachverhalt ist für die Diskussion „Ethik in der Soziologie“ sehr bedeutsam, dass die Entstehung, Entwicklung und Veränderung von Normen in Gruppen geschieht, vor allem, falls von der Hintergrundfolie einer demokratischen und freiheitlichen Gesellschaft ausgegangen wird. Paternalistische Ethikpositionen lehnt er ab.
Gleichwohl zeigt der Soziologe Siegfried Lamnek von der Katholischen Universität Eichstätt-Ingoldstadt, welche Probleme mit einer gruppeninduzierten Diskursethik verbunden ist. Handelt es sich um einen Diskurs, der unter Zwängen stattgefunden hat, so ist die ethische Position der Ausdruck mächtiger Kräfte im Diskurs und insofern ihre Letztbegründung problematisch.
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Bernhard Mann, 2001, Ethik in der Soziologie, Munich, GRIN Publishing GmbH
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