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Die Blockademöglichkeiten des Bundesrates und dessen Konzeption als ein Gegenlager zur Parteienpolitik

Title: Die Blockademöglichkeiten des Bundesrates und dessen Konzeption als ein Gegenlager zur Parteienpolitik

Seminar Paper , 2002 , 25 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Dirk Tritsch (Author)

Politics - Political Systems - Germany
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In der Geschichte der BRD entfachten die Entscheidungen des Bundesrates des Öfteren einen heftigen politischen Streit. Dabei wurde dem Bundesrat die Rolle eines „Reformstau- oder Blockadeinstruments“ vorgeworfen. Besonders öffentliche Aussagen von Oppositionspolitiker, dass sie diese Blockademöglichkeit für eigene Parteizwecke auszunutzen gedenken, verstärkten das politische Gefecht. Aus den Ereignissen wurde ersichtlich, dass parteipolitische Überlegungen auch im Bundesrat eine zentrale Rolle zur Entscheidungsfindung spielten, bzw. dass der der Bundesrat eine weitere parteipolitische Arena im politischen Gefüge der BRD darstellt. Dieser Sachverhalt widerspricht jedoch der Überlegung, der Bundesrat sei ein Widerlager der Parteipolitk. Interessant ist es daher zu hinterfragen, ob das föderale Element tatsächlich als Widerlager zur parteilichen Konkurrenz angesehen werden kann. Hierzu wird sich zunächst den unterschiedlichen Demokratiebasen des Föderalismus und der Parteikonkurrenz zugewandt. Zu sehen ist, dass sich beide grundlegende Konzepte sehr kritisch gegenüber stehen. Aufbauend auf der herausgestellten Spannung zwischen den zwei Prinzipien erfolgt eine historische Betrachtung unter welchen Konstellationen der Bundesrat eine Blockadefunktion gegenüber dem Bundestag einnehmen konnte. Als Resultat der bisherigen Überlegungen wird der These, der Bundesrat sei ein Gegenlager zur Parteipolitik, argumentativ zugestimmt, wobei die fortschreitende Tendenz der parteilichen Vereinnahmung des Bundesrates ebenso herausgestellt wird. Am Schluss des Aufsatzes soll das alternative Modell eines „neuen Föderalismus“ von Bruno Frey (FOCJ, „Functional, Overlapping, Competing Jurisdictions“) kurz aufgegriffen werden, um eine Lösungsmöglichkeit des Öfter auftretenden „Neutralisationsdilemmas“ innerhalb des deutschen Zwei-Kammern-Systems aufzuzeigen.

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Konkurrenzdemokratie und Konkordanzdemokratie

2.1. Der Parteienwettbewerb und dessen konkurrenzdemokratische Grundlage

2.2. Die Verhandlungs- bzw. Konkordanzdemokratie

2.3. Die Verschränkung der beiden Handlungslogiken

2.4. Fazit

3. Der Bundesrat im Spannungsfeld zwischen Parteipolitik und Aushandlungsmechanismen

3.1. Die Blockademöglichkeiten des Bundesrates im Zweikammerverfahren

3.2. Der Bundesrat als Widerlager zur Parteipolitik!?

3.3. Der Bundesrat als parteipolitische Arena

4. Ein neuer Föderalismus

4.1. Erklärung der FOCJ und ihren Charakteristika

4.2. Die Vorteile der FOCJ

5. Schlußwort

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle des Bundesrates im politischen System der Bundesrepublik Deutschland, wobei insbesondere das Spannungsfeld zwischen der theoretisch angedachten Funktion als föderales „Widerlager“ zur Parteipolitik und der tatsächlichen Praxis einer parteipolitisch instrumentalisierten Arena analysiert wird. Ziel ist es, die Ursachen für wahrgenommene Blockadewirkungen zu ergründen und alternative föderale Organisationsmodelle kritisch zu bewerten.

  • Konkurrenzdemokratie versus Konkordanzdemokratie als Konfliktregelungsmechanismen.
  • Entwicklung und Dynamik der parteipolitischen Verschränkung von Bundesrat und Bundestag.
  • Analyse der tatsächlichen Blockademöglichkeiten anhand von legislativen Daten.
  • Diskussion des Modells der „Functional, Overlapping, Competing Jurisdictions“ (FOCJ) nach Bruno Frey als reformerischer Ansatz.

Auszug aus dem Buch

3.3. Der Bundesrat als parteipolitische Arena:

Wie in diesem Kapitel erläutert, wird in der Politikwissenschaft die Annahme vertreten, dass der Bundesrat von den Verfassungsvätern als Widerlager zur Parteipolitik gedacht und dementsprechend auch konzipiert wurde. Es ist zu hinter fragen, ob diese Annahme überhaupt stimmt. Denn eine klare Aussage der Verfassungsväter zu diesem Thema liegt nicht vor. So möchte ich kurz eine These erörtern, die den Bundesrat eben nicht als Widerlager zur Parteipolitik ansieht, sondern eher als eine bewußte zusätzliche Arena des Parteienwettbewerbs beschreibt.

Nach der vorherrschenden Meinung sollte der Bundesrat durch seine konkordanzdemokratische Grundlage ein Gegengewicht zu dem konkurrenzdemokratischen Bundestag darstellen und somit auch die Parteipolitik eindämmen. Diese Annahme geht jedoch von einer gewissen „Sachlichkeit“ der Bundesratsmitglieder aus, die nahezu als eine parteipolitische Unabhängigkeit beschrieben wird. In den ersten Jahren nach der Gründung der BRD bestand dieser Zustand überwiegend, denn die Mehrheit der Ministerpräsidenten wurden von den Militärverwaltungen der Alliierten eingesetzt. Aber schon wenige Jahre nach der Etablierung des Bundesrates stellten ausschließlich Parteien die Länderchefs. Die Frage nach der Definition des Parteienwettbewerbs muss daher in diesem Kontext neu beantwortet werden. So ist es durchaus möglich die Definition des Parteienwettbewerbs nicht nur auf den Wettbewerb oder Kampf zwischen den Parteien zu reduzieren, sondern auf einen parteiinternen Wettbewerb um eine interne Vormachtstellung zu erweitern.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Problematik der Blockademacht des Bundesrates und die Forschungsfrage nach seiner Rolle als „Widerlager zur Parteipolitik“.

2. Konkurrenzdemokratie und Konkordanzdemokratie: Theoretische Herleitung der beiden grundlegenden Konfliktregelungsmechanismen, auf denen das politische System der Bundesrepublik basiert.

3. Der Bundesrat im Spannungsfeld zwischen Parteipolitik und Aushandlungsmechanismen: Detaillierte Analyse der tatsächlichen Blockadepraxis des Bundesrates unter Berücksichtigung historischer Regierungsepochen und der informellen Koordination.

4. Ein neuer Föderalismus: Vorstellung der FOCJ-Theorie (Functional, Overlapping, Competing Jurisdictions) als radikaler Reformansatz für das föderale System.

5. Schlußwort: Zusammenfassung der Ergebnisse und kritische Reflexion der Konsequenzen einer Abkehr vom aktuellen Bundesratsprinzip.

Schlüsselwörter

Bundesrat, Parteienwettbewerb, Konkordanzdemokratie, Föderalismus, Blockadeinstrument, Gesetzgebungsverfahren, Vetospieler, FOCJ, politische Arena, informelle Koordination, Verhandlungsdemokratie, politische Willensbildung, BRD, Machtverhältnisse.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Funktion und die reale politische Rolle des Bundesrates im deutschen Gesetzgebungssystem, insbesondere unter dem Aspekt, ob er als politisches „Widerlager“ zur Parteipolitik fungiert.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zentral sind die theoretischen Grundlagen der Konkurrenz- und Konkordanzdemokratie, die institutionelle Verzahnung von Bund und Ländern sowie die Auswirkungen parteipolitischer Interessen auf die Arbeit des Bundesrates.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist die kritische Überprüfung der These, dass der Bundesrat als föderales Korrektiv zur parteipolitischen Machtkonzentration gedacht war, und die Einordnung seiner tatsächlichen Blockadefunktion.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche Analyse, die theoretische Modelle mit einer empirischen Betrachtung von Gesetzesvorlagen und Abstimmungsverhalten im Bundesrat verknüpft.

Was steht im Hauptteil der Untersuchung im Fokus?

Der Hauptteil behandelt die Verschränkung von Parteienwettbewerb und Föderalismus, die informelle Koordination der Parteien und die historische Entwicklung der Blockademöglichkeiten im Zweikammerverfahren.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?

Wichtige Begriffe sind Bundesrat, Parteienwettbewerb, Konkordanzdemokratie, Föderalismus, informelle Koordination und FOCJ.

Wie bewertet der Autor die Rolle des Bundesrates als „Widerlager zur Parteipolitik“?

Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die These vom Bundesrat als parteipolitisches Widerlager empirisch kaum haltbar ist, da sich der Bundesrat zunehmend zu einer zusätzlichen Arena des Parteienwettbewerbs entwickelt hat.

Welchen Reformansatz schlägt der Autor für das deutsche System vor?

Der Autor diskutiert Bruno Freys Modell der „Functional, Overlapping, Competing Jurisdictions“ (FOCJ) als eine alternative Form des Föderalismus, die jedoch eine grundlegende Neustrukturierung des deutschen politischen Systems und die Auflösung des Bundesratsprinzips erfordern würde.

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Details

Title
Die Blockademöglichkeiten des Bundesrates und dessen Konzeption als ein Gegenlager zur Parteienpolitik
College
Technical University of Darmstadt  (Institut für Politikwissenschaften)
Course
PS Einführung in das politische System der Bundesrepublik Deutschland: Der deutsche Bundesstaat
Grade
1,7
Author
Dirk Tritsch (Author)
Publication Year
2002
Pages
25
Catalog Number
V8612
ISBN (eBook)
9783638155427
ISBN (Book)
9783638640572
Language
German
Tags
Blockademöglichkeiten Bundesrates Konzeption Gegenlager Parteienpolitik Einführung System Bundesrepublik Deutschland Bundesstaat
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Dirk Tritsch (Author), 2002, Die Blockademöglichkeiten des Bundesrates und dessen Konzeption als ein Gegenlager zur Parteienpolitik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/8612
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