Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
1.1 Trauerursachen 4
1.2 Individualität der Trauer 5
2. Das Erleben der Trauer 6
2.1 Trauerprozess Verarbeitungsprozess Gefühle - Verhalten 6
2.2 Erleben der Trauer in unterschiedlichen Lebensphasen 7
Kinder in der Trauer 7
2.3 Trauerschmerz erleben 13
2.4 Auswirkungen körperliche und psychische Erkrankungen 14
2.5 Pathologische Trauer Melancholie 15
3. Der Umgang mit dem Verlust 16
3.1 Sinn der Trauer 16
3.2 Trost finden 17
3.3 Den Verlust akzeptieren Abschied nehmen Loslassen lernen 18
3.4 Hilfen Trauernde begleiten 19
3.5 Leben nach der Trauer 22
4. Die Formen und Normen der Trauer 23
4.1 Farben der Trauer 23
4.2 Religionen und ihre Art um Tote zu trauern 23
4.3 Der Wandel der mit der Zeit einhergeht 24
4.4 Wie geht man in unserer Gesellschaft mit der Trauer um 26
4.5 Kulturen und Bräuche 27
5. Wissenschaftliche Arbeit 28
6. Schluss 29
Literaturverzeichnis 30
Internet 32
2
1. Einleitung
Trauer ist ein Gefühl das jeder von uns von Zeit zu Zeit durchlebt. Trauer ist wichtig um Verluste zu verarbeiten und die dadurch entstandenen Wunden zu heilen. Das Erleben der Trauer ist sehr individuell und meist sehr schmerzvoll, sämtliche Reaktionen sollten jedoch akzeptiert werden. Ein wichtiges Ziel dieser Arbeit und der Auseinandersetzung mit diesem Thema ist, zu lernen selbst besser mit der Trauer umzugehen und andere in ihrem Leid zu unterstützen.
Trauer ist ein Verarbeitungsprozess für Verlust und Trennung. Meistens wird die tiefste Trauer bei Versterben eines geliebten Menschen empfunden und das Gefühl der Leere auch wirklich wahrgenommen. Oft verdrängt man den Schmerz, dabei ist es für unser Seelenheil wichtig, dass wir diesen Prozess ernst nehmen und die Trauer zulassen.
„Trauer ist ein Gefühl das dann ausgelöst wird, wenn es zu einem realen oder vermuteten Verlust kommt, von jemand oder etwas mit dem man verbunden war. Trauer ist keine
Schwäche. Es betrifft ganz stark das Selbsterleben. Ist auch immer mit Tragik verbunden.“ 1
Trauer ist der emotionale Ausdruck für Verlust, es handelt sich um einen psychologischen Prozess von höchster Wichtigkeit und Vielseitigkeit.
Welche Reaktion ist angemessen, welche Intensität ist normal, ist es überhaupt notwendig, die Trauer zu verarbeiten, wie ist mit den Emotionen umzugehen oder wie schnell ist die Funktionsfähigkeit wieder hergestellt?
Doch wie kann Trauer gelebt werden angesichts des steigenden Drucks funktionieren zu müssen, der Vereinzelung des Individuums und der mangelnden Kompetenz des Umgangs mit der Trauer? Werden Sterben und Tod in modernen Gesellschaften verdrängt, verneint, tabuisiert?
Tod und Trauer sind Themenbereiche, die von der Gesellschaft überwiegend verdrängt und tabuisiert werden, weil die Konfrontation mit dieser Thematik eigene Ängste hervorruft. So ist es nicht verwunderlich, dass Verhaltensunsicherheiten gegenüber trauernden Hinterbliebenen und Sterbenden bestehen. Diese Verhaltensunsicherheiten werden an Kinder weiter gegeben, so dass das Thema „Tod und Trauer“ ein Tabu bleibt.
Der Tod und die Trauer sind aus unserem heutigen Leben verbannt worden, weil das Sterben zur Krankheit gemacht wurde und nicht mehr als Teil des Lebens angenommen wird. Es geschieht anonym und am liebsten von allen ignoriert im Krankenhaus oder Pflegeheim. Tod verkommt zum Tabu, weil die Menschen nicht mehr damit in Berührung kommen und
1 Zitat: Frau Prof. Iris Grünewald
3
deshalb nicht mehr wissen, wie sie damit umgehen sollen. Dadurch wird auch Trauer zu etwas, was keinen Platz mehr in unserer Welt findet. Doch auch Trauer gehört zum Leben dazu, sie ist die Antwort der Menschen auf Abschied, Trennung und vor allem auf Verluste. Trauer tut weh, aber sie ist der Weg, den der Mensch gehen muss, um wieder weiterleben zu können.
Dies betrifft nicht nur Erwachsene, gerade für Kinder sind Verluste unbegreiflich und unfassbar schmerzhaft. Damit Kinder daran nicht zugrunde gehen, brauchen sie jemanden, der sie in ihrer Trauer begreift, ihre Gefühle ernst nimmt und mit ihnen den Weg der Trauer geht. Gerade Kinder haben ein Recht auf Trauer. Sie müssen trauern dürfen, um ihr Leben weiterleben zu können. Erwachsene reden sich jedoch leicht ein, dass Kinder nicht begreifen, was geschieht und das sie schnell vergessen. Sie möchten die Kinder schützen, schützen durch ihre „Ignoranz“ jedoch eher sich selbst vor unbequemen Fragen.
Weitere Fragen: Wie sehen die Auswirkungen einer Trennung aus? Das heißt, sind es nur normale seelische Reaktionen oder kommt es auch zu neurotischen Krankheiten? Sind die Auswirkungen auf die Psyche der Kinder altersbedingt?
1.1 Trauerursachen
Es gibt unzählige Lebensereignisse auf welche wir mit Trauer reagieren. Auslöser können Verlust, Trennung und Enttäuschung sein. Man trauert um einen Verstorbenen, wegen einer Fehlgeburt, aus Verlust der Freiheit oder Heimat, bei Trennung vom Partner, angesichts beruflicher oder materieller Verluste sowie aus der Erkenntnis Wichtiges versäumt oder Lebensziele nicht erreicht zu haben. Wenn man „sich eine Behinderung zuzieht“ oder dauerhafte Gesundheitsprobleme bekommt. Trauer kann noch mehr verschiedene Ursachen haben, wie Entwicklungsfortschreiten, Kommunikationsunfähigkeit, das nicht Ausdrücken können von bestimmten Gefühlen, das Gefühl der Ausgeschlossenheit oder das eigene Versagen. Es können auch ganz schlicht die momentanen Lebensumstände in Trauer versetzen. Diese Übergänge von einer Identität zu einer anderen können auch als Prozesse des "sozialen Sterbens und Wiederauferstehens" begriffen werden.
Es ist wichtig sich bewusst zu machen, dass uns die Trauer oft und auf vielseitige Weise im Leben begegnet.
4
1.2 Individualität der Trauer
Jeder nimmt Erlebnisse anders wahr und jeder hat seine eigene Art mit Verlusten umzugehen. Wichtig ist, dass man seine Gefühle zulässt und sich von niemandem Regeln aufdrängen lässt, wie man zu trauern hat. „Diese (interindividuell unterschiedlich starken) spezifische Emotionen... prägen... – zumindest einige Zeit – das Erleben und Verhalten.“ 2
„Das emotionale Durchleben der Trauer (Fühlen), der Versuch das Geschehene zu verstehen (Denken), Aktivitäten zur Bewältigung des neu entstandenen Chaos (Tun) und ein beschränktes weiterfunktionieren (Vermeiden) sind prinzipiell gleichberechtigte Strategien.“ 3
„Persönlichkeitsfaktoren hängen mit dem Charakter der Person zusammen und damit, wie dies ihre Fähigkeit beeinflusst, seelischen Schmerz zu bewältigen. Es gibt Menschen, die extremen seelischen Schmerz einfach nicht verkraften können und sich zurückziehen, um sich gegen solche starken Gefühle abzuschotten.“ 4
Nicht nur der Trauernde sollte seine Gefühle akzeptieren, sondern auch seine Umwelt und die Menschen die dem Trauernden beistehen. In das Selbsterleben eines Trauernden kann niemand einsehen, deswegen ist Akzeptanz für sein Verhalten sehr wichtig. „Der historisch gesellschaftliche Kontext, in dem der Betroffene lebt, bestimmt dabei die äußere Form seines Trauerns mit“ 5 . Trauersitten ergeben sich aus Erziehung, Kultur und Religionen. Die
Gesellschaft bestimmt die Bräuche und der einzelne nimmt sie für sich an. Der Schweregrad und die Erscheinungsform der Trauer ist individuell und kulturell sehr unterschiedlich. Im allgemeinen ist sie abhängig von der psychischen Konstitution des Verlassenen (d.h., ob irgendwelche psychischen Beeinträchtigungen vorliegen), der Art des Verlustes (d.h. was verloren wurde und wie), der Beziehung zum Verlustobjekt, der Möglichkeit die Traueraufgaben vollständig zu bewältigen und von gesellschaftlichen Forderungen und Normen.
2 TEWES, WILDGRUBE 1992: 376
3 MÜCK 2005
4 WORDEN 1987: 72
5 TEWES, WILDGRUBE 1992: 376
5
2. Das Erleben der Trauer
2.1 Trauerprozess – Verarbeitungsprozess – Gefühle - Verhalten
Helfer wie Betroffener müssen sich bewusst machen, das verschiedene Emotionen frei werden, die man akzeptieren muss.
Die Trauer ist verbunden mit Schmerz, Angst, Zorn und Hass:
1. Schmerz: wird ausgelöst durch die Sehnsucht nach der verlorenen Person oder als Ergebnis
von Schuldgefühlen und Furcht vor Vergeltung
2. Angst: wird oft in Folge von Trauer und Schmerz bei Trennung empfunden, z.B. die Angst
für immer allein zu bleiben.
3. Zorn und Hass: gegenüber dem Toten oder dem Menschen der gegangen ist, weil er einfach
verschwand, gegenüber anderen Personen und sich selbst, weil der Verlust nicht verhindert wurde. Zorn und Hass sind Folgen des empfundenen Leids.
Es ist enorm wichtig, „Trennung und Abschied zu verarbeiten“ 6 . Man sollte die Realität des
Verlustes anerkennen und verarbeiten. Gefühle und Erfahrungen sollten geäußert werden, auch wenn das in der Gesellschaft nicht üblich ist.
In unserer Gesellschaft sind die Themen Tod und Sterben weitgehend aus unserem Leben verbannt. Wir tun alles, um uns nicht damit befassen zu müssen, da sie uns Angst machen. Dennoch wird jeder von uns im Laufe seines Lebens irgendwann einmal mit dem Tod eines nahen Angehörigen oder Freundes konfrontiert. Der Tod ist demokratisch und wir können ihn nicht umgehen. Gefühle, die wir bisher nie oder nie in dieser Stärke erlebt haben, bestimmen plötzlich unseren Alltag. Wir glauben, sie nicht ertragen zu können, abnormal zu sein oder eines Tages "noch verrückt zu werden". Damit Sie sich Ihren Gefühlen und Körperreaktionen nicht hilflos ausgeliefert fühlen, möchte ich Ihnen den Trauerprozess beschreiben. Die Betroffenen befinden sich meist in einer Art Schockzustand, wollen nicht wahrhaben, dass der Verlust real ist. Sie erleben eine depressive Phasen. Sinnleere oder Zukunftsangst sowie Hadern mit dem Schicksal dominieren die Gedanken. Trauernde haben Verlassenheits- und Schuldgefühle, auch körperliche Reaktionen - wie z.B. Konzentrationsverlust, Schlafstörungen oder Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust treten auf. Dann beginnt "die Zeit, die Wunde zu heilen". Der Gedanke an die verstorbene oder verlorene Person oder Sache verursacht nicht mehr so starke Verzweiflung. Es gelingt den Trauernden, sich wieder besser
6 HOFFMANN 1991: 38
6
zu konzentrieren, das Hier und Jetzt wahrzunehmen und den Blick auf die Zukunft zu richten. Schließlich kommt es bei erfolgreicher Trauerbewältigung zu einem neuen seelischen Gleichgewicht.
Die Trauerphasen nach J. William Worden und Verena Kast:
Phase 1: Den Verlust als Realität akzeptieren; Periode der Abgestumpftheit: Betäubt sein Phase 2: Den Trauerschmerz erfahren; Aufbrechende Emotionen; Phase der Sehnsucht Phase 3: Sich an eine veränderte Umwelt anpassen; Phase der Desorganisation und Verzweiflung; Chaos der Gefühle Phase 4: Emotionale Energie abziehen und in eine andere Beziehung investieren; Phase des reorganisierten Verhaltens; Neuer Selbst- und Weltbezug Die Einteilung der Trauer in „Phasen“ soll nur eine Orientierung geben, denn jeder Erlebt erlittene Verluste anders und geht mit deren Bewältigung anders um. Wir durchlaufen die einzelnen Phasen nicht automatisch. In jeder Phase gibt es auch Menschen, die dort verharren. So sind Ihnen sicher auch schon Menschen begegnet, die nur in der Vergangenheit gelebt haben: "Wie schön wäre es, wenn es noch so wäre wie früher". Andere wiederum verbringen den Rest ihres Lebens damit, mit ihrem Los zu hadern: "Warum musste das mir passieren!" Einige Menschen drücken ihre Trauer nicht aus, sondern unterdrücken sie mit Beruhigungstabletten oder Alkohol, andere reagieren mit psychosomatischen Beschwerden. Durch körperliche Aktivitäten oder Ablenkungen kann man Trauer kurzfristig verdrängen. Aber das sollte nicht zur Regel werden, denn die Aufarbeitung der Gefühle ist notwendig um den Schmerz zu überwinden.
Abgeschlossen werden könnte der Trauerprozess mit der Entscheidung auf eine Neuorientierung des eigenen Lebens.
2.2 Erleben der Trauer in unterschiedlichen Lebensphasen
Kinder in der Trauer
Kinder und Jugendliche trauern anders.
„Es ist schwierig zu wissen, was man sagen soll und wann man etwas sagen soll, wenn ein Kind eine persönliche Tragödie erlitten hat. Sollte man das Kind in Ruhe lassen, wenn es nicht darüber sprechen will? Es gibt keine einfachen Antworten darauf. Bei jedem Fall müssen Für und Wider gegeneinander abgewogen und die besonderen Umstände
berücksichtigt werden.“ 7
7 HERBART 1999c: 25
7
„Trauer ist eine psychische Wunde, die nur langsam verheilt und Narben hinterlässt. Wenn Kinder – aus welchen Gründen auch immer – ihre Trauer nicht verarbeiten können, laufen sie Gefahr, bleibenden emotionalen Schaden davonzutragen.“ 8
Wenn Kinder trauern wird es häufig nicht bemerkt, das sie Leiden wird allzu leicht Übersehen. Wenn man jedoch feststellt, dass ein Kind traurig ist, sollte man sich um es kümmern, sich mit ihm beschäftigen und mit ihm über seine genauso wie auch über unsere eigenen Gefühle sprechen. „Die Traurigkeit ausdrücken ist wichtig, da dies den Kindern erlaubt zu weinen und zu trauern, ohne das sie ihre Verlustgefühle vor den Erwachsenen oder vor sich selbst verstecken müssen.“ 9 Für Kinder haben Erwachsene Vorbildrollen, vor allem
die Eltern und Vertrauten. Man sollte Kinder nicht im dunkeln lassen, man sollte ihnen hilfreiche Erklärungen geben, ihnen bewusst machen, dass es in Ordnung ist, wenn man mal weinen muss und das es wichtig ist, auch seine negativen Gefühle auszuleben. Das stärkt die Persönlichkeit und verhindert das sich die Kinder in Phantasiewelten zurückziehen, weil sie aus mangelnder Unterstützung nicht wissen, wie sie sich verhalten sollen oder dürfen und wie sie mit schmerzlichen Verlusten umgehen können. Es muss uns bewusst werden, wie „ ... wichtig es für Kinder ist, das Geschehene zu verstehen, zu trauern, Erinnerungen wach zu halten, aber auch das Leben weitergehen zu lassen“ 10 .
„Wenn wir an einer ganzheitlichen Erziehung unserer Kinder interessiert sind, müssen wir sie im Umgang mit dem Leben und Sterben lehren. Nur dann können wir erwarten, dass aus ihnen einfühlsame, sensible und lebenskluge Menschen werden, die die hellen wie die dunklen Seiten des Lebens mutig angehen“ 11 .
Wichtig ist, das „... die Kinder lernen, dass zu weinen und tiefe Traurigkeit auch zu zeigen ein normaler, natürlicher Weg ist, starke Gefühle auszudrücken. Über seine Gefühle zu sprechen, ist kein Zeichen von Schwäche oder Verletzbarkeit; wenn wir unsere Gefühle ehrlich zeigen, hilft uns das, uns besser zu fühlen. Sagen Sie Ihren Kindern, wie sie sich fühlen und warum sie über den Verlust so traurig oder bestürzt sind. [...] Zeigen Sie Ihre Gefühle so weit wie möglich in allen Situationen. Kinder wissen zu lassen, wann Sie ärgerlich, traurig, fröhlich, niedergeschlagen oder aufgeregt sind, hilft Ihnen, den eigenen Gefühlen zu begegnen und mit ihnen umzugehen“ 12 .
8 HERBART 1999a: 8
9 HERBART 1999b: 37
10 TROZZI 1998 : 15
11 STUDENT 1998 : 12 - 13
12 KROEN 1998: 40 - 41
8
Arbeit zitieren:
Nicole Wegmann, 2006, Die Zeit der Trauer, München, GRIN Verlag GmbH
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DOI
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