Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Vorstellung des Themas 1
1.2. Die Quellen 2
2. China zu Beginn des 19 Jahrhunderts
2.1. Die Qing-Dynastie 3
2.2. Handel und Verhältnis zum westlichen Ausland 4
3. Das Ende des ersten Opiumkrieges und der Vertrag von Nanking
3.1. Tagebuch eines Zeitzeugen aus Chinkiang 5
3.2. Der Vertrag von Nanking 8
4. Der Arrow-Zwischenfall und der Vertrag von Tianjin
4.1. Der so genannte zweite Opiumkrieg 14
4.2. Karl Marx und der Vertrag von Tianjin 15
5. Fazit 18
6. Quellen- und Literaturverzeichnis 21
1. Einleitung
1.1. Vorstellung des Themas
Der Opiumkrieg stellte in seinem Ergebnis den Beginn einer neuen Epoche für die Chinesen dar. Der Freihandel, der ihnen von den Briten aufgezwungen wurde, kann als imperialistisch angesehen werden. Imperialismus bezeichnet gemeinhin das Bestreben eines Staates, seinen Einfluss auf andere Länder oder Völker auszudehnen. Dieser Machterweiterungspolitik können unter anderem bevölkerungspolitische, nationalistische und wirtschaftspolitische Motive zugrunde liegen. Im 19. Jahrhundert nahm der europäische Imperialismus im Zuge der industriellen Revolution zu, wobei Großbritannien die führende Rolle übernahm. John Gallagher und Ronald Robinson behandeln in ihrem Aufsatz „Der Imperialismus des Freihandels“ 1 die Expansionspolitik der Briten im 19. Jahrhundert. Sie definieren den Begriff
„Imperialismus“ als politische Funktion eines Prozesses der Eingliederung neuer Gebiete in eine expandierende Wirtschaft. „Nur wenn die politische Ordnung dieser neuen Gebiete keine befriedigenden Bedingungen für eine handelspolitische oder strategische Integration bietet und ihre relative Schwäche es erlaubt, wird die Macht imperialistisch zur Schaffung dieser Bedingungen angewandt.“ 2 Beide kommen zu einer wichtigen These. Sie wandeln die übliche
Zusammenfassung der Politik des Freihandels-Empire um. So wird aus dem Grundsatz: „Handel und keine Herrschaft“ bei ihnen „Handel und informelle Herrschaft wenn möglich, Handel und direkte Herrschaft wenn nötig.“ Weiterhin stellen Gallagher und Robinson fest, dass in den Gebieten, wo keine Europäer siedelten, die britische Expansionspolitik zerstörerisch auf die hiesigen Gesellschaftsstrukturen wirkte und diese zusammenbrechen ließ. So erklärt sich auch der vielfache Wandel von indirekter zu direkter Herrschaft. Das Fallbeispiel „Der Opiumkrieg“ soll untersuchen, inwieweit diese Thesen zutreffend sind. Die daraus entstandenen Verträge, welche in der chinesischen Geschichtsschreibung als die „Ungleichen Verträge“ bekannt sind, sollen genauer beleuchtet werden. Es gilt auch die Frage zu untersuchen, ob diese Bezeichnung gerechtfertigt ist. Da die Wahrnehmung dieses Krieges seitens der Chinesen dabei eine wichtige Rolle spielt, werden einzelne Stationen dieses Krieges intensiver betrachtet. Elemente der Vorgeschichte sollen mit einfließen und der Anlass zumindest benannt werden. Eine Verlaufsgeschichte wird es wiederum nicht geben, da es nicht Sinn dieser Arbeit ist bereits verfasste Texte und Abhandlungen zu kopieren.
1
In: Hans Ulrich Wehler [Hrsg.], Imperialismus, 1979, S. 183-199.
2 Ebd., S. 188.
1
1.2. Die Quellen An erster Stelle steht hier der Vertrag von Nanking, welcher im englischen Original und in einer vollständigen Version vorliegt. Dies ist der erste der so genannten „Ungleichen Verträge“ und entstand im Anschluss an den ersten Opiumkrieg im Jahre 1842. Der zweite Vertrag, der Vertrag von Tianjin und seine spätere Erweiterung um die Pekinger Konvention, wird zwar in die Arbeit mit einfliessen, liegt aber wiederum nicht als Quelle vor. Da der erste Vertrag eine wichtige Zäsur in der Geschichte Chinas setzte und auch die bedeutendsten Ergebnisse enthält, soll es auch genügen diesem eine genauere Untersuchung zukommen zu lassen. Die Chinesen setzen hier die moderne Geschichte ihres Landes an.
Eine zweite Quelle ist „Der britisch-chinesische Vertrag“, ein Artikel von Karl Marx, der am 15. Oktober 1858 in der „New York Daily Tribune“ veröffentlicht wurde und welcher beide
Verträge zum Thema hatte. Diese Quelle liegt in der deutschen Übersetzung vor 3 . Eine Quellensammlung von Arthur Walley mit dem Namen „The Opium War Through Chinese Eyes“ versucht anhand von Tagebüchern und Gedichten, welche von Chinesen verfasst wurden und deren Erlebnisse und Wahrnehmungen verarbeiten, auch ihre Sichtweise darzustellen. Walley hat selbst Übersetzungsarbeit geleistet und so liegt diese Quellensammlung in der englischen Fassung vor. Verwendet wird aus dieser Sammlung das Tagebuch eines chinesischen Poeten namens Chu Shih-yün. Es ist deshalb eine wichtige Quelle, weil sie die letzten Tage des ersten Opiumkrieges umfasst. Sie beinhaltet die Verteidigung und den Fall der Stadt Chinkiang und die Aufsetzung des Vertrages von Nanking. Dieser Ort befindet sich in der Nähe von Chinkiang. Aus ihr erfährt man sehr genau wie die permanenten Bombardierungen von britischen Kriegsschiffen auf die Stadt wahrgenommen wurden und wie sich die Chinesen dabei gefühlt haben. Außerdem wird auch die Zwischenphase vom Fall der Stadt bis zur Unterzeichnung des Vertrages gut beschrieben. In dieser Quellensammlung findet man vor allem eine Menge über den Sonderbeauftragten des chinesischen Kaisers Lin Zexu. Diesem kam große Bedeutung zu, war er doch der Hauptverantwortliche für den Anlass des ersten Opiumkrieges.
Da bei der Auseinandersetzung mit diesem Mann aber die Gefahr groß ist, dass man sich zu sehr auf den Geschichtsverlauf einlässt, ist die Entscheidung für die andere Quelle ebenso sinnvoll. Lin Zexu wird natürlich bei der Benennung des Anlasses, der Vernichtung des Opiums der Briten. seine Erwähnung finden.
3
Karl Marx/Friedrich Engels-Werke, MEGA [Hrsg.] , Band 12, Berlin/DDR 1961, S. 584-589.
2
2. China zu Beginn des 19. Jahrhunderts
2.1. Die Qing-Dynastie
Am Ende des 18. Jahrhunderts war das Qing-Imperium die letzte Großmacht in Asien. Die Qing-Dynastie, welche von 1644-1911 existierte, stellte gleichzeitig auch die letzte Dynastie dar. Sie brachte das Kaiserreich China zu seiner größten Ausdehnung. Militärisch stütze sich die Autorität der Qing-Kaiser auf die mongolische Kavallerie, welche man zu instrumentalisieren wusste. 4 Des Weiteren waren es politische Strategien und innere
Reformen, welche dieser Dynastie eine Stabilität einbrachten. Mit dem russischen Zarenreich unterzeichnete man 1688 einen Vertrag 5 , so dass man diese Macht nicht mehr als Gegner zu
fürchten hatte. Aufgrund des langfristigen Bevölkerungswachstums mussten durch Brandrodungen und ähnliche Eingriffe in die Natur neue Siedlungsgebiete erschlossen werden. Dies führte im 19. Jahrhundert zu einer Umweltkrise. Die Qing-Regierung war nicht in der Lage das ökologische Gleichgewicht wiederherzustellen. Außerdem ließ die geringe Anzahl an Beamten und die gleichzeitige Zunahme ihrer Pflichten die Effizienz des Staates immer weiter sinken. So büßte die Qing-Dynastie seit dem frühen 19. Jahrhundert immer mehr an Handlungsfähigkeit und Legitimation ein. 6 Fairbank stellt in seinem Buch zu Recht
fest: „Betrachten wir das China von 1800, so fällt uns eine paradoxe Entwicklung auf. Die institutionelle Struktur der Gesellschaft, insbesondere der Regierung, war wenig zur Veränderung fähig, aber die Bevölkerung und damit die Wirtschaft war in enormem Wachstum begriffen.“ 7
2.2. Handel und Verhältnis zum westlichen Ausland
Die erste britische Gesandtschaft, welche im Sommer 1795 in Bejing eintraf bekam die fehlende Bereitschaft des Kaisers, diplomatische Beziehungen aufzunehmen und weitere Hafenstädte für den Außenhandel zu öffnen, zu spüren. Für den maritimen Handel berief sich der Kaiser auf das 1760 geschaffene Kanton-System. Dies bedeutete, dass Kanton der einzige Handelshafen blieb. Weiterhin überwachten kaiserliche Zollbeamte den Privathandel einiger chinesischer Kaufmannsfirmen mit Ausländern. Dafür mussten diese Firmen eine Lizenzgebühr entrichten. Für die Briten erwiesen sich diese Verhandlungen daher als unbefriedigend.
4
Dabringhaus, Sabine, Geschichte Chinas 1279-1949, S. 49.
5 Gemeint ist hier der Vertrag von Nercinsk, Dabringhaus, S. 51.
6 Dabringhaus, S. 55.
7 Fairbank, John K., Geschichte des modernen China 1800-1985, S. 56.
3
Dem Verhalten des chinesischen Kaisers lag das sinozentrische Weltbild zugrunde. So empfand China sich als das Reich der Mitte, neben dem es keine gleichwertigen Mächte gab. Franke schrieb dazu: „Mit zunehmender Entfernung vom chinesischen Zentrum musste nach chinesischer Auffassung auch der Grad der Zivilisation sinken.“ 8 Somit konnte die britische
Gesandtschaft nicht auf der gleichen Ebene wie der Kaiser auftreten. „Der Handel war eine lediglich geduldete, zeitlich begrenzte, Begleiterscheinung einer Gesandtschaft; die Erlaubnis zum Handel ein Akt der Gnade.“ 9 Diese „Gnade“ war aber mit den genannten
Einschränkungen verbunden.
Die Entwicklung, welche im 19. Jahrhundert dann in den Opiumkrieg mündet zeigt in vielerlei Hinsicht eine Divergenz beider Parteien. China geriet immer mehr in eine Defensive, während Großbritannien offensiv expandierte. Weiterhin hatte das Qing-Reich in den beiden Jahrzehnten vor dem Konflikt mit inneren Schwierigkeiten zu kämpfen und war finanziell stark geschwächt. Die Briten schufen hingegen, durch die industrielle Revolution, das Bewegungsmoment und die Ressourcen für einen „Imperialismus des Freihandels“. 10 Eine
Kollision beider Länder musste sich also für eine Seite zerstörerisch auswirken und die These von Gallagher/Robinson zu den Auswirkungen der Expansionspolitik auf hiesige Gesellschaftsstrukturen könnte hier ein Argument finden. Unter den beiden Kaisern Jiaqing, dessen Amtszeit von 1799-1821 währte und Daoguang, 1821-1850, wuchs das Misstrauen gegenüber der Außenwelt und man wollte sich isolieren. Als in den 1820er Jahren die Briten verstärkt Opium nach China schmuggelten, fiel auch der Handel nicht mehr zu Gunsten des Qing-Reiches aus. Zuvor hatten die Exportartikel Tee und Seide den Chinesen eine Menge Silber ins Land gebracht, während die Briten ihrerseits keine Waren hatten, an denen es Interesse im Reich gab.
Schon 1773 brachte Großbritannien durch Schmuggel und Bestechung von chinesischen Beamten über die East India Company Opium in großen Mengen nach China. Durch die Zunahme des Opiumgehalts stieg auch die Abhängigkeit, so dass sich eine Opiumsucht breit machte. Dramatisch wurde es, als die britische Regierung nach 1833 das Handelsmonopol der East India Company aufhob und damit eine Schmuggelflut losbrach. Der Kaiser Daoguang schickte 1838 seinen Sonderbeauftragten Lin Zexu nach Kanton, um dem Opiumhandel Einhalt zu gebieten. Dieser ergriff eine Reihe von Maßnahmen zum strengen Opiumverbot. Als er die Herausgabe von 20 000 Kisten Opium erzwang und diese vom 3. Juni 1839 an 23
8
Franke, Wolfgang, China und das Abendland, 1962, S. 22.
9 Ebd., S. 25.
10 Osterhammel, Jürgen, China und die Weltgesellschaft, 1989, S. 128.
4
Quote paper:
Gregory Brandl, 2008, Der Opiumkrieg und seine Verträge im Kontext des Freihandelsimperialismus, Munich, GRIN Publishing GmbH
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