Grundlagen der Websitelokalisierung am Beispiel der
Lokalisierung der Unternehmenswebsite des Instituts
für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa (IAMO)
Diplomarbeit
zur Erlangung des akademischen Grades
Diplom-Fachübersetzerin (FH)
eingereicht an der
Hochschule Anhalt (FH)
Hochschule für angewandte Wissenschaften
Fachbereich Informatik
von
Anja Hagenbruch
Ausgabetermin:
17.03.2005
Abgabetermin:
30.05.2005
2
Die vorliegende
Arbeit wurde von Frau Prof. Dr. Uta Seewald-Heeg und Frau Dr. Jana
Fritzsch betreut. Sie hätte ohne ihre umfangreiche fachliche Unterstützung sowohl bei der
Realisierung des Lokalisierungsprojektes als auch bei der Lösung von Problemen nicht fertig
gestellt werden können. Ihnen möchte ich an dieser Stelle meinen herzlichen Dank für ihre
Motivation, hilfreichen Vorschläge und Anregungen aussprechen.
Zu Dank verpflichtet bin ich auch meiner Mutter für ihr Zutrauen, den Beistand und ihre
grenzenlose Geduld, sowie Herrn Prof. Dr. Kai Schröder für seine freiwillig angebotenen
Korrekturlesungen.
Halle,
den
30.05.2005 Anja
Hagenbruch
3
Inhaltsverzeichnis
1 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit ...6
2 Lokalisierung - mehr als nur Übersetzen ...9
2.1 Globalisierung, Internationalisierung und Lokalisierung ...9
2.2 Entwicklung der Lokalisierungsbranche...12
2.3 Neue Perspektiven für Übersetzer ...15
3 Grundlagen und Methoden der Lokalisierung...17
3.1 Grundlagen und Methoden der klassischen Softwarelokalisierung ...17
3.1.1 Die zu lokalisierenden Objekte eines Software-Produktes ...18
3.1.1.1 Lokalisierung von Software...19
3.1.1.2 Lokalisierung von Dokumentation...21
3.1.1.3 Lokalisieren der Online-Hilfe ...25
3.1.1.4 Lokalisieren von Grafiken ...26
3.1.1.4.1 Bitmap-Grafiken...27
3.1.1.4.2 Objektgrafiken...29
3.2 Grundlagen und Methoden der Websitelokalisierung ...30
3.2.1 Internet...31
3.2.1.1 World Wide Web ...32
3.2.1.2 Websites vs. Webseiten ...35
3.2.2 Aufbau von Websites ...35
3.2.2.1 HTML...36
3.2.2.2 XML ...38
3.2.2.3 Andere Skript- und Programmiersprachen ...40
3.2.2.4 WML ...41
3.2.3 Der Lokalisierungsprozess ...42
3.2.3.1 Vorbereitende Schritte zur Lokalisierung...43
3.2.3.1.1 Anforderungen des Auftraggebers...43
3.2.3.1.2 Projektanalyse ...44
3.2.3.1.3 Pseudolokalisierung ...46
3.2.3.1.4 Pilotprozess ...46
3.2.3.1.5 Weitere Analysen ...47
3.2.3.1.6 Zeitplan ...48
3.2.3.2 Vorbereitung der eigentlichen Lokalisierung ...49
4
3.2.3.2.1 Internationalisierung ...49
3.2.3.2.2 Grafische Benutzeroberfläche ...50
3.2.3.2.3 Lokale Standards ...50
3.2.3.2.4 Kulturelle Anpassungen...54
3.2.3.2.5 Kodierter Zeichensatz ...59
3.2.3.2.6 Schriftarten...61
3.2.3.2.7 Grafiken ...62
3.2.3.3 Übersetzung ...63
3.2.3.4 Lokalisierung der HTML-Dateien ...67
3.2.3.4.1 Der Einsatz elektronischer Hilfsmittel bei der Übersetzung...69
3.2.3.5 Kompilieren ...71
3.2.3.6 Qualitätssicherung ...71
3.2.3.6.1 Internationalisierungstest ...72
3.2.3.6.2 Lokalisierungstest...72
3.2.3.6.3 Funktionale Tests...73
3.2.3.6.4 Web Testing Tools...75
3.2.3.6.5 Style Guidelines...75
3.2.3.6.6 Glossar ...76
3.2.3.6.7 Qualitätskontrolle ...77
4 Elektronische Hilfsmittel bei der Lokalisierung...79
4.1 Computer-Aided Translation...79
4.1.1 Terminologieverwaltungssysteme ...80
4.1.1.1 Arten von Terminologieverwaltungsprogrammen ...80
4.1.1.1.1 Typisierung der Systeme nach Benennungsorientierung vs.
Begriffsorientierung ...81
4.1.1.1.2 Typisierung der Systeme nach der Datenstrukturierung...83
4.1.1.2 Einsatz von Terminologieverwaltungsprogrammen ...84
4.1.1.2.1 Datenkategorien...85
4.1.2 Translation-Memory-Systeme ...87
4.1.2.1 Komponenten von Translation-Memory-Systemen ...88
4.1.2.2 Einsatz von Translation-Memory-Systemen ...91
4.1.3 Lokalisierungstools ...92
4.1.3.1 Grundfunktionen von Lokalisierungstools ...94
4.1.3.1.1 WYSIWYG-Umgebung...94
5
4.1.3.1.2 Kontrollfunktion ...95
4.1.3.1.3 Translation-Memory-Funktion...95
4.1.3.1.4 Glossareinbindung ...95
4.2 Maschinelle Übersetzung ...96
4.2.1 Einsatz maschineller Übersetzungssysteme ...97
4.2.2 Einsatzkriterien und Voraussetzungen ...98
5 Lokalisierungsprojekt: Lokalisierung einer Unternehmenswebsite am Beispiel der
Website des IAMO ...100
5.1 Vorstellung des Instituts für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa (IAMO) ...100
5.2 Aufbau der Website des IAMO ...103
5.3 Vorüberlegungen zur Lokalisierung ...105
5.4 Das Lokalisierungsprojekt im Überblick ...106
5.5 Terminologierecherche ...108
5.6 Einsatz elektronischer Hilfsmittel...110
5.6.1 Die Arbeit mit der Translator`s Workbench und dem TagEditor von TRADOS ..110
5.7 Bearbeiten der JavaScript-Dateien ...115
5.8 Anpassung nichtsprachlicher Elemente und des Layouts ...119
5.9 Qualitätskontrolle ...120
5.10 Aktualisierung der Website ...120
5.11 Zusammenfassung ...121
6 Fazit und Perspektiven ...122
Abkürzungsverzeichnis ...126
Abbildungsverzeichnis ...128
Bibliographie ...129
Anhang 1: Terminologiesammlung für die Übersetzung der Website des IAMO ...134
6
1 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit
Die Wettbewerbssituation für Unternehmen hat sich aufgrund der tiefgreifenden
Veränderungen auf den Gebieten der Wirtschaft und Technik in den letzten Jahren nachhaltig
gewandelt. Der technologische Fortschritt, insbesondere die Entwicklung des Internets, und
eine zunehmende Globalisierung führten zu einer internationalen Vernetzung ungeahnten
Ausmaßes. Da im World Wide Web (WWW) Informationen kostengünstig zur Verfügung
gestellt werden und demzufolge auch kleinere Unternehmen, um neue Absatzmärkte zu
erschließen, ihre Dienstleistungen und Produkte auf dieser globalen Plattform anbieten
können, trägt das World Wide Web entscheidend dazu bei, dass sich die Welt zunehmend zu
einem global village entwickelt. Bedingt durch diese Entwicklungen nimmt indes auch die
internationale Konkurrenz stetig zu. Die veränderten Gegebenheiten können in vielen
Branchen nicht länger einfach ignoriert werden. Viele Unternehmen haben erkannt, dass sie
sich global präsentieren müssen, um der zunehmenden internationalen Konkurrenz
standzuhalten. Um jedoch Produkte und Dienstleistungen auf verschiedenen Zielmärkten
erfolgreich anbieten und verkaufen zu können, müssen sie lokalisiert, d. h. dem Zielmarkt
entsprechend angepasst werden. Die Akzeptanz eines Produkts auf einem bestimmten
Zielmarkt ist zumeist davon abhängig, ob der potentielle Kunde in seiner Muttersprache
angesprochen wird. Doch nicht nur sprachlich, sondern auch kulturell und rechtlich muss sich
das Produkt in die jeweiligen Gegebenheiten des Zielmarktes nahtlos einfügen. Ein
professionell lokalisiertes Produkt kann der Kunde von einem im eigenen Land entwickelten
Produkt nicht unterscheiden.
Ein rascher Informationsaustausch und die Darbietung der nahezu unüberschaubaren
Datenmengen im Internet spielen eine immer größere Rolle. Da das Internet mittlerweile nicht
mehr nur von Fachleuten, sondern auch von einer breiten Schicht der Allgemeinheit sowohl
zur Kommunikation und Informationsbeschaffung als auch beispielsweise zum Vergleich von
Produkten, Tätigen von Einkäufen und für Auskünfte jeglicher Art genutzt wird, die
Informationen im World Wide Web jedoch oftmals noch nicht in mehreren Sprachen
verfügbar sind, kommt der Übersetzung bzw. Lokalisierung der Websites eine stets
wachsende Bedeutung zu.
7
Im Zeitalter der Informationstechnologie eröffnen sich dem Übersetzer somit ganz neue
Herausforderungen und Möglichkeiten. Die Software- und Websitelokalisierung hat als neues
Tätigkeitsfeld des Übersetzers in den letzten Jahren einen immensen Aufschwung erlebt.
Dieser Tätigkeitsbereich fordert dem Übersetzer dabei nicht nur sprachliche und kulturelle
Fähigkeiten ab, sondern auch ein hohes Maß technischen Fachwissens. Da sowohl bei der
Software- als auch bei der Websitelokalisierung alle zu lokalisierenden Komponenten in
elektronischer Form vorliegen, sind Kenntnisse über die zugrunde liegenden Quellformate
und Bearbeitungsmethoden unerlässlich. Der Einsatz elektronischer Werkzeuge, angefangen
bei einfachen Textverarbeitungsprogrammen bis hin zu speziell für die Übersetzung und
Lokalisierung entwickelten Lösungen, ist bei dem vielschichtigen Vorhaben Lokalisierung
schon aus Gründen der Effizienz unerlässlich.
Der Vorgang des Anpassens von Websites an einen anderen Sprach- und Kulturraum wird als
Globalisierung bezeichnet. Dabei wird auf Kenntnisse zurückgegriffen, die in der
Softwarelokalisierung gewonnen wurden. Dennoch wird der Übersetzer im Bereich der
Websitelokalisierung mit neuen Problemen konfrontiert. Neben HTML muss sich ein
Lokalisierer auch zunehmend mit XML, WML und anderen Programmier- und
Skriptsprachen auseinandersetzen.
Gegenstand der nachfolgenden Arbeit ist es, die Probleme der Lokalisierung aus Sicht des
Übersetzers zu betrachten und Lösungsansätze vorzustellen. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt
auf der Websitelokalisierung als Sonderfall der Softwarelokalisierung.
Nach einer allgemeinen Einführung in das Gebiet der Lokalisierung und die damit
verbundenen Prozesse Globalisierung und Internationalisierung sowie einem knappen
Einblick in die Entwicklung der Lokalisierungsbranche zu einem schnell wachsenden
Dienstleistungszweig, in dem Übersetzer eine maßgebliche Rolle spielen, wird aufgezeigt,
welche neuen Chancen sich Übersetzern im Zusammenhang mit der Lokalisierung bieten
(Kapitel 2). In Kapitel 3 stehen die Grundlagen und Methoden der Lokalisierung im
Mittelpunkt der Betrachtung. Wie anfangs dargelegt, wird bei der Websitelokalisierung auf in
der Softwarelokalisierung gewonnenes Wissen zurückgegriffen. Mithin wird in diesem
Kapitel zunächst auf die Grundlagen der Softwarelokalisierung eingegangen. Im Anschluss
erfolgt ein Einblick in die Websitelokalisierung. Nach einer Einführung in die verschiedenen
Programmier- und Skriptsprachen wie HTML, XML, Java und WML behandelt Kapitel 3.2.3
8
den gesamten Lokalisierungsprozess mit seinen involvierten Aspekten. Es wird dargelegt, wie
ein Lokalisierungsprojekt vorbereitet und aufgebaut wird. In diesem Zusammenhang wird
auch die Qualitätssicherung, ein bedeutender Aspekt jeder Übersetzung, im Hinblick auf die
Lokalisierung berücksichtigt. Überdies fließen kulturspezifische Besonderheiten in die
Betrachtung ein. In Kapitel 4 stehen die elektronischen Hilfsmittel, die dem Übersetzer bzw.
Lokalisierer im IT-Zeitalter zur Verfügung stehen, im Zentrum. Dabei wird untersucht,
inwiefern die Übersetzung von Software im Allgemeinen und Websites im Besonderen mit
Hilfe von Lokalisierungstools optimiert und beschleunigt werden kann. Kapitel 5 stellt das im
Rahmen dieser Arbeit durchgeführte Lokalisierungsprojekt, die Lokalisierung der Website
des Instituts für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa (IAMO), vor.
Das Hauptziel der Arbeit besteht darin, zu untersuchen, welche theoretischen und praktischen
Aspekte bei der Übersetzung bzw. Lokalisierung von Websites zu beachten sind und welche
Anforderungen die Lokalisierung an den Übersetzer stellt. Dazu zeigt insbesondere die
Darstellung des Lokalisierungsprojekts in Kapitel 5, wie bei der Lokalisierung einer Website
vorgegangen wird, welche Probleme dabei auftreten können und wie der Einsatz von
Lokalisierungstools zum erfolgreichen Lokalisieren einer Website beitragen kann. Im
vorliegenden Projekt wurde das Translation-Memory-System der Firma TRADOS verwendet.
Die Arbeitsweise mit dem TRADOS-System wird in Kapitel 5.6 erläutert. Obgleich auch
sprachliche und translatorische Gesichtspunkte Berücksichtigung finden, liegt das
Hauptaugenmerk der Betrachtungen auf den technischen Aspekten der Websitelokalisierung.
Das abschließende Kapitel 6 fasst die vorliegende Arbeit noch einmal zusammen, wobei
insbesondere auf die Relevanz elektronischer Hilfsmittel für die Lokalisierung eingegangen
und ein kurzer Ausblick im Rahmen der Übersetzertätigkeit gegeben wird.
9
2 Lokalisierung - mehr als nur Übersetzen
Wer sich noch nicht eingehend mit der Thematik der Lokalisierung beschäftigt hat, stellt sich
die Frage, wo der Unterschied zum Übersetzen liegt. Die reine Übersetzung ist jedoch
lediglich ein Bestandteil des vielschichtigen Vorhabens "Lokalisierung". Lokalisierung geht
weit über die reine Übersetzung hinaus. Ein ausgangssprachiges Produkt wird so bearbeitet,
dass es sich nicht nur sprachlich, sondern auch kulturell nahtlos in die jeweiligen
Gegebenheiten des zielsprachigen Landes, in dem es vermarktet werden soll, einfügt. Hierbei
wird die sprachliche Komponente von der klassischen Übersetzung abgedeckt. Der kritische
kulturelle Aspekt hingegen geht weit darüber hinaus und setzt Vertrautheit mit der
zielsprachigen Kultur sowie spezielle elektronische Hilfsmittel voraus, um kulturelle
Anpassungen vornehmen zu können.
Im Folgenden werden zunächst die zentralen Begriffe Globalisierung, Internationalisierung
und Lokalisierung genauer erörtert. Kapitel 2.2 beschäftigt sich mit der Entstehung der
Lokalisierungsbranche, Kapitel 2.3 zeigt auf, welche neuen Chancen und Möglichkeiten sich
dem Übersetzer auf dem Arbeitsmarkt bieten.
2.1 Globalisierung, Internationalisierung und
Lokalisierung
Die 1990 in der Schweiz als gemeinnütziger Verein gegründete Localization Industry
Standards Association (LISA) definiert den Begriff Globalisierung (kurz G11N als
Abkürzung für das englische Wort globalization) wie folgt (vgl. Esselink, 2001):
Globalization addresses the business issues associated with taking a product global. In the
globalization of high-tech products this involves integrating localization throughout a
company, after proper internationalization and product design, as well as marketing,
sales, and support in the world market.
Anders ausgedrückt umfasst die Globalisierung alle Aktivitäten eines Unternehmens im
Hinblick auf die Vermarktung eines (Software-) Produktes außerhalb des nationalen, lokalen
Marktes (Schmitz, 2000a:2). Um auf verschiedenen regionalen Märkten erfolgreich sein zu
10
können, müssen die dort geltenden wirtschaftlichen, technischen und gesetzlichen Aspekte
berücksichtigt werden.
Laut der Organisation LISA wird Internationalisierung folgendermaßen definiert (vgl.
Esselink, 2001):
Internationalization is the process of generalizing a product so that it can handle multiple
languages and cultural conventions without the need for re-design. Internationalization
takes place at the level of program design and document development.
Als Internationalisierung (kurz I18N als Abkürzung für das englische Wort
internationalization) wird also die Vorbereitung des Produktes auf ausländische Märkte
bereits während seiner Entwicklung bezeichnet. Um das Produkt beim Lokalisierungsvorgang
nicht völlig neu gestalten zu müssen, werden sprach- und kulturspezifische Elemente aus dem
Programmkern entfernt. So wird eine leichte Anpassung des (Software-) Produktes an andere
Märkte und die damit verbundenen anderen technischen Konventionen, Sprachen und
kulturellen Eigenheiten ermöglicht. Die Internationalisierung ist Bestandteil der
Produktentwicklung und erfolgt somit noch vor der Lokalisierung, die bei einem professionell
internationalisierten Produkt zweifelsfrei zeit- und kostengünstiger sein wird. Je mehr ein
Unternehmen um die Internationalisierung seiner Produkte bemüht ist, umso geringer wird
der Aufwand für die Lokalisierung dieser Produkte sein.
Schmitz (2000a:3) weist auf folgende typische, den Lokalisierungsaufwand stark erhöhende
Fehler im Bereich der Internationalisierung von Softwareprodukten hin:
· Der Programmcode enthält Texte, die bei regionalen Versionen eine Anpassung
erfordern
· Texte in Schaltflächen, Menüs, Hilfesystemen und Meldungen sind in der Länge
festgelegt/beschränkt
· fest programmierte Datumsformate, Währungsangaben, Maßeinheiten usw.
· fest programmierte Formate für Adressen usw.
· Grafiken enthalten Text
· Verwendung US-spezifischer Icons
11
Bei der Suche nach dem Unterschied zwischen Internationalisierung und Globalisierung,
lässt sich feststellen, dass sich die Internationalisierung eher auf die technischen Aspekte der
Vorbereitung eines Produktes auf einen anderen regionalen Markt konzentriert, während die
Globalisierung die hinter dem gesamten Prozess stehende Marketingstrategie darstellt. Diese
Marketingstrategie sieht eine Loslösung vom Heimatmarkt sowie die weltweite Vermarktung
eines Produktes vor (vgl. Flessenkämper, 2002:9).
Lokalisierung (kurz L10N als Abkürzung für das englische Wort localization) wird von
der LISA wie folgt definiert (vgl. Esselink, 2001):
Localization involves taking a product and making it linguistically and culturally
appropriate to the target locale (country/region and language) where it will be used and
sold.
Als Lokalisierung wird somit die Anpassung eines Produktes an unterschiedliche Sprach- und
Kulturräume bezeichnet. Hierzu gehört in erster Linie die Sprache, doch auch kulturelle
Konventionen und spezielle Bedingungen des Zielmarktes müssen berücksichtigt werden, um
technisch, sprachlich und kulturell angemessene Produkte für die jeweiligen Märkte erzeugen
zu können. So muss auf technischer Ebene gewährleistet sein, dass Datum, Uhrzeit,
Währungssymbole usw. über das in der Zielkultur gebräuchliche Format verfügen. Inhaltlich
muss sichergestellt werden, dass Farben, Grafiken und Symbole der Zielkultur angemessen
sind. Auf beide Aspekte soll in den Kapiteln 3.1.1.4 und 3.2.3.2 detaillierter eingegangen
werden.
Im Bereich der Softwarelokalisierung müssen die Programme an sich sowie die
Dokumentation, sonstiges Begleitmaterial und die Verpackung angepasst werden. Im Bereich
des Internets wird mit dem Begriff der Lokalisierung die Adaption der Website an den
Zielmarkt beschrieben.
Die Lokalisierung gehört in der Regel zu den Aufgabenbereichen von Übersetzern,
Lokalisierern und technischen Autoren. Ein professionell lokalisiertes Produkt kann der
Benutzer von einem heimischen Produkt nicht unterscheiden. Sämtliche für den Benutzer
sichtbaren Texte und Dokumentationen liegen in der Sprache des Benutzers vor und
entsprechen dem kulturellen Hintergrund. Daneben erfüllt das lokalisierte Produkt alle
rechtlichen Bestimmungen und technischen Anforderungen des jeweiligen Zielmarktes (vgl.
Esch, 2003:22).
12
Die obigen Ausführungen zeigen, dass sich die Lokalisierung in erster Linie im Ausmaß des
Tätigkeitsbereiches von der reinen Übersetzung unterscheidet. Das Übersetzen stellt stets nur
einen Bestandteil des vielschichtigen Lokalisierungsvorgangs dar. Es kann sogar vorkommen,
dass bei einem Lokalisierungsprozess gar keine Übersetzung gefordert wird. In solch einem
seltenen Fall werden lediglich Datum, Uhrzeit, Währung sowie Grafiken kulturell angepasst,
beispielsweise bei der Lokalisierung eines in Frankreich entwickelten Produktes für den
Französisch sprechenden Teil Kanadas.
Oftmals wird aus Zeit- und/oder Kostengründen auch nur ein ausgewählter Teil eines
Produktes lokalisiert. In diesem Fall erfolgt lediglich eine Anpassung der für den Zielmarkt
wichtigen Komponenten. Bei der Entscheidung für diese so genannte selektive Lokalisierung
ist häufig der Zeitfaktor maßgebend, z. B. wenn ein Unternehmen sein Produkt noch vor der
Konkurrenz auf den Markt bringen will (vgl. Flessenkämper, 2002:7).
2.2 Entwicklung der Lokalisierungsbranche
Anfänglich wurde Software fast ausschließlich von Spezialisten, Mathematikern,
Informatikern sowie erfahrenen Anwendern und Tüftlern verwendet. Es wurde akzeptiert,
dass sowohl die Benutzeroberfläche als auch die Dokumentation nur in englischer Sprache
vorlagen. Schlecht formulierte und äußerst knapp gehaltene Handbücher gehörten zum Alltag
dieser Fachleute. Seit Beginn der 80er Jahre hat sich der Terminologiebedarf im Bereich der
EDV grundlegend verändert. In der heutigen Zeit finden wir Personalcomputer in fast allen
Bereichen unseres täglichen Lebens. Personalcomputer haben sich weltweit verbreitet und sie
finden sowohl im beruflichen, als auch im privaten Bereich Anwendung nicht nur von
EDV-Experten. Aus diesem Grund müssen die Software-Bedienung benutzerfreundlich und
die Handbücher präzise, verständlich und konsistent gestaltet werden. Um eine solche
Gestaltung des Softwareproduktes gewährleisten zu können, bedarf es der Erläuterung aller
Termini und der einheitlichen Verwendung der Termini in der Benutzeroberfläche,
Hilfefunktion und Dokumentation. Darüber hinaus gilt es als selbstverständlich, dass
Softwareoberflächen und Handbücher in der Muttersprache des Benutzers vorliegen.
Die Notwendigkeit, Softwareprodukte zu übersetzen und an Zielmärkte anzupassen, nimmt
ständig zu. So entstand Anfang der 90er Jahre eine Vielzahl von Unternehmen, die im Bereich
13
der Lokalisierung tätig sind. Angesichts der Komplexität und Zunahme der technischen und
logistischen Anforderungen der Lokalisierung und dem noch immer zunehmenden Bedarf am
Markt entwickelte sich die Lokalisierungsbranche in relativ kurzer Zeit von einer belächelten
cottage industry zu einem professionellen und hochprofitablen Dienstleistungszweig. Der
Computer hat öffentliche, wirtschaftliche und private Lebensbereiche zunehmend
durchdrungen und ein Ende ist nicht absehbar. Darüber hinaus führten zum Beispiel im
osteuropäischen Raum politische Umwälzungen zur Öffnung von bisher praktisch nicht oder
nur schwer zugänglichen Märkten. Viele Länder Osteuropas suchen ihren Weg in eine bessere
Zukunft über die Informationstechnologie (vgl. Kemman, 2000).
Daneben hat sich das Medium Internet, insbesondere das World Wide Web (WWW), so
rasant wie kein anderes Medium entwickelt und durchgesetzt. Das liegt daran, dass die
Erstellung, Verwaltung und Veränderung von Informationen im World Wide Web relativ
einfach und kostengünstig und das Verbreitungspotential der Publikationen gewaltig ist. Da
das WWW zunehmend weltumspannender wird, ist es wichtig, dem internationalen Benutzer
größtmögliche Aufmerksamkeit zu schenken. Kemman (2000) hebt hervor, dass ein
Hersteller, der seine Produkte über das Internet weltweit vermarkten möchte, oder ein
Unternehmen, das sein vorhandenes Wissen weltweit über das Internet zugänglich machen
möchte, sich den Herausforderungen der sprachlichen, kulturellen, gesellschaftlichen und
rechtlichen Vielfalt der Zielmärkte stellen muss. Dies ist eine Erkenntnis, die sich
internationale Unternehmen zu Herzen genommen haben. Inzwischen hat sich das World
Wide Web zu einem globalen Marktplatz und somit für Übersetzer zu einem interessanten
und vielfältigen Tätigkeitsfeld entwickelt.
Für den Lokalisierungsmarkt ist nicht nur ein mengenmäßiges Wachstum, sondern auch die
ansteigende Komplexität der zu lokalisierenden Produkte kennzeichnend. So werden
beispielsweise klassische Handbücher, die zunächst von der Online-Hilfe ergänzt wurden,
zunehmend von einem auf Internet-Technologie basierenden Hilfesystem (HTML- oder PDF-
Format usw.) ersetzt.
Während anfangs vorwiegend so genannte single-language vendors (SLVs), d. h. Anbieter,
die nur eine oder wenige Sprachen anboten und traditionell aus Übersetzungsagenturen
hervorgegangen waren, existierten, gehören heutzutage zur Lokalisierungsbranche in erster
Linie Lokalisierungsunternehmen (engl. localization service provider), die
14
Lokalisierungsdienste in verschiedenem Umfang anbieten. Global agierende multi-language
vendors (MLVs), die über Fachwissen sowohl im linguistischen Bereich, als auch im IT-
Bereich verfügen und so umfangreichere Lokalisierungsdienste anbieten können, setzten sich
durch. Zur Lokalisierungsbranche gehören aber auch sogenannte consultants, d. h.
Unternehmen mit beratender Funktion bei Fragen zur Lokalisierung, und Hersteller digitaler
Hilfsmittel für den Lokalisierungsprozess (s. Kapitel 4).
Lokalisierungsdienste werden zunehmend komplett ausgegliedert, die Zahl der
unternehmensinternen Übersetzungsabteilungen bei Softwareherstellern nimmt immer mehr
ab. Viele Softwarehersteller verfügen lediglich über Abteilungen zur Koordination der
Lokalisierungsaufträge an externe Dienstleister sowie solche zur Qualitätsprüfung (vgl. Esch,
2003:26).
Die Localization Industry Standards Association (LISA) ist der größte Verband der
Lokalisierungsbranche. Die LISA verfolgt das Ziel, ein Gleichgewicht zwischen der IT-
Branche einerseits und den Dienstleistern andererseits zu gewährleisten. Der Großteil der über
240 Mitglieder der Organisation sind Software- und Hardwarehersteller, Firmen aus dem
Multimedia-Bereich und Lokalisierungsunternehmen. Die regelmäßige Organisation von
Foren zum Informationsaustausch und Präsentation der neuesten technischen Hilfsmittel für
die Lokalisierung versteht die LISA ebenso als ihre Aufgabe wie die Entwicklung und
Einführung von Standards, die bei der Lokalisierung eine möglichst hohe Qualität sichern
sollen. So wurde bereits das LISA Quality Assurance Model
1
, ein Standard für die
Qualitätssicherung bei Lokalisierungsprojekten (vgl. Kapitel 3.2.3.6.7), sowie ein
einheitliches Format für Translation Memories (TMX) entwickelt.
Der Lokalisierungsmarkt ist jung und kaum eine andere Branche expandiert derzeit so stark
wie die Lokalisierungsbranche. Nach Schätzungen von LISA investieren die 20 auf dem
Weltmarkt führenden IT-Unternehmen jährlich ca. 15 Mrd. US-Dollar in die Lokalisierung
ihrer Produkte und erzielen damit einen Umsatz von etwa 50 Mrd. US-Dollar. Ein
durchschnittliches Wachstum von 30% ist in kaum einer anderen Branche zu verzeichnen.
Das IT-Marktforschungsunternehmen International Data Corporation (IDC) rechnet bis 2008
mit einem jährlichen Wachstum von 6,9 % auf dem Softwaremarkt. Dies wird sich
unmittelbar umsatzsteigernd auf den Lokalisierungssektor auswirken (vgl. Fissguss/Seewald-
1
Online im Internet: URL: http://www.lisa.org/products/qamodel.html [letzter Zugriff: 23.03.2005]
15
Heeg, 2005). Und auch die Zahl der Stellenanzeigen in den Zeitungen, beim Arbeitsamt und
Jobbörsen im Internet zeigt, dass sich der Markt positiv entwickelt.
2.3 Neue Perspektiven für Übersetzer
Die Entwicklungen in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft der letzten Jahrzehnte hatten
einschneidende Auswirkungen auf die Tätigkeit von Übersetzern. Aufgrund der rasanten
technologischen Entwicklung sowie der Globalisierung der Wirtschaft wächst die Welt mehr
und mehr zusammen. Im Informationszeitalter steigt das Übersetzungsaufkommen stetig, es
entstehen neue Tätigkeitsfelder für den Übersetzer. Die neuen technischen Möglichkeiten
lassen zu, dass sich Sprachmittler an die veränderten Bedingungen anpassen können.
Gegen Ende der 90er Jahre vollzog sich in der Übersetzungsbranche ein nachhaltiger
Paradigmenwechsel. Einer der Hauptgründe für diesen Paradigmenwechsel war der Übergang
von der Industrie- zur Informationsgesellschaft. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts
beginnt die Bedeutung von Informationen in der Wirtschaft jene der industriellen Produktion
zu dominieren. Wie ein industrielles Produkt werden Informationen erstellt und verkauft.
Dank der Entwicklung modernster Kommunikationstechnologien nimmt die
Umschlaggeschwindigkeit der Informationen stets zu und die Kosten hierfür sinken.
Nationale und gesellschaftliche Grenzen spielen hierbei nur noch eine untergeordnete Rolle.
Zunehmende Technisierung und Automatisierung sind die Hauptmerkmale des
Industriezeitalters. Die Folgen dieser Entwicklung für den Übersetzer sind vielfältig.
Aufgrund der steten Zunahme an Informationen und des weitgehend problemlosen weltweiten
Informationsaustausches nimmt der Bedarf an Übersetzungen zu, doch ohne Sprachmittler
kann die internationale Kommunikation nicht funktionieren. Für die Durchsetzung auf dem
internationalen Markt müssen Unternehmen ihre Produkte in der jeweiligen Landessprache
der einzelnen Märkte anbieten. Für den Übersetzer entstehen so neue Tätigkeitsfelder, zum
Beispiel im Bereich der Softwarelokalisierung und des multilingualen Internetauftritts.
Auf Grund der Entwicklungen im Bereich der EDV und der Technologisierung wird der
Beruf des Übersetzers auch vom medientechnischen Paradigmenwechsel beeinflusst. Die
medientechnische Entwicklung ist vor allem im Bereich der Lokalisierung zu beobachten. So
16
steht dem Übersetzer heute eine Vielzahl neuer elektronischer Hilfsmittel zur Verfügung, die
ihm bei der Bewältigung des erhöhten Übersetzungsaufkommens behilflich sind. Doch reine
Sprachmittler werden noch immer häufig von der Technisierung des Arbeitsplatzes
abgeschreckt oder fühlen sich überfordert. Der gestiegene Konkurrenzdruck zwingt den
Übersetzer jedoch, sich den elektronischen Hilfsmitteln zu öffnen und sie effizient
einzusetzen. Für den geschulten und professionell arbeitenden Übersetzer bieten sich dadurch
weltweit gute Karrierechancen.
17
3 Grundlagen und Methoden der Lokalisierung
3.1 Grundlagen und Methoden der klassischen
Softwarelokalisierung
Es wurde bereits erwähnt, dass es bei der Lokalisierung eines Softwareprodukts nicht mit
einer sachlich richtigen Übertragung von der Ausgangs- in die Zielsprache getan ist. Die
Übersetzung der Software erfordert laut Kemman (2000) neben einigen Spezialkenntnissen
auch eine Reihe von technischen Arbeitsschritten. Die wechselseitige Abhängigkeit der
einzelnen Teile des Softwareprodukts (Benutzeroberfläche, Online-Hilfe, gedruckte
Dokumentation) stellt spezielle Anforderungen an das Workflowmanagement, und am
Produkt selbst sind unter Umständen erhebliche Änderungen notwendig, um es für den
Zielmarkt tauglich zu machen.
Laut Schmitz (2000a:3) umfasst die Lokalisierung eines Softwareproduktes sowie der
dazugehörigen Dokumentationstexte folgende Schritte:
· Übersetzung der Benutzeroberfläche einschließlich der Onlinehilfe,
· Übersetzung der zugehörigen Produktdokumentation,
· Übersetzung sonstiger Begleitmaterialien, z. B. Garantiekarten,
Verpackungsaufschriften, CD-ROM-/Disketten-Etiketten,
· Anpassung der im ausgangssprachigen Text angegebenen Kontakt- und
Kundendienstadressen an Adressen vor Ort,
· Anpassung einzelner Formate/Felder der Software an die Gegebenheiten des
Zielsprachraums (Papierformate, Adressfelder, Maßeinheiten) und
· Anpassung der in den Handbüchern abgebildeten Bildschirmmasken an die
lokalisierte Software.
18
3.1.1 Die zu lokalisierenden Objekte eines Software-
Produktes
Ein Software-Produkt besteht aus einer Vielzahl verschiedenartiger, bei der Lokalisierung
individuell zu bearbeitender Einzelkomponenten. Werden die in obiger Aufzählung genannten
Objekte systematisiert, so ergibt sich folgende Übersicht zu lokalisierender Bestandteile eines
Software-Produktes:
Abb. 1: Übersicht über die zu lokalisierenden Komponenten (vgl. Schmitz, 2000a:4)
Je nach Art des Software-Produktes können Lokalisierungsprojekte hinsichtlich des Umfangs
und der Bestandteile deutliche Unterschiede aufweisen. Aufgrund verschiedener Quellformate
können darüber hinaus die einzelnen Bestandteile in ihrer Beschaffenheit stark variieren. So
kann ein Programm in verschiedenen Programmiersprachen entwickelt (z. B. C++, Visual
Basic oder Java) und ein Referenzhandbuch in einem Textverarbeitungsprogramm oder aber
mit Hilfe von Spezialsoftware erstellt worden sein. Vom Quellformat ist auch abhängig, ob
der Einsatz von elektronischen Hilfsmitteln wie Translation-Memory-Systemen und
Lokalisierungsprogrammen möglich ist (vgl. Esch, 2003:29).
Software-
Produkt
Software
Beispiele
Papier
Online
Handbuch
Hilfetexte
Tutorial
Dokumentation
Programm
Menüs
Dialoge
Meldungen
Win-
Hilfe
HTML-
Hilfe
19
Die Vorgehensweise bei der Softwarelokalisierung folgt also keinerlei festen Regeln. Es muss
stets eine Anpassung des Lokalisierungsprojekts entsprechend den Voraussetzungen erfolgen.
Die Vorgehensweise bei der Lokalisierung sowie der Einsatz verschiedener elektronischer
Werkzeuge hängen zudem stark vom Auftraggeber ab.
Nachfolgend sollen die zu lokalisierenden Bestandteile und die unterschiedlichen
Vorgehensweisen bei der Lokalisierung der einzelnen Objekte genauer betrachtet werden.
3.1.1.1 Lokalisierung von Software
Software ist die Gesamtheit aller Programme, die auf einer Rechenanlage eingesetzt werden
können (vgl. Claus/Schwill, 1988).
Grieser/Irlbeck (1995:818) definieren Software wie folgt:
Immaterielle Komponenten eines elektr. Datenverarbeitungssystems. Als Software
bezeichnet man alles, was i. Ggs. zur Hardware nicht physik. vorhanden, also nicht
anfaßbar ist. Man versteht unter Software alle Arten von Programmen und Daten [].
Software ist immer in Verbindung mit Hardware vorhanden.
Es wird unterschieden zwischen der für den korrekten Ablauf einer Rechenanlage zuständigen
Systemsoftware und der Anwendungssoftware, die eine Vielzahl von Funktionen übernimmt,
die der Mensch von einem Computer erwartet (siehe hierzu auch Abbildung 2).
Ein Softwareprogramm setzt sich stets aus einem Programmcode, der die zur Steuerung des
Programmablaufs und der einzelnen Funktionen erforderlichen Anweisungen enthält, und aus
den der Kommunikation zwischen Benutzer und Programm dienenden Programmelementen,
auch als Interaktionselemente bezeichnet, zusammen. Diese Interaktionselemente werden bei
der ausgangssprachigen Softwareerstellung in den Programmcode integriert. Heutzutage sind
die Software-Entwicklungssysteme für Windows-Programme so weit fortgeschritten, dass die
spätere Lokalisierung bei den weit verbreiteten Produkten bereits beim Programmieren
eingeplant wird und die Textelemente der Benutzeroberfläche vom eigentlichen
Programmcode separat gehalten werden. Diese Komponenten enthalten zu lokalisierende und
nicht zu lokalisierende Elemente. Der Anteil der zu lokalisierenden Elemente im
20
Programmcode ist im Gegensatz zu den Interaktionselementen, deren vollständige Anpassung
in der Regel erforderlich ist, relativ gering.
Abb. 2: Übersicht über System- und Anwendungssoftware (vgl. Wahle, 2000a:32 ff.)
Im Mittelpunkt eines Lokalisierungsprojektes steht die Übersetzung und Anpassung der
Software, d. h. des Programms an sich im Gegensatz zu Dokumentation und Onlinehilfe. In
erster Linie müssen alle auf der Benutzeroberfläche angezeigten Textelemente übersetzt
werden. Zu diesen Elementen gehören sämtliche Menübefehle, Listenfelder, Dialogfeld-
Elemente wie Optionen, Schaltflächen sowie Bildschirmmeldungen wie Fehler- und
Statusmeldungen. Die auf der Benutzeroberfläche angezeigten und zu übersetzenden
Textelemente eines Programms sind jedoch nicht ohne weiteres zugänglich. Mit speziellen
Hilfsprogrammen können die zu bearbeitenden Textelemente im WYSIWYG-Modus (What
Software
Systemsoftware
Anwendungssoftware
· Textverarbeitungsprogramme
· Tabellenkalkulation
· DTP-Programme
(Desktop-Publishing)
· Datenbankprogramme
· Präsentationssoftware
· Grafikprogramme
· Spiele, Lernprogramme,
Simulatoren etc.
· Internetbrowser
· Betriebssysteme
· Compiler
(Programme zur Übersetzung von
Programmiersprachen)
· Gerätetreiber
(z. B. für Maus, Tastatur etc.)
· Dienstprogramme (Utilities)
(z. B. für System- und
Dateiverwaltung, Formatierung
von Speichermedien)
· Testwerkzeuge
21
you see is what you get) übersetzt werden. So kann beispielsweise der in einem englischen
Dialogfeld dargestellte Text direkt mit der deutschen Entsprechung überschrieben werden.
Laut Schmitz (2000a:6) ermöglicht dies "ein kontextbezogenes Übersetzen und erleichtert das
erforderliche Anpassen der Textfelder an die Länge des Zieltextes".
Neben der Übersetzung der Textpassagen müssen auch Grafiken und Symbole an die
Zielkultur angepasst werden. Zudem müssen die im Programm standardmäßig eingestellten
Datums- und Uhrzeitangaben, Maßeinheiten, Papierformate, Währungssymbole und
Zeichensätze sowie landes- oder kulturspezifische Formalia (z. B. Adressformate) angepasst
werden. Diese sind unter Umständen in das Programm selbst integriert und erfordern eine
Anpassung von den Entwicklern.
3.1.1.2 Lokalisierung von Dokumentation
Als Dokumentation werden die mit einem Software- bzw. Hardwareprodukt gelieferten
Anweisungen, also das schriftliche Begleitmaterial zu einem Softwareprogramm oder Gerät,
bezeichnet. Zu einer Dokumentation gehören u. a. Handbücher, Readme-Dateien und Online-
Hilfen mit Informationen über das Computersystem, Installationshinweisen sowie
Gebrauchsanleitungen und Wartungsvorschriften für das Produkt als auch Informationen auf
der Produktverpackung (vgl. Microsoft Press Computer Fachlexikon, 2000). Zur
Unterscheidung von der Online-Hilfe, die direkt vom Programm aus abgerufen werden kann
und auf den aktuellen Programmkontext bezogene Hinweise und Anleitungen enthält
(Wahle, 2000b:49), wird im Bereich der Softwarelokalisierung der Begriff Dokumentation
lediglich für die Handbücher verwendet. Hierbei werden laut Wahle (2000b:49) zwei
Dokumentationstypen unterschieden:
· Gedruckte Dokumentation und
· Online-Dokumentation.
Die oftmals zusätzlich zur gedruckten Dokumentation gelieferten Online-Dokumentationen
gleichen inhaltlich und formal den gedruckten Handbüchern, sie unterscheiden sich von der
gedruckten Dokumentation lediglich dadurch, dass sie in elektronisch lesbarem Format
vorliegen (meist als eine im Programm Adobe Acrobat Reader lesbare PDF-Datei).
22
Der Übersetzungsvorgang bei der Übersetzung von Dokumentation und Online-Hilfe
unterscheidet sich kaum noch, da mittlerweile auch bei der Übersetzung gedruckter
Dokumentation mit codierten Informationen gearbeitet wird und andererseits Online-
Dokumentation auch aus normalen Fließtextdateien generiert wird (Wahle, 2000b:49). Ein
Handbuch wird meist nur einmal übersetzt und als gedruckte Dokumentation und Online-
Dokumentation verwendet.
Referenzhandbuch
Handbücher werden mit Desktop-Publishing-Programmen erstellt, die die Anordnung von
Text und Grafiken in einem bestimmten Layout ermöglichen und über Funktionen zur
automatischen Erstellung von Inhalts- und Stichwortverzeichnissen verfügen (z. B. Microsoft
Word und Adobe FrameMaker). Zur Vermeidung von Problemen mit Dateiformaten, sollten
Dateien bei der Lokalisierung mit derselben Programmversion bearbeitet werden, mit der sie
erstellt wurden.
Das Lokalisieren von Handbüchern umfasst laut Wahle (2000:50) die Übersetzung des
ausgangssprachigen Anleitungstextes, die Lokalisierung von Grafikkomponenten sowie Satz-
und Layoutarbeiten (DTP).
1. Übersetzung des ausgangssprachigen Anleitungstextes
Handbücher sind üblicherweise folgendermaßen aufgebaut: Nach dem Inhaltsverzeichnis
folgen einige einleitende Seiten, in der die Funktionalität des Programms bzw. Geräts
beschrieben und Hinweise zur Arbeitsweise mit dem Handbuch gegeben werden.
Anschließend folgt der eigentliche, in Kapitel unterteilte Anleitungstext mit Informationen
zur Installation des Programms bzw. Geräts, Bedienung und Problembehandlung. Am Ende
eines Handbuchs befindet sich das Stichwortverzeichnis (auch Index genannt). Das
Inhaltsverzeichnis und der Index werden generiert, d. h. automatisch erstellt, und in einer
gesonderten Datei gespeichert. Die Erstellung des Inhaltsverzeichnisses richtet sich hierbei
nach den im Text vorkommenden Überschriften. Der Index hingegen bezieht sich auf so
genannte Indexmarken, die im Text selbst neben Schlüsselwörtern platziert werden.
23
Handbücher können auch automatisch erstellte Abbildungsverzeichnisse und Querverweise
enthalten. Diese automatisch erstellten Elemente dürfen bei der Lokalisierung keinesfalls
übersetzt werden, sondern sind im Anschluss an die Übersetzung des Textes neu zu
generieren (vgl. Esch, 2003:43).
Wahle (2000b:50f) unterscheidet zwei unterschiedliche Verfahren zur Übersetzung von
Anleitungstexten:
· Überschreiben des Ausgangstextes im Textverarbeitungsprogramm und
· Bearbeiten des Ausgangstextes mit einem Translation-Memory-Tool.
Das ursprüngliche Verfahren zum Übersetzen eines Handbuchs ist das Überschreiben des
Ausgangstextes im Textverarbeitungsprogramm. Hierbei wird der ausgangssprachige Text in
dem Anwendungsprogramm überschrieben, in dem er verfasst wurde. Bei diesem Verfahren
bleiben Formatierungen, Platzhalter für Grafiken usw. erhalten und müssen nicht erneuert
werden.
Wird bei der Übersetzung des Handbuchs ein Translation-Memory-System eingesetzt,
unterscheiden sich laut Wahle (2000b:51) die Bearbeitungsverfahren je nach angewendetem
System. Die Translator's Workbench der Firma Trados verwendet beispielsweise Microsoft
Word als Editor und der Text wird in Word bearbeitet. Ausgangstext und Übersetzung eines
jeden Textsegments einschließlich der Formatierungen werden in einer Datenbank
gespeichert. Andere Translation-Memory-Systeme haben einen eigenen Texteditor, in dem
die Übersetzung angefertigt wird. Hierbei gibt es unterschiedliche Methoden zur
Beibehaltung der Formatierung. Der Text wird vom Translation-Memory-System mit Hilfe
eines speziellen Filters eingelesen und nach der Bearbeitung wieder in das Ursprungsformat
umgewandelt. Der Übersetzer muss hier also nicht über das Anwendungsprogramm, in dem
der Text verfasst wurde, sondern über das entsprechende Translation-Memory-System
verfügen.
Da sich Anweisungen in Installationsanleitungen in der Regel sehr ähneln, hat der Einsatz von
Translation-Memory-Systemen bei Updates oder verwandten Produkten eine Kosten- und
Zeitersparnis zur Folge.
24
Einige Translation-Memory-Systeme verwenden eigene Editoren (vgl. Kapitel 4.1.2.1),
sodass der zu übersetzende Text zunächst in ein für den Editor des Translation-Memory-
Systems lesbares Format umgewandelt werden muss. Da einige Programme den Text mit
internen Markierungen versehen, die nicht abgeändert werden dürfen, muss der Übersetzer
mit den Besonderheiten der unterschiedlichen Formate vertraut sein. Nach der Übersetzung
erfolgt der Import des Textes in das Bearbeitungsprogramm sowie die Anpassung des Textes.
Es existieren auch Translation-Memory-Systeme, die direkt mit den DTP-Programmen
zusammenarbeiten. So verwendet die Translator's Workbench von Trados Microsoft Word als
Editor und mit Word erstellte Handbücher können direkt übersetzt werden.
2. Lokalisierung von Grafikelementen
Wenn die in ein Handbuch eingebundenen Grafiken Text enthalten oder aber eine Anpassung
der Grafiken an landes- und kulturspezifische Gegebenheiten erforderlich ist, müssen auch
diese lokalisiert werden. Das Lokalisieren der Grafiken ist auch bei der Websitelokalisierung
notwendig. Auf die Methoden der Grafiklokalisierung wird im Kapitel 3.1.1.4 näher
eingegangen.
3. Satz- und Layoutarbeiten (DTP)
Wie auch bei der Websitelokalisierung erfolgt im Anschluss an die Lokalisierung des Textes
und der Grafiken und der eventuell notwendigen Umwandlung der Textdateien in ihr
ursprüngliches Format das so genannte Desktop-Publishing, d. h. das computergestützte
Layout und die Druckvorbereitung der Dokumente. Das Desktop-Publishing sollte in dem
Programm vorgenommen werden, in dem die Dokumente ursprünglich erstellt wurden.
Da bei der Arbeit mit Translation-Memory-Systemen eventuell bestimmte Teile des Textes
nicht berücksichtigt werden, sollte zunächst eine Überprüfung vorgenommen werden, ob alle
relevanten Grafiken und Texte in lokalisierter Form vorliegen. Meist ändert sich durch die
Übersetzung die Textlänge. Dies erfordert sowohl die Anpassung der Zeilen- und
Seitenumbrüche sowie der Position von Grafiken, als auch die Überprüfung, ob bei der
Übersetzung Formatierungsinformationen verloren gegangen sind. Bei der Anpassung der
25
Schriftarten und Formatierungen orientiert man sich am Originaldokument. Bei der
Lokalisierung in auf anderen Schriftzeichen basierenden Sprachen muss zudem die Schriftart
geändert werden, sodass die korrekte Darstellung aller Schriftzeichen gewährleistet ist.
Grafiken müssen fehlerfrei angezeigt und an der richtigen Stelle im Text eingesetzt werden.
Im Anschluss an Layout und Formatierung des eigentlichen Textes werden automatisch
generierte Elemente, beispielsweise das Inhaltsverzeichnis, der Index und ggf. Tabellen- oder
Abbildungsverzeichnisse, anhand der entsprechenden Informationen in den übersetzten
Dateien neu erstellt. Nach Angaben von Wahle (2000b:52) basiert diese Funktion darauf,
"dass bei der Erstellung des Handbuchs neben den Dateien mit den einzelnen Kapiteln ein so
genanntes Zentraldokument angelegt wird, das die Zusammenstellung von Informationen aus
mehreren Dateien ermöglicht". Das Handbuch liegt nun druckfertig vor.
Readme-Dateien und Begleitmaterial
Readme-Dateien sind zumeist reine Textdateien, die in einem ASCII-Editor und mit Hilfe
eines Translation-Memory-Systems übersetzt werden können.
Zum Begleitmaterial gehören beispielsweise Informationen auf der Produktverpackung, die
Referenzkarte und Marketingmaterial. Diese Materialien enthalten in der Regel nur wenig
Text, jedoch ein komplexes Layout mit zahlreichen aufwendigen Grafiken. Sie werden mit
speziellen DTP-Programmen (z. B. QuarkXPress) direkt im Quellformat bearbeitet und meist
ohne Translation-Memory-System übersetzt, da das Begleitmaterial kaum sich wiederholende
Textstellen enthält. Darüber hinaus ist oftmals eine Anpassung der Texte an kulturspezifische
Gegebenheiten erforderlich.
3.1.1.3 Lokalisieren der Online-Hilfe
Die Online-Hilfe (auch einfach Hilfe genannt) stellt eine Ergänzung zum Handbuch dar, die
vom Benutzer am Bildschirm abgerufen werden kann und Hinweise zum konkreten, aktuellen
Programmkontext enthält. Der Benutzer hat direkten und schnellen Zugriff auf die Hilfe ohne
Unterbrechung der laufenden Arbeit am Computer. Fordert der Benutzer über die F1-Taste
oder Hilfe-Schaltfläche Hilfe an, während er einen Befehl ausführen möchte oder an einer
26
bestimmten Aufgabe arbeitet, erhält er relevante Hinweise und Anleitungen zu genau diesem
Thema. Man spricht von kontextsensitiver Hilfe.
Hilfeseiten sind wie Webseiten nach dem Hypertext-Prinzip aufgebaut. Dies ermöglicht ein
schnelles Wechseln zu anderen, verwandten Themen durch Anklicken farblich markierter und
unterstrichener Stichwörter mit Hilfe intern codierter Querverweise. Auch eine
Stichwortsuche innerhalb des Hilfeprogramms ist möglich.
Die Online-Hilfe besteht in der Regel aus einem Inhaltsverzeichnis (Anzeige der einzelnen
Hilfethemen nach Kategorien geordnet), Index (Stichwortverzeichnis), einer Liste der in den
Hilfeseiten vorkommenden Wörter (Suchfunktion) sowie den Hilfethemen. Im Hilfetext
können neben Grafiken auch Popups und Jumps auftauchen. Jumps sind farblich markierte
und unterstrichene Querverweise auf andere, verwandte Hilfethemen. Popups sind
kontextbezogene Erläuterungen, die in einem zusätzlichen Fenster angezeigt werden.
Nach Angaben von Wahle (2000c:75 ff.) gliedert sich das Lokalisieren der Online-Hilfe in
drei Arbeitsschritte:
· Übersetzen der Texte in die Zielsprache
· Anpassung einiger technischer Angaben
· Überprüfen der Hilfefunktionen
Um die Ressourcedateien zu bearbeiten, wird in der Regel ein Verzeichnis mit allen für die
Hilfe in der Ausgangsprache verwendeten Dateien angelegt (Wahle, 2000c:75). Um diese
Dateien nicht aus Versehen zu ändern, sollten diese schreibgeschützt sein. Sämtliche Dateien
werden dann in ein entsprechendes Verzeichnis für die Zielsprache kopiert.
3.1.1.4 Lokalisieren von Grafiken
Die Lokalisierung von Grafiken ist sowohl bei der Software- als auch bei der
Websitelokalisierung erforderlich, wenn diese Grafiken zu übersetzende Textelemente
enthalten oder an landes- und kulturspezifische Gegebenheiten angepasst werden müssen.
Hierzu zählen beispielsweise in Handbüchern und Onlinehilfen vorkommende Screenshots,
27
um Bedienungsschritte und wichtige Funktionen eines Programms zu veranschaulichen, oder
Abbildungen, die dem Benutzer in der Zielkultur unverständlich sein könnten. So kommt es
zum Beispiel bei der Darstellung von Tastaturen häufig vor, dass die abgebildeten Tastaturen
durch die im Land der Zielsprache üblicherweise verwendeten Tastaturen mit entsprechend
anderer Tastenanordnung ersetzt werden müssen. Ebenso in der Zielkultur unverständliche
Icons in der Symbolleiste müssen, obwohl sie keinen Text enthalten, angepasst werden. Ein
Beispiel hierfür wäre die Symbolschaltfläche
. Beim Klicken auf die Schaltfläche mit dem
Tisch, wird eine Tabelle eingefügt. Im Englischen haben beide Begriffe, also Tisch und
Tabelle, die gleiche Benennung (table). In einer deutschen Übersetzung würde diese
Assoziation jedoch nicht bestehen, das Symbol ist unverständlich. Aus diesem Grund ist es
immer besser, Symbole für das tatsächlich Gemeinte (hier: eine Tabelle) bereits bei der
Entwicklung neuer Software-Produkte einzubeziehen. Auch Farben haben in verschiedenen
Kulturräumen unterschiedliche Bedeutungen und müssen gegebenenfalls angepasst werden,
da sie in anderen Ländern anders bzw. falsch interpretiert werden könnten. So symbolisiert
die Farbe rot in China Glück, Wohlergehen und Reichtum, während bei den Ashanti im
westafrikanischen Ghana rot die Farbe der Trauer ist (vgl. Stadler, 2000). Auf die bei der
Lokalisierung erforderlichen kulturellen Anpassungen soll im Kapitel 3.2.3.2.4 im Rahmen
der Websitelokalisierung noch detaillierter eingegangen werden.
Wahle (2000b:64) unterscheidet zwei Arten von Grafiken: Bitmap-Grafiken und
Objektgrafiken. Je nach verwendetem Format unterscheidet sich die Vorgehensweise bei der
Lokalisierung von Grafiken. Auf die unterschiedlichen Arten und Methoden der
Grafiklokalisierung soll im Folgenden kurz eingegangen werden.
3.1.1.4.1 Bitmap-Grafiken
Bei Bitmap-Grafiken werden die einzelnen Bildinformationen Punkt für Punkt bzw. Pixel für
Pixel gespeichert. Eine Grafik wird als Sammlung von gleichwertigen Punkten, nicht als
Sammlung von Objekten wie Linien, Kreise usw. behandelt. Somit können ausschließlich
Pixel bearbeitet werden, Bildelemente wie Text oder einzelne Gegenstände werden nicht als
solche erkannt. Ein gängiges Bearbeitungsprogramm zur Lokalisierung solcher Grafiken stellt
Adobe Photoshop dar. In diesem Programm werden die Grafiken mit hohem Aufwand
manuell bearbeitet.
28
Abbildungen der grafischen Benutzeroberfläche eines Programms, so genannte Screenshots,
werden in der Regel im Bitmap-Format gespeichert. Auf sie soll im Folgenden genauer
eingegangen werden.
Screenshots
Bei Screenshots handelt es sich zwar in der Regel um Bitmap-Grafiken, eine manuelle
Bearbeitung der Bildschirmabbildungen ist jedoch meist nicht notwendig. Stattdessen wird
eine "Fotografie" des entsprechenden Elements im laufenden Softwareprogramm in der
Zielsprache angefertigt und in einer Grafikdatei gespeichert. Dies geschieht entweder mit
Hilfe spezieller Programme zum Erstellen von Screenshots (z. B. Capture Professional oder
PaintShop Pro) oder aber unter Windows mit der Funktion Print Screen, mit deren Hilfe
durch Drücken der D
RUCK
-Taste der gesamte Bildschirminhalt oder durch Drücken der
Tastenkombination A
LT
+D
RUCK
der Inhalt des aktiven Fensters in die Zwischenablage
kopiert und in einer Grafikdatei gespeichert wird, um sie dann in einem Grafikprogramm
gegebenenfalls nachbearbeiten zu können.
Eine andere Methode, Bitmap-Grafiken zu lokalisieren, ist das Imitieren von
Bildschirmansichten, beispielsweise wenn die Übersetzung und Kompilierung des
lokalisierten Programms noch nicht abgeschlossen oder das Ausführen des Programms in
seiner endgültigen Version noch nicht möglich ist. Hierbei wird die Fotografie des
Bildschirms in der Ausgangssprache in einem Grafikprogramm (z. B. Microsoft Paint)
bearbeitet. Die zu übersetzenden Textelemente der Grafik werden jeweils mit einem Rechteck
in der Hintergrundfarbe abgedeckt und der übersetzte Text kann mit Hilfe einer Textfunktion
in derselben Schriftart und Schriftgröße an derselben Position neu einfügt werden. Da die
Länge der Felder in Ausgangs- und Zielsprache fast immer unterschiedlich sind, reicht es
nicht, den Text lediglich zu überdecken. Nebenstehende Elemente müssen entsprechend
überdeckt und die Länge der Felder an die Textlänge angepasst werden.
29
Abb. 3: Bearbeitung eines Screenshots in Microsoft Paint
3.1.1.4.2 Objektgrafiken
Das Microsoft Press Computer-Fachlexikon (2000) definiert Objektgrafik bzw.
objektorientierte Grafik wie folgt:
Form der Computergrafik, die auf Verwendung von grafischen Primitiven (z. B. Linien,
Kurven, Kreisen und Quadraten) basiert. [] Dieses Prinzip hebt sich von Bitmap-Grafiken
ab, bei denen eine Grafik als Muster aus einzelnen, gleichwertigen Schwarzweiß- oder
Farbpunkten beschrieben wird. Das Prinzip der objektorientierten Grafik ermöglicht es den
Benutzern, Objekte als Einheiten manipulieren zu können. Da die Objekte mathematisch
beschrieben werden, lassen sie sich relativ einfach in Schichten anordnen, drehen oder
vergrößern.
Da die einzelnen Bildelemente in objektorientierten Grafiken als solche gespeichert werden
und somit einzeln bearbeitet werden können, ist das Lokalisieren von Objektgrafiken mit
geringem Aufwand verbunden. Textelemente können in einer eigenen Ebene im Textformat
gespeichert und als solche durch ein Überschreiben bearbeitet und übersetzt werden. Die
Bearbeitung der Grafik nimmt nur wenig Zeit in Anspruch, wenn die Grafikdatei im
Originalformat zusammen mit dem entsprechenden Bearbeitungsprogramm (z. B. Corel
Draw, Adobe Illustrator) vorliegt.
30
3.2 Grundlagen und Methoden der
Websitelokalisierung
Das Internet stellt das zweitwichtigste Marktsegment der Lokalisierung dar. Auch das
Übersetzen von Websites fällt in den Bereich der Softwarelokalisierung, da heutzutage
zahlreiche Webseiten auf Softwareapplikationen zugreifen. Darüber hinaus ist sowohl die
Arbeitsumgebung als auch die Arbeitstechnik des Übersetzers von HTML-Dokumenten nicht
wesentlich anders als bei der reinen Softwarelokalisierung. Zudem werden verstärkt
integrierte Redaktionssysteme eingesetzt. Die Nachfrage nach Websitelokalisierung nimmt
immer größere Ausmaße an, ein Abflauen des Geschäfts ist laut Décombe (2001:6) aufgrund
der starken Zunahme von E-Commerce
2
und M-Commerce
3
mittelfristig nicht absehbar.
Der Internetauftritt eines Unternehmens soll seine Kundenfreundlichkeit und -nähe
demonstrieren. Dies macht die Verwendung der Muttersprache des potentiellen
Kundenkreises auf kommerziellen, aber zunehmend auch privaten und kulturellen Webseiten
zur Pflicht. Dies führt dazu, dass die Sprachkombinationen hier noch vielfältiger als bei der
"klassischen" Softwarelokalisierung sind.
Websitelokalisierungsprojekte zeichnen sich in der Regel durch einen geringeren Umfang der
Projekte, eine wesentlich kürzere Lebensdauer der Inhalte sowie eine geringere Bandbreite an
Dateiformaten (HTML
4
, XML
5
, WML
6
, Grafik) aus, sofern im Hintergrund laufende
Software nicht einbezogen wird (z. B. Java-Applets, ActiveX etc., vgl. Kapitel 3.2.1.1). Auf
technischer Ebene spielen bei der Lokalisierung von Websites noch weitere Punkte eine
wichtige Rolle, die bei der Softwarelokalisierung keine Berücksichtigung finden. So muss der
Aufruf der Website mit den im Zielland gebräuchlichen Browsern und Betriebssystemen
gewährleistet sein. Die unterschiedlichen Übertragungsgeschwindigkeiten von Modems
müssen ebenfalls berücksichtigt werden. Auf inhaltlicher Ebene muss die lokalisierte Website
alle im Zielland üblichen rechtlichen Bestimmungen erfüllen. Es muss sichergestellt werden,
dass beispielsweise Steuern und Währung der Zielkultur angepasst werden.
2
Abkürzung für electronic commerce.
3
Abkürzung für mobile commerce.
4
Abkürzung für Hypertext Markup Language.
5
Abkürzung für Extensible Markup Language.
6
Abkürzung für Wireless Markup Language.
31
Im Folgenden sollen die Unterschiede des Internets und des World Wide Web verdeutlicht
werden. Darüber hinaus wird auf den Unterschied von Webseiten und Websites eingegangen.
Im Kapitel 3.2.2 wird auf den Aufbau von Webseiten sowie deren Dateiformate und im
Anschluss daran auf die Vorgehensweisen beim Lokalisieren eingegangen.
3.2.1 Internet
Das Internet ist nach Angaben des Microsoft Press Computer-Fachlexikons (2000) die
weltweite Zusammenführung von Netzwerken und Übergängen (Gateways), die zur
Kommunikation das TCP/IP-Protokoll [Abkürzung für Transmission Control
Protocol/Internet Protocol] verwenden. Das TCP/IP-Protokoll steht für ein in den 70er
Jahren entwickeltes Paket an Protokollen für Netzwerke, die die technische Grundlage für den
Datenverkehr im Internet darstellen. Das Internet basiert laut Schmidbauer (2004) auf so
genannten Backbones, den Hauptverkehrsstrecken und überregionalen Verbindungen der
Standleitungen, mit Hochgeschwindigkeitsleitungen für die Datenkommunikation zwischen
Hauptknoten oder Host-Computern. Daten und Nachrichten werden über eine Vielzahl von
Computersystemen weitergeleitet und ausgetauscht. Das Internet wird also nicht von einem
einzigen Computer oder Netzwerk gesteuert.
Die Entstehung des Internet basiert auf dem im Jahre 1969 vom amerikanischen
Verteidigungsministerium der USA eingesetzten dezentralen Netzwerk ARPAnet (engl.
Advanced Research Projects Agency), das ursprünglich die Kommunikation im Falle eines
atomaren Angriffs der UdSSR ermöglichen sollte. In den letzten Jahren wurden weitere
Netzwerke, beispielsweise Usenet
7
, NSFnet
8
oder BITNET
9
, an das ARPAnet angeschlossen.
7
Ein weltweites Netzwerk von UNIX-Systemen mit dezentralisierter Verwaltung, das als eine Mailbox so
genannter Special-Interest-Diskussionsgruppen genutzt wird und aus einer Vielzahl von Newsgroups besteht,
von denen sich jede einem einzelnen Thema widmet. Benutzer können Nachrichten hinterlassen und die
Nachrichten anderer in den Newsgroups lesen.
8
Ein Weltbereichsnetz der National Science Foundation, das das ARPAnet für den Zivilbereich ersetzt hat. Bis
Mitte 1995 diente NSFnet als Haupt-Backbone für das Internet. Seit 1996 werden in den USA die Backbone-
Dienste für das Internet von kommerziellen Organisationen zur Verfügung gestellt.
9
Abkürzung für Because Its Time Network. Ein Weltbereichsnetz zum Austausch von E-Mails und Dateien
zwischen Großrechnern, die in Bildungs- und Forschungseinrichtungen in Nordamerika, Europa und Japan
eingesetzt werden. BITNET verwendet das NJE-Protokoll (Network Job Entry) von IBM, nicht das Internet-
Protokoll TCP/IP, erlaubt aber dennoch einen E-Mail-Austausch mit dem Internet. Das Programm LISTSERV,
das E-Mail-Verteilerlisten verwaltet, hat seinen Ursprung im BITNET.
32
Das Internet bietet seinen Benutzern zahlreiche Dienste an, beispielsweise FTP
10
, Gopher
11
,
E-Mail
12
, IRC
13
und das World Wide Web.
3.2.1.1 World Wide Web
Das World Wide Web, kurz WWW oder W3, stellt laut Microsoft Press Computer-
Fachlexikon mit Fachwörterbuch (deutsch-englisch/englisch-deutsch) die komplette
Sammlung von Hypertext-Dokumenten, die auf HTTP-Servern
14
in der ganzen Welt abgelegt
sind, dar. Dokumente im World Wide Web, also die Webseiten, sind in HTML (HyperText
Markup Language) geschrieben und werden durch Adressen bzw. URL (Uniform Resource
Locator), die einen bestimmten Server sowie den Pfadnamen angeben, über den der Zugriff
auf eine Datei ermöglicht wird, identifiziert. Die Übertragung der Dateien von Knoten zu
Knoten bis zum Benutzer erfolgt mittels HTTP (HyperText Transfer Protocol). So genannte
Tags, also einzelne Kommandos der Auszeichnungssprache HTML, sind in ein HTML-
Dokument eingebunden und verknüpfen bestimmte Wörter und Bilder in einem Dokument
mit URL-Adressen, über die der Benutzer wiederum auf weitere, möglicherweise am anderen
Ende der Welt befindliche Dateien zugreifen kann. Die Dateien können nicht nur
Textinformationen enthalten, sondern auch Grafiken, Videodateien, Töne, Animationen sowie
Java Applets
15
, ActiveX-Steuerelemente
16
oder andere kleine eingebundene Programme, die
ausgeführt werden, wenn der Benutzer sie durch Anklicken eines Links aktiviert.
10
Abkürzung für File Transport Protocol. Ein Protokoll zur Übermittlung verschiedenartiger Dateien durch eine
über FTP-Clients zu einem FTP-Server aufgebaute Verbindung.
11
Ein von der Universität Minnesota (USA) entwickeltes Internet-Dienstprogramm zum Ermitteln von
Textinformationen, das zunehmend vom WWW verdrängt wird.
12
Abkürzung für electronic mail. Bezeichnet im weiteren Sinne jede elektronische Nachricht. Im engeren Sinne
ist es der Austausch von Textnachrichten oder Computerdateien über ein Kommunikationsnetzwerk, z. B. das
Internet.
13
Abkürzung für Internet Relay Chat. Ein im Jahre 1988 von Jarkko Oikarrinen aus Finnland erfundener
Service, über den Internet-Benutzer live an Online-Konversationen mit anderen Benutzern teilnehmen können.
14
Server-Software, die HTTP verwendet, um HTML-Dokumente sowie zugewiesene Dateien und Skripte auf
Anforderung eines Clients (z. B. Web-Browser) zu liefern. Die Verbindung zwischen Client und Server wird in
der Regel unterbrochen, sobald das angeforderte Dokument oder die angeforderte Datei geliefert wurde.
15
Eine Java-Klasse, die von einer bereits ausgeführten Java-Anwendung (z. B. einem Web-Browser) geladen
und ausgeführt werden kann. Java-Applets können heruntergeladen und von jedem Web-Browser ausgeführt
werden, der Java interpretieren kann (z. B. InternetExplorer oder Netscape Navigator). Java-Applets werden
verwendet, um Webseiten Interaktivität und Multimedia-Effekte hinzuzufügen.
16
Softwarekomponenten auf Basis der ActiveX-Technologie, die verwendet werden, um z. B. Animationen und
Pop-up-Menüs in Webseiten, Desktop-Anwendungen und Softwareentwicklungswerkzeuge zu integrieren.
ActiveX-Steuerelemente lassen sich mit einer Vielzahl von Programmiersprachen entwickeln, z. B. mit C, C++,
Visual Basic und Java.
33
Das World Wide Web ist eine Art "Unternetz" des Internet und wurde 1989 von Timothy
Berners-Lee für das Europäische Kernforschungszentrum in Genf (CERN) entwickelt. Das
World Wide Web ist der wohl bedeutendste Dienst des Internet und stellt den wichtigsten
Faktor des rasanten Internet-Wachstums dar. Es ist eine der innovativsten technischen
Errungenschaften des letzten Jahrhunderts und wurde zudem sehr schnell angenommen. Das
World Wide Web ist ganz klar vom Internet zu unterscheiden, obwohl beide Begriffe häufig
synonym verwendet werden. Das World Wide Web steht zwar in enger Verbindung mit dem
Internet, bezeichnet jedoch nur einen Teil des Internets und darf somit nicht mit ihm
gleichgesetzt werden. So stellt das Internet die weltweite Informationsinfrastruktur dar,
während das World Wide Web dank seiner benutzerfreundlichen grafischen Oberfläche den
Zugang zu den riesigen Informationsmassen des Internets einem breiten Publikum ermöglicht.
Abb. 4: Darstellung eines HTML-Dokuments mit dem Internet Explorer
17
Seine Popularität verdankt das World Wide Web insbesondere seiner hohen
Benutzerfreundlichkeit. Der Programmcode der WWW-Dokumente ist hinter der grafischen
Benutzeroberfläche eines Browserprogramms verborgen. Erst durch den Browser, ein
17
URL: http://www.iamo.de [letzter Zugriff: 29.04.2005]
0 comments