Anthonis van Dyck (1599-1641)
Die ältesten Kinder Charles I., 1635
Öl auf Leinwand, 151x154cm 1.Version
Galleria Sabauda, Turin
Sommersemester 2000
23. Mai 2000
S
EMINAR
: Die große Wende in der Pädagogik
R
EF
.: Madeleine Jannasch
T
HEMA
:
Philippe Ariès: Geschichte der Kindheit
L
ITERATUR
:
Philippe Ariès: Geschichte der Kindheit, München 1975, 12. Auflage 1996, S. 45-218
B
ILDQUELLEN
:
http://www.ammma.uni-bielefeld.de/museum/ausstell/motive/motivmen.htm
http://www.nga.gov
zum Buch
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Originaltitel: L'enfant et la vie familiale sous l'ancien règime
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1960 in Frankreich erschienen, 1962 USA, 1975 erstmals in
Deutschland
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löste die weitere und tiefgreifendere Erforschung der Kindheit
aus
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dargestellter Zeitraum: von 16. Jh. bis ungefähr Mitte
19. Jahrhundert
Kindheit und ihre Ausdrücke
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Kindheitsvorstellung entspricht der Vorstellung von Abhängigkeit - herrschaftliche wie physische
(
petit garçon
= kleiner Junge, junger Diener)
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keine Abgrenzung zur Adoleszenz, beide Begriffe werden ohne Unterschied genutzt
(im Schullatein:
puer
und
adolescens
, im Französischen:
pueri
und
adolescentes
)
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Beginn 18. Jh.: in gehobeneren Schichten wird ,,Kind" nur noch mit physischer Abhängigkeit,
Schwäche besetzt und auf die erste Altersstufe bezogen
(von
jeune enfant
zu
petit enfant
, junges vs. kleines Kind)
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dem Port-Royal (Zisterzienser-Kloster bei Paris) ist die Zunahme der Termini zur Kindheit zuzu-
schreiben (bspw. Einteilung der Schüler in ,,Kleine", ,,Mittlere" und ,,Große")
Bildliche Darstellung
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für das MA geht Ariès ,,... von einer Vorstellungswelt aus, die keine Kindheit kennt."
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in der Malerei des 13. Jh. gibt es die ersten Anfänge, die sich in der Kunstgeschichte und
Ikonographie des 15. und 16. Jh. wiederfinden
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besonders zahlreich und auffällig ist die Darstellung von Kindern als solchen, mit Ausgang des 16.
und im 17. Jh.
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im 16. Jh. erscheint das tote Kind auf Grabbildern und in Familienportraits (dargestellt mit Sym-
bolen wie einem Totenkopf oder einem Kreuz)
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zu Beginn des 17. Jh. werden sie die bevorzugten Modelle, das Kind wird allein und von seiner Fa-
milie getrennt dargestellt
Kleidung
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im MA kleideten sich alle Altersstufen gleich, nur die soziale Hierarchie musste zum Ausdruck
kommen
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im 17. Jh. bekommt das Kind (d.h. der Junge) Kleidung, die seinem Alter vorbehalten ist
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auffällig ist, dass Jungen gekleidet werden wie Mädchen und Mädchen gekleidet bleiben wie er-
wachsene Frauen
nach den Windeln/Wickeln folgen Rock, Kleid und Schürze/Lätzchen für beide
sobald sie anfangen zu laufen, wird das Gängelband hinten am Kleid befestigt
Jungen bekommen mit ca. 4-5Jahre die Kniehosen unter das Kleid (vorn geknöpft bzw. geöff-
net) und einen Kragen
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Besonderheit: lange Hose für Jungen kamen Ende des 18. Jh. aus den Vororten (durch die Kriegs-
marine)
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generell: Kleidung nicht gerade bewegungsfreundlich und kaum kindgerecht
erst Ende des 18.
Jh. anpassungsfähiger
Spiele und Vergnügungen
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Spiele, Feste und Zerstreuungen waren im MA das Hauptmittel, um die Gemeinschaft enger zu-
sammen zu bringen
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gilt besonders für die großen Feste, die an bestimmten Tagen im Jahr stattfanden
Programme folgten traditionellen Regeln, in die auch die Kinder eingebunden waren
spezielle Kinderfeste im Mai & November
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Glücksspiele wurden auch von den Kindern gespielt, man fand daran nichts Anrüchiges
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ab dem 17. Jh. traten Moralisten und Kirche entschieden, aber ohne großen Erfolg gegen das
Glücksspiel und andere Spiele an
auch die Hausordnungen für die Kollegs und Kloster, in denen
Vergnügungen aller Art untersagt waren, wurden häufig ignoriert
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im Laufe des 17. Jh. erkannten die Jesuiten die erzieherische Möglichkeit, die in den Spielen ste-
cken konnte und nutzten diese
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parallel dazu kam es zur Spezialisierung von Spielen für die gesamte Gesellschaft, zu Spielen, die
nur noch bestimmten Altersstufen oder Ständen vorbehalten waren
Die Entdeckung der Unschuld des Kindes
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Kinder galten nicht als sexuelle Wesen und darausfolgend konnte es keine negativen Auswirkungen
(durch derbe Späße) geben
kindl. Unschuld konnte nicht verdorben werden, da es keine gab
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1706 Schrift von Gerson, die sich mit der kindlichen Sexualität und Anregungen zum Umgang da-
mit beschäftigt, um die ursprüngliche Verderbtheit des Kindes nicht zu fördern
,,So soll man nur nüchtern mit ihnen sprechen und nur züchtige Worte gebrauchen."
Kinder sollen sich beim Spielen nicht umarmen, mit bloßen Händen berühren oder sich an-
schauen
große und kleine Kinder sollten getrennt schlafen
ebenso sollen sie nicht mit Erwachsenen (auch des gleichen Geschlechts) in einem Bett liegen
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der Begriff ,,Schamgefühl" hält Einzug
beträchtlicher Sittenwandel im 17. Jh.
neue moralische Auffassung von der Kindheit, die eher die Schwäche hervorhebt und mit Unschuld
verbindet
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der Erziehung wird der erste Rang eingeräumt unter den Verpflichtungen gegenüber den Kindern
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Prinzipien, die von Jacquline Pascal (1721, in einer Schrift für die Regeln in Port-Royal) angespro-
chen wurden, werden zur Doktrin, die von verschiedenen Orden anerkannt wird
1. Prinzip: Kinder niemals allein lassen
2.:Kinder nicht verhätscheln und frühzeitig an strenge Lebensregeln gewöhnen
3.: Zurückhaltung, Sittsamkeit im Auftreten vermitteln
4. Prinzip: Züchtigkeit
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es gilt nun die erkannte Unschuld zu wahren UND das Kind zu stärken, indem man für die Entwick-
lung seines Charakters und Vernunft sorgt
Das Bild des Kindes hat sich vom Mittelalter, das kein Verhältnis zur Kindheit hatte, zum 18. Jahrhun-
dert so weit verändert, dass man sich nun bemüht, die kindliche Mentalität zu durchschauen und die
Kinder besser kennenzulernen.
,,Sie sind junge Pflanzen, denen man viel Pflege angedeihen und die man oft gießen muß; mit einigen
Ratschlägen am rechten Ort, einigen Beweisen der Zärtlichkeit und der Freundschaft, die man ihnen
von Zeit zu Zeit zuteil werden läßt, rührt man ihr Herz und nimmt sie für sich ein." Ariès, S.216
(Goussault, Le portrait d'une honnête femme, 1693)
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