Autor: Johannes Schulz
Fach: Geschichte - Sonstiges
Details
Institution/Hochschule: Technische Universität Dresden (Geschichte )
Jahr: 2007
Seiten: 31
Note: 1,7
Literaturverzeichnis: ~ 14 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 1417 KB
ISBN (E-Book): 978-3-640-13997-2
ISBN (Buch): 978-3-640-14010-7
Zusammenfassung / Abstract
Die Arbeit versucht eine Brücke zwischen dem Phänomen der „kleinen Eiszeit“ von und der Entwicklung der Bodennutzung zu schlagen. Die spezielle Abhängigkeit dieser beiden Parameter lässt sich nur schwer einzeln herauskristallisieren, wie sich noch zeigen wird. Gerade die viel besagte Theorie der Malthusianischen Krise spricht eine andere Sprache. Insofern soll es gelingen, dem Faktor Klima seinen Stellenwert in dem von vielen Variablen bestimmten Gefüge der Bevölkerungsentwicklung bzw. der Bodennutzung beizumessen. Christian Pfister hat auf diesem Gebiet hervorragende disziplinübergreifende Forschungsarbeit geleistet, so dass die Schweiz vorerst das am besten untersuchte Gebiet ist. In vielen Fällen betrachtet diese Arbeit Stückwerk von verschiedenen Autoren und versucht daraus eine Vogelperspektive entstehen zu lassen, die allgemeine Aussagen zulassen, den Einzelfall jedoch unberücksichtigt lassen. Zunächst wird die theoretische Herangehensweise vorgestellt. Nach einer Begründung des ausgewählten Zeitraumes und der Begriffsklärung „günstiger“ und „ungünstiger“ Jahre nähert sich der Text dem Kernproblem: der Menschlichen Reaktion auf die Kapriolen des Klimas. Denn besonders während der „kleinen Eiszeit“ kann man von Kapriolen sprechen, die für bestimmte Jahre verheerenden Charakter angenommen hatten. Es sind in der jüngeren Wissenschaft verschiedene Verhaltensmodelle des Menschen in Bezug auf seine Umwelt erarbeitet worden. Besonders das possibilistische Modell nach Paul Vidal de la Blache (1845 – 1918), der unterschiedlichen Lebensformgruppen von Menschen – z.B. Landwirte -, die „genres de vie“ auf ihre aktiven raumwirksamen Handlungen hin untersuchte. Der Focus der Betrachtung lag dabei auf der Wahlfreiheit des menschlichen Willens , welcher jedoch durch von der Natur gesetzten festen Rahmenbedingungen, den physischen Möglichkeiten und Grenzen des Raumes, in seinen Entscheidungen beeinflusst wird. So werden regionale landwirtschaftliche Strukturen, auf die ich weiter unten zu sprechen komme, als „Ergebnis einer aktiven, freien, also possibilistischen Anpassung an die Naturräume“ interpretiert. Die Formulierung schließt eine Veränderung der natürlichen Rahmenbedingungen grundsätzlich nicht aus.
Textauszug (computergeneriert)
Technische Universität Dresden, Philosophische Fakultät
Institut für Geschichte, LS für Sächsische Landesgeschichte
Hauptseminar: Umwelt- und Klimageschichte Mitteldeutschlands in Mittelalter und Früher
Neuzeit
Wintersemester 07/08
Bodennutzung und Klima in der kleinen Eiszeit
Vorgelegt von:
Johannes Schulz
LA MS Ge/Ge6 (6. / 8. Semester)
Abgabedatum: 20.05.2008
Inhalt
1.
Einleitung S. 3
1.1. Denkmodell für die Untersuchung Menschliches Handeln in der Umwelt S. 3
1.2. Die Korrespondenz zwischen Klima und Bevölkerung S. 4
1.3. Begründung des zeitlichen Rahmens S. 5
1.4. Der enge Nahrungsspielraum S. 5
1.5. Keine Produktivität durch zu große Acker S. 9
2.1.
Primäre und sekundäre Folgen von Klimaveränderung S. 10
2.2.
Gunst- und Ungunstphasen S. 11
3.1.
Bodennutzung in humanökologischen Gunstphasen (1530 1564) S. 12
3.2.
Vergetreidung S. 15
3.3.
Klimatische Gunstphasen ungünstig für die Natur? S. 16
4.1.
Bodennutzung in Ungunstphasen S. 20
4.2.
Mensch und Boden S. 23
5.
Schlussbetrachtung S. 26
6.
Literatur S. 28
7.
Anhang S. 30
2
1. Einleitung
Die Arbeit versucht eine Brücke zwischen dem Phänomen der ,,kleinen Eiszeit" von
und der Entwicklung der Bodennutzung zu schlagen. Die spezielle Abhängigkeit dieser
beiden Parameter lässt sich nur schwer einzeln herauskristallisieren, wie sich noch zeigen
wird. Gerade die viel besagte Theorie der Malthusianischen Krise spricht eine andere
Sprache. Insofern soll es gelingen, dem Faktor Klima seinen Stellenwert in dem von vielen
Variablen bestimmten Gefüge der Bevölkerungsentwicklung bzw. der Bodennutzung
beizumessen.
Christian Pfister hat auf diesem Gebiet hervorragende disziplinübergreifende
Forschungsarbeit geleistet, so dass die Schweiz vorerst das am besten untersuchte Gebiet ist.
In vielen Fällen betrachtet diese Arbeit Stückwerk von verschiedenen Autoren und versucht
daraus eine Vogelperspektive entstehen zu lassen, die allgemeine Aussagen zulassen, den
Einzelfall jedoch unberücksichtigt lassen.
Zunächst wird die theoretische Herangehensweise vorgestellt. Nach einer Begründung des
ausgewählten Zeitraumes und der Begriffsklärung ,,günstiger" und ,,ungünstiger" Jahre nähert
sich der Text dem Kernproblem: der Menschlichen Reaktion auf die Kapriolen des Klimas.
Denn besonders während der ,,kleinen Eiszeit" kann man von Kapriolen sprechen, die für
bestimmte Jahre verheerenden Charakter angenommen hatten.
1.1. Denkmodell für die Untersuchung Menschliches Handeln in der Umwelt
Es sind in der jüngeren Wissenschaft verschiedene Verhaltensmodelle des Menschen
in Bezug auf seine Umwelt erarbeitet worden. Besonders das possibilistische Modell nach
Paul Vidal de la Blache (1845 1918), der unterschiedlichen Lebensformgruppen von
Menschen z.B. Landwirte -, die ,,genres de vie" auf ihre aktiven raumwirksamen
Handlungen hin untersuchte.
Der Focus der Betrachtung lag dabei auf der Wahlfreiheit des menschlichen Willens1, welcher
jedoch durch von der Natur gesetzten festen Rahmenbedingungen, den physischen
Möglichkeiten und Grenzen des Raumes, in seinen Entscheidungen beeinflusst wird. So
werden regionale landwirtschaftliche Strukturen, auf die ich weiter unten zu sprechen komme,
1 HEINEBERG S. 23
3
als ,,Ergebnis einer aktiven, freien, also possibilistischen Anpassung an die Naturräume"2
interpretiert.
Die
Formulierung
schließt
eine
Veränderung
der
natürlichen
Rahmenbedingungen grundsätzlich nicht aus.
Dieses Denkmodell muss Pate stehen, will man sich die Nutzung der Landschaft bzw. des
Bodens durch den darin handelnden Menschen als Funktion des Klimas als Unterform der
natürlichen Rahmenbedingungen untersuchen.
Wetterphysiologische Einflüsse im weitesten Sinne können freilich nur eine von vielen
Variablen sein, die den Menschen in seinen landschaftsbezogenen Handlungen umgeben. Die
Vertreter der auch aus Frankreich stammenden ,,Annales-Schule" 3 um die Mitte des 20
Jahrhunderts fanden in der Fluktuation des Klimas einen geeigneten initialen Grund für die
weltweit ähnlich verlaufende demographische Entwicklung. Fehlten den Vertretern wie
Braudel (1949, 1979) oder Mols (1979) noch die meteorologischen Beweise für die
Hypothesen, war dennoch die starke Abhängigkeit der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen
Gesellschaft von Witterungseinflüssen argumentiert worden.
Dem muss hinzugefügt werden, dass der Mensch fortlaufend neue Rahmenbedingungen für
das Wirtschaften mit Boden schafft, sei es neue raumwirksame Techniken wie den Beetpflug
oder die Annäherung an ökonomische bzw. demographische Grenzen.
1.2. Die Korrespondenz zwischen Klima und Bevölkerung
Wir finden nun aber im 20. Jahrhundert neben dem Klima weitere Erklärungsmuster,
die den periodischen Schwund an ,,Bevölkerungsüberschüssen" zu erklären versucht.
Für das 16. bis 18. Jahrhundert belegte Mols (1979), dass die Kongruenz zwischen
Klimagunst und Bevölkerungswachstum an dem engen Nahrungsspielraum dieser Zeit liegt.
Die Landwirtschaft hatte die Tendenz, auf einen steigenden bedarf an Nahrungsmitteln
infolge des Bevölkerungswachstums gegen Ende des 13. oder 16. Jhts. mit dem Ausdehnen
der kultivierten Flächen zu reagieren.4 Zwar wuchs die Landwirtschaft allen voran in die
2 Ebd. S. 23 nach G. Hard 1973 S. 195
3 PFISTER S. 16
4 ,,Die expansive Ausbreitung der wirtschaftlichen Kultur zur Zeit der germanischen Kolonisation hatte im XIV.
Jh. ihren Höhepunkt erreicht. Seitdem machte sich schon eine intensivere Ausnutzung des Bodens bemerkbar."
KRETSCHMER S. 498
4
Breite, doch fand auch, wie W. Abel herausstellt5, eine Vertiefung (intensivierung) derselben
statt. Mit der Einführung der Dreifelderwirtschaft Im Vergleich zur Feldgraswirtschaft eine
Steigerung um etwa 15 bis 50%6. Die zwanzigmonatige Brachezeit in drei Jahren war
ausreichend für die Erholung des Ackers. Einen Stickstoffaufbau durch Leguminosen kannte
man nicht. Allerdings brachte die Beweidung mit dem Zugvieh meist Ochsen und Kühe
einen gewissen Eintrag an Dung.
Der britische Nationalökonom Robert Malthus (1766-1834) bemühte in seinem berühmte
,,Essay on the Principles of Population" (1798) die These, dass durch das relative
Ungleichgewicht im Wachstum der Bevölkerung (geometrisch) als abhängige Variable
zum Wachstum der Produktion (arithmetisch) als unabhängiger Variable regelmäßig zu
Hungerkrisen führen musste, die das Gleichgewicht zwischen Produktion und
Bevölkerungszahl gleichwohl wiederherzustellen vermochten. In diesem Fall wird von einer
Malhusianischen Krise gesprochen.7 Behringer8 macht die Einschränkung, dass der ,,genaue
Zeitpunkt der Krise nicht nur durch innergesellschaftliche Enticklungen bestimmt [war],
sondern auch durch das Klima."
Diese Theorie, die schon um 1800 entwickelt worden ist hat ihren Geltungsbereich laut
Hansjörg Küster9 ,,immer wieder im ausgehenden Mittelalter und in der frühen Neuzeit. Sie
ähneln sich so stark [...]" 10
Nach dem krisenbedingten Zusammenbruch der gesellschaftlichen ökonomischen und
demographischen Verhältnisse näherte sich die ,,menschliche Populationen nach dem
ökologischem ,,Grundgesetz" nicht anders zu erwarten stabilen Verhältnissen" 11
Boserup12 (1965) findet in der Intensität der Bodennutzung einen Faktor für die relative
Unabhängigkeit von klimatischen Einflüssen. Diese wird durch Bevölkerungswachstum zwar
stimuliert, die deutlichste Emanzipation von Umwelteinflüssen durch die Verbesserung des
5 ABEL: "Massenarmut und Hungerkrisen.."
6 KÜSTER S. 181 - 186.
7 Die Krisen im 14. Jh., Mitte des 16. Jh. und 1800 gehorchen den Paradigmen von Malthus.
8 BEHRINGER S. 150
9 KÜSTER S. 246
10 Küster gibt das Klima nicht als Ursachenfaktor an:
An der Küste kommt es zu Deichkatastrophen, durch den enormen Holzbedarf waren die Städte von
Energiekrisen bedroht, Hungersnote werden von Heuschreckenschwärmen hervorgerufen (wobei das Klima hier
unmittelbaren Einfluss nimmt) oder von schlechten Ernten durch Frost usw. , Erosionsschäden durch
Plaggenhieb und intensive Beweidung, Wehsandflächen und Wanderdünen, Die hygienischen Verhältnisse in
den Städten waren katastrophal weil verunreinigtes Trinkwasser aus den Seen entnommen wurde. Letztendlich
brachte die Pest größtes Unheil und wurde zumindest für das ausgehende Mittelalter zum sichtbarsten Ausdruck
der Krise.
11 KÜSTER S. 246 aus ökologischer Sicht regulierten auch Kriege die Population (30 jähriger Krieg)
12 ESTER BOSERUP (1965), The conditions of agricultural growth.
5
Wirkungsgrades mit intensiverem Kapitaleinsatz auf dem Gebiet der westlichen
Industriestaate findet dennoch erst im 18. Jh. im Zuge der Agrarrevolution statt. Ab dieser
Zeit beginnt sich die Entwicklung der Ernten relativ von den klimatischen Phänomenen
abzukoppeln.
1.3. Begründung des zeitlichen Rahmens
Für diese Untersuchung ist es nahezu unmöglich, für die Zeit nach 1700 Aussagen zu
treffen, die auf der Abhängigkeit der langfristigen landwirtschaftlichen Ergebnisse von
klimatischen Einflüssen beruht. Zu stark wäre das klare Bild13 durch Interferenzen gestört, die
die neuen Bewirtschaftungsmethoden im Zeitalter der Aufklärung in den Getreidescheunen
hinterlassen. Rückschlüsse die sich erlauben den Faktor Klima exklusiv heranzuführen sind
nicht mehr praktikabel.
Es muss also ein Zeitraum vor der Agrarrevolution im 18. Jahrhundert gewählt werden, damit
die Korrelation zum Klima und Wetter noch vorhanden ist.
Doch allzu weit erlaubt die Quellenlage nicht zurückzublicken, da die Sicht in weiter
vergangene Epochen trüber wird. Das ist auch nicht nötig, findet man doch von 1500 bis 1700
einen anschaulichen Rahmen für die Entwicklung einer Bevölkerung an ihre jeweilige
Bedarfs-Ertragsgrenze mit finaler Klimaschwankung und deren Auswirkungen.
1.4. Der enge Nahrungsspielraum
Über 70 % der Bevölkerung waren in der Landwirtschaft tätig, Die
Bodenbewirtschaftung war vor den bezeichnenden Krisen im 15. und ende des 17. Jhts.
enorm arbeitsintensiv.
Dennoch war die Produktivität des Ackerbaus nach heutigen Maßstäben gering. Pro
Flächeneinheit wurde ein sehr kleiner Ertrag erwirtschaftet.
13 Vor der Agrarrevolution. Besondere Beachtung gilt der Entwicklung von chemischen Düngemitteln,
Landwirtschaftlichen Maschinen und nicht zuletzt dem Einsatz von bodenaufbauenden Früchten.
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