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Seminararbeit, 2008, 17 Seiten
Autor: André Walter
Fach: Soziologie - Methodologie und Methoden
Details
Institution/Hochschule: Friedrich-Schiller-Universität Jena (Institut für Soziologie)
Tags: Praxeologie, Rational, Action, Theory, Aktualität, Kritik, Bourdieus, Rational, Choice, Einführung, Praxistheorie, Pierre, Bourdieus
Jahr: 2008
Seiten: 17
Note: 1,7
Literaturverzeichnis: ~ 12 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-640-19462-9
ISBN (Buch): 978-3-640-19470-4
Dateigröße: 108 KB
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Zusammenfassung / Abstract
Zeit seines Lebens rekurrierte Bourdieu bei der Darlegung seiner Handlungstheorie, der Praxeologie, auf die philosophische Strömung des Utilitarismus und der daraus entstandenen Handlungstheorie, Rational Choice oder Rational Action Theory genannt1. Im Focus dieser Arbeit steht die Auseinandersetzung Bourdieus mit dem soziologischen Ansatz des Rational Choice. Dabei soll explizit die Aktualität der Kritik von Bourdieu geprüft und kritisch untersucht werden. Zu Beginn wird Bourdieus Praxeologie in seinen Grundbegriffen wie Habitus, Feld, Kapital und sozialer Raum dargestellt. Diese dienen als Grundlage seiner Kritik und zeigen gleichzeitig, wie Bourdieu versucht, die methodischen Probleme und Grundlagen des Rational Choice zu überwinden. Des Weiteren werden die Grundideen und Grundzüge des Rational Choice dargelegt. Da jedoch keine einheitliche Theorie existiert, sondern eine Vielzahl unterschiedlicher Ansätze, wird im Rahmen dieser Arbeit Bezug auf das Fundament aller Rational Choiceansätze, wie zum Beispiel den methodologischen Individualismus, genommen. Ferner können aufgrund der Begrenztheit dieser Arbeit nicht alle Ansätze behandelt werden. Dennoch wird auf einige Ansätze rekurriert, die versuchen, Bourdieus Kritik und Praxeologie zu entkräften. Nach einer Darstellung beider Ansätze wird Bourdieus Kritik am Rational Choice einer kritischen Prüfung unterzogen und auf seine Aktualität hin untersucht. Dabei soll herausgestellt werden, ob die Kritik noch adäquat ist, oder ob die Theoretiker des Rational Choice die Einwände entkräften und überwinden konnten. Zum Schluss wird diskutiert, inwieweit Bourdieus Kritik gegen den heutigen Rational Choice noch Bestand hat oder ob seine Kritik nicht mehr auf die heutigen Modelle Anwendung finden kann. Es ist evident, dass neben Bourdieus Kritik weiter Vorbehalte gegen die Theorie des Rational Choice bestehen. Jedoch soll geklärt werden, ob Bourdieus Kritik nicht sogar weitergreifen könnte. Zudem können sich weitere Probleme ergeben, die im Rahmen dieser Arbeit diskutiert werden.
Textauszug (computergeneriert)
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Die Praxeologie Pierre Bourdieus 2
2.1 Habitus 2
2.2 Feld und Kapital 3
2.3 Sozialer Raum 4
3. Die Theorie des Rational Choice 6
3.1 Kern- und Zusatzannahmen der Rational Choice Theorie 6
3.2 Der individuelle Akteur am Beispiel demokratischer Prozesse 7
3.3 Der kollektive Akteur am Beispiel des Umweltschutzes 8
4. Bourdieus Kritik an der Theorie des Rational Choice 9
4.1 Kritik an den Kernannahmen des Rational Choice 9
4.2 Kritik an den philosophischen Grundlagen des Ration Choice 10
4.3 Kritik an dem Konzept des kollektiven Akteurs 10
4.4 Abschließende Betrachtungen der Kritik 11
5. Fazit 13
1
1. Einleitung
Zeit seines Lebens rekurrierte Bourdieu bei der Darlegung seiner Handlungstheorie, der
Praxeologie, auf die philosophische Strömung des Utilitarismus und der daraus entstandenen
Handlungstheorie, Rational Choice oder Rational Action Theory genannt1. Im Focus dieser
Arbeit steht die Auseinandersetzung Bourdieus mit dem soziologischen Ansatz des Rational
Choice. Dabei soll explizit die Aktualität der Kritik von Bourdieu geprüft und kritisch
untersucht werden.
Zu Beginn wird Bourdieus Praxeologie in seinen Grundbegriffen wie Habitus, Feld, Kapital
und sozialer Raum dargestellt. Diese dienen als Grundlage seiner Kritik und zeigen
gleichzeitig, wie Bourdieu versucht, die methodischen Probleme und Grundlagen des Rational
Choice zu überwinden.
Des Weiteren werden die Grundideen und Grundzüge des Rational Choice dargelegt. Da
jedoch keine einheitliche Theorie existiert, sondern eine Vielzahl unterschiedlicher Ansätze,
wird im Rahmen dieser Arbeit Bezug auf das Fundament aller Rational Choiceansätze, wie
zum Beispiel den methodologischen Individualismus, genommen. Ferner können aufgrund
der Begrenztheit dieser Arbeit nicht alle Ansätze behandelt werden. Dennoch wird auf einige
Ansätze rekurriert, die versuchen, Bourdieus Kritik und Praxeologie zu entkräften.
Nach einer Darstellung beider Ansätze wird Bourdieus Kritik am Rational Choice einer
kritischen Prüfung unterzogen und auf seine Aktualität hin untersucht. Dabei soll
herausgestellt werden, ob die Kritik noch adäquat ist, oder ob die Theoretiker des Rational
Choice die Einwände entkräften und überwinden konnten.
Zum Schluss wird diskutiert, inwieweit Bourdieus Kritik gegen den heutigen Rational Choice
noch Bestand hat oder ob seine Kritik nicht mehr auf die heutigen Modelle Anwendung
finden kann. Es ist evident, dass neben Bourdieus Kritik weiter Vorbehalte gegen die Theorie
des Rational Choice bestehen. Jedoch soll geklärt werden, ob Bourdieus Kritik nicht sogar
weitergreifen könnte. Zudem können sich weitere Probleme ergeben, die im Rahmen dieser
Arbeit diskutiert werden.
1 Im folgenden ausschließlich Rational Choice genannt
2
2. Die Praxeologie Pierre Bourdieus
2.1 Habitus
Das Habituskonzept wurde von Bourdieu geschaffen, um den Antagonismus von
Objektivismus und Subjektivismus zu überwinden. Ihn kennzeichnet, dass er weder das
Individuum als bloßen Reflex objektiver Strukturen darstellt noch dass es, von allen
Zwängen befreit, seine Handlungen vollzieht. Bei dem Habitus handelt es sich nach Bourdieu
um ein ,,[...] System dauerhafter und übertragbarer
Dispositionen
, als strukturierende
Strukturen [...]"2 sowie ,,[...] als Erzeugungs- und Ordnungsgrundlagen für Praktiken und
Vorstellungen [...]"3. Habituelle Praktiken und Vorstellungen müssen vom Individuum nicht
beherrscht werden und sind nicht bewusst auf Ziele angelegt.4 Diese habitualisierten
Handlungen sind jedoch nicht durch Strukturen determiniert.
Der Habitus dient als Vermittlungsinstanz zwischen Struktur und Praxis. Ihm ist es möglich,
unendlich viele Praktiken hervorzubringen. Allerdings wird er durch die Bedingungen, denen
er während seiner Entwicklung unterlag, begrenzt. Sie bringen bestimmte Gedanken-,
Wahrnehmungs- und Handlungsstrukturen hervor.5 Dabei werden die bereits bestehenden
Strukturen nicht mechanisch, sondern immer individuell internalisiert.
Da in der Gesellschaft, an der Bourdieu das Habituskonzept entwickelte, Ungleichheit
herrscht, gibt es keinen universellen Habitus.6 Somit erlernt der Habitus nur ein Teil von
Dispositionen, die benötigt werden, um in allen Bereichen der Gesellschaften zu bestehen.
Deshalb wählt der Habitus Milieus, die ihm vorangepasst sind und in denen er sich
reproduzieren kann. Dadurch schützt er sich vor Krisen und kritischen Befragungen.7
Die Bedingungen, die unterschiedliche Habitusformen hervorbringen und die im Rahmen
dieser Arbeit nötig sind, werden im Folgenden dargelegt.
2 Bourdieu, 1993, S. 98
3 Bourdieu, 1993, S. 98
4 Über diese Praktiken muss ein kollektiver Konsens herrschen, damit sie als Struktur vom Habitus internalisiert
werden (Vgl. Bourdieu, 1993, 99)
5 Vgl. Bourdieu, 1993, S. 102
6 Umstrittene Standpunkte, wie sie zum Beispiel Ulrich Beck in seinem Aufsatz ,,Jenseits von Stand und Klasse"
vertritt, werden bewusst nicht mit einbezogen
7 Vgl. Bourdieu, 1993, S. 114
3
2.2 Feld und Kapital
Ein weiterer Grundpfeiler von Bourdieus Praxeologie ist das Feld. Es definiert sich ,,...als ein
Netz oder eine Konfiguration von objektiven Relationen zwischen Positionen...".8 Die
Positionen geben einen bestimmten Ort der Distribution von Kapital im Feld an.
Das Kapital wird in drei verschiedene Grundkategorien unterteilt. Unter Kapital wird dabei
akkumulierte Arbeit in materieller oder inkorporierter Form verstanden.9 Dieses kann als
ökonomisches Kapital im Warentausch bestehen, deren Logik ,,[...]objektiv und subjektiv auf
Profitmaximierung ausgerichtet und vorn (ökonomischen)
Eigennutz
geleitet ist."10 Es äußert
sich in Form von Geld und in institutionalisierter Form als Eigentumsrecht. Das kulturelle
Kapital dagegen kann in drei verschiedenen Formen auftreten. In Form von Bildung, die das
Individuum sich angeeignet hat, in objektivierter Form als kulturelles Gut wie Bücher oder
institutionalisiert als Bildungstitel.11 Soziales Kapital definiert Bourdieu als ,,[...] Ressourcen,
die auf der Zugehörigkeit einer Gruppe beruhen."12 Alle drei Kapitale können auch
symbolisches Kapital bilden, welches von anderen Akteuren anerkannt wird, sofern ihr
Habitus über die entsprechenden Wahrnehmungsdispositionen verfügt. Dabei kann es sich um
einen Adelstitel handeln, wodurch der Akteur auf Privilegien Zugriff hat.
Zudem besteht die Möglichkeit, ökonomisches Kapital in andere Arten von Kapital zu
transformieren. Dabei zeigt sich, dass jede Sorte von Kapital einer anderen Logik unterliegt.
Zum einen lässt sich das transformierte Kapital nicht auf ihren Ursprung zurückführen, da es
sonst nach Bourdieu seine spezifische Wirkung nicht hervorbringen kann. Zum anderen ist die
Akkumulation von sozialem Kapital, die Investition vom ökonomischen Kapital in soziale
Netzwerke, vom ökonomischen Standpunkt Verschwendung, nicht aber vom sozialen.13
Dem Feld ist auch eine spezifische, einzigartige Logik inhärent. Diese lässt sich nicht auf die
Logik eines anderen Feldes reduzieren. Damit wendet sich Bourdieu ausdrücklich gegen den
Ökonomismus, der die Logik des ökonomischen Feldes auf alle Felder anwendet und seine
8 Bourdieu, 2006, S. 127
9 Bourdieu, 1983, S. 183
10 Bourdieu, 1983, S. 184
11 Vgl. Bourdieu, 1983, S. 185
12 Bourdieu, 1983, S. 191 f.
13 Vgl. Bourdieu, 1983, S. 196
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