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Thesis (M.A.), 2000, 108 Pages
Author: Anne Oswald
Subject: Ethnology / Cultural Anthropology
Details
Tags: Kulturwandel, Israel, Immigration, Juden
Year: 2000
Pages: 108
Grade: sehr gut
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-17813-6
File size: 429 KB
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Excerpt (computer-generated)
Schriftliche Hausarbeit
zur Erlangung des Magister Artium
an der Philosophischen Fakultät
der Universität zu Köln
Institut für Völkerkunde
Die Auswirkungen der Großimmigration
russischer Juden in Israel seit 10 Jahren
vorgelegt von
Anne Oswald
Februar 2000
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung1
2 Politische und gesellschaftliche Situation in Israel als Basis für die Immigration
2.1 Israels Immigrationspolitik
2.2 Die israelische Gesellschaft
2.3 Die Immigration russischer Juden seit den siebziger Jahren
3 Auswirkungen der russischen Immigranten auf die israelische Kultur
3.1 Die jüdische Identität der russischen Immigranten
3.2 Motive für die Immigrationsentscheidung
3.3 Spezifische Demographie
3.3.1 Anzahl und Herkunftsregionen
3.3.2 Altersstruktur
3.3.3 Berufsstruktur
3.4 Wandel des israelischen Integrationskonzepts
3.5 Beeinflussung der Wirtschaft
3.5.1 Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt
3.5.2 Veränderung der Erwerbs- und Wirtschaftsstruktur
3.6 Veränderung der politischen Lage
3.7 Beeinflussung der ideologischen Grundlagen Israels
3.8 Ursachen für soziale Spannungsfelder
3.9 Spezifische Ausprägungen russischer Kultur
4 Schlußbetrachtung
5 Glossar
6 Bibliographie
7 Anhang
7.1 Karte von Israel
1 Einführung
Seit dem Jahre 1989 sind Schätzungen zufolge 840.000 russische Juden in Israel eingewandert. Diese Großimmigration hält bis heute an und ist beispiellos in ihren Dimensionen. Der jüdische Bevölkerungsanteil ist dadurch innerhalb einer kurzen Zeitspanne um ca. 20 Prozent auf knapp fünf Millionen Einwohner gestiegen. Zusammen mit den 170.000 russischen Einwanderern, die während den siebziger Jahren eintrafen, stammt inzwischen fast ein Fünftel der ethnisch überaus heterogenen Bevölkerung Israels aus der früheren Sowjetunion.
Die Integration einer solch großen Anzahl von Immigranten würde wohl für jede Gesellschaft eine beträchtliche Herausforderung darstellen. Hinsichtlich des relativ kleinen israelischen Staates, der mit einer Kernfläche von 22.770 km2 dem Bundesland Hessen entspricht, ist dies jedoch als ein einzigartiges Phänomen zu erachten.
Israel verlangt aus ideologischen Gründen eine weitgehende Assimilierung seiner Immigranten in die national-jüdische Kultur. Durch entsprechende Maßnahmen konnte dieses Ziel bei den vielen eingewanderten Bevölkerungsgruppen bisher immer erreicht werden. Es hat jedoch den Anschein, daß sich die innerhalb der letzten zehn Jahre eingetroffenen russischen Juden nicht in die Gesamtkultur assimiliert haben. In dieser Magisterarbeit möchte ich daher untersuchen, welche spezifischen Auswirkungen diese Großimmigration auf die israelische Gesellschaft hat, und ob und inwieweit sie zu einem Wandel in einigen kulturellen Teilbereichen beiträgt.
Die Motivation zu dieser Untersuchung resultiert aus meinen verschiedenen Aufenthalten in Israel seit 1992 (mindestens einmal jährlich). Das hat zu meinem Interesse an der innergesellschaftlichen Situation des Landes geführt, die in den deutschen Medien, die vorwiegend über den israelisch-palästinensischen Konflikt berichten, kaum beachtet wird. Neben der Literaturrecherche war es mir daher auch möglich, die gesellschaftliche Entwicklung über die Jahre persönlich zu beobachten.
Im Gegensatz zu den meisten anderen Staaten, die die Zahl eintreffender Migranten eingeschränkt haben, fühlt sich Israel ideologisch verpflichtet, möglichst viele jüdische Immigranten aufzunehmen, und verfolgte im Zusammenhang mit der Immigration russischer Juden eine aktive fördernde Politik. Da die nationale Ideologie die Basis für die Immigration ist, werde ich einleitend einen Überblick über ihre Grundzüge geben, die, zusammen mit diesbezüglichen emischen Termini und Konzeptionen, einzigartige Merkmale darstellen. Daran anschließend werde ich die Struktur der Gesellschaft, auf die die Immigranten treffen, beschreiben. Zum weiteren Verständnis des Ausmaßes der russischen Massenimmigration soll eine kurze Analyse der spezifischen Aspekte, die dazu geführt haben, dienen.
Im Hauptteil der Arbeit werde ich, nach einer einleitenden Vorstellung der spezifischen Charakteristika der Immigranten, untersuchen, inwieweit sie einige maßgeblichen Teilbereiche der israelischen Kultur beeinflussen. Diese Teilbereiche sind: Institutionen, Ökonomie, Politik, Ideologie, soziale Strukturen sowie spezifische Ausprägungen der beibehaltenen russischen Kultur.
Zunächst möchte ich die für meine Arbeit zentralen Termini definieren. Insbesondere die Begriffe Assimilation und Integration werden häufig im Kontext mit einer Immigration benutzt. Unter Assimilation verstehe ich die Eingliederung einer Minderheitengruppe in die aufnehmende dominante Gesellschaft, wobei die kulturellen Merkmale der Mehrheitsgruppe weitestgehend übernommen werden. Die Mitglieder der Immigrantengruppe orientieren sich gänzlich an der Gesamtgesellschaft, so daß sich ihre ursprüngliche Identität dabei auflöst. Mit Integration hingegen meine ich generell den Eintritt in die Gesamtgesellschaft. Im engeren Sinne übernehmen die Immigranten hierbei einige der Merkmale der aufnehmenden Gesellschaft und behalten aber gleichzeitig ihre eigene kulturelle Identität bei.
Auch die in dieser Arbeit benutzten Begriffe im Zusammenhang mit der post-sowjetischen Politik und Emigrationsbewegung möchte ich präzisieren. Ich habe mich dagegen entschieden, den amtlichen Terminus ′Gemeinschaft Unabhängiger Staaten′ (GUS) zu verwenden, da die der GUS angeschlossenen Republiken nicht alle Herkunftsregionen der nach Israel immigrierten russischen Juden umfassen. Die Formulierung ′frühere Sowjetunion′, wie auch die in der englischen Literatur häufig verwendete gleichnamige Abkürzung ′FSU′ für ′Former Sowjet Union′, erscheint mir für den Kontext dieser Arbeit plausibler, da hiermit all diejenigen Unionsrepubliken umschlossen werden, die dem Territorium der Sowjetunion bis einschließlich 1989 angehörten. Hierzu zählen insbesondere die mittlerweile unabhängigen baltischen Staaten.
Im Hinblick auf die einzelnen Herkunftsländer ist die Immigrantengruppe inhomogen, dennoch möchte ich sie in ihrer Gesamtheit der Einfachheit halber als ′russische′ bzw. ′sowjetische′ Juden bezeichnen.
′Israel′ bezieht sich in dieser Magisterarbeit auf die Grenzen des Kernlandes, d.h. auf die Markierungen vor Ausbruch des Sechs-Tage-Krieges (1967), die den Gaza-Streifen und das Westjordanland ausschließen. Mit ′Israeli′ und ′ansässige Bevölkerung′ sind die einheimischen Juden gemeint.
In einigen Teilbereichen steht die innergesellschaftliche Entwicklung Israels in direktem Zusammenhang mit der regionalen Friedens- und Sicherheitspolitik. Dennoch werde ich auf den israelisch-palästinensischen Konflikt nur insofern eingehen, als er von den Folgen der Immigration russischer Juden mitbetroffen ist.
[...]
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