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Scholary Paper (Seminar), 2007, 20 Pages
Author: Josephine Ernst
Subject: Sociology - Classics, Basics and Theoretical Directions
Details
Institution/College: http://www.uni-jena.de/ (Institut für Soziologie)
Tags: Habitus-Konzept, Einbeziehung, Feld-Begriffes, Soziologie, Pierre, Bourdieus, Proseminar, Theorie“
Year: 2007
Pages: 20
Grade: 2,3
Bibliography: ~ 26 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-24703-5
ISBN (Book): 978-3-640-24768-4
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Abstract
In dieser Hausarbeit soll eines der wichtigsten Konzepte des Ethnologen und Soziologen Pierre Bordieu dargestellt werden, das des Habitus. Dabei soll fokussiert werden, was der Habitus ist und wie er funktioniert. Im weiteren Verlauf soll dann Bourdieus Feld-Konzept vorgestellt werden, welches unweigerlich mit dem der Habitustheorie verknüpft ist. Diese „Komplizenschaft“ soll dann im Folgenden thematisiert werden. „Die Aufgabe, die Bourdieu sich stellte, war, zwei einander unversöhnliche gegenüberstehende Positionen zu versöhnen: einmal die Position dass kulturelle Objekte eine eigene innere Logik und Dynamik entfalten, und zum anderen die Position, dass sie gleichwohl angebunden sind an die soziale Welt und daher auch mit den Mitteln der Soziologie begreifbar sein müssen.“ Ein ausschlaggebender Punkt zur Entwicklung des Habituskonzepts waren seine Feldforschungen in Algerien. Augrund dieser Tatsache kann erkannt werden, dass Bourdieus Konzept „aus empirischen Forschungsfragen heraus entwickelt“ wurde und nicht nur theoretisch von ihm gedacht wurde. Noch zwischen 1962 und 1965 verwendete Bourdieu in seinen Ausführungen den Begriff des „Ethos“ um eine feststehende Haltung auszudrücken. Erst 1967 führte er dann den Begriff des „Habitus“ ein, der den Kern in seiner Soziologie der sozialen Praxis ausmachen soll. Im Folgenden wird nun ein kurzer Ausschnitt darüber gegeben, von welchen Wissenschaftlern und inwiefern Bourdieu besonders beeinflusst oder angeregt wurde. Pierre Bourdieu wurde schon sehr früh mit verschiedenen Weltvorstellungen konfrontiert, was nicht zuletzt an seinem Studium der Philosophie bei Gueroult lag. Dessen Überlegungen und Ansichten vor allem zu Leibniz’ Philosophie prägten Bourdieu stark. Er beschäftigte sich aufgrund dessen sehr mit Gottfried Wilhelm Leibniz, dessen Monadenlehre und dem Harmoniegedanken. Bourdieu spricht oft von dem Leibnizschen Begriff der „prästabilierten Harmonie“ , „um die Wirkungsweise des Habitus zu charakterisieren“ . Weiterhin übernimmt Bourdieu auch Leibniz’ „Idee der wechselseitigen Abstimmung“ . Allerdings verwendet er Leibniz’ Theorien der prästabilierten Harmonie und einer lex insita nicht in dessen Sinne, sondern nutzt diese nur, um seine Gedanken besser zu veranschaulichen. Der wohl ausschlaggebendste Teil aber kommt hier dem Kunsthistoriker Erwin Panowsky zu, der sich auf Arbeiten des Thomas von Aquin stützt, welcher wiederum auf Aristoles aufbaut. Er verwendete erstmals den Begriff des Habitus im Zusammenhang mit der Kunst. Die Vorstellung einer einheitlichen „grundlegenden Haltung“ von Künstlern in bestimmten Epochen bildete den Grundstock seiner Theorie. Er verwendet damit im Zusammenhang den Begriff der „Homologien“ , die er allerdings, anders als Bourdieu, nur als „Strukturähnlichkeiten“ identifiziert. Pierre Bourdieu betrachtet daraufhin den „Habitus als ‚vereinheitlichtes Prinzip’“ . Des Weiteren können vor allem bei der Betrachtung von Chomskys generativen Grammatik Parallelen zur Soziologie Bordieus gezogen werden. Beide gehen von einem „System generativer Strukturen“ aus, „das unbegrenzt viele Handlungen hervorbringen kann.“ Im Gegensatz zu Chomsky geht Bourdieu allerdings davon aus, dass der Habitus erworben ist und wir noch nicht damit auf die Welt kommen. Bei seiner Theorie der sozialen Felder stützt sich Bourdieu nach eigenen Aussagen nun wiederum auf die Aufsätze zur Religionssoziologie von Max Weber, aus denen er heraus seinen Feldbegriff entwickelt hat,
Excerpt (computer-generated)
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Institut für Soziologie
Proseminar: ,,Einführung in die neuere soziologische Theorie"
WS 2006/07
Das Habitus-Konzept
unter Einbeziehung des Feld-Begriffes
in der Soziologie
Pierre Bourdieus
Josephine Ernst
2./3. Semester LaR Deutsch/Ethik
Datum: 21.02.2007
Inhalt:
1. Einleitung
Seite 2
2. Der Habitusbegriff
Seite 3
2.1. Der Habitus als ,,Hilfskonstruktion"1 (S.5)
2.2. Die strukturierte Seite des Habitus (S.6)
2.3. Klassifizierungs- und Systematisierungsarbeit des Habitus
Das schöpferische ,,Erzeugungsprinzip"2 als strukturierende Struktur (S.7)
3. Das Feld-Konzept
Seite 9
4. ,,Komplizenschaft"3 zwischen Habitus und Feld
Seite 13
5. Schlussbetrachtungen
Seite 15
6. Literaturverzeichnis
Seite 17
1 zit. nach Barlösius, Eva:
Pierre Bourdieu.
Frankfurt/Main u.a.: Campus-Verlag 2006. S. 46.
2 Bourdieu, Pierre:
Die feinen Unterschiede. Kritik der gesellschaftlichen Urteilskraft
. Frankfurt/Main:
Suhrkamp 1997. S. 278.
3 Bourdieu, Pierre:
Sozialer Raum und ,,Klassen". Leçon sur la leçon: 2 Vorlesungen.
Frankfurt/Main :
Suhrkamp 1985. S. 75.
1
1. Einleitung
In dieser Hausarbeit soll eines der wichtigsten Konzepte des Ethnologen und Soziologen
Pierre Bordieu dargestellt werden, das des Habitus. Dabei soll fokussiert werden, was der
Habitus ist und wie er funktioniert. Im weiteren Verlauf soll dann Bourdieus Feld-Konzept
vorgestellt werden, welches unweigerlich mit dem der Habitustheorie verknüpft ist. Diese
,,Komplizenschaft" soll dann im Folgenden thematisiert werden.
,,Die Aufgabe, die Bourdieu sich stellte, war, zwei einander unversöhnliche
gegenüberstehende Positionen zu versöhnen: einmal die Position dass kulturelle Objekte eine
eigene innere Logik und Dynamik entfalten, und zum anderen die Position, dass sie
gleichwohl angebunden sind an die soziale Welt4 und daher auch mit den Mitteln der
Soziologie begreifbar sein müssen."5
Ein ausschlaggebender Punkt zur Entwicklung des Habituskonzepts waren seine
Feldforschungen in Algerien. Augrund dieser Tatsache kann erkannt werden, dass Bourdieus
Konzept ,,aus empirischen Forschungsfragen heraus entwickelt"6 wurde und nicht nur
theoretisch von ihm gedacht wurde.7
Noch zwischen 1962 und 1965 verwendete Bourdieu in seinen Ausführungen den Begriff des
,,Ethos" um eine feststehende Haltung auszudrücken. Erst 1967 führte er dann den Begriff des
,,Habitus" ein, der den Kern in seiner Soziologie der sozialen Praxis ausmachen soll.8
Im Folgenden wird nun ein kurzer Ausschnitt darüber gegeben, von welchen
Wissenschaftlern und inwiefern Bourdieu besonders beeinflusst oder angeregt wurde.
Pierre Bourdieu wurde schon sehr früh mit verschiedenen Weltvorstellungen konfrontiert,
was nicht zuletzt an seinem Studium der Philosophie bei Gueroult lag. Dessen Überlegungen
und Ansichten vor allem zu Leibniz′ Philosophie prägten Bourdieu stark. Er beschäftigte sich
aufgrund dessen sehr mit Gottfried Wilhelm Leibniz, dessen Monadenlehre9 und dem
Harmoniegedanken. Bourdieu spricht oft von dem Leibnizschen Begriff der ,,prästabilierten
4 Bourdieu selbst vermeidet den Begriff der ,,Gesellschaft" und verwendet lieber den der ,,sozialen Welt". (Vgl.
Hillebrandt, Frank: Die Habitus-Feld-Theorie als Beitrag zur Mikro-Makro-Problematik in der Soziologie aus
der Sicht des Feldbegriffs. in: http://www.tu-harburg.de/tbg/Deutsch/Projekte/Sozionik2/WP2.pdf)
5 Krais, Beate, Gunter Gebauer:
Habitus.
Bielefeld: Transcript-Verlag 2002. S. 11.
6 Schwingel Markus:
Pierre Bourdieu zur Einführung
. Hamburg: Junius 2005. S. 59.
7 Vgl. ebd.
8 Vgl. Krais, Beate, Gunter Gebauer:
Habitus.
a.a.O.
S. 5
.
9 Rehbein, Boike:
Die Soziologie Pierre Bourdieus
. Konstanz: UVK-Verlagsgesellschaft 2006. S. 89.
2
Harmonie"10, ,,um die Wirkungsweise des Habitus zu charakterisieren"11. Weiterhin
übernimmt Bourdieu auch Leibniz′ ,,Idee der wechselseitigen Abstimmung"12. Allerdings
verwendet er Leibniz′ Theorien der prästabilierten Harmonie und einer lex insita nicht in
dessen Sinne, sondern nutzt diese nur, um seine Gedanken besser zu veranschaulichen.
Der wohl ausschlaggebendste Teil aber kommt hier dem Kunsthistoriker Erwin Panowsky zu,
der sich auf Arbeiten des Thomas von Aquin stützt, welcher wiederum auf Aristoles aufbaut.
Er verwendete erstmals den Begriff des Habitus im Zusammenhang mit der Kunst. Die
Vorstellung einer einheitlichen ,,grundlegenden Haltung"13 von Künstlern in bestimmten
Epochen bildete den Grundstock seiner Theorie. Er verwendet damit im Zusammenhang den
Begriff der ,,Homologien"14, die er allerdings, anders als Bourdieu, nur als
,,Strukturähnlichkeiten"15 identifiziert. Pierre Bourdieu betrachtet daraufhin den ,,Habitus als
,vereinheitlichtes Prinzip′"16.
Des Weiteren können vor allem bei der Betrachtung von Chomskys generativen Grammatik
Parallelen zur Soziologie Bordieus gezogen werden. Beide gehen von einem ,,System
generativer Strukturen"17 aus, ,,das unbegrenzt viele Handlungen hervorbringen kann."18 Im
Gegensatz zu Chomsky geht Bourdieu allerdings davon aus, dass der Habitus erworben ist
und wir noch nicht damit auf die Welt kommen.19
Bei seiner Theorie der sozialen Felder stützt sich Bourdieu nach eigenen Aussagen nun
wiederum auf die Aufsätze zur Religionssoziologie von Max Weber, aus denen er heraus
seinen Feldbegriff entwickelt hat.20 .
2. Der Habitusbegriff
Mit dem Begriff des Habitus21 will Pierre Bourdieu hintergründig zuallererst auf die Frage
antworten, wie ,,man den Menschen als vergesellschaftetes Subjekt"22 sehen kann, das heißt,
10 Bourdieu, Pierre:
Die Regeln der Kunst. Genese und Struktur des literarischen Feldes.
Frankfurt: Suhrkamp
1999. S. 259.
11 Barlösius, Eva:
Pierre Bourdieu.
a.a.O. S. 55
12 Barlösius, Eva:
Pierre Bourdieu.
a.a.O. S. 56.
13 Krais, Beate, Gunter Gebauer:
Habitus.
a.a.O.
S. 24.
14 Barlösius, Eva:
Pierre Bourdieu.
a.a.O. S. 54.
15 Ebd.
16 Dies. S. 55.
17 Vgl. Krais, Beate, Gunter Gebauer:
Habitus.
a.a.O. S. 32.
18 Rehbein, Boike:
Die Soziologie Pierre Bourdieus
. a.a.O. S. 87.
19 Vgl. ebd.
20 Ders. S. 105.
3
dass geklärt werden soll, wie Verhaltensmuster ohne direkte Richtlinien organisiert werden
können. Dafür entwirft er für seine Theorie der sozialen Praxis ein ,,vereinheitlichendes
Prinzip"23 den Habitus.
Der Begriff des Habitus stammt aus dem Lateinischen und stimmt mit dem griechischen Wort
der ,,hexis" überein. Übersetzt kann er mit ,,(erworbener) Haltung, Habe, Gehabe"24 werden.
In der Soziologie Bourdieus spielt der Habitus die Rolle des Vermittlers zwischen Struktur
und Handlung, wobei Bourdieu auch ein Augenmerk auf den Unterschied zwischen Akteur25,
also Individuum und Gesellschaft26 legt. Er definiert ihn unter anderem als ein ,,Produkt der
Einprägungs- und Aneignungsarbeit"27.
Der Begriff der Habitualisierung, der den Prozess zur Aneignung eines Habitus bedeutet, wird
nach dem Langenscheidt Fremdwörterbuch als ,,zur Gewohnheit machen oder werden"28
definiert. Nach Gerhard Fröhlich gibt es davon drei Arten: ,,unmerkliches Vertrautwerden ...
ausdrückliche Überlieferung ... strukturale Übungen in Spielform"29, wobei Bourdieu letzteres
zur Erklärung von Gesellschaft bevorzugt.
21 In der deutschen Sprache gibt es keinen optischen Unterschied zwischen dem Singular und dem Plural des
Wortes ,Habitus′. Lediglich die Aussprache ändert sich bei zweiterem zu einem langen ,u′. Im Folgenden soll,
um Verwirrungen zu vermeiden, der Begriff ,Habitusformen′ an die Stelle der Mehrzahl von Habitus treten. Der
Begriff entspricht praktisch nicht dem von Bourdieu beabsichtigten, kann aber mittlerweile aus eben genannten
Gründen in Bezug auf die Forschungsliteratur als gängig bezeichnet werden.
22 Krais, Beate, Gunter Gebauer:
Habitus.
a.a.O.
23 Barlösius, Eva:
Pierre Bourdieu.
a.a.O. S. 53.
24
Das symbolische Kapital der Lebensstile. Zur Kultursoziologie der Moderne nach Pierre Bourdieu
. Hg. v.
Ingo Mörth, Gerhard Fröhlich. Frankfurt/Main: Campus-Verlag 1994. S. 38.
25 Wie bei vielen für Bourdieus theoretische Ausführungen wichtige Schlüsselwörtern gibt es auch bei der
Übersetzung des Wortes Akteur einige Schwierigkeiten. In Bourdieus Original ist die Rede vom ,,agent". Dieser
Begriff legt sein Hauptaugenmerk auf ein handelndes Subjekt. Es gab mehrere Diskussionen mit Bourdieu
selbst, der sich gegen den Begriff der ,,Akteure" ausspricht, weil er seiner Meinung nach zu stark auf das
Individuum im sozialen Sinn bezieht. Im Folgenden soll allerdings weiterhin der Begriff des ,,Akteurs"
verwendet werden, da er mittlerweile auch in jeder deutschen Forschungsliteratur so benutzt wird und es vor
allem momentan keine bessere Übersetzung gibt. (Vgl. Krais, Beate, Gunter Gebauer:
Habitus.
Bielefeld:
Transcript-Verlag 2002. S. 84.)
Akteure können nach Bourdieu allerdings auch Gruppen sein. (Vgl. Rehbein, Boike:
Die Soziologie Pierre
Bourdieus
. a.a.O. S. 95)
26 Barlösius, Eva:
Pierre Bourdieu.
a.a.O. S. 47.
27 Bourdieu, Pierre:
Entwurf einer Theorie der Praxis auf der ethnologischen Grundlage der kabylischen
Gesellschaft
. Frankfurt/Main: Suhrkamp 1978.
28 http://www.langenscheidt.de/
29
Das symbolische Kapital der Lebensstile. Zur Kultursoziologie der Moderne nach Pierre Bourdieu.
Hg. v.
Ingo Mörth, Gerhard Fröhlich. a.a.O. S. 39.
4
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