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Der Begriff Freiheit bei Rousseau und Tocqueville

Subtitle: Eine Analyse

Termpaper, 2008, 22 Pages
Author: Andre Schuchardt
Subject: Philosophy - General Essays, Eras

Details

Category: Termpaper
Year: 2008
Pages: 22
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 8  Entries
Language: German
Archive No.: V124055
ISBN (E-book): 978-3-640-29649-1
ISBN (Book): 978-3-640-30581-0

Abstract

Diese Arbeit soll beleuchten, was für Arten von Freiheiten Rousseau vorschwebten und wie sie sich mit dem Gesellschaftsvertrag vereinbaren, selbiges dann am praktizierten Beispiel Amerika geschildert von Tocqueville sowie dessen Ansicht zur Freiheit im Vergleich mit Rousseau untersuchen. Auch soll gezeigt werden, warum Tocqueville die Freiheit für bedroht hielt. Zuletzt sollen vor allem die Freiheitsbegriffe beider Autoren noch einmal verglichen werden, dabei die theoretischen Kategorien des Artikels „Freiheit“ von Bernd Ladwig aus dem Buch „Politische Theorie“ verwendend. Interessant ist es auch, ob Pestalozzi Recht hatte, als er davon sprach, dass Rousseau Freiheit und Gehorsam getrennt hatte und es nun wieder zu vereinigen sei, da „die absolute Freiheit bloß Einbildung sei, die aber, in die Tat umgesetzt, zur totalen Versklavung führen müsse; wovor dann auch die großen französischen Staatsdenker des 19. Jahrhunderts, Alexis de Tocqueville und Benjamin Constant, warnten.“ Hat Rousseau überhaupt getrennt? Gehört es zusammen? Und was sagte Tocqueville dazu? [...]


Excerpt (computer-generated)

Andre Schuchardt

präsentiert:

Der Begriff Freiheit bei Rousseau und Tocqueville

Seite 1


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 3

2. Rousseau 5

Der Naturzustand 5

Der Gesellschaftsvertrag 6

Freiheit durch Gleichheit 8

Freiheit und Knechtschaft 8

Fazit 10

3. Tocqueville 11

Religiöser Freiheitsbegriff und freiwillige Knechtschaft 11

Viele Arten von Freiheit und die Gefahr der Gleichschaltung 12

Die Vereinigungsfreiheit 13

Demokratie erstickt geistige Freiheit, erhält aber andere Freiheiten 14

Gefahr des Individualismus und freiheitliche Institutionen als Schutz 14

Fazit 15

4. Der theoretische Begriff Freiheit nach Bernd Ladwig 16

5. Vergleich der Freiheit bei Rousseau und Tocqueville 18

6. Schluss 20

7. Literaturverzeichnis 21

Seite 2


1. Einleitung

Jean Jacques Rousseau (1712 - 1778) gehört in die Reihe der Staatstheoretiker, die von

Thomas Hobbes1 begründet und von Montesquieu verfeinert wurde, welcher zahlreiche exi-

stente Staatsformen analysiert hatte und den auch Rousseau gerne mal als Inspiration er-

wähnte. Er wird gerne als Wegbereiter der Französischen Revolution bezeichnet, welche er

allerdings selber nicht mehr erlebte und auch nie in dieser Art gut geheißen hätte. Montes-

quieus Prinzip der Gewaltenteilung fand eben in diesem Frankreich und auch in Amerika

mit als erstes Verwendung, wobei letzteres dann auch Alexis de Tocqueville (1805 ­ 1859)

nach der Revolution in seinem Buch ,,Über die Demokratie in Amerika" genauer analysie-

ren konnte. Rousseau sprach in seinem Buch ,,Der Gesellschaftsvertrag" von dem Naturzu-

stand, aus dem der Mensch sich zum Schutze und zur Stärkung zusammenschließen müsse.

In diesem Zusammenhang sah er verschiedene Arten der Freiheit. Welche genau, möchte

ich hier aufzeigen. Rousseau war ein Anhänger der Gleichheit und Gegner der Aristokratie,

derweil Tocqueville ein starker Anhänger der Freiheit war, egal in welcher Staatsform. Über

sich selber sagte er auch: ,,Ich glaube, ich würde die Freiheit in allen Zeiten geliebt haben;

in der Zeit aber, in der wir leben, fühle ich mich geneigt, sie anzubeten."2 Allerdings sah er

auch die Freiheit bedroht. Diese Arbeit soll beleuchten, was für Arten von Freiheiten Rous-

seau vorschwebten und wie sie sich mit dem Gesellschaftsvertrag vereinbaren, selbiges

dann am praktizierten Beispiel Amerika geschildert von Tocqueville sowie dessen Ansicht

zur Freiheit im Vergleich mit Rousseau untersuchen. Auch soll gezeigt werden, warum

Tocqueville die Freiheit für bedroht hielt. Zuletzt sollen vor allem die Freiheitsbegriffe bei-

der Autoren noch einmal verglichen werden, dabei die theoretischen Kategorien des Arti-

kels ,,Freiheit" von Bernd Ladwig aus dem Buch ,,Politische Theorie" verwendend.

Interessant ist es auch, ob Pestalozzi Recht hatte, als er davon sprach, dass Rousseau Frei-

heit und Gehorsam getrennt hatte und es nun wieder zu vereinigen sei, da ,,die absolute

Freiheit bloß Einbildung sei, die aber, in die Tat umgesetzt, zur totalen Versklavung führen

1 Leviathan: fort vom Naturzustand, dem Krieg aller gegen alle, und alle Macht übertragen auf einen Souverän, zum Schutze der

Gesamtheit.

2 de Tocqueville, Alexis: Über die Demokratie in Amerika. 1985 Reclam Verlag, Stuttgart. S. 348.

Seite 3


müsse; wovor dann auch die großen französischen Staatsdenker des 19. Jahrhunderts, Ale-

xis de Tocqueville und Benjamin Constant, warnten."3 Hat Rousseau überhaupt getrennt?

Gehört es zusammen? Und was sagte Tocqueville dazu? Dies nun im folgenden, beginnend

mit Rousseau.

3 Weinstock, Heinrich: Einleitung. In: Rousseau, Jean Jacques: Der Gesellschaftsvertrag. Oder die Grundsätze des Staatsrechtes.

1966 Reclam Verlag, Stuttgart. S. 4.

Seite 4


2. Rousseau

Kurz zusammengefasst kann man sagen: Menschen veräußern ihre natürliche Freiheit und

schließen sich über einen Gesellschaftsvertrag zu einer Gemeinschaft zusammen für mehr

Schutz und Ordnung. Die Gemeinschaft regiert und bildet den Staatskörper. Er kennt natür-

liche Freiheit des Individuums, bürgerliche Freiheit als Mitglied der Gemeinschaft.4

Man sollte vielleicht anfangs erwähnen, dass Rousseau selber meinte, die philosophische

Bedeutung des Begriffs Freiheit sei nicht Teil seiner Arbeit.5 Doch sprach er gerne von der

Freiheit, sie ist essentiell für seine Staatsauffassung und die Verwirklichung einer Gesell-

schaft und vieles lässt sich außerdem auch zwischen den Zeilen lesen und erschließen, was

vor allem für den theoretischen Teil wichtig wird. Um also Rousseaus Auffassung von Frei-

heit auffinden und erklären zu können, muss man erstmal sein Werk lesen und verstehen

was für Rousseau ein Miteinander, eine Regierung, ein Staat ist.

Der Naturzustand

Rousseaus einleitender Satz seines ersten Kapitels ist berühmt und viel zitiert, sagt es doch

aber auch bereits viel über seine An- und Absichten aus: ,,Der Mensch wird frei geboren,

und überall ist er in Ketten. Mancher hält sich für den Herrn seiner Mitmenschen und ist

trotzdem mehr Sklave als sie."6 Dies ist bereits eine Absage gegen das alte Modell von

Hobbes, nach der das Volk ihre Freiheit einem einzigen Herrscher opfert. Doch dazu erst

später mehr. Fangen wir von vorne an, beim Naturzustand.

Laut Rousseau ist die Natur des Menschen Selbsterhaltung. Was man durchaus nachvoll-

ziehen kann, existiert die Natur und alles in ihr doch eigentlich auch nur zur Sicherung des

eigenen Fortbestandes. Alle Menschen werden nach Rousseaus Meinung frei geboren und

veräußern ihre Freiheit freiwillig und nur um ihres Nutzens willen.7 Auch kann man sogar

nur seine eigene Freiheit veräußern, nicht zum Beispiel die seiner Kinder, denn diese ,,wer-

4 Vgl. Rousseau, Jean Jacques: Der Gesellschaftsvertrag. Oder die Grundsätze des Staatsrechtes. 1966 Reclam Verlag, Stuttgart.

S.49.

5 Vgl. Ebd., S.49.

6 Ebd., S.30.

7 Vgl. Ebd., S.31.

Seite 5



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