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Operationalisierung des Begriffs Eliten

Untertitel: Abhängigkeit der Chance als Elite rekrutiert zu werden von der sozialen Herkunft

Seminararbeit, 2008, 21 Seiten
Autor: Michael Arend
Fach: Statistik

Details

Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2008
Seiten: 21
Note: 1,3
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V125246
ISBN (E-Book): 978-3-640-31071-5
ISBN (Buch): 978-3-640-30974-0

Zusammenfassung / Abstract

Da der Begriff Elite vielseitig verwendet wird (z.B. Eliteeinheiten beim Militär) und in der Geschichte sowohl positiv als auch negativ gebraucht wurde, wird am Anfang dieser Arbeit der Begriff geklärt und besonders die Bedeutung des Begriffs Elite in Deutschland veranschaulicht, um darauf aufbauend den durch den Faschismus begründeten Sonderweg in der deutschen Eliterekrutierung zu verdeutlichen. Danach werden die zwei Hauptselektionskriterien in der Eliterekrutierung sozialer Habitus und Bildung behandelt, um klar zu machen inwieweit gerade der soziale Habitus auf die Chance als Elite in Deutschland rekrutiert zu werden wirkt. Dazu werden in dieser Arbeit die bereits vorliegenden Forschungsergebnisse von Michael Hartmann auf diese Fragestellung hin untersucht und mit denen von Schubert vertieft, welcher die Forschungsergebnisse Hartmanns mit denen von anderen Forschungsergebnissen vergleicht . Abschließend wird der deutsche Weg mit dem anderer großer Industriestaaten verglichen, um die Eliterekrutierung in Deutschland international einordnen zu können. Resümierend werden dann die Ergebnisse der Arbeit im Schluss einer Betrachtung unterzogen.


Textauszug (computergeneriert)

Fakultät für Staats- und Sozialwissenschaften

Sommermodularbeit 2008

Modularbeit: Empirische Methoden und Statistik

Sommertrimester 2008

Operationalisierung des Begriffs

Eliten

(Abhängigkeit der Chance als Elite rekrutiert zu werden von der sozialen Herkunft)

von

Michael Arend

M.A.: Staats- und Sozialwissenschaften 2007

4.Trimester

Universität der Bundeswehr München


GLIEDERUNG

1 EINLEITUNG 3

2 DIE ENTWICKLUNG DES ELITEBEGRIFFS 5

2.1

ENSTEHUNG DES ELITEBEGRIFFS 5

2.2

ELITE UND MASSE ­ DIE DICHOTOMIE VON MOSCA, PARETO

UND MICHELS 6

2.3

FUNKTIONSELITEN ALS REAKTION AUF DEN FASCHISMUS

8

3 SOZIALE HERKUNFT ALS SELEKTIONSKRITERIUM IN DER

ELITENREKRUTIERUNG IN DEUTSCHLAND 9

3.1

SELEKTIVITÄT DURCH BILDUNG IM WANDEL 10

3.2

SOZIALER HABITUS ALS AUSWAHLKRITERIUM 13

3.3

DIE DEUTSCHE SONDERSTELLUNG IM INTERNATIONALEN

VERGLEICH 16

4 SCHLUSS 19

2


1 EINLEITUNG

Der Versuch das gegliederte Schulsystem in den 1970er Jahren mit der Einführung von

Gesamtschulen zu ersetzen und somit allen die gleichen Bildungschancen zu geben ist

gescheitert. Ziel war eine höhere soziale Durchlässigkeit und höhere Abiturientenquoten.

Letztere sind geblieben, doch die Gesamtschulen selber sind zu modernen Volkschulen

verkommen und bilden nun mit den Hauptschulen das untere Ende des deutschen

Schulsystems1.

Heute dagegen ist von Abschaffung des gegliederten Schulsystems nicht mehr die Rede,

stattdessen gewinnt die Diskussion über Eliten an Popularität. Eliteschulen und Hochschulen

sind das Thema. Ziel von Wirtschaft und Politik ist es, die deutsche Hochschullandschaft nach

dem Vorbild Amerikas und Englands zu reformieren und Eliteuniversitäten nach dem Vorbild

Harvards oder Oxfords zu schaffen. Eine handlungsfähige Elite soll geschaffen werden,

welche international konkurrenzfähig ist.2 Soziale Durchlässigkeit scheint aus dem Fokus

verschwunden zu sein. Zwar betonen die Elitebefürworter, dass man in keinem Falle eine

Herkunftselite wolle, sondern Leistungseliten3, doch wie sieht die Elitenrekrutierung der

deutschen Eliten aus? Fraglich ist sicher, ob es tatsächlich eine Chancengleichheit gibt und

Leistung der einzige Faktor bei der Elitenauswahl ist. Es stellt sich also die Frage, wie groß

heute die Abhängigkeit von der Chance Elite zu werden und der sozialen Herkunft in

Deutschland ist. Dies ist die Kernfrage, die diese Arbeit zu beantworten versucht. Als

Grundlage zur Beantwortung der Frage dienen dieser Arbeit dabei die Forschungsergebnisse

von Michael Hartmann aus den Jahren 1995-974, in der er die Rekrutierung der deutschen

Topmanager als erster nach Kruk 1972 zum Thema einer soziologischen Studie macht.

Genauso seine Einführung in die Elitesoziologie von 20045 und seine Arbeit über die Eliten in

1 [-]: Neue alte Idee. In: Die Zeit 29 (2007), URL: http://www.zeit.de/2007/29/Neue_alte_Idee, S.16.

2 Hartmann, Michael: Elitesoziologie. Eine Einführung. Frankfurt/Main 2004, S.7.

3 Ebd., S.8.

4 Hartmann, Michael: Klassenspezifischer Habitus oder exklusiver Bildungstitel als soziales

Selektionskriterium?. Die Besetzung der Spitzenpositionen in der Wirtschaft. In: Krais, Beate (Hrsg.):An der

Spitze. Von Eliten und herrschenden Klassen. Konstanz 2001, S.157-215.

5 Hartmann: Elitesoziologie.

3


Europa, in denen er die deutsche Eliterekrutierung international vergleicht6. Hartmann ist

demzufolge der derzeit führende deutsche Wissenschaftler auf dem Gebiet der Eliteforschung.

Wie auch Hartmann in seiner Studie, konzentriert sich diese Arbeit dabei auf die Rekrutierung

der Wirtschaftseliten, da besonders in der Wirtschaft das Leistungsprinzip gelten sollte. Zum

anderen scheiden sowohl die politische Elite, als auch die militärische aus. Zunächst ist das

politische Amt oft ein nebenberufliches und nicht selten mit einer bedeutenden

Wirtschaftsposition verknüpft, so dass bei der Betrachtung der politischen Eliten von vielen

Störvariablen ausgegangen werden muss. Die militärische Eliterekrutierung ist dagegen stark

formalisiert und an gewisse Faktoren, wie z.B. die Fachhochschulreife für Offiziere

gebunden. Die wirtschaftliche Elite dagegen steigt meist früh in die Wirtschaft ein, die

Entwicklung zu Elite jedoch erfolgt erst später, so dass die Inhaber von Führungspositionen

im Durchschnitt 50 Jahre alt sind7. Somit ist in der Wirtschaft von einer umfassenden Prüfung

bei der Rekrutierung der Eliten auszugehen, welche weder formalisiert ist, noch zu viele

Störvariablen enthält.

Da der Begriff Elite vielseitig verwendet wird (z.B. Eliteeinheiten beim Militär) und in der

Geschichte sowohl positiv als auch negativ gebraucht wurde, wird am Anfang dieser Arbeit

der Begriff geklärt und besonders die Bedeutung des Begriffs Elite in Deutschland

veranschaulicht, um darauf aufbauend den durch den Faschismus begründeten Sonderweg in

der deutschen Eliterekrutierung zu verdeutlichen. Danach werden die zwei

Hauptselektionskriterien in der Eliterekrutierung sozialer Habitus und Bildung behandelt, um

klar zu machen inwieweit gerade der soziale Habitus auf die Chance als Elite in Deutschland

rekrutiert zu werden wirkt. Dazu werden in dieser Arbeit die bereits vorliegenden

Forschungsergebnisse von Michael Hartmann8 auf diese Fragestellung hin untersucht und mit

denen von Schubert vertieft, welcher die Forschungsergebnisse Hartmanns mit denen von

anderen Forschungsergebnissen vergleicht9. Abschließend wird der deutsche Weg mit dem

anderer großer Industriestaaten verglichen, um die Eliterekrutierung in Deutschland

6 Hartmann, Michael: Eliten und Macht in Europa. Ein internationaler Vergleich. Frankfurt/Main 2007.

7 Schubert, Klaus: Leistungseliten: Die Bedeutung sozialer Herkunft als Selektionskriterium für

Spitzenkarrieren. Eine Analyse unter besonderer Berücksichtigung von Sozialisation und Qualifikation.

Hamburg 2005, S.63f.

8 Hartmann: Habitus oder Bildungstitel.

9 Schubert: Leistungseliten.

4


international einordnen zu können. Resümierend werden dann die Ergebnisse der Arbeit im

Schluss einer Betrachtung unterzogen.

2 DIE ENTWICKLUNG DES ELITEBEGRIFFS

Der Begriff Elite wirkte seit jeher polarisierend, trennt er doch eine Minderheit durch einen

Prozess der Auslese, in welcher Form auch immer, von der Masse. Besonders in der

europäischen Geschichte und ganz besonders in der deutschen ist genau diese Dichotomie der

Grund, warum das Wort Elite bei vielen Unbehagen auslöst. Um zu verstehen, wieso gerade

in Deutschland die Elitenrekrutierung ein so sensibles Thema ist und wieso sich Deutschland

immer noch schwer tut eine organisierte Elitenrekrutierung zu installieren, muss man die

Entwicklung des Elitenbegriffes verstehen.10

2.1 ENTSTEHUNG DES ELITEBEGRIFFS

Die ersten Entwürfe einer Eliterekrutierung machte bereits Platon (427-347 v. Chr.), indem er

die Rekrutierung der Philosophenkönige, welche laut ihm die Weisen und Besten seien, in

seinem Werk Politeia beschreibt. Wie empfindlich gerade die deutschsprachigen Philosophen

nach dem zweiten Weltkrieg auf das Thema Elite reagierten, zeigt die Platokritik Poppers11,

welcher Plato totalitäre Ideen vorwirft. Diese Sensibilisierung ist die Folge der Entwicklung

des Elitebegriffes im 19. Jahrhundert und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Der Elitebegriff selbst stammt aus dem 18. Jahrhundert und wurde zunächst vom

französischen Bürgertum benutzt. Zunächst gebraucht als Kampfbegriff gegen Adel und

Klerus, um Abstammung als Voraussetzung erfolgreicher Karrieren zugunsten von Leistung

abzulösen12, änderte sich die Bedeutung im 19.Jh. In den Zeiten von Industrialisierung und

Bevölkerungswachstum gebrauchte das Bürgertum den Begriff Elite um sich selbst von der

10 Vgl. hierzu Hartmann: Elitesoziologie, S.43f

Siehe dazu Kapitel 2.3

11 Karl R. Popper: Die offene Gesellschaft und ihre Feinde. Der Zauber Platons. s.l. 1945.

12 Hartmann: Elitesoziologie, S.9.

5



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