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Untertitel: Die französisch-englischen Auseinandersetzungen in Nordamerika im Kontext europäischer Konflikte 1700-1763
Hausarbeit, 2006, 32 Seiten
Autor: Florian Unzicker
Fach: Geschichte - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Details
Institution/Hochschule: Georg-August-Universität Göttingen
Tags: Nouvelle France, Quebec, Kanada, Kolonialismus, Erbfolgekriege, Siebenjähriger Krieg, Frieden von Paris, Frühe Neuzeit, Außereuropäische Geschichte, Kriegführung, Völkerrecht
Jahr: 2006
Seiten: 32
Note: 1
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-640-35544-0
ISBN (Buch): 978-3-640-35529-7
Breiter Korrekturrand
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Zusammenfassung / Abstract
Am 10. Februar 1763 unterzeichneten der Duc de Choiseul und der Duke of Bedford im Auftrag ihrer jeweiligen Krone den Frieden von Paris. Dieser Vertragsabschluss beendete nicht nur den Komplex des Siebenjährigen Krieges: Die bis dato weitausgreifendste und kostspieligste militärische Auseinandersetzung aller Zeiten hatte rund einer Millionen Menschen das Leben gekostet, neben mehreren kleinen Staaten waren mit Großbritannien und Preußen auf der einen, Frankreich, Österreich und Russland auf der anderen Seite alle europäischen Großmächte der Zeit in den Konflikt involviert. Gekämpft wurde auf allen damals bekannten Kontinenten, in Mitteleuropa, Nordamerika, der Karibik, Indien, Afrika und auf den Weltmeeren, weshalb der Siebenjährige Krieg von manchen Historikern als der eigentlich erste Weltkrieg bezeichnet wird. Dieser Friedensschluss beendete auch eine Serie von militärischen Konflikten zwischen Franzosen und Engländern in Nordamerika, in denen seit dem ausgehenden 17. Jahrhundert europäische Erbfolgekriege jeweils ihre Parallelschauplätze in der Neuen Welt gefunden hatten und die von der anglophonen Geschichtsschreibung French and Indian Wars genannt werden. Dabei sah der Pariser Frieden einen großen Gewinner: Großbritannien war, nachdem es im Friedenvertrag von Utrecht von 1713 seinen Aufstieg zur Kolonial-, See- und Handelsmacht vorbereiten konnte, endgültig "Master of the World" geworden. Frankreich hingegen blieb nur der „militärische und finanzielle Scherbenhaufen“: Es wurde vollkommen vom nordamerikanischen Kontinent verdrängt und musste seine, stolz als La Nouvelle France titulierten, ausgedehnten kolonialen Besitzungen an die Engländer abtreten, die jüngere französische Kolonie in Nordamerika, Louisiana, wurde spanisch. Einzig die zwei kleinen Fischereistützpunkte St. Pierre und Miquelon vor der Küste Neufundlands blieben der französischen Krone erhalten. Diese Arbeit möchte sich mit den Gegensätzen und Auseinandersetzungen zwischen Franzosen und Engländern in Nordamerika beschäftigen. Die Konflikte in Nordamerika sollen dabei im Kontext der zeitgenössischen internationalen Verhältnisse und Auseinandersetzungen in der Alten Welt gesehen werden. Der zu untersuchende Zeitraum von 1700-1763 ist nicht willkürlich gewählt, sondern erfolgt in Anlehnung an Reeses umfangreiche Untersuchung.
Textauszug (computergeneriert)
Seminar im Hauptstudium:
,,Frankreich und die westeuropäische Geschichte."
Sommersemester 2006
Kampf um den Kontinent
Die französisch-englischen Auseinandersetzungen in
Nordamerika im Kontext europäischer Konflikte 1700-1763.
Florian Unzicker
Kampf um den Kontinent
1
Inhaltsverzeichnis
Seite
1. Einleitung
1
2. Der Spanische Erbfolgekrieg und "Queen Anne′s War"
3
3. Der Österreichische Erbfolgekrieg und "King George′s War"
11
4. Der Siebenjährige Krieg und der "French And Indian War"
17
5. Nordamerika nach dem Frieden von Paris (1763)
25
6. Schlussbetrachtung
26
Quellen und -Literaturverzeichnis
Kampf um den Kontinent
2
1. Einleitung
Am 10. Februar 1763 unterzeichneten der Duc de Choiseul und der Duke of
Bedford im Auftrag ihrer jeweiligen Krone den Frieden von Paris.1 Dieser
Vertragsabschluss beendete nicht nur den Komplex des Siebenjährigen
Krieges: Die bis dato weitausgreifendste und kostspieligste militärische
Auseinandersetzung aller Zeiten hatte rund einer Millionen Menschen das
Leben gekostet, neben mehreren kleinen Staaten waren mit Großbritannien und
Preußen auf der einen, Frankreich, Österreich und Russland auf der anderen
Seite alle europäischen Großmächte der Zeit in den Konflikt involviert.
Gekämpft wurde auf allen damals bekannten Kontinenten, in Mitteleuropa,
Nordamerika, der Karibik, Indien, Afrika und auf den Weltmeeren, weshalb
der Siebenjährige Krieg von manchen Historikern als der eigentlich erste
Weltkrieg bezeichnet wird.2
Dieser Friedensschluss beendete auch eine Serie von militärischen Konflikten
zwischen Franzosen und Engländern in Nordamerika, in denen seit dem
ausgehenden 17. Jahrhundert europäische Erbfolgekriege jeweils ihre
Parallelschauplätze in der Neuen Welt gefunden hatten und die von der
anglophonen Geschichtsschreibung
French and Indian Wars
genannt werden.3
Dabei sah der Pariser Frieden einen großen Gewinner: Großbritannien war,
nachdem es im Friedenvertrag von Utrecht von 1713 seinen Aufstieg zur
Kolonial-, See- und Handelsmacht vorbereiten konnte, endgültig
Master of the
World
geworden.4 Frankreich hingegen blieb nur der ,,militärische und
finanzielle Scherbenhaufen":5 Es wurde vollkommen vom nordamerikanischen
Kontinent verdrängt und musste seine, stolz als
La Nouvelle France
titulierten,
ausgedehnten kolonialen Besitzungen an die Engländer abtreten, die jüngere
französische Kolonie in Nordamerika, Louisiana, wurde spanisch.6 Einzig die
1 David Charles Douglas (Ed.): English Historical Documents, Volume X 1715-1783, London [u.a.] 1957, S.
936-942.
2 Vgl. William R. Nester: The First Global War. Britain, France, and the Fate of North America 1756-1775,
Westport [u.a.] 2000. Nester spricht in der Einleitung vom "world′s first truly world war."
3 Vgl. Robert Leckie: A Few Acres Of Snow. The Saga of the French and Indian Wars, New York [u.a] 1999.
4 Vgl. Frank McLynn: 1759 The Year Britain Became Master Of The World, London [u.a.] 2004, S. 1.
McLynn sieht im Jahre 1759, der Eroberung Québecs und der damit verbundenen endgültigen Niederlage
Frankreichs in Nordamerika, ein Epochenjahr der englischen Geschichte, das dem Jahre 1066 an Bedeutung in
nichts nachstehe.
5 Heinz Duchhardt: Europa am Vorabend der Moderne 1600-1800, Stuttgart 2003, S. 187.
6 Vgl. Artikel 4 des Vertrages von Paris 1763 (wie Anm.1):
,,His most Christian Majesty renounces all
pretensions which he has heretofore formed or might have formed to Nova Scotia or Acadia in all its parts,[...].
Moreover, his Most Christian Majesty cedes [...] to his said Britannick Majesty, in full right, Canada, [...]as
Kampf um den Kontinent
3
zwei kleinen Fischereistützpunkte St. Pierre und Miquelon vor der Küste
Neufundlands blieben der französischen Krone erhalten.7 Harvard und Vidal
beschreiben diesen Sachverhalt sehr anschaulich: In Paris läutete 1763 die
,,Totenglocke" für die Nouvelle France.8
Diese Arbeit möchte sich mit den Gegensätzen und Auseinandersetzungen
zwischen Franzosen und Engländern in Nordamerika beschäftigen. Der
jeweilige Kriegsverlauf soll dabei nur am Rande interessieren im Gegensatz
zu Teilen der mir vorliegenden englischsprachigen Literatur, die kleinste
Scharmützel, Kampagnen und Schlachten, sehr zum Leidwesen des am
umfassenderen Zusammenhanges interessierten Lesers, über Gebühr
ausbreiten.9 Vielmehr sollen die Konflikte in Nordamerika im Kontext der
zeitgenössischen internationalen Verhältnisse und Auseinandersetzungen in der
Alten Welt gesehen werden. Der zu untersuchende Zeitraum von 1700-1763 ist
nicht willkürlich gewählt, sondern erfolgt in Anlehnung an Reeses
umfangreiche Untersuchung.10
Gerne wäre ich einleitend auf die Ausgangssituation der französisch-englischen
Auseinandersetzungen in Nordamerika, die Entstehung und unterschiedliche
Entwicklung der Kolonien vor dem Hintergrund verschiedener
Kolonisationsmotivationen eingegangen, musste aber im Verlaufe der
Entstehung dieser Arbeit feststellen, dass dies deren Rahmen bei weitem
gesprengt hätte und dieser Themenkomplex daher außen vor bleiben muss.11
Nach der Entwicklung des Hauptteiles erlaube ich mir, in der gebotenen Kürze
die unmittelbaren Auswirkungen des Verschwindens der französischen Präsenz
auf dem nordamerikanischen Kontinent für die weitere Geschichte dieser
Region anzureißen, um dann schließlich die gewonnenen Erkenntnisse in
einem Resümee zusammenzutragen.
well as the island of Cape Breton and all the other islands and coasts in the gulphs and river of St.Lawrence
[...]."
7 Vgl. Artikel 6 des Vertrages von Paris 1763 (wie Anm.1): ,,
The King Of Great Britain cedes the islands of St.
Pierre and Macquelon [...] to his Most Christian Majesty, to serve as a shelter to the French fisherman."
8 Gilles Harvard / Cécile Vidal : Histoire de L′Amérique Française, Paris 2003, S. 414.
9 Vgl. Robert Leckie (wie Anm.3), Nester (wie Anm.2); Seymour L. Schwartz: The French And Indian War
1754-1763. The Imperial Struggle for North America, New York [u.a.] 1994. Einen in der nötigen Kürze
gehaltenen Überblick über die Kriegshandlungen gibt Daniel Marston: The French-Indian War 1754-1760,
Oxford 2002.
10 Armin Reese: Europäische Hegemonie und France d′outre-mer. Koloniale Fragen in der französischen
Außenpolitik 1700-1763. Beiträge zur Kolonial- und Überseegeschichte, Bd. 42, Stuttgart 1988, S. 3.
11 Einen guten allgemeinen Überblick gibt Claudia Schnurmann: Amerika trifft Europa. Atlantische Wirtschaft in
der frühen Neuzeit 1492-1783, Frankfurt a.M. 1998, S. 92-110.
Kampf um den Kontinent
4
Unsicher war ich mir lange Zeit bezüglich rein terminologischer
Gesichtspunkte: Nach der verfassungsrechtlichen Vereinigung Englands mit
Schottlands in der
Act of the Union von 1707
wäre es korrekt, von
,,Großbritannien", ,,Briten" und ,,britischen Kolonien" zu sprechen, ich habe
mich aber in Anlehnung an mir vorliegende deutschsprachige Literatur
entschieden, ,,England", ,,Engländer" und ,,englische Kolonien" synonym zu
den oben genannten historisch korrekteren Begriffen zu verwenden.
2. Der spanische Erbfolgekrieg und ,,Queen Anne′s War"
Der europäische Kontext
Das Königshaus der Stuarts war Frankreich unter Ludwig XIV. durch
verwandtschaftliche Beziehungen der Sonnenkönig und sein Bewunderer
Karl II. waren Cousins, Karls Schwester mit Ludwigs Bruder verheiratet und
vertragliche Abmachungen, die ihren Höhepunkt im
Geheimvertrag von Dover
(1670)
fanden, eng miteinander verbunden. Diese Anlehnung Englands an
Frankreich sollte jedoch mit der Vertreibung Jakobs II. durch Wilhelm von
Oranien beendet sein: Die
Glorious Revolution (1688/89)
markiert die
,,historische Wasserscheide" in den französisch-englischen Beziehungen, die
den Ton für die Auseinandersetzungen des 18. Jahrhunderts angeben sollte.12
Wilhelm III., am Schutze seiner niederländischen Heimat besonders
interessiert, musste der, stets die Grenzen der Niederlande bedrohenden,
französischen Expansionspolitik entschieden entgegentreten. Unter seiner
Herrschaft entwickelte sich das bereits unter Elisabeth I. angedachte Konzept
der
balance of power
zum konkreten politisch-strategischen Grundsatz
englischer Außenpolitik.13
An der Frage der Erbfolge in der Pfalz, die Ludwig für sich beanspruchte
entbrannte der
Pfälzische Erbfolgekrieg (1688-1697).
Die antiludovizische
,,Große Allianz" aus England, Österreich, den Niederlanden und später auch
Spanien zeigte dem Roi-Soleil seine Grenzen auf. Im
Friedensvertrag von
12 Frank W. Brecher: Losing A Continent. France′s North American Policy 1753-1763, Westport [u.a.] 1998,
"The Roots Of France′s Bilateral Relations With England", S. 29-33.
13 Claudia Schnurmann: Vom Inselreich zur Weltmacht. Die Entwicklung des englischen Weltreiches vom
Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert, Stuttgart 2001, S. 146.
Kampf um den Kontinent
5
Rijkswijk (1697)
musste er zähneknirschend Wilhelm III. als legitimen
englischen Thronerben anerkennen.14
Doch dem in Rijkswijk deklarierten Frieden sollte nur kurze Dauer beschieden
sein. Im Hintergrund des Friedensschlusses stand für nahezu alle Beteiligten
die
Spanische Erbfrage:
Als sich abzeichnete, dass vom geistig
zurückgebliebenen spanischen Thronfolger Karl II. wohl kein männlicher
Nachkomme zu erwarten sei und somit das Erlöschen der spanischen Linie des
Hauses Habsburg bevorstand, wurde die spanische Thronfolge zum
allgemeinen Gegenstand europäischer Diplomatie; sie warf ein Problem auf,
das eine politische Lösung auf internationaler Ebene erforderte.15
Auf Druck der Seemächte England und der Niederlande bestimmte Karl II. den
bayrischen Kurprinzen Joseph Ferdinand zu seinem Universalerben nur so
konnte verhindert werden, dass Spanien mitsamt seines reichen
Kolonialbesitzes entweder in die Hände Frankreichs oder Österreichs fiel, was
gravierende Auswirkungen auf die Mächtekonstellation in Mittel- und
Westeuropa gehabt hätte. Diese beiden Mächte sollten durch spanischen Besitz
in den Niederlanden und Italien entschädigt werden. Doch das Schicksal
durchkreuzte diese verheißungsvollen Pläne. Im Februar 1699 starb der junge
bayrische Prinz noch vor dem spanischen König, den er hätte beerben sollen.16
Einem zweiten Teilungsvertrag verweigerte Kaiser Leopold seine Zustimmung,
so sah auch Ludwig XIV. sich nicht an ihn gebunden. Auf Drängen des
französischen Gesandten in Madrid, Marquis de Harcourt, setzte Karl II. kurz
vor seinem Tode im Oktober 1700 den französischen Kandidaten Philipp von
Anjou, einen Enkel des Sonnenkönigs, als seinen Nachfolger ein, der bereits
kurz darauf als Philipp V. den spanischen Thron bestieg. Diese Lösung, die
unter dem Ausschluss der Ansprüche Österreichs erfolgte, trug bereits den
Keim des folgenden internationalen Konfliktes in sich.17
Der französische König ließ sich von Philipp V. weitreichende
Handelsprivilegien für Spanisch-Amerika übertragen und die spanischen Häfen
in Europa und Amerika öffnen, womit er den kommerziellen Nerv der
Seemächte traf, die nun neben dem französischen Hegemonialstreben auf dem
14 Ernst Walter Zeeden: Europa im Zeitalter des Absolutismus und der Aufklärung, 2. Aufl., Stuttgart 1981, S.
24f.
15 Heinz Duchhardt (wie Anm.5), S. 357.
16 Zeeden (wie Anm.14), S. 25.
17 Duchhardt (wie Anm.5), S. 359-361.
Kampf um den Kontinent
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