Register or log in at GRIN

Your e-mail-address or password is wrong
Register now
For new authors: free, easy and fast
This will be used as your user name, please specify a valid e-mail address

Lost password

Your e-mail-address or password is wrong

Request a new password
"Es geht unzweifelhaft eine Bewegung durch unsere deutsche Jugend..." close

Please wait

Please install the Adobe Flash Player if no e-book is displayed.

"Es geht unzweifelhaft eine Bewegung durch unsere deutsche Jugend..."

Subtitle: Etablierung des modernen Antisemitismus innerhalb der organisierten Studentenschaft des deutschen Kaiserreiches

Termpaper, 2004, 19 Pages
Author: Florian Unzicker
Subject: History - Empire, Imperialism

Details

Category: Termpaper
Year: 2004
Pages: 19
Grade: 1
Language: German
Archive No.: V128963
ISBN (E-book): 978-3-640-35545-7
ISBN (Book): 978-3-640-35530-3
Notes :
Breiter Korrekturrand


Abstract

Die deutschen Universitäten galten, einige gegenläufige Tendenzen während der Restaurationszeit ausgenommen, in den ersten siebzig Jahren des 19.Jahrhunderts als „Hort liberaler Überzeugungen und vorurteilsfreien Denkens“, von denen bedeutende Impulse für die Emanzipation der Juden ausgegangen waren.1 Von den späten 1820ern bis zu den frühen 1870er Jahren war kein tonangebender Antisemitismus in der organisierten Studentenschaft zu bemerken.2 Auch von den ersten judenfeindlichen Hetzkampagnen in der kleinbürgerlichen und ultrakonservativen Presse um 1875 schien der akademische Bereich keine Notiz zu nehmen.3 Dieses Bild änderte sich jedoch rapide, die deutschen Hochschulen wurden sehr bald zu Zentren des Antisemitismus.4 Bereits mit der Gründung des ersten Vereins Deutscher Studenten in Berlin im Jahre 1880 konnte sich der Antisemitismus auch an den Hochschulen organisieren. Spätestens seit der Jahrhundertwende galt er als soziale Norm in der organisierten Studentenschaft, selbst die Burschenschaften, die eine lange liberale Tradition aufzuweisen hatten, nahmen keine Juden mehr auf. „Die gesellschaftliche Isolierung des jüdischen Studenten ist heute in der Hauptsache vollzogen,“ konstatiert 1902 ein Mitglied eines Vereins Deutscher Studenten.5 Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie sich der Antisemitismus als selbstverständliche Weltanschauung in großen Teilen der organisierten Studentenschaft etablieren, wie es nur wenige Jahrzehnte nach der Revolution von 1848 zu der völligen Ablösung der akademischen Jugend von der liberalen Grundhaltung ihrer Vätergeneration und der Herausbildung einer akademischen Trägerschicht des Antisemitismus kommen konnte.6


Excerpt (computer-generated)

Georg-August-Universität Göttingen

Proseminar: ,,Wilhelminismus. Bürgerliche Kultur und monarchischer

Kult im späten Kaiserreich."

Sommersemester 2004

,,Es geht unzweifelhaft eine Bewegung

durch unsere deutsche Jugend..."

Die Etablierung des modernen Antisemitismus in der organisierten

Studentenschaft des deutschen Kaiserreiches.

Florian Unzicker

Wilhelminische Studentenverbindungen und moderner Antisemitismus

1


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung Seite 1

2. Die Ausbreitung des Antisemitismus im deutschen Kaiserreich 2

3. Die Frequenzexplosion an den deutschen Hochschulen und die

Überfüllungskrise des akademischen Arbeitsmarktes 5

4. Der Berliner Antisemitismusstreit 6

5. Das studentische Engagement an der Antisemitenpetition 7

6. Die Vereine Deutscher Studenten und der Kyffhäuserverband 8

7. Die Burschenschaften und die Corps 11

8. Schluss 13

Quellenverzeichnis

Literaturverzeichnis

Wilhelminische Studentenverbindungen und moderner Antisemitismus

2


1. Einleitung

Die deutschen Universitäten galten, einige gegenläufige Tendenzen während

der Restaurationszeit ausgenommen, in den ersten siebzig Jahren des

19.Jahrhunderts als ,,Hort liberaler Überzeugungen und vorurteilsfreien

Denkens", von denen bedeutende Impulse für die Emanzipation der Juden

ausgegangen waren.1 Von den späten 1820ern bis zu den frühen 1870er

Jahren war kein tonangebender Antisemitismus in der organisierten

Studentenschaft zu bemerken.2 Auch von den ersten judenfeindlichen

Hetzkampagnen in der kleinbürgerlichen und ultrakonservativen Presse um

1875 schien der akademische Bereich keine Notiz zu nehmen.3

Dieses Bild änderte sich jedoch rapide, die deutschen Hochschulen wurden

sehr bald zu Zentren des Antisemitismus.4 Bereits mit der Gründung des

ersten Vereins Deutscher Studenten in Berlin im Jahre 1880 konnte sich der

Antisemitismus auch an den Hochschulen organisieren. Spätestens seit der

Jahrhundertwende galt er als soziale Norm in der organisierten

Studentenschaft, selbst die Burschenschaften, die eine lange liberale

Tradition aufzuweisen hatten, nahmen keine Juden mehr auf. ,,Die

gesellschaftliche Isolierung des jüdischen Studenten ist heute in der

Hauptsache vollzogen," konstatiert 1902 ein Mitglied eines Vereins

Deutscher Studenten.5

Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie sich der Antisemitismus als

selbstverständliche Weltanschauung in großen Teilen der organisierten

Studentenschaft etablieren, wie es nur wenige Jahrzehnte nach der

Revolution von 1848 zu der völligen Ablösung der akademischen Jugend

von der liberalen Grundhaltung ihrer Vätergeneration und der

Herausbildung einer akademischen Trägerschicht des Antisemitismus

kommen konnte.6

1 Helmut Berding: Moderner Antisemitismus in Deutschland, Frankfurt a.M. 1988, S.111.

2 Detlef Grieswelle: Antisemitismus in deutschen Studentenverbindungen des 19.Jahrhunderts, in: Student und

Hochschule im 19.Jahrhundert, S.367.

3 Berding (wie Anm.1), S.111.

4 Werner Jochmann: Gesellschaftskrise und Judenfeindschaft in Deutschland 1870-1945, Hamburg 1988, S.17.

5 Zit. nach Volker Ullrich: Die nervöse Großmacht 1871-1914. Aufstieg und Untergang des deutschen

Kaiserreiches, 4.Aufl., Frankfurt a.M. 2001, S.391.

6 Unerwartet unergiebig: Notker Hammerstein: Antisemitismus und deutsche Universitäten 1871-1933, Frankfurt

a.M., New York 1995.

Wilhelminische Studentenverbindungen und moderner Antisemitismus

3


2. Die Ausbreitung des Antisemitismus im deutschen Kaiserreich

Die politische Neuorientierung großer Teile des akademischen

Nachwuchses ab etwa 1880 muss im umfassenden Zusammenhang der

Krise des Liberalismus und dem Aufkommen des modernen politischen

Antisemitismus begriffen werden.7

Die 1870er bedeuteten sowohl das Ende der liberalen Ära der

Reichsgründungszeit als auch die ,,Geburtsstunde" des modernen

Antisemitismus in Deutschland.8 Die durch den Gründerkrach von 1873

ausgelöste konjunkturelle Depression, unter deren Einfluss sich das

politisch-geistige Klima gravierend wandelte, führte einen allgemeinen

,,Schwund an Liberalität" mit sich, der sich unter anderem in einer offenen

Judenfeindschaft manifestierte.9

Unsicherheit und Pessimismus griffen in der Bevölkerung um sich, auf der

Suche nach Sündenböcken schob man den Juden, die vielfach als

Exponenten des liberal-kapitalistischen Wirtschaftssystem gesehen wurden,

die Schuld an der Krise zu und machte sie für die wirtschaftliche und

politische Fehlentwicklung des jungen Kaiserreiches verantwortlich.10

Mit der Krise des wirtschaftlichen Liberalismus mit der Wendung

Bismarcks zur Schutzzollpolitik 1878/79 geriet der Liberalismus generell in

eine Legitimationskrise und damit auch das liberale Prinzip der rechtlichen

Gleichstellung aller Staatsbürger, also auch der Juden.11

Der moderne Antisemitismus knüpfte an überlieferte Formen und Inhalte

der traditionellen Judenfeindschaft an, stellte jedoch durch die Bestrebung,

die bereits erreichte Gleichstellung der Juden zu revidieren, ein ,,qualitativ

neuartiges Phänomen" dar.12 Dies spiegelt bereits der hochtrabend gewählte,

erstmals 1879 im Umfeld des Schriftstellers Wilhelm Marr aufgetauchte,

Begriff ,,Antisemitismus" wieder: Unter dem ,,Schein der Wissenschaft"

prätendierte er, dass die Vorurteile gegen die Juden rational begründet und

wissenschaftlich fundiert seien; gerade seine inhaltliche Unbestimmtheit

7 Norbert Kampe: ,,Studentische Judenfrage" und ,,neuer Nationalismus" im Deutschen Kaiserreich. Zur

Wirkungsgeschichte der Vereine Deutscher Studenten, in: Marc Zirlewagen: Kaisertreue ­ Führergedanke ­

Demokratie. Beiträge zur Geschichte des Verbandes der Vereine Deutscher Studenten, Köln 2000, S.37.

8 Ullrich (wie Anm.5), S.383.

9 Berding (wie Anm.1), S.85.

10 Jochmann (wie Anm.4), S.35-52.

11 Kampe (wie Anm.7), S.39.

12 Ullrich (wie Anm.5), S.385.

Wilhelminische Studentenverbindungen und moderner Antisemitismus

4



Comments

No comments yet

Add Comment
Your comment is reviewed before being published

Other users also were interested in the following titles:

Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit

Author: Claudia Nickel
Presentations, Models, Tutorials, Instructions, 2006 Download as PDF-file for 4,99 EUR

Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens

Author: Maik Philipp
Presentations, Models, Tutorials, Instructions, 2004 Download as PDF-file for 5,99 EUR

This text can be quoted and accessed from this url:

http://www.grin.com/e-book/128963/es-geht-unzweifelhaft-eine-bewegung-durch-unsere-deutsche-jugend
please wait Please wait