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Subtitle: Zur Antisemitismusproblematik bei Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
Termpaper, 2008, 19 Pages
Author: Liwia Kolodziej
Subject: German Studies - Modern German Literature
Details
Institution/College: University of Wuppertal
Year: 2008
Pages: 19
Grade: 1,3
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-36529-6
ISBN (Book): 978-3-640-36502-9
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Abstract
Der 2002 erschienene Roman Martin Walsers „Tod eines Kritikers“ löste eine erhebliche Diskussion, sowohl in der journalistischen Berichterstattung, als auch in der Literaturkritik aus. Die Debatte um den Roman war gekennzeichnet durch den Vorwurf, Martin Walser hätte mit diesem Werk antisemitische Literatur vorgelegt. Jedoch war nicht der Roman „Tod eines Kritikers“ an sich der Auslöser für die Antisemitismusdebatte um Martin Walser, sondern vielmehr der literarische und gesellschaftliche Kontext (z.B. die Walser-Bubis- Kontroverse), in dem der Roman entstand und veröffentlicht werden sollte. Frühere Werke Martin Walsers waren bereits mit dem Vorwurf des Antisemitismus behaftet (z.B. der Roman „Ohne Einander“) und auch öffentlich debattiert worden, worauf Martin Walser mit seiner Friedenspreisrede (1998) zu reagieren versuchte, um Stellung zu beziehen. Diese Rede wiederum schaffte neuen Diskussionsbedarf und der vier Jahre später erschienene Roman „Tod eines Kritikers“ verschärfte die Debatte um den Antisemitismus bei Martin Walser und schien diesen zu bestätigen. Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich vordergründig mit dem Roman „Tod eines Kritikers“ und dem damit verbundenen zugespitzten Antisemitismusvorwurf. Unverzichtbar für das Verständnis der Antisemitismusvorwürfe gegen Walser ist die Vorgeschichte des Romans: Zum einen die Friedenspreisrede und die Walser- Bubis- Debatte, die als „Erster Walser- Skandal“ bezeichnet werden. Zum anderen das Verhältnis zwischen Walser und Reich- Ranicki, da Letzterer eine Parodie des Protagonisten in „Tod eines Kritikers“ darstellt und Walsers Verhältnis zu dem Literaturkritiker maßgeblich die Absichten des Romans widerspiegelt. Das dritte Kapitel skizziert kurz die Romanhandlung und analysiert den Roman. Dabei spielen zwei Interpretationsdimensionen eine Rolle: 1. Die Analyse des Romans unter dem Aspekt des Antisemitismus und 2. unter dem Aspekt einer Literatursatire. In Kapitel 4 wird der Antisemitismusvorwurf Schirrmachers gegen Walser beschrieben. Auf eine erschöpfende Darstellung der kompletten Debatte ist- aufgrund von Rahmenbedingungen dieser Arbeit- zu verzichten. Allerdings soll die Stellungnahme des Autors berücksichtigt werden. Vordergründig soll die Hausarbeit vor allem von der Frage geleitet werden, wie dieser Roman einzuordnen ist: Hat Martin Walser mit seinem „Tod eines Kritikers“ tatsächlich einen antisemitischen Roman vorgelegt?
Excerpt (computer-generated)
Bergische Universität Wuppertal
Fachbereich A: Geistes- und Kulturwissenschaften
Fachgebiet Germanistik
WS 07/08
Proseminar: ,,Martin Walser"
Antisemitische Literatur?
Zur Antisemitismusproblematik bei Martin Walsers
Roman ,,Tod eines Kritikers"
Liwia Kolodziej
LA G/H/R (Deutsch/Kath. Theologie)
4. Fachsemester
Datum der Abgabe: 7. Mai 2008
1
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Zur Vorgeschichte des Literaturskandals 3
2.1. Friedenspreisrede und Walser- Bubis- Debatte 3
2.2. Walser und Reich- Ranicki 6
3. Der Roman ,,Tod eines Kritikers" 7
3.1. Handlung 7
3.2. Analyse 8
4. Der Antisemitismusvorwurf 12
5. Walsers Stellungnahme 13
6. Was ist literarischer Antisemitismus? 13
7. Fazit 14
Literaturverzeichnis 17
2
1. Einleitung
Der 2002 erschienene Roman Martin Walsers ,,Tod eines Kritikers" löste eine erhebliche
Diskussion, sowohl in der journalistischen Berichterstattung, als auch in der Literaturkritik
aus. Die Debatte um den Roman war gekennzeichnet durch den Vorwurf, Martin Walser hätte
mit diesem Werk antisemitische Literatur vorgelegt.
Jedoch war nicht der Roman ,,Tod eines Kritikers" an sich der Auslöser für die
Antisemitismusdebatte um Martin Walser, sondern vielmehr der literarische und
gesellschaftliche Kontext (z.B. die Walser-Bubis- Kontroverse), in dem der Roman entstand
und veröffentlicht werden sollte. Frühere Werke Martin Walsers waren bereits mit dem
Vorwurf des Antisemitismus behaftet (z.B. der Roman ,,Ohne Einander") und auch öffentlich
debattiert worden, worauf Martin Walser mit seiner Friedenspreisrede (1998) zu reagieren
versuchte, um Stellung zu beziehen. Diese Rede wiederum schaffte neuen Diskussionsbedarf
und der vier Jahre später erschienene Roman ,,Tod eines Kritikers" verschärfte die Debatte
um den Antisemitismus bei Martin Walser und schien diesen zu bestätigen.
Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich vordergründig mit dem Roman ,,Tod eines
Kritikers" und dem damit verbundenen zugespitzten Antisemitismusvorwurf. Unverzichtbar
für das Verständnis der Antisemitismusvorwürfe gegen Walser ist die Vorgeschichte des
Romans: Zum einen die Friedenspreisrede und die Walser- Bubis- Debatte, die als ,,Erster
Walser- Skandal" bezeichnet werden. Zum anderen das Verhältnis zwischen Walser und
Reich- Ranicki, da Letzterer eine Parodie des Protagonisten in ,,Tod eines Kritikers" darstellt
und Walsers Verhältnis zu dem Literaturkritiker maßgeblich die Absichten des Romans
widerspiegelt. Das dritte Kapitel skizziert kurz die Romanhandlung und analysiert den
Roman. Dabei spielen zwei Interpretationsdimensionen eine Rolle: 1. Die Analyse des
Romans unter dem Aspekt des Antisemitismus und 2. unter dem Aspekt einer Literatursatire.
In Kapitel 4 wird der Antisemitismusvorwurf Schirrmachers gegen Walser beschrieben. Auf
eine erschöpfende Darstellung der kompletten Debatte ist- aufgrund von Rahmenbedingungen
dieser Arbeit- zu verzichten. Allerdings soll die Stellungnahme des Autors berücksichtigt
werden.
Vordergründig soll die Hausarbeit vor allem von der Frage geleitet werden, wie dieser
Roman einzuordnen ist: Hat Martin Walser mit seinem ,,Tod eines Kritikers" tatsächlich
einen antisemitischen Roman vorgelegt?
3
2. Zur Vorgeschichte des Literaturskandals
Walsers literarische Werke und öffentliche Gedanken widmen sich häufig dem Thema
Deutschland nach 1945, sowie der deutsch-jüdischen Thematik. Diese komplexen
Sachverhalte brachten Walser viel Aufmerksamkeit in politischen Debatten. Immer wieder
betonte Walser sein fehlendes Schuldgefühl gegenüber Auschwitz, jedoch stets im Kontext
seiner Subjektivität und wohl wissend um vermeintliche Missverständnisse- der deutlichen
Darlegung seines Standpunktes:
,,Ich verspüre meinen Anteil an Auschwitz nicht, das ist ganz sicher. Also dort, wo das Schamgefühl sich regen,
wo Gewissen sich melden müßte, bin ich nicht betroffen." 1
,,Ich möchte immer lieber wegschauen von diesen Bildern. Ich muss mich zwingen hinzuschauen. [...] Und
wenn ich mich zwinge hinzuschauen, merke ich, daß ich es um meiner Zurechnungsfähigkeit willen tue." 2
Walsers provokante Gedanken plädieren jedoch weder für ein Vergessen der belasteten
deutschen Geschichte, noch für eine Relativierung von Auschwitz. Vielmehr sind es Walsers
persönliche Versuche, sich von dieser belasteten Vergangenheit zu befreien. Der Schreiber
wählt die Perspektive eines deutschen Staatsbürgers, der die anerkannte Schuld der Nazis
nicht auf sich nehmen will, da er sich nicht für deren Verbrechen verantwortlich sieht. Stets
hat Walser daher den Wunsch nach nationalem Selbstbewusstsein gefordert.
Gegenstände dieses Kapitels sollen jedoch die umstrittene Friedenspreisrede Walsers, die
daraus folgende sog. Walser- Bubis- Debatte und das Verhältnis Walsers zum berühmten
Literaturkritiker Marcel Reich- Ranicki bleiben, da sie für das Verständnis der
Antisemitismusdiskussion um den Roman ,,Tod eines Kritikers" eine hohe Bedeutung haben.
2.1. Friedenspreisrede und Walser- Bubis- Debatte
Bereits 1998 geriet Martin Walser in den Antisemitismusverdacht, nachdem er anlässlich der
Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels eine umstrittene Rede hielt und
somit einen öffentlichen Antisemitismusskandal auslöste. Ignatz Bubis, der mittlerweile
verstorbene Präsident des Zentralrates der Juden, verfolgte diese Rede und bekundete seinen
Missmut, in dem er sich des anschließenden Applauses als einziger Zuhörer nicht
angeschlossen hatte. Dass Bubis nicht applaudierte war Anstoß der ,,Walser- Bubis-
1 ,,Unser Auschwitz" zitiert nach Hofer, S. 33f
2 ,,Auschwitz und kein Ende", S. 31
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