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Kreuzigung und Tod Jesu im Markusevangelium

Quellenexegese, 2008, 15 Seiten
Autor: Liwia Kolodziej
Fach: Theologie - Biblische Theologie

Details

Veranstaltung: Einführung in die Exegese
Institution/Hochschule: Bergische Universität Wuppertal
Kategorie: Quellenexegese
Jahr: 2008
Seiten: 15
Note: 1,0
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V129826
ISBN (E-Book): 978-3-640-39245-2
ISBN (Buch): 978-3-640-39260-5

Zusammenfassung / Abstract

Das Markusevangelium lässt sich in drei Haupteile gliedern.¹ Im ersten Teil des Evangeliums (Mk 1,1- 8, 26) werden Jesu Wirken, Verkündigung und vor allem seine von Gott gegebene Heilsmacht (Wundergeschichten, Heilungen, Dämonenaustreibungen, Sündenvergebungen) beschrieben. Im zweiten Teil (Mk 8, 27- 10, 52) erzählt das Evangelium von Jesu Weg nach Jerusalem, seinem Passionsweg. Dieser Abschnitt enthält die drei Leidensankündigungen Jesu, in denen Jesus seinen Jüngern seinen bevorstehenden Tod und die Auferstehung verheißt und sie zur Leidensnachfolge aufruft (Mk 8, 31; 9, 31; 10, 32- 34). Diese Abschnitte (u.a.) verdeutlichen, dass die Erzählungen des Evangeliums und alles in ihnen Geschilderte direkt auf die Kreuzigung und den Tod Jesu zusteuern und dass das Markusevangelium in dieser Erzählung seinen Höhepunkt findet.² Dem Leser des Evangeliums wird somit schnell klar, dass sich Jesus unmittelbar auf dem Weg zum Leiden befindet. Die Leidensankündigungen spielen darauf an, noch bevor die eigentliche Passionsgeschichte beginnt. Die ersten beiden Hauptteile des Markusevangeliums können als Makrokontext von Mk 15, 20b- 41, der Erzählung von Kreuzigung und Tod Jesu, betrachtet werden. Die eigentliche Passionsgeschichte beginnt im dritten Hauptteil (Mk 14,1- 16,8) mit dem Beschluss des Hohen Rates zur Tötung Jesu und endet mit der Auferstehung Jesu von den Toten. Die hier zu untersuchende Passionserzählung Mk 15, 20b-41 ist Teil der gesamten Passionsgeschichte und zugleich ihr Höhepunkt, da sich in ihr das ereignet, was zuvor vorausgesagt worden ist: Jesus wird schließlich gekreuzigt und stirbt am Kreuz. Der dritte Hauptteil des Markusevangeliums bildet somit den engeren Kontext (Mikrokontext) für den Kreuzigungs- und Todesbericht nach Markus.


Textauszug (computergeneriert)

Bergische Universität Wuppertal

Fachbereich A: Geistes- und Kulturwissenschaften

Katholisch- Theologisches Seminar

SS 2008

Seminar: Einführung in die Exegese

Kreuzigung und Tod Jesu im Markusevangelium

(Mk 15, 20b- 41)

Vorgelegt von:

Liwia Kolodziej

Studiengang: LA G/H/R/Ges

Fächerkombination: Deutsch/ Katholische Theologie

4. Fachsemester

Datum der Abgabe: 1. Aug. 2008


Inhaltsverzeichnis

1. Kontextanalyse 3

2. Formanalyse 5

3. Synoptischer Vergleich 7

3.1 Der Vergleich mit Matthäus 7

3.2 Der Vergleich mit Lukas 8

4. Historische Rekonstruktion 9

5. Interpretation: Sach- und Motivanalyse 9

2


1. Kontextanalyse

Das Markusevangelium lässt sich in drei Haupteile gliedern.1 Im ersten Teil des Evangeliums

(Mk 1,1- 8, 26) werden Jesu Wirken, Verkündigung und vor allem seine von Gott gegebene

Heilsmacht (Wundergeschichten, Heilungen, Dämonenaustreibungen, Sündenvergebungen)

beschrieben. Im zweiten Teil (Mk 8, 27- 10, 52) erzählt das Evangelium von Jesu Weg nach

Jerusalem, seinem Passionsweg. Dieser Abschnitt enthält die drei Leidensankündigungen

Jesu, in denen Jesus seinen Jüngern seinen bevorstehenden Tod und die Auferstehung

verheißt und sie zur Leidensnachfolge aufruft (Mk 8, 31; 9, 31; 10, 32- 34). Diese Abschnitte

(u.a.) verdeutlichen, dass die Erzählungen des Evangeliums und alles in ihnen Geschilderte

direkt auf die Kreuzigung und den Tod Jesu zusteuern und dass das Markusevangelium in

dieser Erzählung seinen Höhepunkt findet.2 Dem Leser des Evangeliums wird somit schnell

klar, dass sich Jesus unmittelbar auf dem Weg zum Leiden befindet. Die

Leidensankündigungen spielen darauf an, noch bevor die eigentliche Passionsgeschichte

beginnt. Die ersten beiden Hauptteile des Markusevangeliums können als Makrokontext von

Mk 15, 20b- 41, der Erzählung von Kreuzigung und Tod Jesu, betrachtet werden.

Die eigentliche Passionsgeschichte beginnt im dritten Hauptteil (Mk 14,1- 16,8) mit dem

Beschluss des Hohen Rates zur Tötung Jesu und endet mit der Auferstehung Jesu von den

Toten. Die hier zu untersuchende Passionserzählung Mk 15, 20b-41 ist Teil der gesamten

Passionsgeschichte und zugleich ihr Höhepunkt, da sich in ihr das ereignet, was zuvor

vorausgesagt worden ist: Jesus wird schließlich gekreuzigt und stirbt am Kreuz. Der dritte

Hauptteil des Markusevangeliums bildet somit den engeren Kontext (Mikrokontext) für den

Kreuzigungs- und Todesbericht nach Markus.

Diesem Text gehen im engeren Kontext die Erzählungen vom Judasverrat (Mk 14, 10-11),

vom Letzen Abendmahl (Mk 14, 17-25), vom Gang zum Ölberg (Mk 14, 26- 31), von der

Gefangennahme, dem Verhör vor dem Hohen Rat und die Verleugnung durch Petrus (Mk 14,

43- 72) voraus. Die unmittelbare Nachbarschaft des Kreuzigungs- und Todesberichtes bilden-

nach vorne hin- die Verhandlung vor Pilatus (Mk 15, 1-15) und die Verspottung Jesu durch

die Soldaten (Verse 16- 20a) und nach hinten das Begräbnis Jesu (Verse 42-47). Das

Markusevangelium endet mit der Auffindung des leeren Grabes und mit Hinweisen auf

Erscheinungen des Auferstandenen (Mk16, 1-8). In der nachträglichen Evangelien-

1 Schnelle, U.: Einleitung in das Neue Testament. Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen, 2002, S. 248f

2 Schlier, H.: Die Markuspassion. Johannes Verlag, Einsiedeln. 1974, S. 8f.

3


überlieferung wird zudem noch von der Erscheinung des Auferstandenen berichtet (Mk 16, 9-

20).

Inhaltlich lässt sich der Abschnitt Mk 15, 20b- 41 wie folgt von seinen Nachbartexten

abgrenzen: Vers 20b leitet einen Szene- und Ortswechsel bzw. einen Handlungswechsel ein:

,,Dann führten sie Jesus hinaus, um ihn zu kreuzigen" (Mk 15, 20b). Zuvor wurde Jesus im

Palast von den Soldaten verspottet, nun wird allerdings deutlich, dass die Kreuzigung

unmittelbar bevorsteht. Jesus begibt sich nun auf den Weg zum Kreuz, das Verheißene bricht

unwiderruflich an. Allerdings darf der Kontext nicht völlig außer Acht gelassen werden: Die

Soldaten werden in Vers 20b nicht noch einmal vorgestellt- ihre Kenntnis wird vorausgesetzt.

Vers 20b entwickelt zwar eine eigene Dynamik (unmittelbares Bevorstehen der Kreuzigung),

spielt aber auf den vorangegangenen Abschnitt an, so dass beide Perikopen nicht völlig

voneinander getrennt betrachtet werden können. Die Abgrenzung des Textes vollzieht sich

also zunächst auf der Handlungsebene.

Mk 15, 20b- 41 erzählt von einer in sich abgeschlossenen Handlung, nämlich vom Weg zum

Kreuz, der Kreuzigung und dem Tod Jesu. Betont, abgerundet und zusammengehalten wird

der Bericht durch genaue Stundenangaben, die sich so im engeren Kontext nicht feststellen

lassen: ,,Es war die dritte Stunde, als sie ihn kreuzigten." (Vers 25), ,,Als die sechste Stunde

kam..." (Vers 33), ,,...bis zur neunten Stunde" (Vers 33).

Die Verse 42- 47 setzen wahrscheinlich erst am nächsten Tag ein (,,Da es Rüsttag war", Vers

42) und stellen Josef von Arimathäa vor, der Pilatus um den Leichnam Jesu bittet und diesen

anschließend begräbt.

Im theologischen Sinne ist der Tod Jesu natürlich keine in sich abgeschlossene Handlung, so

dass erst durch die in Mk 16 erzählte Erwartung des Auferstandenen, der Tod Jesu an

Bedeutung gewinnt und deshalb bzw. erst dann zum Höhepunkt des Markusevangeliums

wird.

Es bleibt festzuhalten, dass trotz eines Versuchs der Abgrenzung des Kreuzigungs- und

Todesberichts des Markus von seinem Kontext, der Text eben Teil einer (Passions-)

Geschichte

bleibt, die auf chronologische, aufeinander aufbauende Ereignisse angewiesen ist.

Zwar lassen sich die Verse 20b- 41 durch Zeit-, Ort- und Handlungswechsel vom engeren

Kontext abgrenzen, sind aber durch ihre Anspielungen auf vorangegangene Texte fest in den

Gesamtkontext der Passionsgeschichte eingebettet und können auch nur von ihr her

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