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Hausarbeit, 2005, 29 Seiten
Autor: Moritz Küpper
Fach: Geschichte - Neueste Geschichte, Europäische Einigung
Details
Jahr: 2005
Seiten: 29
Note: 1,3
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-640-45446-4
ISBN (Buch): 978-3-640-45478-5
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Zusammenfassung / Abstract
„In einer klugen und weitsichtigen Personalpolitik sah ich die den Schlüssel zum Erfolg meiner Partei.“ Diesen Satz schrieb Helmut Kohl in seinen Erinnerung und machte damit deutlich, dass Personalpolitik unter seiner Regie nicht nur ein notwendiger Bestandteil der Politik war, sondern eine wichtige, wenn nicht sogar die entscheidende Rolle spielte: „Besonders strategischen Fragen und Personalentscheidungen habe ich von Anfang an die gebührende Bedeutung beigemessen. .. Schließlich wird Politik von Menschen gemacht, und es kommt wesentlich auf die Persönlichkeit des einzelnen an, ob eine politische Position glaubwürdig und überzeugend vermittelt werden kann“ schrieb Kohl weiter. Personalpolitik war für Helmut Kohl also mehr als „sein liebstes Hobby“ , wie Stefan Kornelius, Ressortleiter „Ausland“ der Süddeutschen Zeitung beobachtete. Schon zum Beginn seiner politischen Karriere hatte er sich in der Jungen Union (JU) ein Netzwerk gesichert und versucht, mit der JU-Gefolgschaft im Rücken, voranzukommen. Dieser personenbezogene Politikstil zog sich durch seine ganze Karriere. Ziel dieser Arbeit ist es, die Bedeutung und die Leitlinien der Kohl’schen Personalpolitik herauszuarbeiten und diese anhand der Zusammensetzung seines ersten Kabinetts zu überprüfen. Als Kohl sein erstes Kabinett nominierte, kannte er seine zukünftigen Minister schon lange. Über Jahre hatte er die Personalpolitik innerhalb der Jungen Union, der CDU, der CDU-Fraktion und auch in CDU-nahen Institutionen wie beispielsweise der Konrad-Adenauer-Stiftung beeinflusst, um für den Fall der Regierungsübernahme gerüstet zu sein.
Textauszug (computergeneriert)
Ludwig___
Maximilians____
Universität_____
Geschwister-Schol -Institut
für Politische Wissenschaft
Hausarbeit
Leitlinien der Personalpolitik des Bundeskanzlers Helmut
Kohl anhand der Besetzung seines ersten Kabinetts
erstel t im Rahmen des Hauptseminars
,,Die Ära Kohl"
Moritz Küpper
Wintersemester 2004/2005
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis ________________________________________________________ 2
1.
Einleitung ___________________________________________________________ 3
2.
Eingrenzung des Begriffs Personalpolitik _________________________________ 6
3.
Allgemeine Leitlinien der Kohl′schen Personalpolitik ______________________ 9
Gründe, Instrumente und Ziele der Kohl′schen Personalpolitik ____________________ 9
Allgemeine Kriterien der Personalpolitik ____________________________________ 12
4.
Überprüfung der personalpolitischen Kriterien anhand des ersten Kabinett
Kohls __________________________________________________________________ 16
Das Kabinett und seine Zusammensetzung ___________________________________ 16
Besetzung der Ministerposten mit CDU-Mitgliedern ___________________________ 18
Sonderfall: Koalitionspartner _____________________________________________ 21
Koalitionspartner FDP ___________________________________________________ 22
Koalitionspartner CSU __________________________________________________ 23
5.
Abschließende Bewertung ____________________________________________ 24
6.
Literatur- und Quellenverzeichnis _____________________________________ 26
Monographien und Sammelbänder _________________________________________ 26
Aufsätze in Fachzeitschriften _____________________________________________ 27
Beiträge in Zeitungen und Zeitschriften _____________________________________ 27
Beiträge aus dem Internet ________________________________________________ 28
2
1. Einleitung
,,In einer klugen und weitsichtigen Personalpolitik sah ich die den Schlüssel zum Erfolg
meiner Partei."1
Diesen Satz schrieb Helmut Kohl in seinen Erinnerungen und machte damit deutlich, dass
Personalpolitik unter seiner Regie nicht nur ein notwendiger Bestandteil der Politik war,
sondern eine wichtige, wenn nicht sogar die entscheidende Rolle spielte: ,,Besonders
strategischen Fragen und Personalentscheidungen habe ich von Anfang an die gebührende
Bedeutung beigemessen. .. Schließlich wird Politik von Menschen gemacht, und es kommt
wesentlich auf die Persönlichkeit des einzelnen an, ob eine politische Position glaubwürdig
und überzeugend vermittelt werden kann"2 schrieb Kohl weiter.
Personalpolitik war für Helmut Kohl also mehr als ,,sein liebstes Hobby"3, wie Stefan
Kornelius, Ressortleiter ,,Ausland" der Süddeutschen Zeitung beobachtete. Schon zum
Beginn seiner politischen Karriere hatte er sich in der Jungen Union (JU) ein Netzwerk
gesichert und versucht, mit der JU-Gefolgschaft im Rücken, voranzukommen.4 Dieser
personenbezogene Politikstil zog sich durch seine ganze Karriere.
Dabei benutzte er immer seine Position, um Leute um sich zu scharen und Macht und Posten
zu vergeben. Dass dieses Schema eine Leitlinie seiner Politik war, zeigt sich daran, dass er
seine Möglichkeiten auch später in der Regierung nutzte, um der Opposition sein
Entgegenkommen zu zeigen.5
Helmut Kohl hat nie ein Hehl daraus gemacht, Bundeskanzler der Bundesrepublik
Deutschlands werden zu wollen.6 Dieses Ziel hat er 1982 erreicht. Kohl hat es geschafft,
Kanzler zu werden und zu bleiben. Mit seiner 16-jährigen Amtszeit ist er der am längsten
amtierende Regierungschef der BRD. Wie groß der Anteil seines personalpolitischen
Instinktes und seiner Fähigkeiten sind, lässt sich nur schwer sagen. Sicher ist jedoch, dass
seine Personalpolitik entscheidend zu seinem Machtgewinn und -erhalt beigetragen hat.
Ziel dieser Arbeit ist es, die Bedeutung und die Leitlinien der Kohl′schen Personalpolitik
herauszuarbeiten und diese anhand der Zusammensetzung seines ersten Kabinetts zu
überprüfen. Als Kohl sein erstes Kabinett nominierte, kannte er seine zukünftigen Minister
schon lange. Über Jahre hatte er die Personalpolitik innerhalb der Jungen Union, der CDU,
1 Kohl, Helmut: Erinnerungen 1930 1982, München 2004, S. 111.
2 Ebd.
3 Vgl. Kornelius, Stefan: ,,Im Zweifel entscheidet der Bundeskanzler lieber selbst. Helmut Kohl unterhält ganz
persönliche Drähte zu den europäischen Institutionen.", In: Süddeutsche Zeitungen vom 21. März 1996, S. 9.
4 Vgl. Filmer, Werner/Heribert Schwan: Helmut Kohl, Düsseldorf, Wien, New York, 1991, S. 54 und 127.
5 Vgl. Langguth, Gerd: Das Innenleben der Macht. Krise und Zukunft der CDU, München 2001, S. 113.
6 Vgl. Dreher, Klaus: Helmut Kohl. Leben mit der Macht, Stuttgart 1998, S. 149.
3
der CDU-Fraktion und auch in CDU-nahen Institutionen wie beispielsweise der Konrad-
Adenauer-Stiftung beeinflusst, um für den Fall der Regierungsübernahme gerüstet zu sein.7
Diesen Zeitraum kann die Arbeit auf der Suche nach allgemeingültigen Leitlinien jedoch nur
streifen, da sie ihren Umfang sonst weit überschreiten würde. Desgleichen werden auch
weitere Institution oder Entscheidungen in die Kohl rein- bzw. mitreagierte in dieser Arbeit
ausgelassen. Personalpolitische Entscheidungen im Kanzleramt, der Partei, der Fraktion,
CDU-nahen Institutionen und Verbände, sowie bei der Wahl Bundespräsidenten8 werden in
dieser Arbeit allenfalls kurz angerissen.
Zur Überprüfung der Kriterien wurde das erste Kabinett Kohls ausgewählt, da es sein erster
großer personalpolitischer ,,Wurf" auf Bundesebene war. Zudem war es bis zu Kohls Abwahl
1998 der größte Personalwechsel einer Bundesregierung der Bundesrepublik. Bis auf drei
Ministerposten des Koalitionspartners FDP wurde alle Ministerien neu besetzt. Interessant
wäre sicherlich auch das erste Kabinett Kohl nach der Wiedervereinigung gewesen, und wie
Kohl mit der neuen Situation umging. Allerdings waren zu diesem Zeitpunkt über Jahre
hinaus schon Ministerposten besetzt, auf die Kohl Rücksicht nehmen musste. Ein weiterer
Grund für die Auswahl des ersten Kabinett Kohls war, dass die Bedeutung des Kabinetts über
die Jahre immer mehr abnahm und Entscheidungen in informelle Runde übertragen wurden.9
Kohls Regierungsstil hat sich, genauso wie seine Personalpolitik, über die Jahre gewandelt. Es
fällt vor allem auf, dass er seine Entscheidungen, je länger er an der Macht war, immer mehr
in informelle Runden verlagerte10. Während er in seiner Zeit als Landespolitiker in Rheinland-
Pfalz die eingespielten Verfahrensweisen der personalpolitischen Veränderungen das
damaligen Ministerpräsidenten Peter Altmeier noch scharf kritisierte11 (sicherlich auch aus
machtpolitischen Bestrebungen), handelte Kohl später ähnlich. In seiner Anfangszeit als
Bundeskanzler duldete Kohl noch Widerspruch, nahm Anregungen auf, doch später umgab
sich der Kanzler nur noch mit Ja-Sagern.12 Diese Entwicklung wird in dieser Arbeit jedoch
nicht näher behandelt.
7 Schon bei seinem ersten Versuch, Bundeskanzler zu werden hatte Kohl ein Schattenkabinett aufgestellt, dass
weitestgehend gleich blieb. Allerdings bietet diese Arbeit nicht genug Platz um Kohls Einfluss auf die
Personalpolitik der einzelnen Landesverbände und Interessengemeinschaften wie die Junge Union, die Frauen
Union, etc. einzugehen.
8 Vor allem die Wahl Karl Carstens zum Bundespräsidenten 1979 wird Kohls als personalpolitische
Entscheidung ausgelegt, mit der er den Regierungswechsel vorbereitete 1982.
9 Vgl. Korte, Karl-Rudolf: Deutschlandpolitik in Helmut Kohl′s Kanzlerschaft. Regierungsstil und
Entscheidungen 1982 1989, In: Geschichte der deutschen Einheit, (Bd. 1) Stuttgart 1998, S. 50.
10 Eine Ausführung von Kohls direkter Umgebung findet sich in: Müller, Kay/Franz Walter: Graue Eminenzen
der Macht. Küchenkabinette in der deutschen Kanzlerdemokratie. Von Adenauer bis Schröder, Wiesbaden 2004.
11 Kohl, Erinnerungen, 2004, S. 125.
12 Vgl. Langguth, Das Innenleben der Macht, 2001, S. 31.
4
In der Literatur findet sich umfangreiches Material, das sich mit Kohls Regierungsstil
beschäftigt. Kohl war 16 Jahre Bundeskanzler und hat somit, zumindest zeitlich, die
Bundesrepublik geprägt wie kein Kanzler vor ihm. Insofern wurde dieser Abschnitt, zumal in
ihm die Wiedervereinigung Deutschlands fiel, in der Politikwissenschaft eingehend behandelt.
Neben seiner Autobiographie, der in diesem Jahr der zweite Teil folgen soll, gibt es unzählige
Biographien, Abhandlungen und Analysen über Kohls Politik. Darin hat sich ein Begriff
herauskristallisiert, der auch für die Arbeit relevant ist: das ,,System Kohl". Dies ist
mittlerweile ein feststehender Ausdruck, der allerdings, spätestens seit der Spendenaffäre,
negativ besetzt ist. So wird das ,,System Kohl", das auch die Kohl′sche Personalpolitik
beinhaltet13, in der Literatur als ,,anschauliches Beispiel für den Aufstieg und
Wirkungsmechanismen einer Seilschaft mit Führung eines Feudalherren"14 beschrieben.
Jedoch gerade in diesen ,,Seilschaften" birgt der Untersuchungsgegenstand eine große Gefahr:
das Problem der Kausalität. In dem schnelllebigen und aus vielen Richtungen beeinflussten
politischen Geschehen, ist es leicht, aus Personalentscheidungen falsche Rückschlüsse zu
ziehen. Der Autor ist sich dieser Gefahr bewusst, zumal gerade personalpolitische
Entscheidungen unter Kohl nicht immer den formalen Weg gingen oder einen eindeutigen
Grund erkennen ließen. Diese Arbeit stellt trotzdem den Versuch dar, zu zeigen, dass Kohls
personalpolitischen Entscheidungen vor allem dem Machtausbau und -erhalt dienten.
Deswegen ist es wichtig, am Anfang der Arbeit den weitgehenden Begriff der Personalpolitik
zu definieren und einzugrenzen, um festzulegen, in welchem Umfang der Begriff hier
verwendet wird. Danach sollen die allgemeinen Leitlinien der Kohl′schen Personalpolitik
herausgearbeitet werden. Dabei wird auch kurz auf die Instrumente, sowie die Hintergründe
der Personalpolitik eingegangen. Anhand dieses Rasters soll dann die Besetzung des ersten
Kabinett Kohls 1982 überprüft werden. Dabei werden die Minister nicht einzeln abgehandelt,
sondern, auch aus Gründen der Lesbarkeit, versucht, Besonderheiten und Auffälligkeiten
bezüglich der Kriterien herauszuarbeiten. Das Kabinett wird aber auch als Gesamtwerk
betrachtet. Ebenso wird auf die besondere Situation der Koalitionspartner wird eingegangen.
Zum Abschluss der Arbeit werden die Ergebnisse kurz zusammengefasst und bewertet.
13 Vgl. Korte, Deutschlandpolitik in Helmut Kohl′s Kanzlerschaft, 1998, S. 20.
14 Scheuch, Erwin K./Scheuch, Ute: Cliquen, Klüngel und Karrieren. Über den Verfall der politischen Parteien
eine Studie, Hamburg 1992, S. 117.
5
2. Eingrenzung des Begriffs Personalpolitik
Das Feld der Personalpolitik ist für die Politikwissenschaft ein umfassender und interessanter
Bereich. Gerade hier haben Personalentscheidungen eine große Bedeutung und werden von
vielen Feldern beeinflusst. Während es auch in anderen Bereichen um die Macht und deren
Absicherung geht, geben Personen in der Politik ein Gesicht. Da Politiker für einen
bestimmten Stil stehen und man in einer Demokratie Verbündete braucht, um seine Inhalte
durchzusetzen, fällt der Personalpolitik gerade hier eine Schlüsselbedeutung zu. Deswegen ist
es umso verwunderlicher, dass einschlägige politikwissenschaftliche Nachschlagewerke15 den
Begriff nicht definieren. Eine Begründung dafür könnte sein, dass dieser umfassende und
vielschichtige Begriff nicht in eine einzige, in der Politikwissenschaft allgemeingültige,
Definition zu fassen ist.
Allgemein wird Personalpolitik als ,,Gesamtheit der Entscheidungen, die gewollt und direkt
auf die Personalorganisation (als Teil der Betriebsorganisation) einwirken [definiert].
Gegenstand der P. ist die Erarbeitung und Anwendung von Grundsätzen der
Personalbeschaffung und -eingliederung sowie der Aus- und Weiterbildung, der Entlohnung,
der Menschenführung und der Personalverwaltung (mithin auch der Schaffung und Erhaltung
eines bestimmten Betriebsklimas)."16 Dieser Ansatz greift jedoch für die vorliegende Arbeit
zu kurz. Aufgrund der geringen Aussagekraft für die aktuelle Fragestellung müssen für eine
politikwissenschaftliche Definition noch weitere, wichtige Einflussfaktoren hinzugezogen
werden. So wird die wichtige Komponente Macht dort allenfalls tangiert.
Um eine umfassendere Definition zu bekommen, bestünde natürlich die Möglichkeit, den
Begriff aus seinem eigentlich ökonomischen Hintergrund herauszulösen und für diese Arbeit
zu verwenden. In diesem Bereich gibt es umfassende Literatur dazu. So haben sich im Laufe
der Geschichte des Fachs ,,Personalwesen" viele theoretische Erklärungsansätze
herausgebildet.17 Es ist jedoch nicht hilfreich, die zahlreichen Definitionen von
Personalpolitik hier aufzuführen18, da die unterschiedlichen Ausprägungen immer nur die
15 Vgl. u.a.: Nohlen, Dieter: Lexikon der Politik. Band 7 Politische Begriffe, München 1998 und Schmidt,
Manfred G.: Wörterbuch zur Politik, (2. vollst. überarb. und erw. Aufl.) Stuttgart 2004.
16 Meyers Enzyklopädisches Lexikon in 25 Bänden, Band 18, Mannheim 1976, S. 434.
17 Ein Zwischenstand zur Entwicklung der Forschung auf diesem Gebiet in Martin, Albert/Werner Nienhäuser:
Die Erklärung der Personalpolitik von Organisationen, Aus: http://www.uni-essen.de/personal/Beitrag1.PDF,
[Stand: 16. Mai 2005]
18 Zu Definitionen von ,,Personalpolitik" in personalwirtschaftlichen Büchern, vgl. u.a. Gaugler, Eduard (Hrsg.):
Handwörterbuch des Personalwesens, Stuttgart 1975, Eckardstein, Dudo von/Franz Schnellinger: Betriebliche
Personalpolitik, (3. überarb. u. erg. Aufl.), München 1978, S.2; Wächter, Hartmut: Einführung in das
Personalwesen. Darstellung, Kontrollfragen und Lösungen, Herne 1979, S. 93; Mank, Peter: Personalpolitik in
mittelständischen Unternehmen. Eigenarten, Versäumnisse, Chancen, Frankfurt am Main 1991, S. 37)
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