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Der Mensch selbst als Grundlage für die Erziehung - das anthroposophische Menschenbild

Termpaper, 1996, 33 Pages
Author: René Bestvater
Subject: Pedagogy - Science, Theory, Anthropology

Details

Category: Termpaper
Year: 1996
Pages: 33
Grade: sehr gut
Bibliography: ~ 13  Entries
Language: German
Archive No.: V1541
ISBN (E-book): 978-3-638-10954-3
ISBN (Book): 978-3-638-90608-1
File size: 205 KB

Abstract

Die Art der Erziehung hängt in erster Linie immer davon ab, welche Vorstellungen und Ideale der Erzieher vom Menschen selbst und seiner Entwicklung hat. Wenn von einer möglichst menschengemäßen Erziehung ausgegangen werden soll, kommt es also in der Hauptsache darauf an, daß der Erzieher bestrebt sein muß, sich immer klarer darüber zu werden, was denn nun menschengemäß, also der Mensch seinem Wesen nach überhaupt ist. Die gesamte Erziehungsarbeit einschließlich ihrer Ergebnisse gründen einzig und allein darauf, welches Bild, welches Ideal ich als Erzieher vom Menschen habe. Hier ist der eigentliche Ausgangspunkt, von dem aus maßgeblich Erziehungsziel und demzufolge auch Erziehungsmittel und Methoden bestimmt werden. Diese Arbeit zielt also besonders auf den Anfang oder den Ausgangspunkt der Erziehung ab, nämlich die Selbsterziehung des Erziehers, die darin besteht, daß er sich ein möglichst umfassendes Bild vom Menschen erarbeiten muß. Denn nur aus dem heraus, was der Erzieher selbst als menschengemäß erkannt und erlebt hat wird er auch wirklich menschengemäß erziehen können.


Excerpt (computer-generated)

Facharbeit

Thema:

Der Mensch selbst als Grundlage für 
die Erziehung das anthroposophische Menschenbild

eingereicht an: Berufsbildende Schule Gesundheit und Soziales Weimar

Abteilung: Fachschule für Sozialpädagogik

vorgelegt von: 

Bestvater, René

03.05.1996

 

Gliederung

1. Begründung der Auswahl des Themas ... 2
1.1. Ziele der Arbeit und Schwerpunkte ... 2
1.2. Schwierigkeiten, die dieser Arbeit gegenüber auftreten könnten ... 3

2. In der Gesellschaft auftretende entwicklungsfördernde und entwicklungshemmende Kräfte ... 4
2.1. Die menschenfeindlich-entwicklungshemmenden Kräfte in der Gesellschaft ... 5
2.2. Zusammenfassung ... 8
2.3. Ein Ideal als Grundlage für eine menschenwürdige Erziehung kann nur in den menschenwürdig-entwicklungsfördernden Kräften der Gesellschaft gefunden werden ... 8
2.4. ,,Jeder Mensch ist ein Künstler" - ein reales Ideal ... 10
2.5. Die Gesellschaft als ein Spiegel für die im Menschen wirksamen Kräfte ... 11

3. Kann das Ideal ,,Jeder Mensch ist ein Künstler" vor der Pädagogik als Wissenschaft bestehen ? ... 13
3.1. Erkenntnistheoretische Voraussetzung der Naturwissenschaft ... 14
3.2. Notwendige Erweiterung der naturwissenschaftlichen Methode ... 15

4. Sichtweise der materialistisch-naturwissenschaftlichen Anthropologie ... 17

5. Kurze Darstellung des Menschen aus geisteswissenschaftlicher Forschung ... 18
5.1. Der physische Leib ... 19
5.2. Der Ätherleib ... 19
5.3. Der Astralleib ... 20
5.4. Die Empfindungsseele ... 20
5.5. Die Verstandesseele ... 21
5.6. Die Bewußtseinsseele ... 21
5.7. Das Ich ... 22
5.8. Wiederverkörperungslehre ... 23

6. Ein kurzes Beispiel aus der praktischen Erziehung, die den Menschen selbst berücksichtigt ... 26

7. Schlußbetrachtung ... 28

Literaturverzeichnis ... 31

 

 

1. Begründung der Auswahl des Themas

Die Auswahl dieses Themas ergab sich aus der grundsätzlichen Frage, die sich mir in bezug auf die Tätigkeit des Erziehens immer wieder stellt: Wie und wo kann ich ein Ideal finden, das in sich eine solche Kraft hat, die stark genug ist, mich immer wieder zu motivieren und zu befähigen, damit ich einer möglichst menschenwürdigen Erziehung, wie sie die heutige Zeit fordert, entsprechen kann?
Im Laufe der Zeit wurde mir bald klar, daß ich diese für meine Arbeit so notwendige Kraft nicht entwickeln konnte aus den bestehenden wissenschaftlichen Thesen, politisch-ideologischen Programmen oder traditionellen bzw. sektiererischen Glaubenssätzen, obwohl man natürlich auch in ihnen teilweise recht fruchtbare Anregungen und Ansätze für die Erziehung finden kann, die sich dann aber nur entweder auf bestimmte, den Menschen betreffende Teilgebiete beziehen oder sie beschränken sich auf spezielle Techniken für die praktische Arbeit oder aber, sie verfolgen sogar nur macht- oder profitorientierte Interessen. Die für mich notwendigen menschlichen Werte, die Inhalt und Grundlage einer menschengemäßen Erziehung sein müssen, aus denen sich das eigentliche Erziehungsziel erst ergibt, konnte ich hier also nicht finden.

1.1. Ziele der Arbeit und Schwerpunkte

Die Art der Erziehung hängt in erster Linie immer davon ab, welche Vorstellungen und Ideale der Erzieher vom Menschen selbst und seiner Entwicklung hat. Wenn von einer möglichst menschengemäßen Erziehung ausgegangen werden soll, kommt es also in der Hauptsache darauf an, daß der Erzieher bestrebt sein muß, sich immer klarer darüber zu werden, was denn nun menschengemäß, also der Mensch seinem Wesen nach überhaupt ist. Die gesamte Erziehungsarbeit einschließlich ihrer Ergebnisse gründen einzig und allein darauf, welches Bild, welches Ideal ich als Erzieher vom Menschen habe. Hier ist der eigentliche Ausgangspunkt, von dem aus maßgeblich Erziehungsziel und demzufolge auch Erziehungsmittel und Methoden bestimmt werden.
Diese Arbeit zielt also besonders auf den Anfang oder den Ausgangspunkt der Erziehung ab, nämlich die Selbsterziehung des Erziehers, die darin besteht, daß er sich ein möglichst umfassendes Bild vom Menschen erarbeiten muß. Denn nur aus dem heraus, was der Erzieher selbst als menschengemäß erkannt und erlebt hat wird er auch wirklich menschengemäß erziehen können.

Es soll in dieser Arbeit versucht werden, eine Methode und einige ihrer Ergebnisse zu skizzieren, die für mich als Erzieher eine Möglichkeit sein kann, aus dem Menschen selbst ein Ideal zu entwickeln, das Orientierung und Ansatz sein kann für eine ergänzende Pädagogik zu derjenigen, wie wir sie momentan erleben, die fast ausschließlich zum Ziel hat, ,, . . . ganzen Bevölkerungen diejenige Ausbildung zu vermitteln, ohne die sie sich in der wissenschaftlich-technischen Welt nicht zurechtfinden können." (C.F. von Weizsäcker: Die Einheit der Natur, S. 32).

Die sich immer mehr zuspitzende Krisensituation, in der die Menschheit sich befindet, selbst ist es, die eine Ergänzung zu derjenigen Pädagogik geradezu fordert, die nur darauf orientiert ist, die Heranwachsenden dazu zu befähigen, daß sie sich möglichst gut in die gegebenen Verhältnisse einordnen beziehungsweise unterordnen, und zwar in Verhältnisse, die meistens mit Recht nicht mehr als menschenwürdig, ja sogar als menschenfeindlich bezeichnet werden müssen. Eine Pädagogik, die sich nur auf dieses Sich-Einordnen beziehungsweise Sich-Unterordnen-Können in die Gesellschaft beschränkt, wird in ihren Ergebnissen in der Praxis eben nur das zustande bringen, was nur allzuoft in unseren Schulen beobachtet werden kann. ,,Was wir in unseren Schulen sehen, das ist die Kapitulation der Kinder. Mit den Mitteln der Pädagogik will die Schule die Kinder dazu bringen, so zu denken wie die Schule. Die Schule geht nicht von den Bedürfnissen der Kinder aus, sondern von denen der Wirtschaft. Wenn die Kinder die Schule verlassen, haben die meisten ihre Eigenarten verloren, ihre schöpferischen Fähigkeiten eingebüßt und sind für das Erwerbsleben vorbereitet. Wo der Prozeß der Kapitulation auf Schwierigkeiten stößt, stehen Sonderschulen, Erziehungsheime, Jugendgefängnis und Jugendpsychiatrie zur Verfügung." (Heinar Kipphardt: März, S.47).

1.2. Schwierigkeiten, die dieser Arbeit gegenüber auftreten könnten

Es kann und soll in dieser Arbeit nicht etwa ein Programm oder Rezept konstruiert werden, sondern es soll lediglich eine Anregung gegeben werden für einen Weg, der sich nach meiner Erfahrung als sehr fruchtbar und praktisch erweisen kann, besonders für alle Bereiche, die das zwischenmenschliche Leben betreffen. Es handelt sich hierbei um einen Weg, der ohne ideologische, religiöse oder andere theoretische Voraussetzungen auskommen will. Bei diesem Weg geht es vielmehr um eine möglichst vorurteilslose Betrachtung des Menschen, und das einzige Mittel, um diesen Weg gehen zu können, soll der gesunde Menschenverstand sein.

[...]


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