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Das Phänomen Freundschaft als unbeliebte soziologische Kategorie

Termpaper, 2003, 38 Pages
Author: Thomas Förster
Subject: Sociology - Individual, Groups, Society

Details

Category: Termpaper
Year: 2003
Pages: 38
Grade: 1,3
Language: German
Archive No.: V16027
ISBN (E-book): 978-3-638-20985-4

File size: 166 KB


Excerpt (computer-generated)

UNIVERSITÄT AUGSBURG
Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät
Lehrstuhl Soziologie
Seminar Soziale Institutionen
Fach Allgemeine Sozioökonomie
WS 02/03

DAS PHÄNOMEN „FREUNDSCHAFT“ ALS
UNBELIEBTE SOZIOLOGISCHE KATEGORIE

Thomas Förster

 

Gliederung

1. Einleitung  1

2. Zum Begriff der Freundschaft  1

3. Zum Verständnis von Freundschaft  4
3.1 Warum hat sich die Soziologie mit diesem Thema kaum befasst ?  5
3.2 Gründe, die für eine soziologische Auseinandersetzung mit Freundschaft sprechen  6

4. Zur Historie von Freundschaft  8
4.1 Die altertümliche Ära der Freundschaft (ca. 700 - 500 v.Chr.)  9
4.2 Klassische Antike (ca. 500 v.Chr. - 200 n. Chr.): Freundschaftsverständnisse des Aristoteles  11
4.3 Von der Antike bis zum frühen Mittelalter: Ein Veränderung des Freundschaftsverständnisses  15
4.4 Freundschaft zwischen 1600 und 1900 ..17

5. Theoretische Freundschaftskonstruktionen  19
5.1 Freundschaft in der Moderne als Ausnahmeerscheinung ?  19
5.1.1 Georg Simmel : Die „differenzierte Freundschaft“  20
5.1.2 Freundschaftsbeziehungen in einer Gesellschaft der Individuen  21
5.2 Ein funktionalistisch-systemtheoretisches Freundschaftsverständnis: Eisenstadt  23
5.3 Zusammenfassung der wichtigsten Punkte  26
5.4 Ein integratives Freundschaftsmodell  28

6. Ein Problembereich: Die Geschlechterfrage  30

7. Fazit  33

 

1. Einleitung

Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem soziologisch bisher vernachlässigten Gegenstand der Freundschaft. Ich werde mich zunächst mit dem Begriff beschäftigen und im Anschluss daran versuchen ein Verständnis für diese Thematik zu entwickeln. Danach soll ein historischer Abriss erfolgen, um die Veränderung des Freundschaftsverständnisses in der Zeit nachzuzeichnen. Hierbei werde ich versuchen eine soziologisch relevante Beziehung zur gesellschaftlichen Struktur zu knüpfen, bevor ich mich einigen Freundschaftsmodellen zuwende. Es existieren viele unterschiedliche Ansätze Freundschaft erklärbar zu machen. Wichtig erscheint mir hierbei, dass es nicht einen Königsweg, sondern mehrere erdenkliche Zugriffe auf dieses Thema gibt, die nur in sinnvoller Kombination miteinander ein umfassendes Verständnis ermöglichen können. Da diese Arbeit nicht zu umfangreich sein kann, soll sie nur als Anstoß bzw. Anreiz für eine tiefere Auseinandersetzung mit diesem interessanten Phänomen verstanden werden und nicht den Anspruch der Vollständigkeit genügen. Abschließend beschäftige ich mich noch kurz mit einem der vielen kontroversen Problembereiche in Freundschaftsbeziehungen: der Geschlechterfrage.

2. Zum Begriff der Freundschaft

Jeder scheint es zu kennen und damit vertraut zu sein, jeder hat eine andere Vorstellung davon und jeder würde – meisten jedenfalls – von sich behaupten eine zu führen: die Rede ist von Freundschaft. Dieser Begriff, der alltäglich und gewöhnlich erscheint, der zudem unzählbar oft in den Literaturwissenschaften, der Psychologie sowie Philosophie und zunehmend auch in der Soziologie verwendet und diskutiert wird, erfreut sich einer vielseitigen Bedeutung. Freundschaft wurde schon aus den unterschiedlichsten Perspektiven heraus beleuchtet und zu definieren versucht. Allerdings gestalten sich diese Bemühungen und Analysen, der unterschiedlichsten Richtungen, schwieriger und komplexer als man zunächst annehmen mag. Freundschaft konstituiert sich im Privaten und es gibt nur wenige gesellschaftliche Merkmale, die eine unzweifelhafte handfeste Existenz signalisieren.

Im Wörterbuch für Soziologie wird einer der raren Versuche unternommen den Begriff Freundschaft zu definieren: „Persönliche, freiwillige und dauerhafte Beziehung zwischen zwei oder mehreren Personen mit emotionaler, in der Regel aber ohne sexuelle Bindung und ohne soziale Kontrolle von außen. Freundschaft ist in der abendländischen Kultur und Geschichte seit der griechischen Antike vielfach Gehenstand philosophischer Erörterungen...,während die Soziologie sich noch wenig mit ihr befasst. (...) Nach Simmel zeichnen sich Freundschaften dadurch aus, dass sie, „mindestens ihrer Idee nach, auf der ganzen Breite der Persönlichkeiten aufbauen“ und „den ganzen Menschen verbinden“ – obwohl er in der modernen Gesellschaft auch eine Tendenz zu partiellen Freundschaften feststellt (Simmel 268f).“1

Tenbruck2 beschreibt andererseits Freundschaft als eine „personale“, im engern Sinne als „persönliche“ Beziehung – diese impliziert u.a. auch Kameradschaft, Feindschaft, Hass oder Liebe – und setzt dieser eine „unpersönliche“ zweckdienende Beziehung gegenüber. Die „persönliche“ Beziehung der Freundschaft als „hohes menschliches Gut“, basiert nach Tenbruck auf Freiwilligkeit, wird weder geregelt noch überwacht und findet im privaten Rahmen statt. Den Inhalten werden wie den einzugehenden Verpflichtungen Beliebigkeit unterstellt. Allerdings ist die „persönliche“ Beziehung durch zumeist zwei sich gegenseitig beeinflussende Personen gekennzeichnet. Daher sind die Inhalte der Freundschaftsbeziehung teilweise sozial standardisiert und überwacht, so dass Tenbruck von der Möglichkeit einer, im weitesten Sinne gesehenen Institutionalisierung spricht.3 Paine bezeichnet Freundschaft als „eine Art institutionalisierter Nicht-Institution“4 und unterstreicht damit den geminderten Grad gesellschaftlicher Bestimmung, obwohl sie als „Institution“ im Sinne einer gesellschaftlich vorhandenen und allgemein anerkannten Beziehungsform gelten kann.

[....]


1 Berghaas, M. In: : Enduweit, Günter/Trommsdorff, Gisela (1998): Wörterbuch der Soziologie. S. 216
2 Vgl. Tenbruck, Friedrich H. (1990): Die kulturellen Grundalgen der Gesellschaft. S. 227-250
3 Vgl. ebd. S. 227, 228
4 Paine, R. (1974b): An Exploratory Analysis in ,Middle Class´Culture. S.128


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