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Diploma Thesis, 2003, 102 Pages
Author: Joachim Barth
Subject: Pedagogy - Job Education, Occupational Training, Further Education
Details
Institution/College: University of Hohenheim (Institut für Berufs- und Wirtschaftspädagogik)
Tags: Spracherwerbsproblematik, Determinante, Integration, Migranten, Diplomarbeit
Year: 2003
Pages: 102
Grade: 2,0
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-22215-0
ISBN (Book): 978-3-638-72109-7
File size: 310 KB
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Abstract
[...] Ich werde versuchen darzulegen, dass Mehrsprachigkeit nicht zu einem Hindernis für die Integration und den Schulerfolg werden muss, sondern vielmehr als Basis dienen kann, sofern eine mehrsprachige Erziehung sorgfältig geplant und nicht dem Zufall überlassen wird. Zentrales Anliegen ist es die Einflussfaktoren auf den Schulerfolg für Migranten darzustellen, die Spracherwerbsproblematik als eine Determinante des Schulerfolgs zu kennzeichnen und die aktuell bestehenden Förderungsmaßnahmen (auch auf ihre Schwächen hin) zu untersuchen, um daraus resultierend Handlungsanweisungen generieren zu können. Insgesamt sollen folgende forschungsleitende Fragen beantwortet werden: •Welchen Einfluss haben migrationsbedingte Sprachprobleme auf den Schulerfolg, und welches sind die weiteren Faktoren für den Schulerfolg und einer geglückten Integration in gesellschaftliche Strukturen? •Wie gestaltet sich der Prozess der Integration von der Ausreise aus dem Heimat-land bis hin zum Zweitspracherwerb? •Inwieweit unterstützen dabei bestehende Förderungsmaßnahmen die Integration von Migranten, und weisen diese Maßnahmen evtl. Schwachstellen auf? [...] Kap. 4 widmet sich dem Versuch, ein umfassendes sozioökologisches Modell zur Erfassung von Schul-erfolgsdeterminanten in Migrantenschullaufbahnen darzustellen [...] Anknüpfend an dieses Modell sollen in Kap. 5 die zuvor ermittelten Faktoren unter besonderer Berücksichtigung der Bilingualität bzw. Zweisprachigkeit im Prozess des Zweitspracherwerbs und der Integration betrachtet werden. Im Anschluss daran erfolgt eine Kennzeichnung der vielfältigen Förderungsmöglichkeiten von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund. Nach einer beispielhaften Darstellung einer positiven Migrationsbiographie wird abschließend ein Resümee zur Spracherwerbsproblematik als Determinante der Integration gezogen.
Excerpt (computer-generated)
Spracherwerbsproblematik als Determinante der Integration von Migranten
Freie wissenschaftliche Arbeit zur
Erlangung des akademischen Grades
Diplom-Handelslehrer
an der Fakultät
Wirtschafts- und Sozialwissenschaften
der Universität Hohenheim
am Institut für Berufs- und Wirtschaftspädagogik
der
Universität Hohenheim
von
Joachim Barth
19. Mai 2003
Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis ... III
Abkürzungsverzeichnis ... IV
1 Problemstellung ... 1
2 Erziehungs- und sozialisationstheoretische Überlegungen ... 4
2.1 Abgrenzung der Begriffe Erziehung und Sozialisation ... 4
2.2 Migrationsforschung in der erziehungswissenschaftlichen Forschung ... 5
3 Migration in Deutschland ... 8
3.1 Geschichtliche Anmerkungen ... 8
3.1.1 Europas wandernde Arbeiter ... 8
3.1.2 Von fremden Arbeitern zu Migranten ... 10
3.2 Migrationsforschung ... 11
3.2.1 Individualistische Sichtweise ... 12
3.2.2 Systemische Sichtweise ... 14
4 Entwurf eines sozioökologischen Modells zur Erfassung von Schulerfolgsdeterminanten in Migrantenschullaufbahnen ... 17
4.1 Bronfenbrenners sozioökologisches Modell als Modell bikultureller Entwicklungsprozesse ... 17
4.2 Determinanten des Exosystems ... 21
4.3 Determinanten des Mesosystems ... 27
4.4 Determinanten des Mikrosystems ... 28
4.5 Individuelle Schülermerkmale ... 41
4.6 Zusammenfassende Interpretation ... 42
5 Prozess der Integration unter dem Gesichtspunkt der Zweisprachigkeit und des Bilingualismus ... 44
5.1 Begriffsbestimmung ... 44
5.2 Selbstkonzept bei ausländischen Heranwachsenden ... 47
5.3 Prozess des Zweitspracherwerbs ... 50
5.3.1 Spracherwerbsbedingungen im Integrationsprozess unter Berücksichtigung des Selbstkonzeptes ... 50
5.3.2 Modelle zweisprachiger Erziehung ... 52
5.3.3 Sprachunterricht multinationaler Regelklassen unter Submersions-Bedingungen ... 55
5.3.4 Motivationsbezogene Aspekte ... 56
5.3.5 Auswirkungen der sozialen Kontakte auf den Zweitspracherwerb ... 57
5.4 Deutsch als Muttersprache, Zweitsprache oder Fremdsprache ... 58
6 Förderungsprogramme zur Verbesserung der Rahmenbedingungen der Integration ... 60
6.1 Die Organisation der Sprachförderung ... 60
6.2 Staatliche Institutionen ... 63
6.2.1 Sprachverband Deutsch e.V. ... 63
6.2.2 Bundesamt für die Anerkennung ausländischer Flüchtlinge ... 65
6.3 Maßnahmen innerhalb des Schulwesens ... 68
6.3.1 Deutsch für Ausländer als Zusatzfach ... 68
6.3.2 Unterricht in der Muttersprache als Zusatzfach ... 69
6.4 Weitere Förderungsmöglichkeiten ... 72
7 Fallanalyse ... 75
7.1 Methodische Vorüberlegungen ... 75
7.2 Migrationsbiographie ... 77
7.3 Schulische Entwicklung in der Heimat und in Deutschland ... 78
7.4 Auswirkungen der Determinanten der ökologischen Systeme auf den Schulerfolg der Explorandin ... 80
8 Zusammenfassende Interpretation und Ausblick ... 83
Literaturverzeichnis ... 86
Abkürzungsverzeichnis
[...]
1 Problemstellung
Die Industrieländer der westlichen Welt sind schon seit Jahrzehnten aufgrund nationaler und internationaler Strukturveränderungen der Wirtschaft auf eine Zuwanderung von Arbeitskräften aus technisch weniger entwickelten Ländern angewiesen. Obwohl in der Regel diese Migration1 als zeitweilige und damit vorübergehende Notwendigkeit wahrgenommen und von einer Rückwanderung der eingereisten ausländischen Arbeitskräfte ausgegangen wurde, sehen sich die Industrienationen inzwischen vor die Tatsache gestellt, dass sich die übergroße Mehrheit der Arbeitsmigranten im Zuge der Familienzusammenführung zu einem beständigen Teil der Gesellschaft entwickelt hat und mit fortwährender Aufenthaltsdauer der zunächst als "Gäste" angesehenen Migranten auch die Zahl der nachgezogenen oder hier geborenen Kinder gestiegen ist.
Diese Deutschland bzw. Europa betreffenden Migrationsbewegungen, welche individuelles Herbeisehnen der Verbesserung der Lebensbedingungen und eine Triebkraft menschlicher Entwicklung darstellen, werden unterschiedlich als Wanderungen von Arbeitsmigranten, (Spät-) Aussiedlern, Flüchtlingen, Asylbewerbern etc. bezeichnet und damit separiert. In dieser Arbeit werden sie jedoch als unterschiedliche Ausprägungen eines Phänomens verstanden: Der Migration.
Migration als die befristete oder dauerhafte Verlagerung des Lebensmittelpunktes in eine andere Kultur und die daraus entstehenden Probleme und Spannungen gehören zu den sensiblen Bereichen des wirtschaftlichen und sozialen Zusammenlebens einer Gesellschaft. Die eigene Heimat freiwillig oder gezwungenermaßen zu verlassen und "in der Fremde" eine neue Existenzgrundlage zu finden, ist oft ein aufwändiges sowie bisweilen leid- und spannungsgeladenes Unterfangen; individuelle und gesellschaftliche Ausgrenzung gilt es beiseite zu räumen oder wenigstens zu umgehen.
Mit welchen Problemen dieser Anpassungs- und Integrationsprozess häufig behaftet ist, zeigt schon allein die Tatsache, dass es erhebliche Schwierigkeiten bereitet, die Migranten-Jugendlichen definitorisch zu beschreiben. Einige willkürlich ausgewählte Titel von Veröffentlichungen zum Thema Migranten-Jugendliche sollen dies verdeutlichen: "Das verhaltensgestörte Gastarbeiterkind", "Die tickende soziale Zeitbombe", "Orientierungsprobleme ausländischer Jugendlicher" oder "Zwischen Ghetto und Knast". Demnach handelt es sich bei Migranten-Jugendlichen um eine verlorene Generation, Wanderer zwischen zwei Kulturen - oder ist dies eine Fehleinschätzung?
Die Gesellschaft reagiert auf die Integrationskonflikte mit Förderungsmaßnahmen für Migrantenkinder, die hinsichtlich ihrer integrationspolitischen Maßnahmen in zwei Aufgabenfelder zu unterscheiden sind: 1. Verbesserung der Integration bereits Zugewanderter und 2. Anbietung von Integrationsleistungen für zukünftige Zuwanderer. Diese Maßnahmen beschränken sich jedoch lediglich in schulischen Zusatzangeboten im Fach Deutsch (für Ausländer) und bleiben auch aufgrund der Tatsache, dass sie nur einen Aspekt der Integration betrachten, größtenteils erfolglos. Die Beherrschung von Deutsch als Kommunikationssprache stellt allerdings für die ausländische Bevölkerung den immer noch wichtigsten Faktor zur Integration in die deutsche Gesellschaft dar. Mangelnde Kenntnisse der deutschen Sprache erhöhen sowohl die soziale Distanz, bedingt durch den rechtlichen Status als "Ausländer", als auch die kulturelle Distanz, welche sich durch Merkmale der Sprache und der unterschiedlichen Wert- und Normvorstellungen ausdrückt. Die Frage der erfolgreichen gesellschaftlichen Integration der Migranten bedarf einer umfassenderen Lösung.
Ich werde im folgenden versuchen darzulegen, dass Mehrsprachigkeit nicht zu einem Hindernis für die Integration und den Schulerfolg werden muss, sondern vielmehr als Basis dienen kann, sofern eine mehrsprachige Erziehung sorgfältig geplant und nicht dem Zufall überlassen wird.
Zentrales Anliegen ist es die Einflussfaktoren auf den Schulerfolg für Migranten darzustellen, die Spracherwerbsproblematik als eine Determinante des Schulerfolgs zu kennzeichnen und die aktuell bestehenden Förderungsmaßnahmen (auch auf ihre Schwächen hin) zu untersuchen, um daraus resultierend Handlungsanweisungen generieren zu können.
Insgesamt sollen folgende forschungsleitende Fragen beantwortet werden:
- Welchen Einfluss haben migrationsbedingte Sprachprobleme auf den Schulerfolg, und welches sind die weiteren Faktoren für den Schulerfolg und einer geglückten Integration in gesellschaftliche Strukturen?
- Wie gestaltet sich der Prozess der Integration von der Ausreise aus dem Heimatland bis hin zum Zweitspracherwerb?
- Inwieweit unterstützen dabei bestehende Förderungsmaßnahmen die Integration von Migranten, und weisen diese Maßnahmen evtl. Schwachstellen auf?
Im Anschluss an die Problemstellung führt die Arbeit in die theoretischen Grundlagen ein. Dabei bedarf es zunächst einer begrifflichen Abgrenzung von Erziehung und Sozialisation sowie einer Klärung der Positionierung der Migrationsforschung innerhalb der erziehungswissenschaftlichen Forschung. Anschließend werden in Kap. 3 die geschichtlichen Hintergründe der Migration sowie der Migrationsforschung skizziert und um aktuelle demoskopische Daten ergänzt. Kap. 4 widmet sich dem Versuch, ein umfassendes sozioökologisches Modell zur Erfassung von Schulerfolgsdeterminanten in Migrantenschullaufbahnen darzustellen. Dabei wird eine Klassifizierung der Determinanten in Determinanten des Exo-, Meso- und Mikrosystems vorgenommen und die jeweilige Bedeutung der Sprachsituation herausgearbeitet. Anknüpfend an dieses Modell sollen in Kap. 5 die zuvor ermittelten Faktoren unter besonderer Berücksichtigung der Bilingualität bzw. Zweisprachigkeit im Prozess des Zweitspracherwerbs und der Integration betrachtet werden. Im Anschluss daran erfolgt eine Kennzeichnung der vielfältigen Förderungsmöglichkeiten von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund. Nach einer beispielhaften Darstellung einer positiven Migrationsbiographie wird abschließend ein Resümee zur Spracherwerbsproblematik als Determinante der Integration gezogen.
2 Erziehungs- und sozialisationstheoretische Überlegungen
2.1 Abgrenzung der Begriffe Erziehung und Sozialisation
Pädagogische Begriffsbildung ist traditionsgemäß schwierig, da pädagogische Theoriebildung aus Sichtweise verschiedener wissenschaftstheoretischer Ansätze mit oftmals voneinander abweichenden Methoden betrieben wird und das metatheoretische Regelsystem der betreffenden Richtungen zumindest teilweise unterschiedlich ist (vgl. WEBER 1972, S. 37).
[...]
1 In dieser Arbeit wird der Begriff "Migration" - soweit als möglich - anstelle des deutschen Wortes "Wanderung" gebraucht, um die Mehrdeutigkeit des letzteren und die evtl. damit verbundenen Miss-verständnisse auszuschließen.
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