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Subtitle: Eine Untersuchung nach Tu Weiming
Termpaper, 2002, 35 Pages
Author: Götz Kolle
Subject: History - Miscellaneous
Details
Institution/College: Humboldt-University of Berlin (Geschichte)
Tags: Konfuzionismus, Tu Weiming, Ostasiatische Moderne, Multiple Modernen, Weltgeschichte, Globalgeschichte, Universalisierung von Werten, Moderne, Menschenrechte, Asien, Asiatische Werte, asiatische Werte, Werte, Kultur, Weltbild, Wertesystem, Konfuzianismus
Year: 2002
Pages: 35
Grade: sehr gut
Bibliography: ~ 43 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-11189-8
ISBN (Book): 978-3-638-68373-9
File size: 246 KB
Anhand des Konfuzionismus und den daraus entstandenen Asiatischen Werten wird gezeigt, dass es andere Formen und Vorstellungen von Moderne gibt. Nach einer Darstellung des Konfuzionismus, der Asiatischen Moderne und der Diskussion über universale Werte versucht die Arbeit, Konzepte zur Weltgeschichtsschreibung zu beraten.
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Abstract
Wie ich anhand eines Textes vom chinesischen Professor Tu Weiming zeigen will, gibt es auf der Welt verschiedenste Formen und Vorstellungen von Moderne. Diese "multible modernities" resultieren aus den verschiedenartigen Traditionen der Kulturen unseres Erdballs. Wie zu zeigen ist, sind die stark differierenden Weltbilder und Werte dieser Traditionen eine wesentliche Ursache für die Unterschiede zwischen den Ausformungen der Moderne. Tu Weiming lädt ein, einen der wohl größten Kulturräume exemplarisch in dieser Hinsicht zu entdecken. Er geht davon aus, daß die Ostasiatische Moderne 1. wesentlich verschieden von der europäischen Moderne ist, 2. Die spezifische Ausformung dieser Moderne tief mit der chinesischen Tradition, hier im wesentlichen mit dem Wertesystem des Konfuzianismus zu erklären ist und 3. daß die somit entstandene, eigenständige (wenn auch nicht unabhängige) Moderne wichtige Erfahrungen und Errungenschaften in den Prozeß der Globalisierung miteinbringen kann. Der Konfuzianismus, so Tu Weiming, hat Werte hervorgebracht, die ebenso wie die westlichen Menschenrechte universale Gültigkeit für die globalisierte Menschheit haben können. Meine Arbeit will die postulierten Thesen kritisch prüfen, um dann Aussagen für die Aufgaben, Chancen und Grenzen einer Weltgeschichtsschreibung heute treffen zu können. Ich möchte jedoch mit einer kurzen, grundsätzlichen Darstellung der aktuellen Diskussion über Moderne beginnen, um darzustellen welche Position Tu Weimings Aufsatz im wissenschaftlichen Diskurs einnimmt. Es folgt dann eine kurze Darstellung der konfuzianischen Tradition. Auf dieser Basis kann dann die Frage diskutiert werden, ob es eine eigene Ostasiatische Moderne gibt, und in wie weit die konfuzianische Tradition Auswirkungen auf diese Moderne hat (2.These). Im nächsten Schritt wird die Ostasiatische Moderne auf ihre Eigenheiten und Gemeinsamkeiten mit der westlichen Moderne hinterfragt (1.These). darauf aufbauend, kann dann die 3. These, die Möglichkeit einer Universalisierung asiatischer Werte, bzw. ihre Position in einem Dialog zur globalen Ethik diskutiert werden. Im Resüme wird schließlich die Erkenntnis zusammengefaßt und diese, wie versprochenen, beratend auf aktuelle Weltgeschichtsschreibungskonzepte angewendet.
Excerpt (computer-generated)
Weltgeschichte im Angesicht multipler Modernen.
Konfuzionistische Tradition und Ostasiatische Moderne.
Eine Untersuchung nach Tu Weiming.
von
Götz Kolle
1 Einleitung 2
2 Modernisierung - Theoretische Ansätze 3
3 Die Ostasiatische Tradition - Der Konfuzianismus 4
4 Gibt es eine Ostasiatische Moderne? 8
4.1 Welche Kulturtradition prägt das Ostasien von heute? 9
4.1.1 Westliche Kultureinflüsse 9
4.1.2 Welchen Einfluß hat die konfuzianische Tradition heute? 10
4.2 Asiatische Werte versus westliche Werte 11
5 Ostasiatische Gegenmoderne? 18
6 Sind traditionelle Werte universalisierbar? 19
6.1 Relativismuskritik 19
6.2 Traditionen in der globalen Modere 20
6.3 Synthese östlicher und westlicher Werte 21
6.3.1 Gemeinsame Ideen, Werte und Ideale 21
6.3.2 Gemeinsame Probleme und Erkenntnisse 22
7 Gibt es universale Werte? 25
8 Mit Dialogen zur globalen Ethik 26
9 Resümee 27
10 Literaturverzeichnis 31
11 Texte aus dem Internet: 34
1 Einleitung
Nach dem 11. September 2001 scheint alles anders. Die enthusiastisch gefeierte, harmonische Geschichte der Globalisierung, dem Zusammenwachsen der Menschheit scheint vorerst zu Ende. Düstere Theorien von Kampf und Konfrontationen zwischen den Kulturen gewinnen ungeahnte Aufmerksamkeit.1 Zerfällt die Welt wieder in konkurrierende Blöcke? Muß die junge "global historie"2 wieder partikulären Ansätzen von Geschichtsschreibung weichen?
Ich denke nicht. Im Gegenteil, die Terroranschläge in New York und Washington, besonders aber die weltweite Reaktion darauf haben deutlich gezeigt wie klein unser globales Dorf geworden ist. Gleichzeitig ist fast Weltweit eine neue Debatte über Kultur und Werte ausgelöst worden. Der unwiderrufliche Fakt verschiedenartiger Werte in der Welt wurde (besonders in der westlichen Hemisphäre) lange von dem Traum einer universalistischen Globalisierung unter dem Stern der Menschenrechte verdrängt. Das Konzept einer einzigen Moderne, der Homogenisierung aller Kulturvariationen im Sinn der europäischen Aufklärung wurde von der Realität zerschlagen. Wer heute noch darauf beharrt den einzig richtigen Weg in die Zukunft zu gehen, provoziert neue gefährliche Konfrontationen.
Die Islamische Welt, der Hinduismus und der Neo-Konfuzionismus in Ostasien erheben Anspruch auf eine Entwicklung die fern vom westlichen Aufklärungsprinzipien, fern von der Allmacht der Wissenschaft, Rationalisierung, Individualisierung und Säkularisierung liegt. Wie ich anhand eines Textes vom chinesischen Professor Tu Weiming zeigen will, gibt es auf der Welt verschiedenste Formen und Vorstellungen von Moderne.3 Diese "multible modernities" resultieren aus den verschiedenartigen Traditionen der Kulturen unseres Erdballs. Wie zu zeigen ist, sind die stark differierenden Weltbilder und Werte dieser Traditionen eine wesentliche Ursache für die Unterschiede zwischen den Ausformungen der Moderne. Tu Weiming lädt ein, einen der wohl größten Kulturräume exemplarisch in dieser Hinsicht zu entdecken. Er geht davon aus, daß die Ostasiatische Moderne 1. wesentlich verschieden von der europäischen Moderne ist, 2. Die spezifische Ausformung dieser Moderne tief mit der chinesischen Tradition, hier im wesentlichen mit dem Wertesystem des Konfuzianismus zu erklären ist und 3. daß die somit entstandene, eigenständige (wenn auch nicht unabhängige) Moderne wichtige Erfahrungen und Errungenschaften in den Prozeß der Globalisierung mit einbringen kann. Der Konfuzianismus, so Tu Weiming, hat Werte hervorgebracht, die ebenso wie die westlichen Menschenrechte universale Gültigkeit für die globalisierte Menschheit haben können.4 Meine Arbeit will die postulierten Thesen kritisch prüfen, um dann Aussagen für die Aufgaben, Chancen und Grenzen einer Weltgeschichtsschreibung heute treffen zu können. Ich möchte jedoch mit einer kurzen, grundsätzlichen Darstellung der aktuellen Diskussion über Moderne beginnen, um darzustellen welche Position Tu Weimings Aufsatz im wissenschaftlichen Diskurs einnimmt. Es folgt dann eine kurze Darstellung der konfuzianischen Tradition. Auf dieser Basis kann dann die Frage diskutiert werden, ob es eine eigene Ostasiatische Moderne gibt, und in wie weit die konfuzianische Tradition Auswirkungen auf diese Moderne hat (2.These). Im nächsten Schritt wird die Ostasiatische Moderne auf ihre Eigenheiten und Gemeinsamkeiten mit der westlichen Moderne hinterfragt (1.These). darauf aufbauend, kann dann die 3. These, die Möglichkeit einer Universalisierung asiatischer Werte, bzw. ihre Position in einem Dialog zur globalen Ethik diskutiert werden. Im Resüme wird schließlich die Erkenntnis zusammengefaßt und diese, wie versprochenen, beratend auf aktuelle Weltgeschichtsschreibungskonzepte angewendet.
2 Modernisierung - Theoretische Ansätze
Charles Taylor unterscheidet zwei wesentliche Strömungen bei der Betrachtung von Modernisierung. Zum einen kann Modernisierung als ein rationaler, kulturneutraler Vorgang angesehen werden. Diese Vorstellung nennt er aculturelle Modernisierungsthese.5 Sie postuliert eine Reihe bestimmter Veränderungen (z.B. Wachstum des wissenschaftlichen Bewußtseins, Durchsetzung von Rationalität, Individualisierung und Säkularisierung) die jede Kultur durchläuft oder zu durchlaufen gezwungen wird. Die aculturelle Theorie glaubt Modernisierung also als einen einzigen universalistischen Vorgang mit dem letztlich immer die Idee einer Homogenisierung, die Auslöschung aller kulturellen Unterschiede verbunden ist.
Diese Vorstellung wird mittlerweile von vielen Wissenschaftlern aus aller Welt scharf zurückgewiesen.6 Wie Tu Weiming verstehen sie Modernisierung als kulturell bedingten Prozeß (culturell modernisation)7, der in den verschiedenen Kulturen an traditionelle Weltbilder und Wertesysteme anknüpft und damit eine Vielfalt von Modernen schafft.8
In diesem Modell ist die Moderne also von den Traditionen abhängig, oder besser formuliert, untrennbar mit den Traditionen verbunden. Traditionen werden nicht mehr als starre Gebilde gesehen, sondern als sich ständig entwickelnde Diskurse von Gemeinschaften, die zu jeder Zeit mit Kritiken von Innen und außen konfrontiert sind.9 Es ist demnach kaum zu beschreiben wo Tradition aufhört und Moderne anfängt. Die alte Dichotomie zwischen Tradition und Moderne ist aufgelöst, eines bedingt das andere.
Tu Weiming will am Beispiel des Konfuzianismus zeigen, daß sich Traditionen, durch verschiedenartige Auffassungen vom Sein, von Sinn und Aufgabe des Menschen, seinem Wesen und Verhalten gegenüber der Transzendenz (oder einer höheren Macht) und den daraus folgenden Verhaltensweisen, sprich, Tugenden, Werte, Moral- und Rechtsvorstellungen unterscheiden können. Die unterschiedlichen kulturellen Traditionen, ihre Werte und Weltbilder, prägen die verschiedenen Modernitätsvorstellungen entscheidend und bedingen die Herausbildung einer Vielfalt von Modernen. Die Prinzipien der Aufklärung werden demnach als nur ein Entwicklungsmodell unter vielen gesehen. Modernisierung muß demnach nicht gleich Westernisierung sein.10 In Asien z.B. war, laut Tu Weiming, der Konfuzianismus die entscheidende Denktradition, welche die Ostasiatische Moderne einzigartig und unverwechselbar machte.11
[...]
1 Huntington, Samuel P., The Clash of Civilization? Foreign Affairs 1993. Hier zitiert aus: The New Shape of World Politics, Foreign Affairs, 1997. S. 67-91.
2 Im Sinne von: Mazlish, Bruce, An introduction to global history, in: Mazlish, Bruce/Buultjens, Ralph (ed.) Conceptualizing global Historiy, Boulder 1993. S. 1- 24.
3 Tu Weiming ist Direktor des Harvard-Yenching Instituts, Professor für chinesische Geschichte und Philosphie sowie der Konfuzionismusforschung an der Harvard Universität. Als Basistexte für diese Arbeit dienen mir: Weiming, Tu, Implication of the rice of "Confucian" East Asia, in: Daedalus (American Akademie of Arts and Science), vol.129, no.1, Winter 2000. S.195-218.; Weiming, Tu (ed.), Confucian Traditions in East Asian Modernity, Cambridge 1996.; Weiming, Tu, Vortrag im James A. Baker Institute for Public Policy, Rice University Houston, Texas, am 17. Oktober 1998. http://www.ruf.rice.edu/~tnchina/commentary/tu1098.html.
4 Weiming, Tu, 2000. S. 196.
5 Taylor, Charles, Modernity and the rise of the public sphere, in: Peterson B, Grethe, The Tanner Lectures On Human Values, 14, 1993. S. 205.
6 Beispiele sind z.B., aus indischer Sicht: Chakrabarty, Dipesh, Provincializing Europe: Postcoloniality and the critique of history, in Cultural studies 6. 1992. S.337-357. und Kaviraj, Sudipta, Modernity and Politics in India, in: Daedalus (American Akademie of Arts and Science), vol.129, no.1, Winter 2000. S.137-162., von islamischer Seite: Göle, Nilüfer, Snapshots of Islamic Modernities, in , in: Daedalus (American Akademie of Arts and Science), vol.129, no.1, Winter 2000. S. 93.
7 Taylor, Charles, 1993. S. 205.
8 Nach dem Konzept der "Multiple Modernities" von Eisenstadt, Eisenstadt, Shmuel Noah, in: Daedalus (American Akademie of Arts and Science), vol.129, no.1, Winter 2000. S. 1-29.
9 Lee, Eliza, Human Rights and Non-western Values, in: Davis, Michael C. (ed.), Human Rights and Chinese Values. Legal, Philosophical and Political Perspectives, Oxford 1995.
10 Weiming, Tu, 2000. S. 207.
11 Weiming, Tu, 2000. S. 203.
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