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Bewegung und Sprache - Psychomotorische Förderansätze bei Sprachentwicklungsstörungen

Examination Thesis, 2003, 91 Pages
Author: Janina Daab
Subject: Pedagogy - Orthopaedagogy and Special Education

Details

Category: Examination Thesis
Year: 2003
Pages: 91
Grade: sehr gut
Language: German
Archive No.: V20796
ISBN (E-book): 978-3-638-24577-7

File size: 878 KB


Excerpt (computer-generated)

Johann Wolfgang Goethe - Universität Frankfurt am Main
Institut für Sonderpädagogik
Fachbereich Erziehungswissenschaften 

Bewegung und Sprache -
Psychomotorische Förderansätze bei
Sprachentwicklungsstörungen

Wissenschaftliche Hausarbeit für das Lehramt an Sonderschulen / L 5
eingereicht dem Amt für Lehrerausbildung - Erste Staatsprüfungen -

von

Janina Daab

Abgabedatum: 5. Mai 2003

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung ... 4
1.1 Problemstellung ... 5
1.2 Ziel der Arbeit ... 5
1.3 Methodisches Vorgehen ... 7

2. Die Entwicklung der kindlichen Sprache ... 9
2.1 Der Entwicklungsbereich der Wahrnehmung ... 9
2.2 Voraussetzungen / Bedingungen für den ungehinderten Spracherwerb ... 10
2.3 Bestimmende Faktoren - familiäre Umwelt mit Interaktions- und Sozialisationsprozessen ... 11
2.4 Ebenen des Spracherwerbs ... 13
2.4.1 Die pragmatisch-kommunikative Ebene ... 13
2.4.2 Die phonetisch-phonologische Ebene ... 14
2.4.3 Die semantisch-lexikalische Ebene ... 15
2.4.4 Die syntaktisch-morphologische Ebene ... 15
2.4.5 Die Entwicklung des Sprachverständnisses ... 16
2.4.6 Die Entwicklung des Redeflusses ... 16
2.4.7 Die Entwicklung des Sprachgefühls ... 17
2.5 Zum zeitlichen Verlauf von Sprachentwicklungsprozessen ... 17
2.6 Zusammenfassung ... 19

3. Das Komplexe System der Sprache - entwicklungs-psychologische Begründungen im Zusammenhang von Bewegung, Wahrnehmung und Sprache ... 21
3.1 Entwicklungstheoretische Vorstellungen Jean PIAGETs ... 21
3.2 Der interaktionistische Spracherwerbsansatz von Jerome BRUNER ... 23
3.3 Zusammenfassung ... 25

4. Störungen der Sprachentwicklung ... 26
4.1 Der Begriff der Sprachentwicklungsstörung ... 27
4.2 Ausgewählte Erscheinungsformen ... 28
4.2.1 Störungen auf der phonetisch-phonologischen Ebene ... 28
4.2.2 Störungen auf der semantisch-lexikalischen Ebene ... 29
4.2.3 Störungen auf der syntaktisch-morphologischen Ebene ... 29
4.3 Zusammenfassung ... 30

5. Zur Theorie der sonderpädagogischen Psychomotorik ... 31
5.1 Bergriffsbestimmung allgemein ... 31
5.2 Psychomotorische Handlung als Aktivität der ganzen Person - das Selbstkonzept ... 33
5.3 Das Verständnis aus Sicht der Sprachheilpädagogik ... 35

6. Ansätze psychomotorisch orientierter Sprachförderung ... 39
6.1 Ingrid OLBRICH - Die Integrierte Sprach- und Bewegungstherapie (ISBT) ... 39
6.2 Renate ECKERT - Die Integrierte Entwicklungs- und Kommunikationsförderung (IEK) ... 49
6.3 Barbara KLEINERT-MOLITOR - Die Psychomotorisch orientierte Sprachentwicklungsförderung ... 55
6.3.1 Wahrnehmungs- und Bewegungshandeln mit Sprachbegleitung ... 62
6.3.2 Begegnung von Sprach- und Bewegungshandeln ... 63
6.3.3 Sprachhandeln mit Bewegungsbegleitung ... 64
6.4 Birgit LÜTJE-KLOSE - Eine kind- und umfeldbezogene Förderdiagnostik ... 67
6.5 Zusammenfassung ... 70

7. Effektivität und Auswirkungen der psychomotorischen Förderung von sprachentwicklungsgestörten Kindern ... 72

8. Resümee ... 77

9. Danksagungen ... 80

10. Literatur ... 81

11. Anhang ... 87

A1 Der Wahrnehmungsentwicklungsbaum nach SCHAEFGEN
A2 Der Sprachentwicklungsbaum nach WENDLANDT
A3 Tabelle zur Integrierten Sprach- und Bewegungstherapie nach OLBRICH

 

1. Einleitung

Die Fähigkeit, Sprache zu erwerben und Sprache zu gebrauchen, ist im Menschen angelegt. Der Erwerb der Sprache selbst ist ein Lern- und Entwicklungsprozess, der einerseits die Sprachfähigkeit als Anlage voraussetzt, andererseits aber weitgehend von der Umwelt des Kindes abhängig ist, d.h. sich nur in einer sprechenden Umgebung vollziehen kann. Sprechen lernen ist nicht die Leistung eines Kindes allein, sondern die Eltern haben einen ebenso wichtigen Anteil wie das Kind selbst. Sprache erlernt das Kind sicher auch über das Hören und Nachahmen von Sprachvorbildern, über Übung und Wiederholung. Nach KLEINERT-MOLITOR bedarf es aber zuerst vielfältiger und ausgewählter kommunikativer (Spiel-) Handlungsangebote, die aus sich heraus auf Versprachlichung drängen und in denen Sprache beobachtbar wird (vgl. dies. 1988, S.112). Die Sprache entwickelt sich langsam und in einer bestimmten Abfolge. Das Kind muss bestimmte Entwicklungsprozesse durchlaufen, um über die Fähigkeiten zu verfügen, Sprache erwerben und anwenden zu können. Fehlen die sprachlichen Anregungen und sozialen Kontakte zwischen Eltern und Kind, so kann es zu Störungen der Sprache kommen (vgl. SCHINDLER, dgs e.V. / Internet). Das heißt nicht, dass allein die Eltern für spezifische Sprachentwicklungsstörungen ihrer Kinder verantwortlich sind. Ganz sicherlich ist die Sprachentwicklungsstörung multikausal bedingt.
Sprachentwicklungsstörungen treten in ihrer Bedeutung neben anderen im Kleinkindalter auftretenden Beeinträchtigungen häufig in den Hintergrund und finden deshalb nicht die notwendige Beachtung. Sie sind nicht als isolierte, einseitige Störungen zu sehen. Die individuelle Sprachentwicklung ist, wie erwähnt, vielmehr ein Produkt der Auseinandersetzung des Kindes mit den Menschen und Gegenständen seiner Lebenswelt und damit ein Teil seiner gesamten Persönlichkeitsentwicklung. Sprachentwicklungsstörungen sind demnach komplexe Beeinträchtigungen, auf die die Umwelt wesentlichen Einfluss hat und die in einem Wechselverhältnis zu anderen Dimensionen der Persönlichkeitsentwicklung stehen. Hierzu gehören: Wahrnehmung, Motorik, Kognition, Emotion und Soziabilität.

1.1 Problemstellung

Ich möchte mich mit dieser Komplexität von Sprachentwicklungsstörungen befassen und gehe davon aus, dass besonders der Bereich der Bewegung eine bedeutende Rolle in der Sprachentwicklung spielt. Das ergibt sich aus dem Wissen, dass motorische Prozesse ganz allgemein eine Bedeutung für die Entwicklung des Kindes haben. Darüber hinaus bestehen zwischen motorischer und sprachlicher Entwicklung "irgendwie" geartete Beziehungen, die sich notwendig im Beziehungsgefüge von Sprachstörungen niederschlagen müssen - und das wird, nach Aussage der Autoren BAHR und NONDORF ebenfalls nicht bestritten. Sie führen in diesem Zusammenhang das ´mehrdimensionale Entwicklungsmodell` von GROHNFELDT an (vgl. ders. 1993, S.20), die von HOMBURG dargestellten ´Verflechtungsverhältnisse sprachbehindertenpädagogischer Phänomene` (vgl. ders. 1978, zit.n. BAHR & NONDORF 1985, S.97) und das ´Integrationsmodell zur Erziehung` von ORTHMANN (vgl. dies. 1977, ebd. S.98). Daraus ergibt sich eine große Anziehungskraft psychomotorischer Förderansätze auf die Sprachheilpädagogik. Deshalb soll es in meiner Arbeit um die Frage gehen:
Mit welchen Inhalten und Zielen wird, unter dem Aspekt der Ganzheitlichkeit, in den Ansätzen psychomotorischer Sprachförderung vorgegangen? Daraus entwickelt sich wiederum die Frage, inwiefern gibt es Gemeinsamkeiten und Unterschiede hinsichtlich der Arbeit mit sprachentwicklungsgestörten Kindern und welche Schlussfolgerungen lassen sich aus Forschungsergebnissen zur Effektivität ziehen?

1.2 Ziel der Arbeit

Die Psychomotorik, ein pädagogisch-therapeutisches Konzept mit dem Anspruch auf eine ganzheitliche Förderung über Bewegung, hat in den letzten Jahren verstärkt Eingang in die Förderung von Kindern mit Sprachentwicklungsstörungen gefunden. Dies zeigen viele Erfahrungsbereichte und Untersuchungen (z.B. ECKERT 1985, EGGERT u.a. 1990, KLEINERT-MOLITOR 1988, KRÄMER-KILIC & LÜTJE-KLOSE 1998, OLBRICH 1987). In der Psychomotorik wird mit der hohen Motivation gearbeitet, die Bewegungs- und Spielsituationen für Kinder haben können. Für Kinder mit retardierter Sprachentwicklung will sie ein entwicklungsförderndes Potential bieten und die Eigenaktivität des Kindes anregen. Das wird im folgenden Zitat ausgedrückt:


"Jedes Kind hat in sich
die Fähigkeit, seine
eigene Entwicklung durch eigene
Aktivitäten zu vollziehen."

MARIA MONTESSORI

Im Rahmen der Praxis der Psychomotorik findet sich ein sehr optimistischer Anspruch einer ganzheitlichen Förderung der Gesamtpersönlichkeit mit besonderen Auswirkungen auf die Sprachentwicklung. Das Ziel der Arbeit ist es, die Bedeutung der Psychomotorik als ganzheitliches Konzept zur Förderung von Kindern mit Sprachentwicklungsstörungen aufzuzeigen. Hierbei wird dem ganzheitlichen Zusammenwirken des Denkens, des Fühlens und des Erlebens im Bezug auf das Sprechen in der Bewegungsförderung besonderer Stellenwert eingeräumt. Es wird darauf geachtet, dass psychomotorische Förderung als pädagogisch-therapeutischer Weg die Sprachheilarbeit lediglich flankieren und unterstützen kann, niemals aber ersetzen.

Den motivationalen Anstoß zur Beschäftigung mit dem Thema psychomotorischer Förderansätze bei Sprachentwicklungsstörungen gab ein Buch von R. ZIMMER. Es handelt sich um das "Handbuch der Psychomotorik, Theorie und Praxis der psychomotorischen Förderung". ZIMMER war mir zu diesem Zeitpunkt schon ein Begriff, da Sport mein Wahlfach ist und sie viele Bücher und Artikel in dem Bereich der Bewegungs- und Wahrnehmungsförderung bei Kindern sowie über den Ansatz der Psychomotorik veröffentlicht hat. Ich konnte mich von Anfang an mit den Inhalten identifizieren und fand es spannend zu erfahren, in welchen Bereichen psychomotorisch gearbeitet wird. Ich studiere in Marburg Sprachheilpädagogik als dritte Fachrichtung und wollte in meiner Arbeit beide Bereiche, Bewegung und Sprache, miteinander verbinden.

[...]


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