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Holocaust - Exemplarische Analyse der Jugendbücher "Damals war es Friederich" von Hans Peter Richter und "Ich bin ein Stern" von Inge Auerbacher

Scholary Paper (Seminar), 2004, 23 Pages
Author: Christina Kühn
Subject: German - Pedagogy, Didactics, Literature Studies

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2004
Pages: 23
Grade: 2
Language: German
Archive No.: V22768
ISBN (E-book): 978-3-638-26035-0

File size: 99 KB


Excerpt (computer-generated)

Westfälische - Wilhelms- Universität Münster
Institut für Deutsche Sprache und Literatur und ihre Didaktik
Hauptseminar: Literatur über den Holocaust im Deutschunterricht

Exemplarische Analyse der Jugendbücher 
„Damals war es Friederich“  von Hans Peter Richter und 
„Ich bin ein Stern“  von Inge Auerbacher

Christina Kühn
Münster, 19.01.2004

 

 

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung: 5

2 Deutschland nach Auschwitz 6
2.1 Die erste Generation: 6
2.2 Die zweite Generation: 7
2.3 Die dritte Generation: 7

3 Pädagogik nach Auschwitz: 8
3.1 Adorno: 8
3.2 Zur Praxis einer Erziehung nach Auschwitz: 9

4 Historische Entwicklung der Jugendliteratur nach Auschwitz und Diskurs: 12
4.1 Die Jahre der Verdrängung: 12
4.2 Schonraumliteratur: 12
4.3 Das politische Kinder- und Jugendbuch: 13
4.4 Ästhetik kontra Didaktik: 13
4.5 Die aktuelle Marktsituation: 14

5 Buchanalysen: 15
5.1 „Damals war es Friederich“ von Hans Peter Richter 15
5.1.1 Biographie: 15
5.1.2 Inhalt: 15
5.1.3 Analyse: 15
5.2 „Ich bin ein Stern“ 19
5.2.1 Biographie: 19
5.2.2 Inhalt: 19
5.2.3 Analyse: 19
5.3 „Damals war es Friederich“ und „Ich bin ein Stern“ im Vergleich: 21

6 Fazit: 23

Literaturverzeichnis: 24

 

Warum soll ich trauern?

Warum soll ich trauern?
Was geht mich das an?
Wer sind die Opfer des Krieges?
Ich kenne sie nicht.

Ich bin jung, mir steht das Leben offen.
Warum soll ich da zurückschauen?
Meine Zukunft liegt doch nicht in der Vergangenheit.

Ich habe keinen, den ich betrauern muss.
Wer sind die Opfer des Krieges?
Ich kenne sie nicht.

Die Toten sollen mahnen.
Wen? Mich?!
Ich bin nicht dabei gewesen.
Was geht mich das an?1

 

1 Einleitung:

Dieses 1994 von einer 18 jährigen Schülerin eines niedersächsischen Gymnasiums verfasste Gedicht spiegelt die Situation deutscher Jugendlicher und ihre heutige Sicht in Bezug auf den Nationalsozialismus und des Holocaust wieder. Gemeint ist die so genannte „Dritte Generation“, die sich teilweise emotional schuldig fühlt- obwohl sie gar keine Schuld trifft- die sic h mit dem Thema überflutet sieht aber andererseits auf Distanz zum Thema geht, eben weil es zu ihnen persönlich und diesem Thema eine große Distanz gibt.

Der Auschwitz Überlebende Primo Levi mahnte: „ ‚ Es ist geschehen und kann deshalb wieder geschehen.’ Was können wir tun, damit es nicht wieder geschieht?“2 Die Antwort sollte lauten, die Jugend zu einer kritisch- konstruktiven Auseinandersetzung mit dem Holocaust zu bewegen. Dies ist überaus wichtig, da es in der Tat Ansätze von Bereitschaft für eine Wiederholung gab wie das so genannte Milgram Experiment im Jahre 1981 an einer amerikanischen Highschool gezeigt hat:


„Ihr habt gesagt, so etwas könne nie wieder geschehen. Aber denkt doch einmal darüber nach, wie nahe ihr selbst schon diesem Zustand gekommen seid. Ihr habt diejenigen bedroht, die nicht zu euch gehören wollten. […] Faschismus, das ist nicht etwas, das nur andere Menschen betrifft. Faschismus ist hier mitten unter uns und in jedem von uns.“3

Im Rahmen dieser Hausarbeit möchte ich mich mit der Lage der heutigen Jugendlichen befassen, die sich „erinnern“ müssen, was vor gut einem halben Jahrhundert in ihrem Land vorging und ihnen somit als historisches Erbe, das sie nicht ablehnen können, hinterlassen wurde. Diese Überlegungen führen unweigerlich dazu, über eine aktuelle und zeitmäßige „Erziehung nach Auschwitz“ für die heutige Zeit nachzudenken. 

Schlussendlich möchte ich mich mit zwei konkreten Kinder- und Jugendbüchern beschäftigen, die in der Schule zum Einstieg in diese wichtige und zugleich hoch komplizierte Thematik genutzt werden können. Hierzu habe ich mich für einen Vergleich des „Klassikers“ „Damals war es Friederich“ von Hans- Peter Richter und „Ich bin ein Stern“ von Inge Auerbacher entschieden.

2 Deutschland nach Auschwitz

Die Geschehnisse des Dritten Reiches liegen nun schon über fünfzig Jahre zurück. Daher betrifft sie mittlerweile mehrere Generationen, die bedingt durch das Aufwachsen in verschiedenen Zeiten, und den somit unterschiedlichen Sozialisationserfahrungen jeweils ihre eigenen Fragen zum Thema und eben auch speziell zum Holocaust haben. Und eben genau darum ist es wichtig, Erziehung nach Auschwitz immer wieder neu zu denken und nie als fertiges Konzept zu verstehen, weil die Bedürfnisse der Schüler sich ständig ändern.

2.1 Die erste Generation:

Zur ersten Generation werden gemein hin die Menschen gezählt, die zwischen 1933 und 1945 Erwachsen und vom Nationalsozialismus geprägt waren. Viele von ihnen hatten nach dem ersten Weltkrieg und der Weimarer Republik große Hoffnungen in den Nationalsozialismus gesetzt. Jedoch konnte jeder nach 1933 sehen, dass das Privileg zu der so genannten „Herrenrasse“ zu gehören mit großem Leid der Juden erkauft war. Die Einrichtung der Konzentrationslager wie Dachau wurde in der Zeitung bekannt gegeben, somit wusste die Bevölkerung um die Diskriminierung und Verfolgung der Juden.

„Eine Generation der Täter, Mitläufer und Zuschauer stand mit dem Kriegsende 1945 vor dem Problem, mit ihrem Wissen und ihrer graduell unterschiedlichen Beteiligung am Geschehen weiterzuleben.“4 So gab es diejenigen, die Trauer und Versagen verspüren, wenn sie an das Geschehene zurückdachten, aber auch diejenigen, die große Hoffnungen in das Regime gesetzt hatten und sich ihrer Ideale beraubt fühlten. So kam es nach 1945 zum Schweigen über die Geschichte. Im psychologischen Fachjargon ist die Rede von „Derealisierung“. Dies bedeutet, dass Geschichte geleugnet, verfälscht und umgedeutet wurde. „Derealisierung war für die Mehrheit der einfachste Ausweg aus der Kalamität des Zusammenbruchs; er erwies sich auch als der Verhängnisvollste. […] [So haben die Menschen sich] das politisch - psychologische Lernen- die Identitätsarbeit [erspart].“ 5

[....]


1 Wermke, Michael (Hrsg.): Die Gegenwart des Holocaust- „Erinnerung“ als religionspädagogische Herausforderung. Münster: 1997, S. 6

2 Dahrendorf, Malte(Hrsg.): Beiträge Jugendliteratur und Medien. Die Darstellung des Holocaust in der Kinder- und Jugendliteratur. 10. Beiheft. Weinheim 1999. S. 15

3 Rhue, Morton: Die Welle. New York 1981. S. 176

4 Abram, Ido und Heyl, Matthias: Thema Holocaust. Ein Buch für die Schule, Hamburg 1996. (Künftig zitiert als: Abram/ Heyl: Thema Holocaust) S. 84

5 Beck, C.H., Im Warschauer Ghetto- Das Tagebuch des Adam Czerniakow 1939-1942: München, 1986, S.19. Zitiert nach Abram/ Heyl: Thema Holocaust, S. 85


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