Register or log in at GRIN

Your e-mail-address or password is wrong
Register now
For new authors: free, easy and fast
This will be used as your user name, please specify a valid e-mail address

Lost password

Your e-mail-address or password is wrong

Request a new password
Zerfall von Figur und Struktur in Ehrensteins Tubutsch close

Please wait

Please install the Adobe Flash Player if no e-book is displayed.

Zerfall von Figur und Struktur in Ehrensteins Tubutsch

Intermediate Examination Paper, 2003, 28 Pages
Author: Reinhard Keßler
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Category: Intermediate Examination Paper
Year: 2003
Pages: 28
Grade: 2,0
Language: German
Archive No.: V26337
ISBN (E-book): 978-3-638-28699-2
ISBN (Book): 978-3-638-64904-9
File size: 270 KB
Notes :
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang von Ichauflösung und Erzählformation in Albert Ehrensteins Prosa-Erstling Tubutsch. Mit Rekurs auf Nietzsche wird an Tubutsch ein dissoziiertes Ich in einer Aussenseiterposition zur Gesellschaft diagnostiziert, das sich eskapistisch in kleinsten Spähren imaginäre Welten aufbaut und sich dabei mehr implizit als explizit gegen gesellschaftliche Normen und erwartungen stellt. Die Ergebnisse der Arbeit wurden als "durchaus fruchtbar" bewertet!


Abstract

So deutlich eine Verbindung zwischen dem zerrissenen, sich scheinbar auflösenden Realitätsbezug des Autors und der Dissoziation des Karl Tubutsch auszumachen ist, so verschwommen erscheint in einer solchen Ausdeutung die spezielle poetische Auseinandersetzung mit der auf den Autor einwirkenden Wirklichkeit. Erst eine literarische Betrachtung ermöglicht es, die Figur Karl Tubutsch als fiktionalen Ausdruck radikaler Form zu verstehen und dem Text das literarische Element des Erdachten zuzugestehen. Der zugrunde liegende Problemkomplex kann in seiner tiefgründigen Gesamtheit nur vollständig erhellt werden, wenn sich das literarische Subjekt vom realen löst und in seiner einzigartigen, literarischen Gestalt zur Kenntnis genommen wird. So wird im Folgenden der Versuch unternommen werden, Karl Tubutsch als dissoziertes Ich zu analysieren. Die Figur wird dabei in den kultur- geschichtlichen Hintergrund eingegliedert, um sie als Sinnbild eines desillusionierten, von der rational-zivilisatorischen Wirklichkeit der Jahrhundertwende zerrissenen Menschen darzustellen. Das Werk, das Albert Ehrenstein schlagartig zu einem Wortführer des Expressionismus gemacht hat, wird aus literarischer Perspektive zu betrachten sein. Der kunstvollen Entwicklung der weltfremden und haltlosen Persönlichkeit des Karl Tubutsch wird dabei besondere Aufmerksamkeit gewidmet und erhält den Vorzug gegenüber einer Herangehensweise, die den Text als selbstanalytischen Ausdruck des Autors liest und versteht.


Excerpt (computer-generated)

Westfälische Wilhelms-Universität Münster SS 2003
Institut für Dt. Philologie II
Thematisches Proseminar zur neueren deutschen Literatur
Fachsemster: 4

Zerfall von Figur und Struktur in Ehrensteins Tubutsch

von: Reinhard Kessler

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung (S. 1)

2. Tubutsch im heimatlichen Exil (S. 2)

2.1 Vorüberlegungen zu Figur Karl Tubutsch (S. 2)
2.2 Eine Existenz in gesellschaftlicher Isolation (S. 5)
2.3 Der doppelte Widerstreit in der Psyche des Protagonisten (S. 10)
2.4 Fluchträume (S. 12)

3. Der strukturelle Spiegel (S. 17)

3.1 Die Figur im Spiegel der Struktur (S.17)
3.2 Die fragmentarische Struktur als Ausdruck einer gesellschaftlichen Kritik (S. 19)
3.3 Der Zusammenhang von gebrochener Struktur und dissoziierter Wahrnehmung (S. 21)

4. Abschließende Bemerkungen (S. 23)

5. Literaturangaben (S.26)



 

 

1. Einleitung

„Es ist auf jeden Fall ein Wesensmerkmal des deutschen Dichters um die Jahrhundertwende, dass ihm seine Abgelöstheit von der Gesellschaft als Einsamkeit bewusst wird und dass sein Denken um dieses Problem kreist.“1

Im Jahre 1911 erschien mit Tubutsch2, veröffentlicht im Verlag Jahoda und Siegel, das Erstlingswerk des Autors Albert Ehrenstein. Von Beginn an ist der Autor mit dem fiktionalen Ich- Erzähler seines Textes, Karl Tubutsch, gleichgesetzt worden. Die Lebenswirklichkeit des Albert Ehrenstein scheint sich in dem Protagonisten zu spiegeln. Kurt Pinthus schrieb 1917, dass Tubutsch veranschauliche wie sich Ehrensteins „zarte Seele, Qualen und Wirren des Kosmos im engsten Raum durchlebend, verbitterte“3. Die autobiographischen Interpretationen folgen der Überzeugung, dass sich durch Karl Tubutsch ein Autor der Jahrhundertwende ausdrückt, der die ideologiekritische Auseinandersetzung mit der Moderne und die damit zusammenhängende Strukturkrise des modernen Ich als persönliches Erlebnis erfährt und in seinem Werk zum Ausdruck bringt. Diese Herangehensweise trägt Albert Ehrenstein, der früh in Verbindung mit Else Lasker - Schüler, Martin Buber, Stefan Zweig, Alfred Adler und Franz Kafka stand, mit, wenn er in seinem Lebensbericht abschließend sagt:

„[…] meine wirkliche, innere- seelische Biographie steht, soweit mich nicht zeitweise der Mangel an Widerhall vollkommen verstummen oder wenigstens nach China auswandern machte, in meinen Gedichten der Prosa und des Verses, in meinen Erzählungen und Aufsätzen, geschrieben zwischen 1900 und 1931: Tubutsch, Briefe an Gott, Menschen und Affen, Ritter des Todes, Mein Lied.“4 So deutlich eine Verbindung zwischen dem zerrissenen, sich scheinbar auflösenden Realitätsbezug des Autors und der Dissoziation des Karl Tubutsch auszumachen ist, so verschwommen erscheint in einer solchen Ausdeutung die spezielle poetische Auseinandersetzung mit der auf den Autor einwirkenden Wirklichkeit. Erst eine literarische Betrachtung ermöglicht es, die Figur Karl Tubutsch als fiktionalen Ausdruck radikaler Form zu verstehen und dem Text das literarische Element des Erdachten zuzugestehen. Der zugrunde liegende Problemkomplex kann in seiner tiefgründigen Gesamtheit nur vollständig erhellt werden, wenn sich das literarische Subjekt vom realen löst und in seiner einzigartigen, literarischen Gestalt zur Kenntnis genommen wird. So soll im Folgenden versucht werden, Karl Tubutsch als dissoziiertes Ich zu analysieren. Die Figur wird dabei in den kultur-geschichtlichen Hintergrund eingegliedert, um sie als Sinnbild eines desillusionierten, von der rational-zivilisatorischen Wirklichkeit der Jahrhundertwende zerrissenen Menschen darzustellen. Das Werk, das Albert Ehrenstein schlagartig zu einem Wortführer des Expressionismus gemacht hat, wird aus literarischer Perspektive zu betrachten sein. Der kunstvollen Entwicklung der weltfremden und haltlosen Persönlichkeit des Karl Tubutsch wird dabei besondere Aufmerksamkeit gewidmet und erhält den Vorzug gegenüber einer Herangehensweise, die den Text als selbstanalytischen Ausdruck des Autors liest und versteht.

Besondere Aufmerksamkeit soll darüber hinaus der äußeren Form des Textes zukommen. Es wird zu zeigen sein, wie die kreisförmig geschlossene Struktur und ihr fragmentarischer Aufbau zum spiegelbildlichen Ausdruck des zerfallenen Innenlebens des Protagonisten wird. Darüber hinaus soll versucht werden, die zerfallene Reihung der Einzelerlebnisse als speziellen Ausdruck eines Autors zu verstehen, der sich gegen die etablierten Ordnungen seiner Zeit auflehnt und diese Kritik durch die Komposition seines Textes zum Ausdruck bringt.

2. Tubutsch im heimatlichen Exil

2.1 Vorüberlegungen zur Figur Karl Tubutsch

„Um mich, in mir, herrscht die Leere, die Öde, ich bin ausgehöhlt und weiß nicht wovon. […] danach zu forschen, ja auch nur forschen zu wollen, ist vergeblich, töricht wie alles Fahnden nach einer Ursache auf dieser Welt.“ (13) Albert Ehrensteins Tubutsch irrt entwurzelt durch eine zersplitterte Welt. Um die Figur und die ihr zugrunde liegenden Bedingungen richtig zu verstehen, ist es zunächst notwendig, das gesellschaftliche Spannungsverhältnis, in dem sich der Protagonist befindet, zu verdeutlichen. Im Kontext der Jahrhundertwende und ihren weitreichenden Veränderungen für das gesellschaftliche Zusammenleben fällt es dem Individuum zunehmend schwerer, sich in eine orientierende Handlungsdialektik einzufügen. Die Lebenswirklichkeit des Subjekts befindet sich in einem komplexen Spannungsfeld, in dem der Einzelne sich mit dem Problem der Entfremdung durch die modernen Produktionsprozesse, dem Strukturwandel der Öffentlichkeit durch die neuen Massenmedien, mit der Verabsolutierung des Machtprinzips, mit der zunehmenden Negation der abendländischen Metaphysik und den damit verbundenen erkenntnistheoretischen Problemen und wahrnehmungspsychologischen Umschichtungen konfrontiert sieht. Diese umfassenden und radikalen Veränderungen traditioneller Denkformen hinterlassen tiefe Einschnitte der Verunsicherung in dem Bewusstsein derer, die die ordnenden Kategorien ihrer Selbst- und Weltsicht an den sinnstiftenden und ganzheitlichen Wahrheiten einer ontologischen Realität und den Utopien einer Metaphysik orientieren. Diese gesellschaftliche Situation bildet die Kulisse, in der Tubutsch seine Niederlage gegenüber dem Leben konstatiert. Eine für den Protagonisten unbegründete und unumkehrbare Niederlage, die seine Innen- und Außenwelt gleichermaßen betrifft. Im Wien der Jahrhundertwende sieht er sich konfrontiert mit der „Unmöglichkeit einer Menschheit, die sich ganz und gar abhängig gemacht hat[] von ihrer eigenen Schöpfung, […], von einer erstarrten Gemeinschaftsordnung, bourgeoisen und konventionellen Bräuchen“5.

[...]


1 Vgl. Hans Wilhelm Rosenhaupt: Der deutsche Dichter und seine Abgelöstheit von der Gesellschaft. Diss. Bern 1939. S.11.

2 Albert Ehrenstein: Tubutsch. Mit 12 Zeichnungen von O. Kokoschka. Lichtenstein 1973. S. 11-64. Die Zitate der vorliegenden Arbeit folgen dieser Ausgabe; die Seitenzahlen sind ihnen in Klammern unmittelbar nachgestellt.

3 Vgl. Kurt Pinthus: Bemerkungen über Albert Ehrenstein. In: Die Aktion. Wochenzeitung für Politik, Literatur, Kunst 7 (1917). Sp. 412-413.

4 Albert Ehrenstein: Lebensbericht. In: M. Y. Ben-gravriêl (Hrsg.): Albert Ehrenstein. Ausgewählte Aufsätze. Heidelberg 1961. S. 162.

5 Vgl. Menschheitsdämmerung. Ein Dokument des Expressionismus. Hrsg. von Kurt Pinthus. Hamburg 2000. S. 26. [Im Folgenden zitiert als: Menschheitsdämmerung. Hamburg 2000.]


Comments

No comments yet

Add Comment
Your comment is reviewed before being published

Other users also were interested in the following titles:

Georg Simmel - Die Philosophie des Geldes

Author: M.A. Annett Rischbieter
Sociology - Classics, Basics and Theoretical Directions, 1996 Download as PDF-file for 5,99 EUR

Leibniz´ Monadologie

Author: M.A. Jens-Philipp Gründler
Philosophy - Philosophy of the 17th and 18th Centuries, 2003 Download as PDF-file for 2,99 EUR

This text can be quoted and accessed from this url:

http://www.grin.com/e-book/26337/zerfall-von-figur-und-struktur-in-ehrensteins-tubutsch
please wait Please wait