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Alessandro Bariccos Novecento in deutschen Übersetzungen - Eine Übersetzungskritik

Diploma Thesis, 2003, 121 Pages
Author: Daniela Rollmann
Subject: Interpreting / Translating

Details

Category: Diploma Thesis
Year: 2003
Pages: 121
Grade: 1,3
Language: German
Archive No.: V26968
ISBN (E-book): 978-3-638-29143-9

File size: 588 KB


Excerpt (computer-generated)

Diplomarbeit

über das Thema

Alessandro Bariccos Novecento in deutschen Übersetzungen -
Eine Übersetzungskritik

dem Prüfungsamt bei der
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Fachbereich Angewandte Sprach- und Kulturwissenschaft
in Germersheim

vorgelegt von

Daniela Rollmann

Prüfungstermin: Sommersemester 2003

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung ... 3

2 „Der Fall Piper“ ... 5
2.1 Verlauf ... 6
2.2 Reaktionen ... 10

3 Theoretische Grundlagen und Methode ... 14
3.1 Literarische Übersetzung ... 15
3.2 Übersetzungstheoretische Grundlagen ... 16
3.3 Methode ... 30

4 Übersetzungskritik ... 32
4.1 Der Inhalt ... 33
4.2 Die Translate ... 36
4.2.1 Feststellung der Translatfunktion ... 36
4.2.2 Feststellung der intratextuellen Translatkohärenz ... 39
4.2.2.1 Die Fassung von Karin Krieger ... 40
4.2.2.2 Die Fassung von Erika Cristiani ... 52
4.3 Der Ausgangstext ... 67
4.3.1 Der Autor ... 67
4.3.2 Feststellung der Funktion des Ausgangstexts ... 69
4.3.3 Feststellung der intratextuellen Kohärenz des Ausgangstexts ... 70
4.4 Feststellung einer intertextuellen Kohärenz zwischen den Translaten und dem Ausgangstext ... 81
4.5 Gesamtbewertung der Übersetzungen ... 107

Literaturverzeichnis ... 109

Anhang 1 ... 115
Anhang 2 ... 120

 

1 Einleitung
Anfang Mai 1999 fanden das Übersetzen und die Übersetzer, die üblicherweise ein Schattendasein fristen und von der Öffentlichkeit mit nur geringem Interesse wahrgenommen werden, wie in Fachkreisen immer wieder beklagt wird, plötzlich die Aufmerksamkeit der Presse. Über einen Zeitraum von etwa zwei Wochen erschienen in Tages- und Wochenzeitungen, Nachrichtenmagazinen und ihren jeweiligen Online-Ausgaben mehr oder weniger ausführliche Artikel zu einem Thema, bei dem das Übersetzen, oder besser eine Übersetzerin, im Mittelpunkt stand. Die Rede ist von dem Streit zwischen Karin Krieger als Übersetzerin der Werke Alessandro Bariccos und dem Piper Verlag in München, der den italienischen Schriftsteller in Deutschland verlegt. Nachdem der Roman Seta (Rizzoli 1996, deutsch: Seide, 1997) in Deutschland wie in Italien zum Bestseller geworden war, verlangte Frau Krieger vom Verlag eine angemessene Erfolgsbeteiligung, wie sie das deutsche Urheberrecht vorsieht (vgl. Tagesspiegel 1999). Nach anfänglichem Zögern und längeren Verhandlungen ging der Verlag schließlich auf die Forderung der Übersetzerin ein, teilte jedoch nur wenige Tage später mit, er werde Seide und die zwischenzeitlich erschienenen Werke Castelli di rabbia (Rizzoli 1991, deutsch: Land aus Glas, 1998) und Novecento (Feltrinelli 1994, Februar 1999) zurückziehen und Neuübersetzungen auf den Markt bringen. In der Tat wurde Novecento im Mai 1999 in der Übersetzung von Erika Cristiani veröffentlicht. Im darauf folgenden Rechtsstreit wurde der Piper Verlag im Berufungsverfahren vor dem Oberlandesgericht München unter anderem dazu verurteilt, die von Frau Krieger angefertigten Übersetzungen weiterhin zu verbreiten (vgl. 1999-2001). In Kapitel 2 dieser Arbeit werden Verlauf und Reaktionen auf den Übersetzerstreit eingehender erörtert werden.
Dieser für die Beteiligten sicherlich nicht sehr erfreuliche Konflikt führte zu einer außergewöhnlichen und sehr interessanten Situation: Von insgesamt drei Werken Alessandro Bariccos liegen jeweils zwei parallele Übersetzungen vor, die mit kaum nennenswertem zeitlichen Abstand zueinander publiziert wurden. Für diese Werke bietet sich ein übersetzungskritischer Vergleich an, da die situativen Faktoren der Übersetzungsproduktion identisch sind und ein Vergleich daher unmittelbar Aufschluss über das Vorgehen des Übersetzers und indirekt auch über seine Vorstellung von einer guten Übersetzung gibt.
Gegenstand der vorliegenden Arbeit ist daher ein übersetzungskritischer Vergleich der deutschen Fassungen von Alessandro Bariccos Novecento. Dabei soll der Begriff Kritik aber nicht im Sinne von ‚Beanstandung’ oder ‚Bemängelung’ verstanden werden, sondern vielmehr in der Bedeutung ‚kritische Beurteilung’ bzw. ‚kritische Besprechung’ (vgl. Dudenredaktion 2001b). Um ein möglichst objektives Vorgehen zu gewährleisten, werden in Kapitel 3 zunächst die theoretischen Grundlagen und die zu verwendende Methode erarbeitet. In Kapitel 4 erfolgt dann nach einer eingehenden Analyse der einzelnen Texte ein Vergleich der Translate mit dem Original. Anhand der Ergebnisse wird abschließend eine Gesamtbeurteilung der deutschen Fassungen versucht. Dabei wird die Frage im Mittelpunkt stehen, ob die nach objektiven Kriterien durchgeführte Untersuchung die zahlreichen schlechteren Bewertungen der Übersetzung von Frau Cristiani in der Presse bestätigt oder widerlegt. Als Arbeitshypothese wird zunächst angenommen, dass diese negativen Kritiken durch die in Kapitel 2 darzulegende Gesamtsituation beeinflusst wurden und daher eher eine Beurteilung des Verhaltens und der Berufsethik von Frau Cristiani als das Ergebnis einer objektiven Auseinandersetzung mit den Texten darstellen. Inwieweit diese Hypothese haltbar ist, soll sich im Laufe der vorliegenden Arbeit zeigen.

2 „Der Fall Piper“
Im Folgenden wird zunächst der Verlauf des Streits zwischen Karin Krieger und dem Piper Verlag um eine angemessene Erfolgsbeteiligung anhand von Zeitungsartikeln und Internetquellen rekonstruiert. Als Grundlage dient die ausführliche Dokumentation, die der VdÜ1 auf seiner Internet-Seite zur Verfügung stellt und der die Überschrift dieses Kapitels entnommen ist. Es ist zu beachten, dass die verfügbaren Quellen zum Teil ungenau oder widersprüchlich sind. In einigen Fällen konnten Angaben der unmittelbar Beteiligten zur Klärung beitragen. Wo dies nicht möglich war, muss auch die vorliegende Arbeit vage bleiben.
Im zweiten Teil des Kapitels werden Reaktionen auf den Konflikt dargestellt, die in Artikeln zum Fall, Rezensionen, Interviews u. Ä. zum Ausdruck gebracht wurden. Dort werden auch Aussagen zu den beiden Übersetzungen selbst sowie die Beurteilungen der Kritiker thematisiert.

[...]


1 Verband deutschsprachiger Übersetzer literarischer und wissenschaftlicher Werke e. V. / Bundessparte Übersetzer im Verband deutscher Schriftsteller (VS) in ver.di


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