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boing boom tschak - Phänomen Techno

Diploma Thesis, 2001, 89 Pages
Author: Bernhard Moosbauer
Subject: Art - Computer Art / Graphics / Art in Media

Details

Category: Diploma Thesis
Year: 2001
Pages: 89
Grade: 2
Language: German
Archive No.: V27880
ISBN (E-book): 978-3-638-29803-2

File size: 767 KB
Notes :
! der gesamte Text ist in Kleinbuchstaben geschrieben !



Excerpt (computer-generated)

Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig
Fachbereiche: Medienkunst und Fotografie

boing boom tschak techno - phänomen

Theoretische Diplomarbeit

von

Bernhard Moosbauer

Sommersemster 2001


boing boom tschak 1

 

Gliederung

000
001 intro
002 lärm
003 geräusch
004 loop

010 djing
011 sampling
012 sequencing
013 file sharing

020 pop
021 soziale plastik und fluxus
022 club

030 mensch-maschine

040 hyperrealität und körper

100 literaturverzeichnis

 

000
diese arbeit ist ein persönlicher versuch, mich dem phänomen techno zu nähern. dies geschieht auf unterschiedlichen ebenen. ausgegangen von der montage als produktionsprinzip von techno-musik, gelangte ich schnell zu anderen themenbereichen, die techno bestimmen.

wichtig war mir die historische einbettung jedes einzelnen teiles dieser arbeit.
sie ist ein modulsystem, das formal so angelegt ist, daß sie erweitert und aktualisiert werden kann. die einzelnen teile können sowohl als eigenständige texte stehen, als auch im gesamtkontext des  übergeordneten themas gelesen werden. die arbeit dient mir dazu, meine praktische arbeit, die stark auf einer emotionalen, assoziativen ebene funktioniert, zu reflektieren und theoretisch zu festigen.

001 ist eine heranführung an das thema. der teil stellt kurz die medienreflexion und ihre historische veränderung dar.

002, 003 und 004 gehen vertiefend auf die entscheidenden musikalischen vorläufer von technosound ein. dabei erläutert 002 die ansätze der italienischen und vor allem russischen futuristen, die in radikaler weise die kunst- und musikwelt revolutionierten. 003 ist ein aufsatz über einige wichtige stationen der konkreten musik und 004 beleuchtet die anfänge des techno in seiner reinsten form: minimal techno aus detroit.

010 ist als einleitung der drei folgenden kapitel zu verstehen und behandelt die bedeutung der aura in der musik.
011 ist eine technische darstellung des dj-prinzips, welche durch die bahnbrechende erfindung der samplingtechnik zur produktionsmethode geworden ist (012). anhand einiger beispiele werden verschiedene ethische und technische besonderheiten dieser technik erläutert. 013 erklärt die organisationsmethode dieser musik und die auswirkung der montagetechnik auf das entstandene werk.

014 erklärt anhand der napster-problematik die kulturelle praktik des musiktausches.

020 stellt wiederum eine allgemeine einleitung für den nächsten thematischen block dar. in diesem text gehe ich auf die ursprünge der popkultur anhand von pop-art ein, um mich dann über beuys` soziale plastik und fluxus in 021 einem wichtigen aspekt von techno anzunähern: der clubkultur der 90er jahre (022). ausgehend vom züricher cabaret voltaire erläutere ich die identitätsstiftende funktion des clubs anhand zweier aktueller beispiele.

die deutsche band kraftwerk, von der der titel der arbeit stammt, ist wichtiger impulsgeber aller bereiche technisch erzeugter musik. ihre formale und inhaltliche hauptthematik, der in literatur, film und kunst immer wieder thematisierte wunsch nach hybriden lebensformen, ist inhalt von 030.

040 ist eine untersuchung der baudrillardschen idee der simulation und hyperrealität. relativierend erläutere ich abschließend noch die neue körperlichkeit der techno-generation. in der nachindustriellen zeit wird eine umfunktionierung des leibes vom arbeitskörper zur visitenkarte der individualität vollzogen.

001 intro


„techno ist keine musik (...) techno ist motorsport. und die techno-kids: imageäffchen, konsumflittchen, triebverfallene hedonisten“2

der begriff techno kommt von technologie und meint heute zweierlei: zum einen ist eine bestimmte neuentwicklung der popmusik gemeint, die meist durch elektronische instrumente erzeugt wird, andererseits wird dadurch eine jugendkultur bezeichnet, die sich wohl in der ganzen welt in verschiedenen ausprägungen zeigt.

techno ist im musikalischen sinne der überbegriff für elektronisch generierte und/oder digital gesamplete musik und steht damit als modell für einen paradigmenwechsel in der popmusik.
geprägt wurde der begriff durch verschiedene produzenten aus der techno-stadt detroit in den vereinigten staaten. wann er zum erstenmal im musikkontext auftaucht, ist umstritten, jedoch wurde 1988 die erste vielbeachtete compilation mit dem titel „techno - the new dance sound of detroit“ veröffentlicht. von nun an hatte die bewegung einen namen.
unumstrittener musikalischer wegbereiter ist die deutsche gruppe kraftwerk3, die als erste popband mit verschiedenen elektronischen geräten musikalisch experimentierte. mit der ausweitung der tanzmusik, ausgehend von illegalen new yorker schwulenclubs, entwickelte sich in den 80er jahren in den vereinigten staaten eine clubszene, die das vakuum füllte, das die abschwappende disco-welle hinterlassen hatte.
auch in europa war techno zunächst eine subkultur, durch tanzparaden wie „loveparade“ in berlin (seit 1989) und „mayday“ in köln und dortmund (seit 1991) erreichte er ende der 90er seinen massenkompatiblen höhepunkt.

techno war die erste jugendkultur, die keine ernstzunehmenden politischen ziele formulierte.
die techno-generation lebt und arbeitet in dem von ihrer elterngeneration aufgebautem kapitalistischen system.

[...]


1 erster track der kraftwerk-lp electric cafe, 1986

2 aus „weltstadt berlin!“ in die zeit, 14.7.95, s. 5

3 eine der einflußreichsten bands auf alle sparten elektronischer musik überhaupt (siehe auch kapitel 030)


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