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Examination Thesis, 2002, 66 Pages
Author: Christian Weiß
Subject: Interpreting / Translating
Details
Tags: Probleme, Berücksichtigung, Beispielen, Sprachen, Deutsch, Französisch, Englisch
Year: 2002
Pages: 66
Grade: sehr gut (1,0)
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-30378-1
ISBN (Book): 978-3-640-16480-6
File size: 456 KB
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Abstract
Autoren literarischer Texte schreiben für ein Lesepublikum ihrer Zeit, ihres Sprachraums und ihres Kulturraums. Sie verfolgen beim Schreiben der Texte bestimmte kommunikative Absichten, die aus ihrer Persönlichkeit und ihren Lebensumständen heraus zu erklären sind. In einem Text schlägt sich sowohl die Identität des schreibenden Individuums nieder als auch die Lebensbedingungen an einem bestimmten Ort und einer bestimmten Zeit. In diesem Umstand liegen grundlegende Probleme des Übersetzens begründet, denn das „Hier-Jetzt-Ich-System“ des zu übersetzenden Textes muss für Leser einer anderen Zeit, eines anderen Ortes und eines anderen Sprach- und Kulturraums verständlich gemacht werden.
Excerpt (computer-generated)
Universität Hamburg
Institut für Germanistik I
Staatsexamensarbeit
Probleme des Übersetzens
mit besonderer Berücksichtigung von
literarischen Übersetzungen
anhand von Beispielen aus den Sprachen
Deutsch, Französisch und Englisch
eingereicht von
Christian Weiß
Abgabetag: 8. August 2002
Inhaltsverzeichnis
0 Einleitung ... 3
1 „Wann ist eine Übersetzung richtiger als eine andere?“ Übersetzungsprobleme am Beispiel des Romans Moby Dick ... 5
1.1 Das Problem der Wörtlichkeit ... 7
1.2 Übersetzungsverfahren nach der stylistique comparée ... 10
1.3 Übersetzen als sprachliches Handeln ... 22
1.4 Adäquatheit und Zweck einer Übersetzung ... 27
1.5 Lexikalische Probleme unter dem Aspekt des reproduzierenden Handelns ... 28
2 Übersetzen als kultureller Transfer am Beispiel des Romantitels Tee im Harem des Archimedes ... 34
2.1 Das Original verstehen ... 35
2.2 Leserangemessenes Übersetzen ... 37
3 Übersetzen von Situationen am Beispiel des Romananfangs von Le thé au harem d’Archi Ahmed ... 40
4 Verschränkung von Diskurs und Text am Beispiel von Mark Twains Adventures of Huckleberry Finn ... 46
4.1 Zur Definition von Diskurs und Text ... 47
4.2 Imitierte gesprochene Sprache übersetzen ... 48
5 Schluss ... 56
Literaturverzeichnis ... 59
Anhang 62
0 Einleitung
Autoren literarischer Texte schreiben für ein Lesepublikum ihrer Zeit, ihres Sprachraums und ihres Kulturraums. Sie verfolgen beim Schreiben der Texte bestimmte kommunikative Absichten, die aus ihrer Persönlichkeit und ihren Lebensumständen heraus zu erklären sind. In einem Text schlägt sich sowohl die Identität des schreibenden Individuums nieder als auch die Lebensbedingungen an einem bestimmten Ort und einer bestimmten Zeit. In diesem Umstand liegen grundlegende Probleme des Übersetzens begründet, denn das „Hier-Jetzt-Ich-System“1 des zu übersetzenden Textes muss für Leser einer anderen Zeit, eines anderen Ortes und eines anderen Sprach- und Kulturraums verständlich gemacht werden.
In der folgenden Arbeit wird ein handlungstheoretischer Textbegriff zugrunde gelegt. Texte sind demnach Produkte sprachlicher Handlungen eines Autors. Die jeweiligen sprachlichen Handlungen dienen der Realisierung von kommunikativen Zwecken. Schreiber und Leser von Texten werden mit Sprechern und Hörern verglichen. Im Text speichert der Schreiber Wissen, das für eine spätere Rezeption durch Leser bestimmt ist. Im Gegensatz zu einer Sprechsituation, in der Hörer und Sprecher gleichzeitig anwesend sind, ist ein Text ein Element einer Kommunikationssituation, in der die Kommunikationspartner räumlich und zeitlich getrennt von einander sind. Deshalb wird die Kommunikation mittels Text als eine „zerdehnte Sprechsituation“2 definiert. Das Hier-Jetzt-Ich-System, das Bühler auch als Origo3 der Sprechsituation bezeichnet, soll auch als Bezugspunkt für das Verständnis und Übersetzen literarischer Texte gelten. Deshalb sollen in den drei folgenden Textausschnitten literarischer Übersetzungen, die den Untersuchungsgegenstand der Arbeit bilden, Übersetzungsprobleme situationsbezogen und handlungsbezogen, das heißt, bezogen auf die jeweilige Kommunikationssituation im Originaltext erörtert werden.
Das Übersetzen literarischer Texte ist seit alters her ein Streitthema. Das, was die Problematik ausmacht, liegt zum einen in der besonderen Anforderung begründet, zeitliche und räumliche Distanzen zu überbrücken, zum anderen in den unterschiedlichen Funktionsweisen der in Kontakt tretenden Sprachsysteme. Gerade die Unterschiedlichkeit der Sprachsysteme führt zu einem besonderen Problem, weil die sprachliche Form in einem literarischen Text einen besonderen Stellenwert einnimmt und bei einer Übertragung in ein anderes Sprachsystem zwangsläufig verändert werden muss. Es wird somit davon ausgegangen, dass jedes Übersetzen in doppelter Weise von sprachlichen und nicht-sprachlichen Handlungen abhängig ist und deshalb ein besonders komplexes Problem darstellt. Die unterschiedlichen Sprachsysteme, der unterschiedliche Stil zweier Sprachen und die unterschiedliche Art zweier Sprachen auf Wirklichkeit Bezug zu nehmen, machen die sprachpaarbezogenen Übersetzungsprobleme aus. Die Handlungszusammenhänge, in denen Autoren, Übersetzer und Rezipienten von Übersetzungen stehen, machen die pragmatischen Übersetzungsprobleme aus. In dieser Arbeit soll gezeigt werden, dass die sprachpaarbezogenen Übersetzungsprobleme untrennbar mit den pragmatischen verbunden sind und nur befriedigend gelöst werden können, wenn sie als zusammenhängend betrachtet werden.
Zur Erörterung konkreter Übersetzungsprobleme werden übersetzungstheoretische Ansätze einbezogen. Insbesondere die Übersetzungsverfahren, die aus der sylistique comparée von Malblanc (1966) und Vinay & Darbelnet (1965) hervorgegangen sind, werden kritisch referiert und auf Beispiele angewendet. Die sprachkontrastive Methode dieser Arbeit erfolgt durch einen Vergleich des jeweiligen Ausgangstextes (AT) mit einem oder mehreren Zieltexten (ZT) sowie der darin enthaltenen Ausgangssprache (AS) mit der Zielsprache (ZS). Im ersten Beispiel, einem Textausschnitt aus dem Roman Moby Dick von Hermann Melville, wird die in einem Zeitungsartikel erschienene Übersetzungskritik aufgegriffen. Im Zusammenhang mit der von Zimmer (2001), dem Autor des Artikels, aufgeworfenen Frage, wann „eine Übersetzung richtiger als eine andere“ ist, sollen zwei verschiedene Übersetzungen nach den Kriterien Wörtlichkeit, Lesbarkeit und Adäquatheit verglichen werden. Im zweiten Beispiel, dem Titel des französischen Romans Le thé au harem d’Archi Ahmed, geht es um kulturelle Unterschiede zwischen zwei Sprachgemeinschaften und die Antizipation des Wissens der Leser. Am Beispiel des Anfangs dieses Romans wird anschließend erörtert, wie einzelne Textsegmente an spezielle Handlungen und Situationen gebunden sind und dadurch besondere Übersetzungsprobleme aufwerfen. Abschließend wird anhand des Romans The Adventures of Huckleberry Finn von Mark Twain gezeigt, wie zwei Übersetzer mit der im Roman enthaltenen fiktiven Mündlichkeit umgehen.
1 „Wann ist eine Übersetzung richtiger als eine andere?“ Übersetzungsprobleme am Beispiel des Romans Moby Dick
In der Weihnachtssonderausgabe „Zeitliteratur“ 2001 nimmt Dieter E. Zimmer zwei Neuübersetzungen4 des Melvilleschen Romans Moby Dick kritisch unter die Lupe.
[...]
1 Vgl.: Bühler 1934, 373
2 Ehlich 1994
3 Vgl.: Bühler 1934, 136
4 Zu den bisherigen Übersetzungen zählen unter anderen die weitverbreiteten Übersetzungen: von Alice und Hans Seiffert (1968),Th. Mutzenbecher u. E. Schnabel (1977) und Richard Mummenday (1964). Möglicherweise wurde eine Neuübersetzung in Auftrag gegeben, weil die bis dahin verbreiteten Übersetzungen als sprachlich veraltet oder überarbeitungsbedürftig angesehen wurden.
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