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Über einige Schwierigkeiten der Emergenz von Bewusstsein - Das Leib/Seele-Problem und Searles emergentistische Überwindung

Scholary Paper (Seminar), 2001, 38 Pages
Author: Till Spielmann
Subject: Philosophy - Philosophy of the Present

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2001
Pages: 38
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 16  Entries
Language: German
Archive No.: V30872
ISBN (E-book): 978-3-638-32045-0

File size: 295 KB
Notes :




Excerpt (computer-generated)

Universität GH Essen
Philosophische Fakultät
Hauptseminar: Bewusstsein
10. Semester

Über einige Schwierigkeiten der Emergenz von Bewusstsein.
Das Leib/Seele-Problem und Searles
emergentistische Überwindung

von: Till Spielmann

 


Inhalt

Vorbemerkung  3

1. Das Leib/Seele-Problem  5

2. Begriffskritik und Naturalisierung des Bewusstseins9

3. Möglichkeiten und Grenzen der Emergenztheorie 15

Schlussbemerkung  28

Literaturverzeichnis  31


 

Vorbemerkung

Die vorliegende Arbeit soll eine Darstellung und Analyse von John R. Searles Auseinandersetzung mit dem Leib/Seele-Problem1 leisten. Dabei soll kritisch überprüft werden, ob es Searle gelingt, zwischen der Skylla des Dualismus und der Charybdis des Monismus einen Ausweg zu finden, der seinem eigenen Anspruch einer „Lösung“ bzw. Überwindung2 des Körper/Geist- Problems gerecht wird. Searle vertritt einen „biologischen Naturalismus“3, der Bewusstsein als ein „höherstufiges Merkmal des Gehirns“4 auffasst, das von „neurophysiologischen Vorgängen im Gehirn verursacht“ wird.5 Um seinen Ansatz zu begründen, entwickelt er eine emergentistische Theorie, die insbesondere Aussagen über die kausalen Zusammenhänge von Körper und Geist sowie über die Irreduzibiltät von Bewusstsein macht.

Dabei unternimmt Searle einen Spagat zwischen Monismus und Dualismus: Mit dem Erklärungsmodell einer „kausalen Emergenz“6 hat er die Ambition, den Geist als natürliches Phänomen zu klassifizieren und zu entmystifizieren; zugleich will er anhand einer „Erste- Person-Ontologie“7 die Subjektivität von Bewusstsein untermauern, um mögliche Reduktionen auf die mikrophysikalische Kausal-Basis zu verhindern. Die Arbeit soll daher eine grundsätzliche Überprüfung der Position Searles unternehmen und auf die Möglichkeiten und Grenzen einer Emergenztheorie reflektieren.

1. Das Leib/Seele-Problem

Die Ausgangslage des Leib/Seele-Problems besteht in unterschiedlichen Auffassungen über jene Eigenschaften und Beziehungen von physischen und mentalen Phänomenen, die in irgendeiner Form miteinander korrelieren. Nach Peter Bieri8 lassen sich drei Grundannahmen rekonstruieren, von denen je zwei zum Konflikt mit der dritten führen:

(1) „Mentale Phänomene sind nicht physische Phänomene“; hiermit wird von einer grundsätzlichen ontologischen Differenz von Physischem und Psychischen ausgegangen und ein psycho-physischer Dualismus behauptet.

(2) „Mentale Phänomene sind im Bereich physischer Phänomene kausal wirksam“, d. h. Psychisches kann Physisches kausal verursachen, insofern z. B. ein Wunsch zu einer Handlung führt.

(3) „Der Bereich physischer Phänomene ist kausal geschlossen“; was einen physikalischen Vorgang bewirkt, gilt als physikalisches Ereignis. Alles physikalische Geschehen läuft nach rein physikalischen Gesetzmäßigkeiten ab; alle physikalischen Vorgänge lassen sich prinzipiell rein physikalisch erklären.

In der Tat ergeben sich Probleme, wenn an diesen Thesen im Ganzen festgehalten wird: So widerspricht der psycho-physische Dualismus (1) in Verbindung mit psychischer Verursachung (2) der These von der kausalen Geschlossenheit des Physischen (3). Des Weiteren erscheint ein psycho-physischer Dualismus (1), der von der kausalen Geschlossenheit des Physischen (3) ausgeht, nicht mit der Annahme der psychischen Verursachung (2) vereinbar. Und will man an der Überzeugung der psychischen Verursachung (2) festhalten, zugleich aber auch die These der kausalen Geschlossenheit des Physischen (3) respektieren, lässt sich der psycho-physische Dualismus (1) nicht mehr halten.

[...]


1 Im Folgenden werde ich die Begriffe ‚Leib/Seele-Problem‘ und ‚Körper/Geist-Problem‘ synonym verwenden. Dies bedarf einer kurzen Rechtfertigung, da es einerseits im angelsächsischen Sprachgebrauch kein äquivalentes Wort für ‚Leib‘ gibt und die Bezeichnung ‚mind/body-problem‘ üblich ist, andererseits das traditionelle Leib/Seele-Problem aufgrund der umfangreichen wissenschaftlichen Erkenntnisse der Neurobiologie und der neuropsychologischen Korrelationsforschung im Laufe der Philosophiegeschichte in einem neuen Licht erscheint. Nicht zuletzt die Einsichten der Evolutionstheorie und der Quantenphysik lassen das Leib/Seele-Problem nicht mehr als ein genuin metaphysisches erscheinen, sondern machen eine interdisziplinäre Zusammenarbeit von Philosophie und Naturwissenschaften unabdingbar. Und diese wissenschaftlichen Neuerungen innerhalb einer eigentlich alten Debatte sind der Grund dafür, dass auch im deutschsprachigen Raum meist nur vom ‚Körper/Geist-Problem‘ gesprochen wird, um zu suggerieren, man hätte sich allen metaphysischen Ballastes entledigt. Doch gibt es einige Hinweise darauf, dass der Kern der Problematik von Körper und Geist sich in seiner über 2000jährigen Geschichte nicht wesentlich geändert hat: So mühen sich die meisten zeitgenössischen Naturwissenschaftler und Philosophen –wer nicht zu diesen Sparten gehören möchte, bezeichnet sich als „Kognitionswissenschaftler“ – noch immer an der cartesianischen Zweiweltenlehre ab. Auch wenn es in kognitionswissenschaftlichen Kreisen zum guten Ton gehört, Descartes widerlegt zu haben, kann dies nicht darüber hinwegtäuschen, dass in den Meditationes eine Grundintuition des Menschen ausgesprochen ist: Das Psychische stellt etwas Irreduzibles dar, das sich in einem besonderen Sinne von den Entitäten der körperlichen Welt unterscheidet. Wie auch immer in dieser Frage entschieden wird, die klassischen Positionen des Leib/Seele-Problems sind auch in der aktuellen Diskussion präsent. Ein Blick in die Philosophiegeschichte offenbart zumeist, dass sich innovativ gebende Positionen der zeitgenössischen Diskussion – in welchem Gewand sie auch erscheinen mögen – nur zu oft als ‚alte Hüte‘ erweisen.

2 In Die Wiederentdeckung des Geistes spricht Searle explizit von (s)einer „Lösung“ (Searle (1996), 13) des Köper/Geist-Problems, während er in seinem aktuellen Werk Geist, Sprache und Gesellschaft vorsichtiger von einer Überwindung der Frage spricht (vgl. Searle (2001), 70).

3 Searle (1996), 13; Searle (2001), 70.

4 Exemplarisch für eine Vielzahl ähnlicher Formulierungen: Searle (2001), 70.

5 Searle (1996), 13.

6 Searle (1996), 132.

7 Searle (1996), 30; Searle (2001), 73.

8 Peter Bieri (1981): Generelle Einführung. In: ders. [Hrsg.]: Analytische Philosophie des Geistes, Königstein/Ts. 1981, 5 ff.


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