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Helden und Heldinnen: Frauen und Männer des Sturm und Drang close

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Helden und Heldinnen: Frauen und Männer des Sturm und Drang

Intermediate Examination Paper, 2004, 25 Pages
Author: Ralf Klossek
Subject: German Studies - Literature of History, Eras

Details

Event: FLS 2: Zwischen Wanderbühne und höfischem Nationaltheater. Theatergeschichte und Dramenliteratur im Kulturwandel des 18. Jahrhunderts
Institution/College: University of Hannover (Seminar für Deutsche Literatur und Sprache)
Tags: Helden, Heldinnen, Frauen, Männer, Sturm, Drang, Zwischen, Wanderbühne, Nationaltheater, Theatergeschichte, Dramenliteratur, Kulturwandel, Jahrhunderts
Category: Intermediate Examination Paper
Year: 2004
Pages: 25
Grade: 2-
Bibliography: ~ 12  Entries
Language: German
Archive No.: V31081
ISBN (E-book): 978-3-638-32191-4

File size: 288 KB


Excerpt (computer-generated)

Helden und Heldinnen: Frauen und
Männer des Sturm und Drang

von: Ralf Klossek

 


Inhalt

1. Einleitung 2

2. Was ist der Sturm und Drang? 3

2.1 13 Aspekte des Sturm und Drang 3-4
2.2 Politisch-gesellschaftlicher Hintergrund 4-5
2.3 Entstehung: Das neue Menschenbild 5-6
2.4 Die Phasen der Sturm-Bewegung 6-7

3. Der männliche Sturm und Drang 7

3.1 Johann Wolfgang Goethe: Götz von Berlichingen (1773) 7-9
3.2 Friedrich Schiller: Die Räuber (1781) 9-10
3.3 Heinrich Leopold Wagner: Die Kindermörderin (1776) 10-11

4. Frauen im Sturm und Drang: Männerphantasien 11

4.1 Die brave Jungfrau 11-12
4.2 Die Mäzenin 12
4.3 Die verkannte Muse: Goethes Schwester 12-14
4.4 Die Verführte 14-15

5. Der weibliche Sturm und Drang 15-16

5.1 Biographie Christiane Karoline Schlegel (1739-1833) 16
5.2 Christiane Caroline Schlegel: Düval und Charmille (1778) 16-18
5.3 Biographie Johanne Sophie Albrecht (1757-1840) 18-19
5.4 Johanne Sophie Albrecht: Theresgen (1781) 19-21

6. Fazit 22

7. Literaturverzeichnis 23-24


 

1. Einleitung

Der Sturm und Drang ist eine Strömung, die ausschließlich als Entwicklung der deutschen Literatur des 18. Jahrhunderts anzusehen ist. Namensgeber ist das gleichnamige Werk von Friedrich Maximilian Klinger (1752-1831). Der Sturm1 war 1770 etwas junges, aufbrausendes, etwas das keinen Kompromiss zuließ. Das emphatische Gefühl im ewigen Streit mit der Pflicht und der sprichwörtlich deutschen Disziplin. Vor allem aber war der Sturm männlich, zumindest könnte man dies annehmen, wenn man den Großteil der späteren Forschung über diese literarische Epoche betrachtet. Über die zweite Seite, die weibliche Version des Sturm, gibt es indes nur wenig zu hören und zu lesen. Frauen kommen aber auch in der männlichen Sturm-Literatur vor, meist in passiven Rollen. Andererseits schrieben Frauen auch über die Männer ihrer Zeit, und gewiss nicht bewundernd und unterwürfig. Andere Perspektiven ergeben andere Themen und andere Ideen. Im Folgenden werde ich also in mehreren Phasen beide Seiten zu ihrem Teil kommen lassen, die speziellen Intentionen der weiblichen/ männlichen Sturm-Autoren beleuchten und miteinander vergleichen.

2. Was ist der Sturm und Drang?

2.1 13 Aspekte des Sturm und Drang

Matthias Luserke hat in seinem Buch Sturm und Drang 13 Aspekte des Sturm erfasst, die ich im Folgenden verkürzt wiedergebe:2

1. Der Sturm ist die deutsche Literatur von 1770-80, die Avantgarde sein wollte. Dazu gehören die Bezeichnungen “Genie“, “Originaldichter“ usw.
2. Der Sturm setzt sich bewusst formal und inhaltlich von den Mustern der Literatur der Aufklärung ab.
3. Der Sturm sucht neue Themen (u.a. Kindsmord, Volkslieder, Shakespearianismus) oder hinterfragt alte Themen neu (Liebe, Standesunterschiede).
4. Der Sturm wurde im Geist der Aufklärung gebildet, und wendet diesen Geist kritisch gegen die eigene Gegenwart an.
5. Der Sturm sucht in der Vergangenheit, was er in der Gegenwart vermisst. Den (männlichen) Autoren geht es dabei oft um “Kraftgenies“ und “Kerls“, und um ungebändigte Sexualität statt überformter Empfindsamkeit. Es geht erstens um eigenständiges Handeln (des sog. “Selbsthelfers“), und zweitens auch um die Wirkungslosigkeit und tatsächliche Hilflosigkeit des Sturm.
6. Der Sturm beschreibt die Entdeckung des Individuellen als authentisches Erlebnis. Er schätzt die Freiheit des Einzelnen höher als die Pflichten des Subjekts.
7. Sturm ist Literatur die versucht, ihren gesellschaftlichen Standort jenseits der ständischen-hierarchischen Zuweisungen zu finden.
8. Der Sturm wehrt sich, ist kritisch, arrangiert sich nicht.
9. Technik: Der Sturm setzt sich über Regelbindungen hinweg. Es wird mit Auslassungen, Ellipsen und Verknappung gearbeitet, um die unverfälschte Sprache der Leidenschaft realistisch umzusetzen.
10. Der Sturm ignoriert literarische Gattungsgrenzen.
11. Der Sturm fordert nicht nur die Selbstbestimmung des Menschen, sondern beschreibt sie auch, und führt dabei Ideale der Aufklärung, bzw. ihr Scheitern konsequent vor Augen.
12. Der Sturm ist der erste Versuch, sich ein Scheitern der Aufklärung vorzustellen, und vergleicht dabei die Ideale der Aufklärung mit der (damaligen) Realität.
13. Der Sturm ist eine Rebellion innerhalb der Familie, gegen die Fremdbestimmung. Radikalste und revolutionäre Themen: Vatermord, Brudermord, Kindsmord.

2.2 Politisch-gesellschaftlicher Hintergrund 3

Um 1765 sind in fast ganz Europa absolutistische Herrscher an der Macht. Mit Beendigung der österreichischen Erbfolgekriege 1763 erhält Preußen Schlesien und wird so zur Großmacht. Deutschland ist in viele kleine Fürstentümer unterteilt, in denen die Fürsten mit fast uneingeschränkter Macht regieren. Kritische Bemerkungen gegen die Ordnung werden hart bestraft. Das 18. Jahrhundert ist als eine Epochenwende und als Beginn der modernen Zeit bezeichnet worden. Im inneren der Staaten hemmten starre Standesschranken zwischen Adel, Bürgern und Bauern die soziale und wirtschaftliche Entwicklung. In jener Zeit entwickelten sich neue ökonomische Kräfte und es bildeten sich neue soziale Klassen heraus: der Industriekapitalismus und das handeltreibende Bürgertum. Dies führte langsam zur Auflösung der alten Ständegesellschaft und zur Bildung der bürgerlich-egalitären Gesellschaft, die nicht mehr gewillt war, die politische und kulturelle Vorherrschaft des Adels als gottgegeben und unveränderlich hinzunehmen. Diese Veränderungen griffen auf das kulturelle und somit auch auf das literarische Leben über. An die Stelle der höfischen trat eine neue Literatur, die die Leitgedanken der Aufklärung (Vernunft, Rationalität, Gleichheit und Humanität) zu verbreiten suchte.

[...]


1 Anm.d.Verf.: Ich werde im weiteren Verlauf für “Sturm und Drang“ nur noch die Abkürzung “Sturm“ verwenden.

2 Vgl. Luserke, Matthias: Sturm und Drang. Autoren - Texte - Themen. Stuttgart: Reclam, 1999. S. 10-14.

3 Vgl. Venske, Sophie: Frauenfiguren in der Literatur der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts bis zur ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. http://www.hausarbeiten.de/faecher/vorschau/7256.html (16.09.2004).


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