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Hauptseminararbeit, 2003, 61 Seiten
Autor: Diana Bading
Fach: Dolmetschen / Übersetzen
Details
Institution/Hochschule: Humboldt-Universität zu Berlin (Institut für Anglistik)
Tags: Literarische, Analyse, Tolkien, Lord, Rings, Grammatik, Poetik, Linguistische, Aspekte, Texte
Jahr: 2003
Seiten: 61
Note: 2,3 (gut)
Literaturverzeichnis: ~ 14 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-34714-3
Dateigröße: 912 KB
26 Seiten Hausarbeit plus Anhang
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Textauszug (computergeneriert)
Humboldt-Universität zu Berlin
Institut für Anglistik
LITERARISCHE ANALYSE UND
ÜBERSETZUNGSVERGLEICH
J.R.R. TOLKIEN: THE LORD OF THE RINGS
Diana Bading
Übersetzungswissenschaften Eng., Span.
HS: Poetik und Grammatik
WS 2002/03
INHALTSVERZEICHNIS 1
VORWORT 2
1 LITERARISCHE ANALYSE – THE LORD OF THE RINGS 4
1.1 KLÄRUNG DES BEGRIFFS “LITERARISCH” IN LITERARISCHER PROSA 4
1.2 ZUSAMMENWIRKEN VON SPRACHE UND LITERARISCHEM EFFEKT 4
1.2.1 Die Grundstimmung des Romans 5
1.2.2 Gollum 6
1.2.3 Elrond 8
1.2.4 Saruman 9
1.2.5 Die Orks 9
1.2.6 Die Zwerge 11
1.2.7 Die Ents 11
1.2.8 Die Hobbits 12
1.3 FAZIT 14
2 ÜBERSETZUNGSVERGLEICH 15
2.1 ÜBERSETZBARKEIT DER LITERARISCHEN EFFEKTE 15
2.2 VERGLEICH DES ORIGINALS MIT DEN ÜBERSETZUNGEN VON MARGARET
CARROUX UND WOLFGANG KREGE 16
2.2.1 Gollums Naivität und Schizophrenie 16
2.2.2 Elronds archaischer Charakter 18
2.2.3 Sarumans Sinn für Fortschritt 19
2.2.4 Die primitiven Orks 19
2.2.5 Die „abgebrochenen“ Zwerge 20
2.2.6 Die langsamen Ents 21
2.2.7 Die einfachen und merkwürdigen Hobbits 21
3 SCHLUSSBEMERKUNG 24
BIBLIOGRAFIE 25
SELBSTSTÄNDIGKEITSERKLÄRUNG 26
ANHANG – AUSSCHNITTE DES ORIGINALS UND DER ÜBERSETZUNGEN 27
VORWORT
Vom literarisch-künstlerischen Standpunkt aus betrachtet scheint der Roman The Lord of the Rings nach Meinung einiger Literaturkritiker kaum von Bedeutung zu sein. Edmund Wilson unterstellt dem Autor sogar „wenig erzählerisches Geschick und keinen Instinkt für literarische Form“ [Wilson 1984, 54], als er sich ziemlich vernichtend über das Buch äußerte. Dass es Tolkien jedoch zum Beispiel gelungen ist, vor allem die Perspektiven der in diesem Roman vorkommenden Charaktere durch sprachliche Besonderheiten deutlich zu machen, werde ich im Folgenden aufzeigen.
Auch existieren sehr unterschiedliche Meinungen zu den beiden auf dem deutschen Markt veröffentlichten Übersetzungen. Es soll jedoch nicht Sinn dieser Arbeit sein, zu bestimmen, welche besser gelungen ist, sondern nur darzulegen, inwiefern sich die eine von der anderen unterscheidet. Bevor ich jedoch zu meiner Analyse komme, werde ich des Verständnisses wegen so kurz wie möglich – es sind immerhin mehr als 1300 Seiten Text – beschreiben, worum es sich in The Lord of the Rings handelt.
Es ist ein Fantasy-Roman, dessen Geschichte sich im Dritten Zeitalter in Mittelerde abspielt, wo viele verschiedene Völker von Sauron, dem Dunklen Herrscher, bedroht werden. Seine Macht ist durch einen Ring begründet, der vernichtet werden muss, um Sauron endgültig zu besiegen. Diesen einen Ring verlor Sauron in einem Gefecht, das in einem früheren Zeitalter stattfand. Nun besitzt ihn Bilbo, ein Hobbit aus dem Auenland, der jedoch zu alt geworden ist, um zu den Schicksalsklüften des Vulkans im Herzen von Saurons Land Mordor zu reisen und den Ring dort zu zerstören. Sein Neffe Frodo übernimmt also diese Aufgabe und wird bei dieser Reise von einer gemischten Gesellschaft begleitet: drei andere Hobbits (Sam, Merry und Pippin), zwei Menschen (Boromir, Sohn Denethors, der das Land Gondor regiert, und Aragorn, sein noch unerkannter rechtmäßiger König), ein Zwerg (Gimli), ein Elb (Legolas) und der Zauberer Gandalf als Anführer. Nahe Mordor werden Frodo und Sam von den anderen Gefährten getrennt und setzen den Weg allein fort, wobei sie auf das Geschöpf Gollum treffen, das den Ring früher einmal besaß und ihm seitdem verfallen ist. Die anderen betreiben inzwischen zusammen mit dem Baumvolk der Ents und den Menschen von Rohan den Sturz Sarumans, eines Zauberers, der die Macht des Ringes für sich vereinnahmen will. Sie helfen in Gondor bei der Niederschlagung einer von Saurons Armeen und versuchen in einer letzten Schlacht Saurons Aufmerksamkeit von den zwei Hobbits abzulenken, die sich zur gleichen Zeit dem Schicksalsberg nähern. Nach vielen Hindernissen, denen sich die beiden gegenübersehen, wird der Ring – und damit Sauron – letztendlich zerstört. In Mittelerde herrscht wieder Frieden, Aragorn wird König von Gondor. Die Hobbits kehren ins Auenland zurück. Einige Zeit später verlässt Frodo das Auenland und Mittelerde und bricht mit den Elben zu den Unsterblichen Landen auf.
Im ersten Kapitel werde ich den Roman einer literarischen Analyse unterziehen, die jedoch aufgrund seiner Komplexität wahrscheinlich nicht bis in s kleinste Detail erfolgen kann und sonst den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde. Als Einleitung dient die Beantwortung der Frage, was an Prosa überhaupt literarisch ist. Danach werde ich einige Thesen entwickeln und belegen, wie die Sprache in The Lord of the Rings zu bestimmten literarischen Effekten führt.
Das zweite Kapitel ist dann dem Vergleich des Originals mit den zwei publizierten deutschen Übersetzungen von Margaret Carroux und Wolfgang Krege gewidmet. Darin wird es um die Übersetzbarkeit der literarischen Effekte gehen, die ich im ersten Kapitel beschrieben habe. Des weiteren werde ich feststellen, inwiefern sich die Übersetzungen unterscheiden.
In der Schlussbemerkung fasse ich dann die aus dieser Arbeit gewonnenen Erkenntnisse kurz zusammen.
Doch erst einmal zur literarischen Analyse.
1 LITERARISCHE ANALYSE – THE LORD OF THE RINGS
1.1 KLÄRUNG DES BEGRIFFS “LITERARISCH” IN LITERARISCHER PROSA
Laut Jakobson zeichnet sich eine dichterische Äußerung durch die Projektion der Äquivalenz von der paradigmatischen Achse der Selektion auf die syntagmatische Achse der Kombination aus. [Jakobson 1960, 83] Dies gilt nicht nur für die Poetik, sondern auch für die Prosa. Das wichtigste Merkmal literarischer Prosa ist wohl die regelmäßige Wiederkehr äquivalenter Einheiten, die sich auf lexikalischer, morphologischer, grammatisch-syntaktischer oder sogar phonologischer Ebene ausdrücken können, also die Form eines literarischen Textes ausmachen, die immer mehr oder weniger auf dessen Inhalt schließen lässt. Die sprachliche Struktur ist daher unter anderem ein Element, durch das Prosa erst „literarische Qualität“ erhält. Die verschiedenen Stilmittel haben die Aufgabe, dem Rezipienten (in dem Fall dem Leser) auf formeller Ebene zu suggerieren, was auf der inhaltlichen Ebene manchmal sogar nicht gleich zu erkennen ist. Sie dienen aber auch der Verstärkung der inhaltlichen Aussage eines Werkes.
Aufgrund dieser Erkenntnis kann man behaupten, dass bei literarischen Texten das Relevanzprinzip zugunsten der gewählten Strukturen und Formen teilweise in den Hintergrund rückt und damit ebenfalls der Grundsatz der leichten Verarbeitbarkeit eines Textes.
Die Beachtung sowohl der inhaltlichen als auch der formellen Ebene literarischer Texte ist besonders wichtig für deren Übersetzung, denn Form und Inhalt spiegeln sich wechselseitig und dürfen daher nicht getrennt voneinander betrachtet werden. Dieses Beziehungsgeflecht muss bei der Übersetzung soweit wie möglich rekonstruiert werden, um dem ausgangssprachlichen Text und dessen Aussage gerecht zu werden. [Doherty 2000, 1]
Im Folgenden werde ich Merkmale literarischer Prosa am Beispiel des Romans The Lord of the Rings näher analysieren.
1.2 ZUSAMMENWIRKEN VON SPRACHE UND LITERARISCHEM EFFEKT
Wie gesagt spiegeln sich die inhaltlichen Elemente immer in der sprachlichen Form wieder. Laut Halliday dient Sprache in erster Linie dem Ausdruck von Inhalt und erfüllt damit eine repräsentative Funktion [Halliday 1973, 105]. In The Lord of the Rings geht es um den Kampf zwischen Gut und Böse, der Frage nach der Natur des Bösen, um Tod und Unsterblichkeit und um Hoffnung, wo kaum Hoffnung besteht. An vielen Stellen des Romans verbreitet sich daher eine gewisse düstere Grundstimmung, die der Autor auf semantischer Ebene mittels Paradigmen hervorhebt, die ich später genauer beschreiben möchte.
Um die Perspektiven der verschiedenen Charaktere im Roman zu repräsentieren, verwendet der Autor unterschiedliche grammatische Strukturen. Ich werde dies deutlich machen am Beispiel der Figuren Gollum, Elrond (einem Elb) und Saruman, da hier die sprachliche Darstellung am markantesten ist. Die Besessenheit Gollums kommt durch formelle Wiederholungen zum Ausdruck, seine Schizophrenie durch zwei verschiedene Sprachstile. Elronds Unsterblichkeit und Erhabenheit stellt der Autor mit altertümlichem Sprachgebrauch dar. Der Hang Sarumans, nach Fortschritt zu streben, ist durch moderne Redeweise zu erkennen.
Obwohl man bei diesen einzelnen Figuren eigene Charakterzüge deutlich erkennen kann, stehen aufgrund des Gemeinschaftsgedankens in The Lord of the Rings jedoch eher die unterschiedlichen Eigenschaften und Lebensarten der Völker Mittelerdes im Vordergrund. Dies wird, abgesehen von den unterschiedlichen Sprachen, auch an ihrem Sprachstil festgemacht. Die Ästhetik, die Erhabenheit und das hohe Alter der Elben wird schon am Beispiel Elronds deutlich gemacht. Orks sind das genaue Gegenteil. Ihre Grässlichkeit drückt sich durch einen vulgären Sprachgebrauch aus, häufige Futurformen deuten auf den Fortschritt, die Zukunft hin. Ihre Existenz als Armee zeigt sich in den Befehlsformen. Zwerge reden abgebrochenen Sätzen, was auf ihre Größe, aber auch auf ihre Wortkargheit hinweist. Die Langsamkeit der Ents repräsentiert Tolkien mittels sehr vieler Wiederholungen und Partikeln. Ents kommen nicht auf den Punkt. Dadurch wirkt alles, was sie tun, auch sehr langsam und bedächtig. Die Schlichtheit der Hobbits zeigt sich auch in der Schlichtheit ihrer Rede.
Die Art und Weise, mit der Tolkien die vorwiegend dunkle Grundstimmung und die Perspektiven der Charaktere und der Völker Mittelerdes in seinem Roman sprachlich umsetzt, werde ich im Folgenden an ausgewählten Stellen genauer analysieren und beschreiben.
1.2.1 Die Grundstimmung des Romans
[....]
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