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Details

Veranstaltung: Universität Lausanne
Institut: Universität Lausanne
Tags: Robert, Walser, Kleist, Thun, Universität, Lausanne
Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2005
Seiten: 31
Note: angenommen, gute Arbeit
Literaturverzeichnis: ~ 18  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 486 KB
Archivnummer: V36234
ISBN (E-Book): 978-3-638-35910-8
Anmerkungen :
Eine hermeneutische Analyse. Vergleich der fünf franz. Übersetzungen mit ihrem Original.

Textauszug (computergeneriert)

Universität Lausanne

Robert Walser "Kleist in Thun" im Übersetzungsvergleich

von

Yvonne Luterbach

2005

 

INHALTSANGABE

1. EINFÜHRUNG 2
1.1 DAS FREMDE BEI WALSERS KLEIST IN THUN 2
1.2 MEINE ARBEITSHYPOTHESE 2
1.3 EINGRENZUNG DES THEMAS 3

2. ROBERT WALSERS LEBEN 4

3. ZUR GESCHICHTE DES PROSASTÜCKS KLEIST IN THUN 6
3.1 WALSERS BEZIEHUNG ZU KLEIST 6
3.2 WALSERS MOTIVATION ZU KLEIST IN THUN 8
3.3 GESCHICHTE DER ÜBERSETZUNGEN 9

4. VERGLEICH DER ÜBERSETZUNGEN MIT DEM ORIGINAL 12
4.1 SPRACHLICHE EBENE 12
4.2 RHYTHMUS 16
4.3 PERSPEKTIVENFÜHRUNG 20
4.4 DIALEKT 24
4.5 FIGUR KLEIST 25

5. SCHLUSSFOLGERUNGEN 28

6. BIBLIOGRAPHIE 30

 

1. Einführung

1.1 Das Fremde bei Walsers Kleist in Thun

Walsers Kleist in Thun kann dem Leser bei einem ersten und oberflächlichen Lesen als eine Teilbiographie Kleists erscheinen. Tatsächlich gleicht Walsers Kleist-Figur dem historischen Kleist. Walser baut die biographischen Einzelheiten von Kleists Aufenthalt in Thun und wenige Briefzitate nur in verfremdeter Form in seinen Text ein. Die grosse Distanz des Erzählers zu Kleist am Anfang und am Ende der Prosa ist durch den zeitlichen Abstand, aber auch gesellschaftlich abgegrenzt, der Erzähler ist Aktienbierbrauereiangestellter und Kleist ist Schriftsteller aus einem gehobenen Bürgertum. Beides hebt trotz der zeitweiligen Quasi- Verschmelzung von Erzähler, Kleist und Walser selbst, die Fremdartigkeit des Textes hervor.

Im literarischen Diskurs wurde versucht, den Fremdheitscharakter des Kleist in Thun genauer zu analysieren, was dazu führte, dass verschiedene Theorien dazu entwickelt wurden. Aber gerade in Kleist in Thun kann diese Fremdheit, die den Text prägt, nicht eindeutig auf den Punkt gebracht werden.

1.2 Meine Arbeitshypothese

Die Übersetzungen sind eine andere Form des Fremdverstehens. Die Übersetzer müssen die Vielzahl der Formen der Fremdheit im Ausgangstext in ihren eigenen sprachlich-kulturellen und historischen Diskurs um-übersetzen.1

Der Übersetzungsvergleich zeigt Differenzen in den Zieltexten auf und trägt dazu bei, diese als Dunkelzonen des Fremden zu erkennen. Man spricht in diesem Kontext auch von Alienität2, dem Fremden, das erst im Übergang von einer Kultur zur anderen, beziehungsweise von einem System zum anderen sichtbar wird (interkulturell, strukturell). Demzufolge sind Differenzen in den Zieltexten Indikatoren für Stellen, die mittels einer Sprache nicht repräsentiert werden können. Der Vergleich des Ausgangstextes mit den Zieltexten hilft nun die Fremdartigkeit solcher Stellen zu begreifen.

Ziel der Übersetzungen ist es jedoch nicht die Fremdartigkeit des Ausgangstextes zu interpretieren, sondern sie unter Einbezug der kulturellen und historischen Distanz in den Zieltext zu übertragen. Dadurch, dass das Fremde in den Zieltexten umschrieben und mimetisiert wird, kann es Teile seines Fremdcharakters verlieren und sich als etwas „Vertrautes“ oder „ Nahes“ aus dem Text herauskristallisieren.

Meine These lautet demzufolge, dass in den Übersetzungen von Kleist in Thun der Fremdcharakter im Ausgangstext durch die Distanz zwischen dem Ausgangs und den Zieltexten in diesen verloren geht. Die Fremdheit der Figur Kleist im Ausgangstext ist nicht mehr dieselbe in den Zieltexten. Unter dem Licht der vergleichenden Lektüre werden aber auch bisher verborgene Besonderheiten des Ausgangstextes sichtbar. 
In der folgenden Arbeit werde ich einige dieser Dunkelzonen des Fremden mit Hilfe der vergleichenden Lektüre aus den Zieltexten herausarbeiten, thematisch gruppieren und abermals mit dem Ausgangstext vergleichen.

1.3 Eingrenzung des Themas

Im folgenden Übersetzungsvergleich beschränke ich mich auf die fünf zwischen 1963 und 1999 entstandenen französischen Übersetzungen und dem 1907 veröffentlichten Original Walsers. Ich werde dabei nicht weiter auf die germanistische Interpretation eingehen.

Aufgabe der folgenden Arbeit ist es, die Differenzen der vergleichenden Lektüre auszuwerten nicht aber zu bewerten; das Bewerten ist Sache der Kritik.

Bevor ich aber näher auf den Übersetzungsvergleich eingehe, möchte ich die Entstehungsgeschichte von Kleist in Thun näher betrachten und somit den Literatur-historischen Rahmen des Prosastücks beleuchten.

[....]


1 Vgl. dazu Utz, Peter: Unkenntlicher Kleist. Facetten des Fremden in den Übersetzungen von Robert Walsers Kleist in Thun. In: Zwiesprache: Beiträge zur Theorie und Geschichte des Übersetzens. S. 132.

2 Vgl. dazu Weber, Irene: In Wärmende Fremde, Fremdartige Heimlichkeiten, Robert Walser mit den Augen der Übersetzung gelesen. S. 82f.

Kommentare

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