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Qualitative Forschung – nur der kleine Bruder quantitativer Methoden? Eine Frage vor dem Hintergrund der qualitativen Verfahren: Inhaltsanalyse nach Mayring und Grounded Theory-Ansatz

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2003, 22 Pages
Author: Natalia Schlichter
Subject: Pedagogy - Science, Theory, Anthropology

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2003
Pages: 22
Grade: 1
Bibliography: ~ 3  Entries
Language: German
Archive No.: V37385
ISBN (E-book): 978-3-638-36747-9
ISBN (Book): 978-3-638-77245-7
File size: 205 KB
Notes :
Eine gelungene Arbeit über die zwei zentralen Methoden der Datenerhebung und -auswertung in den empirischen Humanwissenschaften: Inhaltsanalyse nach Mayring und Grounded Theory-Ansatz gibt einen guten Überblick über die Vorgehensweise. Dichter Text - einzeiliger Zeilenabstand


Abstract

In den Sozialwissenschaften, so wie Erziehungswissenschaft, werden vorzugsweise quantitative Methoden bei der Datenerhebung und Auswertung verwendet. Denken wir z. B. an einen Fall aus dem pädagogischen Bereich, wenn eine neu entwickelte Unterrichtmethode auf die Probe gestellt und mit der traditionellen Lehrmethode verglichen wird. Nach der Implementationsphase der neuen Methode in Schulen will man sich, als Mitentwickler der Methode, Rückmeldung über diese verschaffen. Damit allerdings die Ergebnisse ernster aussähen, entwickelt man ein standardisiertes Instrument, z. B. einen standardisierten Fragebogen, mit dem LehrerInnen, SchülerInnen und andere an dem Schul- und Unterrichtsgeschehen beteiligten Personen nach ihrer Meinung bezüglich der Neuerung befragt werden. Mit Hilfe der quantitativen Auswertungsmethoden kommt man zu einem Ergebnis, das aussagekräftig ist und das man nun präsentieren kann. So ein oder ein ähnlicher Fall, selbstverständlich nicht so vereinfacht, wie in dem oben beschriebenen Beispiel, stellt den Forschungsalltag in den Erziehungswissenschaften dar. Dies lässt den einen oder anderen sich die Frage stellen: „Wo bleiben denn die LehrerInnen und SchülerInnen mit dem, was sie diesbezüglich sagen würden, wenn sie nicht nur Kreuzchen in einem Fragebogen machen sollten, sondern auch Möglichkeit bekämen, ihre individuellen, wenn auch nicht standardisierten Meinungen zu äußern? Besteht die Möglichkeit, die Beteiligten zu befragen, ohne dass ihre Meinung durch die Fragen eines Tests manipuliert oder zumindest in eine gewünschte Richtung gelenkt wird? Und wenn ja, kann dann trotzdem von einem gesicherten Ergebnis gesprochen werden?“ Diese kritische Frage wollen wir mit dieser Arbeit ansatzweise beantworten, wobei natürlich eine Schlussfolgerung im Sinne, eine Forschungsmethode ist besser als die andere, nicht angestrebt wird. [...]


Excerpt (computer-generated)

Qualitative Forschung – nur der kleine Bruder gualitativer Methoden?
Eine Frage vor dem Hintergrund der qualitativer Verfahren:
Inhaltsanalyse nach Mayring und Grounded Theory-Ansatz

von: Natalia Schlichter

 


Inhaltsverzeichnis

1. Die qualitativen im Vergleich zu den quantitativen Methoden 3

1.1. Das zentrale Unterscheidungsmerkmal 3
1.2. Geschichtlicher Hintergrund der Inhaltsanalyse 5
1.3. Ziel der qualitativen Methoden 5

2. Interview - Königsweg der qualitativen Datenerhebung 6

2.1. Das Leitfaden-Interview 8
2.2. Das Erzählgenerierende Interview 10

3. Qualitative Auswertungsmethoden am Beispiel der Inhaltsanalyse 11

3.1. Allgemeine Schritte einer qualitativen Auswertung 11
3.2. Inhaltsanalyse nach Mayring 14
3.3. Grounded Theory-Ansatz 18

4. Gütekriterien von qualitativen Methoden 19

4.1. Gütekriterien qualitativer Datenerhebung  19
• Objektivität
• Reliabilität
• Validität

4.2. Gütekriterien qualitativer Datenanalysen 20
• Interne Validität
• Externe Validität

5. Qualitative vs. quantitative Methoden 21

6. Literaturverzeichnis 21



1. Die qualitativen im Vergleich zu den quantitativen Methoden

In den Sozialwissenschaften, so wie Erziehungswissenschaft, werden vorzugsweise quantitative Methoden bei der Datenerhebung und Auswertung verwendet. Denken wir z. B. an einen Fall aus dem pädagogischen Bereich, wenn eine neu entwickelte Unterrichtmethode auf die Probe gestellt und mit der traditionellen Lehrmethode verglichen wird. Nach der Implementationsphase der neuen Methode in Schulen will man sich, als Mitentwickler der Methode, Rückmeldung über diese verschaffen. Damit allerdings die Ergebnisse ernster aussähen, entwickelt man ein standardisiertes Instrument, z. B. einen standardisierten Fragebogen, mit dem LehrerInnen, SchülerInnen und andere an dem Schul- und Unterrichtsgeschehen beteiligten Personen nach ihrer Meinung bezüglich der Neuerung befragt werden. Mit Hilfe der quantitativen Auswertungsmethoden kommt man zu einem Ergebnis, das aussagekräftig ist und das man nun präsentieren kann.
So ein oder ein ähnlicher Fall, selbstverständlich nicht so vereinfacht, wie in dem oben beschriebenen Beispiel, stellt den Forschungsalltag in den Erziehungswissenschaften dar. Dies lässt den einen oder anderen sich die Frage stellen: „Wo bleiben denn die LehrerInnen und SchülerInnen mit dem, was sie diesbezüglich sagen würden, wenn sie nicht nur Kreuzchen in einem Fragebogen machen sollten, sondern auch Möglichkeit bekämen, ihre individuellen, wenn auch nicht standardisierten Meinungen zu äußern? Besteht die Möglichkeit, die Beteiligten zu befragen, ohne dass ihre Meinung durch die Fragen eines Tests manipuliert oder zumindest in eine gewünschte Richtung gelenkt wird? Und wenn ja, kann dann trotzdem von einem gesicherten Ergebnis gesprochen werden?“
Diese kritische Frage wollen wir mit dieser Arbeit ansatzweise beantworten, wobei natürlich eine Schlussfolgerung im Sinne, eine Forschungsmethode ist besser als die andere, nicht angestrebt wird.

1.1. Das zentrale Unterscheidungsmerkmal

In den Sozialwissenschaften werden zwei Forschungsrichtungen unterschieden: quantitative und qualitative Methoden. Mit der Unterscheidung dieser Verfahren wird ein interpretatives Paradigma angedeutet. Dort, wo die quantitative Forschung nach Gesetzmäßigkeiten und allgemein-gültigen Prinzipien des menschlichen Handelns sucht, bemüht sich die qualitative Forschung darum, einzelne Ereignisse zu verstehen. Menschen handeln nicht nach vorgesetzten Rollen, Maßstäben oder Normen, deswegen wird bei qualitativen Sozialwissenschaften die individuelle Ebene in den Mittelpunkt gestellt. Das zentrale Instrument der Datenerhebung der qualitativen Methoden ist das Interview (vgl. 2), das der quantitativen ist z. B. der standardisierte Fragebogen.
Die Auswertungsverfahren der quantitativen Methoden verlangen nach standardisierten Daten, bei denen das Messniveau für die Testauswahl entscheidend ist. Es existiert eine Mehrzahl von quantitativen Testsverfahren, welche hier aufzulisten, die Rahmen der Arbeit übersteigen würde. Die Auswertungsverfahren der qualitativen Forschung, wie z. B. Inhaltsanalyse, werden im Weiteren ausführlicher dargestellt (vgl. Kap. 3).
Die qualitativen Verfahren, wie alle anderen Methoden, entstanden nicht in einem leeren Raum. Es gab gewisse Entwicklungen in den verwandten Wissenschaften, die Einfluss auf die Verfahren der Sozialwissenschaften hatten. Diese geschichtlichen Hintergründe sollen im Folgenden erwähnt werden.

1.2. Geschichtlicher Hintergrund der Inhaltsanalyse

Die Inhaltsanalyse, als das zentrale Verfahren der qualitativen Forschung, wurde „im wesentlichen zu Beginn dieses Jahrhunderts (besonders in den 20er Jahren) in den USA entwickelt, vor allem, um das enorme Datenmaterial der sich entfaltenden Massenmedien (Radio, Zeitungen) systematisch auswerten zu können.“ (Mayring 1995, S. 209) Ihre Ansätze stammen aus quantitativen Verfahren. Zu Anfang wurden solche Methoden wie Häufigkeitsanalysen entwickelt, bei denen bestimmte Textbestandteile gezählt wurden, z.B. wie oft wurden in einer Zeitung bestimmte politischen Parteien erwähnt. „Valenz, Intensitätsanalyse, die das Material nach vorgegebenen Skalen einschätzen […]; Kontingenzanalysen, bei denen Zusammenhänge von Textbestandteilen analysiert werden“ sind weitere Beispiele hierzu (ebenda, S. 209). Die Inhaltsanalyse stammt aus den Kommunikationswissenschaften, von denen solche Verfahren wie die Konversationsanalyse zusammen mit ihrer zentralen Idee übernommen wurden. Die Kommunikation, die soziale Interaktion wurde selbst zum interpretativen Prozess. Der Grund dafür ist in der Kritik an der quantitativen Forschung zu finden: Die Versuchspersonen werden durch die standardisierten Instrumente nicht zu Wort kommen gelassen. Sie werden auf das bloße Reagieren auf vorgegebene Kategorien reduziert, und so in die Untersuchung als reaktives Objekt aufgenommen. Die neue Richtung qualitativen Charakters versucht die soziale Realität zu analysieren, wozu sie solche Instrumente wie Beobachtungen und Befragungen in natürlichen, alltäglichen Situationen einsetzt.

1.3. Ziel der qualitativen Methoden

„Das Ziel von Inhaltsanalysen ist die systematische Bearbeitung von Material aus Kommunikationen.“ (Mayring 1995, S. 209) Das Hauptanliegen hier ist das Protokollieren, Festhalten von Kommunikationsmaterial. Die Inhaltsanalyse beansprucht, der systematischen Auswertung in verschiedenen Bereichen dienen zu können. Nicht nur verbales Material sondern auch latente Sinngehalte können zum Gegenstand von Inhaltsanalysen werden. Vor allem dort, wo große Mengen an Material bearbeitet werden, ist die Inhaltsanalyse hilfreich. Ebenfalls anzuwenden sind qualitative Methoden im Rahmen von Pilotstudien. Im ersten Kapitel wurden zwei Forschungsrichtungen in den Sozialwissenschaften mit ihren zentralen Gedanken vorgestellt. Ebenfalls wurde geschichtlicher Rahmen und Einsatzbereiche von qualitativen Verfahren erwähnt. In den nächsten Kapiteln werden wir näher auf einzelne Schritte der qualitativen Datenerhebung wie der Auswertung eingehen. Dabei wird das Interview als zentrales Instrument der qualitativen Datenerhebung mit zwei Arten, dem Leitfaden- und dem Erzählgenerierenden Interview vorgestellt. Nachdem die allgemeinen Schritte der qualitativen Datenauswertung aufgezeigt werden, soll die Inhaltsanalyse nach Mayring und der Grounded Theory-Ansatz ausführlicher beschrieben werden, wobei die Leistungen und Grenzen der beiden Verfahren aufzuzeigen sind. Zum Schluss dürfen die Gütekriterien der qualitativen Methoden nicht vergessen werden, da sich diese von den der quantitativen Methoden unterscheiden.

2. Interview - Königsweg der qualitativen Datenerhebung

[...]


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