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On what there is. Zur Rolle der Sprache als erkenntnistheoretischem Fundament der Wahrnehmung sozialer Welt in der Theorie Pierre Bourdieus

Termpaper, 2002, 10 Pages
Author: Frank Lachmann
Subject: Sociology - Classics, Basics and Theoretical Directions

Details

Category: Termpaper
Year: 2002
Pages: 10
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 5  Entries
Language: German
Archive No.: V37783
ISBN (E-book): 978-3-638-37038-7

File size: 245 KB
Notes :
In dieser Arbeit wird das Verhältnis zwischen sprachlichem Tausch und der Wahrnehmung der sozialen Welt in der Theorie Bourdieus beleuchtet. Dabei wird vor allem auf Sprache und Sprachproduktionsmechanismen als Mittel sozialer Distinktion eingegangen.



Excerpt (computer-generated)

Universität Hamburg
Institut für Soziologie
Proseminar: Lektürekurs Pierre Bourdieu

On what there is. Zur Rolle der Sprache als
erkenntnistheoretischem Fundament der Wahrnehmung
sozialer Welt in der Theorie Pierre Bourdieus

von: Frank Lachmann

 


Inhalt

0. Abstract

1. Phänomenologie und Ontologie des sprachlichen

a) Phänomenologie des sprachlichen Tauschs
b) Ontologie des sprachlichen Tauschs

2. Schlussfolgerungen und kritische Anmerkungen

Literatur


 

0. Abstract

In dieser Arbeit soll die von Bourdieu in verschiedenen Werken gegebene Charakterisierung von Sprache als Instrument und Ergebnis der Erzeugung sozialer Distinktion nachgezeichnet und anschließend hinsichtlich ihrer Relevanz für die Grundlagen sozialen Wissens bzw. Wissens um die soziale Welt untersucht werden.

Bourdieu zufolge ist festzuhalten, daß sowohl die Art der Eigen- und Fremdwahrnehmung der Akteure im sozialen Raum (d.h. für den Habitus) als auch das, was es in diesem Raum überhaupt gibt (Entitäten im weitesten Sinne verstanden; Strukturen, Probleme etc.)1, was von den Akteuren als existent wahrgenommen wird2, von zwei Faktoren abhängt, nämlich erstens davon, welche Akteure aus welchen Feldern die herrschende Klasse im Feld der Macht bilden und damit in der Lage sind, ihre ´Sicht der Dinge` zu artikulieren, und zweitens davon, ob diese Sicht auch von den anderen Akteuren als die richtige und damit legitime anerkannt wird. Erst dann, wenn beiden Faktoren Genüge getan ist, können künftige Benennungsakte erfolgreich verlaufen.

Diese Deutung der Konstruktion sozialer Welt bedeutet für Bourdieus Ansatz, daß, da es die Sozialwissenschaften immer mit schon Benanntem zu tun haben3, für den Fall, daß sie sich dennoch nicht einfach in den herrschenden Diskurs eingliedern und damit das vorgegebene Inventar an sozialen Entitäten wie Klassen, Schichten, Machtstrukturen usw. als schlicht so seienden Arbeitsmittelbestand anerkennen wollen, es ihre vornehmliche Aufgabe sein muß, hinter diese Kennzeichnungen zurück zu gehen und erstens zu ermitteln, welche objektiven Kräfte hie r auf welche Weise ihre legitimierte Weltsicht4 durchsetzen und zweitens den (zwangsweise) Verstummten, d.h. aufgrund ihres sprachlichen Klassenhabitus aus dem herrschenden Diskurs Ausgeschlossenen Möglichkeiten des Widerstands gegen diese subtile Form der sprachlichen Enteignung an die Hand zu geben. 5

1. Phänomenologie und Ontologie des sprachlichen Tauschs

Die Sprachtheorie Bourdieus läßt sich hinsichtlich zweier Dimensionen verstehen, die, obgleich sowohl ursächlich als auch bezüglich ihrer Wirkmacht eng zusammenhängend, dennoch verschiedene Ebenen der Ausprägung sprachlichen Ausdrucks beschreiben. Dieser Multifunktionalität soll hier durch die separate Untersuchung beider Dimensionen Rechnung getragen werden; so wird auch die gesonderte Behandlung der Phänomene des sprachlichen Austauschs unter werkimmanenter Perspektive verständlich. Hiermit ist der Unterschied gemeint zwischen der auf der einen Seite eher auf die Analyse der Bedingungen der Möglichkeit der Entstehung einer habituellen, mit der Klassenzugehörigkeit gleichzeitig koinzidierenden und sie beständig reproduzierenden Gesamtverfassung abzielenden Untersuchung in „Die feinen Unterschiede“6, derzufolge die Sprache zunächst nur ein Distinktionsmerkmal unter anderen ist, und der, auf der anderen Seite, auf die Analyse der Produktion, Legitimation und Distinktion von (Lebens-)Welt und Klassenzugehörigkeit von und durch Sprache absteigenden Erwägungen in „Was heißt Sprechen?“. Ich werde zunächst schildern, wie sich die Zusammenhänge von Sprache und sozialer Welt an der Oberfläche darstellen, um danach auf die dahinterliegenden Strukturen der Spracherzeugung und –bewertung einzugehen.

a) Phänomenologie des sprachlichen Tauschs

[...]


1 Das heißt besonders: was diskutierbar und diskussionsfähig ist; s. a. Bourdieu, Pierre: Die verborgenen Mechanismen der Macht. Schriften zur Politik und Kultur 1. Hamburg 1997, S. 82, im folgenden ´(VM)`

2 Bourdieu würde die Frage, ob es Entitäten in der sozialen Welt gibt, die keinem Akteur bekannt sind, wahrscheinlich verneinen – es scheint, als zöge er, der phänomenologischen Tradition folgend, zumindest jedoch als Neu-Kantianer, eine ähnliche ontologische Trennlinie zwischen dem, „was es gibt“ und dem, „was ist“. „Es gibt“ dürfte auch nach Bourdieu als zweistelliges Prädikat zu verstehen sein (´Es gibt x für y`, in diesem Falle für die Akteure im sozialen Raum).

3 Bourdieu, Pierre: Was heißt Sprechen? Die Ökonomie des sprachlichen Tauschs. Wien 1990, S. 73, im folgenden ´(WS)`

4 Tatsächlich ist der Begriff der Weltsicht hier gar nicht weit genug zu fassen: Strukturen, Entwicklungen, Machtverhältnisse, kurz alle Formen komplexer sozialer ´Gefüge` und Probleme sind, als abstrakte, den Einze lfall transzendierende Entitäten, ja gar nicht anders auf sprachliche Weise zu gewahren.

5 (VM), S. 8. – Genüge getan hat Bourdieu selbst diesem Anspruch sicherlich mit der Schaffung von „Das Elend der Welt“, dessen Ehrgeiz es eben ist, diejenigen, die sonst nicht gehört bzw. deren Aussagen sofort als zu subjektiv, zu ungenau, schlicht unqualifizierte abgetan werden, Gehör zu verschaffen. (Bourdieu, Pierre et al. : Das Elend der Welt. Zeugnisse und Diagnosen alltäglichen Leidens an der Gesellschaft. Konstanz 1997)

6 Bourdieu, Pierre: Die feinen Unterschiede. Kritik der gesellschaftlichen Urteilskraft. Frankfurt a. M. 1982, im folgenden ´(FU)`

7 Die prägnantesten Aussagen hierzu finden sich im Abschnitt „Politik, Bildung und Sprache“ und „Die verborgenen Mechanismen der Macht enthüllen“ in (VM) sowie im ersten Teil und dritten Teil von (FU).


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